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Mitteldeutsche Sountags- Rettung.
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Pñingsten. Wieder geht der Geist der Pfingsten Jugendkräftig durch die Welt; Wieder sind es die Geringsten, Denen er sich zugesellt.
Zu des Reichtums stolzen Nallen Lenkt er zögernd nur den Fuß; Rach den Hütten, halbzerfallen, Bringt er eilend seinen Gruß.
Lehrt die Jugend Mut und Treue Für des Volkes ewig Recht,
Kräft'gen Glauben an das Neue: Niemands Herr und niemands Knecht.
Auf die Herzen, auf die Pforten! Streut ihm Sweige, frisch und grün! Daß aus seinen Götterworten
Mut und Hoffnung euch erblühn!
Mut, den schweren Kampf zu wagen In der Menschheit letztem Krieg, Mut, die Opfer zu ertragen, Frohe Hoffnung auf den Sieg! e
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Ein nächtlicher Ruf. Von Stefan Großmann.
Ein Geheimnis ist die festeste Klammer zwischen zwei Menschen. Natürlich meine ich mit dem Worte Geheimnis nicht etwa ein so schofles Großstadtgeheimnis, das alle Welt „unter uns gesagt“ kennen lernt. Auch nicht eine Sache, die man eine zeitlang aus Gefällig⸗ keit für irgend jemanden nicht weiter sagt, und dann vergißt. Geheimnisse, echte Geheim⸗ nisse, das sind Dinge, die man einmal durch einen verhängnisvollen Zufall auf dem Grunde der Seele eines anderen ein paar Sekunden lang sah und nie wieder! Daß man solche Momente nicht vergißt, ist selbstverständlich, und das man niemals von ihnen eine Silbe redet, ist noch viel selbstverständlicher. Ein solches Geheimnis will ich lüften. Einen ganz geheimen Punkt aus dem Leben des Schul⸗ direktors Hoferer und seiner Frau Auguste Ach, wird jetzt irgend ein vorschneller Unter⸗ brecher spötteln, deshalb die spannende Einlei⸗ tung, damit wir jetzt eine spannende Schul⸗ anekdote angehören?.... Ja, eben deshalb, doch ist es keine Schul⸗, sondern eine Lehrer⸗ anekdote. Du gähnst? Du sagst:„Na, das kann ein recht fades Geheimnis werden. Soll man's wirklich lüften?“ Nun, abgesehen davon, daß diese Lehrergeschichte in kein Lesebuch paßt, muß ich sie erzählen, denn sie enthält einen so großherzigen, rechtzeitigen, genialen Frauen⸗ 7 daß man sie schon deshalb erzählen muß.
Schon deshalb, damit ihr eine Ahnung kriegt, was für ein wunderbarer Kerl die alte Schuldirektorsgattin Auguste Hoferer gewesen ist. Natürlich, wie sie jung war. Damals hieß sie noch Auguste Fürnkranz und wohnte bei ihrem Papa in der Volksschule am Tabor in Wien. Daß ihr Vater auch Volksschul⸗ direktor war, wißt ihr ja. Hoferer war damals noch provisorischer Unterlehrer. Er kam zu⸗ weilen Abends in die Schule am Tabor ler selbst unterrichtete in einem weit entfernten Be⸗ zirk) und blieb zum Abendessen beim Direktor Fürnkranz. Der hatte ihn gern, denn Hoferer war damals ein milchweißes, zartes dreiund⸗ zwanzigjähriges Bürscherl, mit einem ganz kleinen, hellen Schnurbärtchen und prachtvollen dunklen Augen in dem germanisch lichten Ge⸗ sicht. Hoferer kam, weil er sich gleich beim zweiten oder dritten Male in die„Guste“ ver⸗ liebt hatte. Natürlich hätte er sie am liebsten vom Fleck weggeheiratet, aber, ihr wißt ja, zein probtsorischer Unterlehrer“.... Sie, die Gusti, war gerade so verbrannt wie er, und
was das Schönste war, der alte Fürnkranz
war ganz selig über dieses Paar. So, nur so konnte er sich den Mann für die Gusti vor⸗ stellen! Einen frischen jungen Kerl, der von Kummer und Nervostität noch nicht voll Falten war, einen schwärmerischen lieben Kerl, kura⸗ giert, aber doch kein Frechling, einen schlanken ausgeturnten Burschen, dem Ange ein Wohl⸗ gefallen, und dabei eine tapsige, generöse, ge⸗ duldige Seele.... Die Besonnene in der ganzen Familie war die alte Fürnkranz, die, wie so viele gute alte Weiber, die vernünftigen Spleßerbedenken mit Geschicklichkeit verteidigte.
„Bis Sie wenigstens definitiver Unterlehrer sind!“ sagte sie mit Entschiedenheit, und dabei sollte es bleiben. O Gott, das dauerte Fürchterlich viel Zeit ließ sich der hohe Gemeinde⸗ rat, ehe er einige Beförderungen von provi⸗ sorischen Unterlehrern vornahm. Und war Hoferer erst nicht darunter. Warten ist über⸗ haupt eine martervolle Beschäftigung, aber auf eine Frau lange warten, dabei kommt am Ende meist etwas recht ekliches heraus. Ich sag's euch offen, für einen Mann, der auf seine Frau etwa ein paar Jahre lang„wartet“, für den hab' ich eigentlich nur ein Gefühl, als müßte ich vor shm ausspucken, übrig. Eine wirkliche Liebe kann man nicht für ein paar Jahre lang in den Eiskeller legen. So ein vorsichtiger Beamter, der sechs, acht Jahre seiner schönsten Jugend, bis er die richtige Rang⸗ stufe erreicht,„wartet“, der fängt vielleicht mit einer reinen großen Leidenschaft an, aber er steckt bald in der ekelhaftesten Verlogenheit oder in den unreinlichsten Erniedrigungen drin. Ein langer Brautstand pumpt gerade das beste aus dem Innern der jungen Leute heraus, das Frische, das Naturgewaltige, den stürmisch un⸗ beirrten Trieb. Was übrig bleibt, ist ein dürf⸗ tiges bißchen geschickte Berechnung, verbrämt mit einem unreinen Spielen und Reizen. Jede Zärtlichkeit wird da so fürchterlich bewußt, jede Hingebung so infam vorbereitet und so niederträchtig abgebrochen. Ah, pfui, als Liebe beginnen diese vernünftigen Brautstände, als Lüst⸗ elei enden sie. Haltet ihr den Schuldirektor Hoferer für ein Genie? Ich auch nicht. Da⸗ mals hatte er die Frische, den hübschen Ha⸗ bitus der Jugend, er hatte auch die gutmütige Anhänglichkeit des Verliebten, aber ohne seine Frau wäre er vielleicht niemals zu den zwan⸗ zig Jahren seiner beispiellos glücklichen Ehe gekommen, deren Abglanz noch heute auf seinem guten, rosigen, weißhaarigen Schädel liegt. Nämlich er sah ein, daß Frau Fürnkranz mit ihrer Mahnung recht hatte:„Bis Sie nur erst wenigstens definitiv sind!“ Er hätte sich auf ein Haar ins Warten ergeben! Zwar jeden Abend wurde es ihm fürchterlich schwer. Stand er, so im Vorzimmer mit seiner Braut— von den anderen hatte er sich schon im Speisezimmer verabschiedet— und umarmte sie in der Dunkel⸗ heit, so gab es manchmal Momente, wo er vor Sehnsucht fast umsinken wollte. Das Blut stieg ihm zu Kopfe, er preßte sich an ihren Körper, er küßte sie, daß er ihre harten Zähne an den seinen fühlte....„Gustt!“ rief dann endlich Mama Fürnkanz vom Speisezimmer hinaus. Sie rissen sich voneinander los, und er stieg wie ein Betrunkener hinunter. Daß er die Hände geballt hatte— auf dem ganzen langen Wege vom Tabor bis auf die Land⸗ straße— das wußte er nicht einmal Solche Wartezeit ist Gift. Eine junge Leiden⸗ schaft will hinauf oder hinunter, will verbrennen verlöschen; knurrend warten wie ein demütiger Mops, das kann fie nicht
Das Schulhaus am Tabor lag am Ende der Häuserreihe. Punkt neun Uhr stand Hoferer allabendlich im Speisezimmer auf, fünf Minuten später rief Frau Fürnkranz„Gusti“ ins Vor⸗ zimmer, und gleich darauf ging er beim Haus⸗ tor hinaus. Da gingen gewöhnlich Mädeln mit ihrem Schatz spazieren. Seit einer Woche begegnete dem Unterlehrer mitten auf dem menschenleeren Heimweg ein Frauzimmer, das eine lange Strecke durch dieselben Gassen wie er ging, das sich zuweilen nach ihm umdrehte und ihm direkt ins Gesicht schaute. Die ersten Male hatte er sie kaum bemerkt, eines Tages war ste aber im Lichte einer Laterne so absicht⸗ lich stehen geblieben, daß er ihr ins Gesicht
sehen mußte. Er erkannte ste... Es war eig ehemaliges böhmisches Dienstmädchen aus dem Schulhause, das aber jetzt ganz großstädtisch gekleidet daherging. Er ging weiter.
Am nächsten Abend, punkt neun Uhr, sagte er wieder im Speisezimmer Adieu. Im Vor⸗ zimmer umarmte er die Gusti.„Ich erstick“, flüsterte sie atemlos. Plötzlich nahm er ganz behutsam ihre Hände, legte sie auf die Wangen und blieb einige Sekunden regungslos stehen. „Was hast Du?“ fragte ste fast bestürzt. Da drückte er ste wieder wie ein Rasender an sich.
Frau Fürnkranz rief. Aber Gustt kam nicht. Sie wagte sich nicht aus seinen Armen zu rühren. „Gusti!“ rief Frau Fürnkranz heute ein zweites Mal. Jetzt erwachte er, ließ ste los und ging. Die Tür fiel zu.... Sie trat zurück ins er⸗ leuchtete immer. Vater und Mutter waren gut genug, sie jetzt nicht viel zu fragen.„Ich geh' heut zeitlicher schlafen“, sagte sie leise. „Geh', Kinderl, geh' gleich“, erwiderte der Di⸗ rektor. Sie gab dem Vater einen Kuß, der Mutter einen Handkuß und ging. Durch's Vorzimmer sollte sie in ihr Schlafzimmer. Aber wie sie da plötzlich wieder im Dunkel stand, wo sie vor einigen Sekunden in seinen Armen gelegen, da überkam ste plötzlich eine namenlose Angst, wie von Furien gepeinigt, stürmte ste zur Tür, klinkte ste auf und— im Nu war ste draußen...... Auf der ausgestorbenen Landstraße ging er schnell vorwärts. Sie sah ihn und wußte nicht, sollte sie laufen oder stehen bleiben? Ihn rufen oder ganz still bleiben?... Plötzlich, was sah sie da? Drei Schritte neben ihm ging eine Frau. Sie lief ein Stück nach vorne, daun aber fürchtete sie sich, gehört zu werden, und schritt ganz sachte vorwärts.
Im Lichte einer Laterne blieb das Frauen⸗ zimmer stehen. Er sieht sie einen Augenblick an, senkt dann den Kopf und geht weiter. Nun beginnt das Frauenzimmer schneller zu gehen, mit frech gehobenen Röcken, sich jeden Augen⸗ blick umwendend, so recht wie eine.... Jetzt ist das Weibsbild vor ihm. Guste merkt, wie er nun langsam den Kopf hebt, sie sieht, wie er die Gestalt des Frauenzimmers von oben bis unten betrachtet.... prüft... zuerst das Gesiht, dann die Waden. Todesangst steige ihr in die Kehle. Jetzt geht das Frauen⸗ zimmer langsamer, aber so, daß er, wenn er absichtlich nicht ausweicht, knapp an ihr vorbei⸗ kommen muß. Sie sieht, die Dirne hat den Kopf zu ihm gewendet, ein einladendes Wort auf den Lippen. Langsam, ohne von der Linie abzuweichen, nähert sich ihr Hoferer. In der nächsten Sekunde
„Anton!“ Der Ruf gellt über die Straße. Hoferer fährt, denn er kennt die Stimme, tief erschreckt zusammen, blickt und läuft zurück In dieser Nacht ist die Direktorstochter nicht nach Hause gekommen. Vierzehn Tage später haben sie geheiratet. Im nächsten Jahre wurde er definitiv.... Von dieser nächtlichen Szene ist zwischen den Gatten niemals die Rede ge⸗ wesen. Ich glaube, er hat nie geahnt, wie scharf ste in dieser Nacht gesehen hat. Und doch hat dieser kurze nächtliche Ruf sein besseres Ich erst ordentlich zum Bewußtsein gebracht. Viel⸗ leicht gar, ich habe die großen Vermutungen gern, sind durch diesen beherzten, genial recht⸗ zeiligen Ruf zwei Schicksale erst fest begründet worden. N
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Humoristisches. g
Darum! Warum ist der Reichsadler schwarz? Weil er ein Pechvogel ist.
Offenherzig.„Frau Meyer, Sie sagen immer: Mein Seliger“... Ihr Mann ist doch nicht gestorben, sondern nur von Ihnen geschieden!?“—„Deshalb ist er ja selig.“
Dekoriert. Ein biederer Landpfarrer erfährt während des Gottesdienstes, daß sein etwas beschränkter Neffe einen Orden bekommen habe.„Guter Jesus“, sagt er, indem er die Hände zum gekreuzigten Christus erhebt,„mein Neffe und Du sind die einzigen, die ihr Kreuz nicht verdient haben.“ 5


