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Nu. 22.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

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Seite 5.

durch oft genug sich Lehrer in Gegen satz zu der minder bemittelten und arbeitenden Bevölkerung bringen. Seine üngeren Kollegen dürfen sich an ihm ein Beispiel nehmen. Wir Mitglieder des Arbeitervereins wünschen ihm Glück in seiner neuen Stellung.

Aus dem Nreise Als feld-Cauterbach.

k. In Alsfeld fand am Sonntag eine öffentliche, recht gut besuchte Holzarbeiterversammlung statt, in welcher Kollege Engelmann ⸗Worms ein mit Bei⸗ fall aufgenommenes Referat über den Nutzen der gewerk⸗ schaftlichen Organisation hielt. Er wies darauf hin, was durch die deutschen Gewerkschaften erreicht und noch mehr verhütet worden sei denn ohne die Orga⸗ nisation würden die Verhältnisse noch viel mehr unter⸗ drückt und ausgebeutet werden, als dies heute schon überreichlich der Fall ist. Redner ging dann auf die Leistungen und Erfolge des Holzarbeiterverbandes näher ein und forderte die Alsfelder Kollegen zum Anschluß auf, soweit dies noch nicht der Fall sei. Wann wird aber die Masse der Alsfelder Holzarbeiter mal zur Ein⸗ sicht kommen? Hier trifft man so erbärmliche Arbeits⸗ verhältnisse, wie sonst wohl nirgends. Der übliche Wochenlohn beträgt 12 Mk. und davon soll der Arbeiter bei den hohen Lebensmittelpreisen und Wohnungsmieten eine Familie menschenwürdig ernähren? Alsfelder Holz⸗ arbeiter! Schließt Euch darum dem Verbande an! Der vorige Woche abgehaltene Verbandstag in Köln hat auch die Einführung einer Krankenunterstützung beschlossen, was für viele Kollegen einen Vorteil bedeutet. Was wir aber hier noch teilweise für Arbeiter haben, das haben wir neulich bei einem Arbeiterjubiläum in der Horndrechslerei Raab gesehen. Der treue und biedere Jubilar sagte bei dieser Gelegenheit zu Herrn Raab: Alle Arbeiter, die in dem Stadtpark verkehren und der Stadtpark selbst, müßte ausgerottet werden. Soll man einen solchen Menschen noch für zurechnungsfähig halten? (Anmerkung der Redaktion. Wie sich der Jubilar das Ausrotten vorstellt, ob mit Gift oder Feuer und Schwert, wissen wir nicht. Was aber in der Regel das Schicksal solcher Jubiläums⸗Arbeiter ist, das lehren zahlreiche Beispiele. Ein neues dieser Art finden die L ser in der heutigen Beilage.)

* Der verseuchte Gemeindebrunnen. Aus Schotten berichteten dieser Tage die Blätter:Einen üblen Streich hat in Stornfels ein Mann den Bewoh⸗ nern dadurch gespielt, daß er sich in dem einzigen Brunnen ertränkte, woraus sämtliche Dorfbewohner während der Sommermonate ihr Wasser holen müssen. Die Wasserverhältnisse sind in dem auf hohem Bergkegel gelegenen Dörfchen an und für sich schon recht traurige. Jeder Bewohner hat in seiner Hofreite eine Grube, worin jedes Tröpfchen Regenwasser aufgefangen wird, das zum Tränken des Viehes dieut. Wasser zum Kochen aber mußte stets in jenem Brunnen geholt werden, der am Abhange des Berges liegt. Natürlich will nach dem traurigen Vorfalle niemand mehr dieses Brunnen⸗ wasser benützen, lieber schleppen die Bewohner aus dem am Fuße des Kegels gelegenenLindenborn das un⸗ entbehrliche Naß hinauf in ihre Wohnungen. Da aber auch das Wasser dieser Quelle im Sommer nicht benutzt werden kann, so ist man genötigt, mit hohen Kosten einen neuen Brunnen zu bauen. Was den Mann zu demüblen Streiche veranlaßt hat, wird nicht gesagt. Wir wissen es auch nicht; meinen aber, aus purer Schadenfreude und bloß um die Leute zu ärgern wird er sein Leben wohl nicht aufgeopfert haben. Es ist müßlg, sich darüber in Vermutungen zu ergehen; was uns aber mehr interessiert, sind die erbärmlichen Wasserverhältnisse, die nach obiger Schilderung

in der Gemeinde bestehen. Das ist ja fast ebenso schlimm als in den afrikanischen Sandwüsten! Läge es nicht im allgemeinen Interesse und wäre es nicht Aufgabe des Staates hier helfend und bessernd einzugreifen? Aber freilich, dazu ist kein Geld da, aber Millionen, Milliarden Mark werden in Afrika und den übrigen unserer gesegneten Kolonien nutzlos und zwecklos ver⸗ pulvert! Es ist das auch ein kleines Beispiel für die Verrücktheit der herrschenden Politik.

Aus dem Rreise Wetzlar.

Ueber das Gemeindefinanzwesen kam es in der letzten Stadtverordnetensitzung zu einer prinzipiellen und gewiß auch weitere Kreise inter⸗ essierenden Auseinandersetzung. Es war die Frage, ob Fondswirtschaft oder Anleihewirtschaft, aufgeworfen wor⸗ den. Der Frage lag die Tatsache zu Grunde, daß die Stadt ein Gelände zur späteren Betriebserweiterung einer Gasanstalt zum Preise von 50000 Mk. erwirbt. Der Kauf ist ein bedingter. Die Stadt muß innerhalb 20 Jahren von ihrem Kaufrecht freiwillig Gebrauch machen, da sie schwerlich von dem Verkäufer nach Ver⸗ lauf der Kaufrechtsfrist dazu gezwungen wird, weil dann das Gelände einen viel höheren Wert hat. Stadtver⸗ ordneter Michaeli stellte die Frage: wie kommt die Stadt am billigsten zu den 50 000 Mark, die sie in 20 Jahren nötig hat. Er beautragte:Es sollen all jährlich aus dem Rohgewinn der Gasaupralt 2000 Mk. auf Zins und Ziuseszinsen(mit Prozeut) einem besonderen Fonds zügeführt werden, bis nach 18 Jahren der Betrag von 50 000 Mark erreicht ist. Als Be- gründung führt der Antragsteller die Tatsache an, daß eine eventuelle Anleihe von gleicher Höhe mit 3,8 Prozent Zinsen und 1,5 Prozent Tilgung 34 Jahre lang 2650 Mark jährlich kostet. Beim Fonds 18 Jahre je 2000 Mark. Der Vorteil der Fondsbildung liegt auf der Hand. Sie belastet die umlagefähige Steuer⸗ einheit, welche in Wetzlar 146000 Mark beträgt, mit etwa 1/ Prozent nur 18 Jahre, während durch die Anleihe die Belastung 34 Jahre lang etwa 1,8 Prozent beträgt. Der Bürgermeister v. Zengen und Stadtver⸗ ordneter Kaiser sprachen sich dahin aus, daß manden kommenden Geschlechtern die Beschaffung der 50 000 Mk. überlassen solle. Die Abstimmung über den Antrag wird später stattfinden und man darf gespannt sein, wie die Stadtverordneten entscheiden werden, tun doch die meisten immer so, als sei ihnen die ewige Pump⸗ wirtschaft ein Greuel. Denkommenden Geschlechtern wird es an Gemeindeschulden und Steuern sowieso nicht fehlen, zumal es Leute gibt, die im Lokalpatriotismus recht unzuverlässig sind, da sie sich bisweilen die Sache fern von Madrid, d. h. von Wiesbaden her, ansehen.

Im Krofdorfer Gemeinderat herrschen seit einiger Zeit merkwürdige Gepflogenheiten. Beschlüsse über wichtige Angelegenheiten werden einfach dadurch herbei⸗ geführt, daß den Gemeinderatsmitgliedern die Anträge ꝛc. durch den Ortsdiener zur Unterschrift ins Haus geschickt werden. Das ist ja gewiß sehr bequem, doch wir halten es für notwendig, daß wichtige Beschlüsse, wie z. B. die Bewilligung des Beitrags zur Herstellung der Feld⸗ wege erst nach vorhergängiger gründlicher Beratung ge⸗ faßt werden. Warum protestieren unsere Genossen nicht dagegen?

(Weiteres Wetzlar siehe Beilage.)

Aus dem Rreise Marburg⸗-Ricchhain.

Wahlverein. Die am Samstag stattgefundene Wahlvereins⸗Versammlung war leider nicht so stark besucht, wie sie in Anbetracht

der wichtigen Tagesordnung hätte sein sollen. Parteisekretär Gen. Rudolf ⸗Frankfurt hielt zunächst eine sehr lehrreichen und interessanten Vortrag über: Internationalie mus in der Sozial⸗ demokratie. Der Vortrag, der von der Ver⸗ sammlung mit der größten Aufmerksamkeit an⸗ gehört wurde, fand lebhaften Beifall. Ein weiterer wichtiger Punkt der Tagesordunng war die Aufstellung eines Reichstagskan⸗ didaten für unseren Wahlkreis. Nach einer gründlichen Aussprache beschloß man einstimmig, den Gen. Dißmann⸗Frankfurt, als Reichs⸗ tagskandidaten aufzustellen. Nach erfolgter Aus⸗ gabe der neuen Parteimitgliedsbücher wurde noch beschlossen, daß die Beiträge für den Wahlverein von jetzt ab im Hause einkassiert werden.

Als Opfer der Arbeit ist am Samstag vormittag der Genosse Konrad Eckhardt gefallen. Er kam auf gräßliche Weise ums Leben, indem er auf der Marburger Kreisbahn, wo er als Bahnarbeiter beschäf⸗ tigt war, zwischen einen fahrenden Zug und die Güter⸗ schuppenrampe geriet, wobei er vollständig zusammenge⸗ quetscht wurde. Nach wenigen Minuten war er eine Leiche. Eckhardt stand erst im 28. Lebensjahre und war eine Stütze seiner Eltern. Wir werden ihm ein gutes Andenken bewahren.

Vom Millionen⸗ Konkurs Schramm. Am Montag fand vor dem Amtsgericht die Versteigerung der Schrammschen Häuser statt. Der in der Marktgasse gelegene neuerbaute Palast, welcher einen Wert von 400 000 Mk. repräsentiert, wurde für 223 000 Mark von einem Rechtsanwalt erstanden, während dieWolfsburg veräußert wurde. 0

Die Zahl der Studierenden an der Marburger Universität beträgt in diesem Sommersemester 1717 Immatrikulierte, 56 Hörer und 28 Damen zusammen 1801 Personen. Es ist die bisher höchst erreichte Zahl.

Genosse Scheidemann hat am Samstag in der Reichstagssitzung einen Unfall erlitten. Er glitt beim Heraustreten aus den Bänken auf dem schrägen Boden aus, stürzte und verstauchte sich dabei das linke Handgelenk recht erheblich. Der freisinnige Abg. Mugdan ließ ihm die erste ärztliche Hilfe angedeihen.

Versammlungskalender. Samstag, den 3. Juni. Lollar. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Schupp. Rödgen und Trohe. Wahl- und Arbeiter⸗ verein. Versammlung abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wirt Balßer. Zahlreich erscheinen!

Zuschriften aus Butzbach, Langenbergheim, Gießen, Wetzlar mußten zurückgestellt werden. Krofdorf. Herrn Lehrer Hofmann. Ihre Erklärung kann erst in nächster Nummer erscheinen.

Altenbuseck!

Am zweiten Pfingstfeiertage von nachm. ½4 Uhr ab:

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