Nr. 22.
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Mitteldentsche Sounags⸗Zeitung. f
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war ste aber auch eine Antwort auf den selbst⸗ herrlichen Kommandoton, den der Oberst Deim⸗ ling dem Reichstage gegenüber anzuschlagen für gut fand. Deimlings rücksichtsloses Drauf⸗ ängertum, sein Bekenntnis zum absoluten Zarismus schuf eine rollkommen klare Sach⸗ lage und schnitt den schwankenden Gestalten der Mitte dadurch den Rückzug ins Negierungs⸗ lager vollständig ab.
Am Montag wurde die Sache wieder ein bischen eingerenkt. Durch die Abstimmung am Samstag war nicht nur das Kolonialamt, sondern auch das Gehalt des Kolonial⸗ direktors abgelehnt. Gröber vom Zentrum suchte deshalb zu vermitteln und beantragte, den vorherigen Zustand wieder Verzustellen. Das gelang schließlich auch. Unsere Partei⸗
nossen stimmten natürlich gegen alle Kolonial⸗ orderungen.
Hierauf wurde der Reichstag bis zum 13. November vertagt.
Politische Aundschau.
Gießen, den 31. Mai 1906.
Ar. 22.
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1 aa een nicht für den orfalle bekann! Hurt dez Be. In Saarabien gehen die Industrickapitalisten
wan nur dub auch gegen die frommen christlichen Gewerk⸗ uu hler fe schaftler vor und die Burbacher Hütte hat „ deen bob einige hundert Arbeiter, von denen viele mehr . baldel als 20 Jahre für sie gearbeitet haben wegen g f ihrer Zugehörigkeit zur christlichen Gewerkschaft 0 wuschen dei schlankweg aufs Pflaster geworfen. Gegenwärtig a spielt der Handelskammersyndikus Alexander F. Blenke Tille die Rolle des Hauptscharsmachers. Dieser Venn Menschenfreundschrieb kürzlich in der„Südwest⸗ . 1, ü 110 eutschen Wirtschaftskorrespondenz“ folgendes: 1 n l 17„Es ist ja ein ganz netter philosophischer Sport, 11 12 aus zuklügeln, welche„Rechte“ jeder Mensch hat. 5 97 110 Aber wenn eins stcher ist, so ist es das, daß 15 1 55 keine menschliche Gesellschaft jemals bestehen 7 st könnte, wenn jeder diese Rechte auch nur zur e 50 1920 Hälfte ausüben wollte. Vielleicht lernen auch l die 10 u die Herren Wernerus und Zühlke(ersterer Ge⸗ it schu 115 werkschaftssekretär, letzterer Hauptredakteur der d bon 15„ Saarbr. Ztg.“) noch einmal, daß das ganze men u Heschwäz von Menscheurechten in die 0 Jumpelkammer hinein gehört und daß cheuso. praktische Leben von der Wechselwirkung, ia Mahn 1 n wirtschaftlichen und sozialen Kräften ge⸗ 1 deser in Eldet wird. Es ist nicht die Schuld des indu. wle verhifk“ sttiellen Unternehmertums, daß die Kräfte des ier Ee und des beherrschenden Willens volte, 5st noch immer die Tendenz haben, die Lebens⸗ hn ee 5 geschicke der Träger der Muskelkraft im wesent⸗ 5 bang u. Uchen zu bestimmen.“ den nagt 1 5 Das ist die Weltanschauung der beute⸗ opalholtti 1 gierigen Plusmacher⸗ und Aus beutersippe, die sonzrecht zuch ihr Wortführer hier zum Besten gibt.„Wir be⸗ Ind die Herren und ihr seid die Knechte.“ Der denburg 6 Arbeiter ist dazu geboren für die Herren zu . Sulde 5 arbeiten, deren Willkür er sich in jeder Beziehung 9 stinpst bon zu fügen gat. Sogar die Ehristlichen, die poch en der* nauf dem Standpunkte der„Harmonie“ stehen, 11 kagfihee die den Klassengegensatz leugnen, werden wegen feghetken, uel ubrer Verbandszugehörigkeit aufs Pflaster ge⸗ 6 gerchenfel worfen! Hoffentlich werden sie dadurch zur Erkenntnis gebracht und sehen ein, daß ste mit nich rat! ihrer christlichen Verbandsspielerei nicht weiter gohe leber kommen, sondern daß die gesamte Arbeiterklasse 0 Feulgunge ich zusammenschließen muß, um der Willküt⸗ 0 0 bocbelnund Gewaltpolitik des Ausbeutertums entgegen⸗ una rwaldelzutreten.— So muß auch das brutale Auf⸗ nent ung gegelkteten der Tille und Konsorten unserer Sache ne ch, itzen, die Arbeitssklaven Saarabiens werden t dern guhendlich aus ihrem ewigen Schlafe gerüttelt und 4 00 0 Wen berichtet wird, soll die Gährung unter ihnen
0 ber Aken eine gewaltige sein.
lc pie Fre. Kennzeichnend für den„sozialen Geist“ des he, tt, unsaarabischen Unternehmertums ist auch die Tat⸗ le schten dasuche, daß die großindustriellen Verbände Süd⸗ 60 te gehlwestdeutschlands, unter Führung des famosen dale idwes Dr, Tille, ein Rundschresben an die Mitglieder 11 kewillg, der Verbände gerichtet haben, in dem diese auf⸗ 104 ch gel gefordert werden, ihre Druckaufträge in erster b a alen Line den tariffreten Druckereien zusu, ebe anden, um diese in ihrem schweren Kampre egen die„Tarifknechtschaft“ zu unterstützen.
Also Kampf gegen die Buchdrucker⸗Tarifge⸗ meinschaft, die sogar Regierungen durch Bevor⸗ zugung unterstützen, weil das im Interesse der Allgemeinheit liegt! So sieht die„Arbeiter⸗ freundlichkeit“ eines Teiles des deutschen Unter⸗ nehmertums mit dem vielgerühmten„sozialen Geiste“ aus! Und so wird noch ein anderer großer Teil denken, sagts nur nicht öffentlich!
Ein vernünftiger⸗Polizei⸗Erlaß.
Der Polizeipräsident von Frankfurt a. M. hat einen Erlaß an die einzelnen Polizeivorstände gerichtet, in dem es u. a. heißt:„Ich werde fortan die Dienststellenvorsteher persönlich mit für jede vorkommende gesetzlich unge⸗ rechtfertigte Sistierung oder Festnahme verantwortlich machen und jeden Polizei⸗ beamten mit Arrest bestrafen, der sich durch eine ungerechtfertigte Festnahme oder Sistierung einen Uebergriff zu Schulden kommen läßt. Außerdem werde ich fortan auf das schärfste gegen jeden Uebergriff in der Behandlung der Festgenommenen, ins⸗ besondere auch auf den Polizeiwachen, un nach⸗ sichtlich einschretten.“ Man muß aner⸗ kennen, daß dieser Erlaß sich vorteilhaft von dem unterscheidet, was man sonst von der preußischen Polizei gewohnt ist. Vielleicht ließen die Breslauer Brutalitäten dem Frankfurter Polizeipräsidenten diesen Erlaß angebracht erscheinen. Er wäre allen, auch den hessischen Poltzeiobersten zur Nachahmung zu empfehlen.
Dreschgraf Pückler wird Republikaner.
Obwohl der Graf Pückler gegenwärtig seine Festungsstrafe in Weichselmünde abzubrummen hat, kann er es sich doch leisten, in Berlin wieder öffentliche Schaustellungen zu geben. Das Eintrittsgeld dazu ist um 50 Prozent erhöht und kostet jetzt 30 Pfg. Ueber eine solche Vorstellung wird berichtet, daß Pückler erklärte, er sei aus seiner Festungshaft in Weichselmünde nur beurlaubt und müsse wieder auf die„alte Saubude“ zurück. Sein Gnaden⸗ gesuch an den Kaiser auf Erlaß des Restes seiner Strafe sei abschlägig beschieden worden. Das sei(hier folgte eine Wendung, die wir mit Rücksicht auf den Majestätsbeleidigungs⸗ paragraphen unterdrücken), zumal seine, Pücklers, Famllie den Hohenzollern wertvolle Dienste geleistet habe. In seinem Vortrag über das Thema„Die in Fäulnis geratene Gesellschaft“ bezeichnete sich Pückler dann als„revolutio⸗ nären Sozialisten, der das deutsche Volk zum Kampfe führen wolle gegen die Fürsten“.„Wenn die Hohenzollern(auch der Schluß dieses Satzes kann nicht wieder⸗ gegeben werden),„dann werden wir in Zukunft ihnen fremd und feindselig gegenüberstehen.“ Vor allem müsse die Zivilliste des Kaisers um zehn Millionen gekürzt werden. Als Graf Pückler bei dieser Gelegenheit einen heftigen Ausfall gegen den Kaiser machte, griff der überwachende Polizeihauptmann zu seinem Helm, um die Versammlung aufzulösen. Der Vor⸗ sitzende verhinderte dies dadurch, daß er die Versammlung auf zehn Minuten vertagte. Dieser Vorsitzende, ein junger Mensch, mußte sich übrigens von Pückler eine recht sonderbare Behandlung gefallen lassen. Als er während des Vortrages um„Ruhe für den Grafen ersuchte, fuhr ihn der gräfliche Redner an: „Ach, halten Sie den Schnabel!“ Die Harmonte wurde aber dadurch nicht weiter gestört..
Die Wandlung Pücklers zum Gegner der Hohenzollern und der Mouarchie braucht uns nicht weiter zu interessieren, man wird möglicher⸗ weise in dieser Beziehung noch manches erleben. Aber wir fragen: würde ein sozialdemokratischer Redakteur, der eine Strafe abbüßt, beurlaubt werden, daß er Versammlungen abhalten könnte 21
Parlamentswahlen in Belgien und in Dänemark
haben vergangene Woche stattgefunden. In Belgien, wo ein für die Arbeiter und weniger bemittelte Bevölkerung nachteiliges Plural (Mehrstimmen⸗) Wahlrecht besteht, wurde am Sonntag gewählt. Es war die Hälfte der Kammer zu erneuern; man glaubte, daß diese
Wahlen die klerikale Mehrheit und Regierung beseitigen würden. Das ist leider nicht gelungen, obwohl die Opposition— Liberale und Sozia⸗ listen— einige Mandate gewannen. Die Kle⸗ rikalen behalten immer noch eine Mehrheit von 12 Stimmen und bleiben infolgedessen am Ruder. Unsere Parteigenossen verfügen über 31 Sitze.
Die Wahlen zum Dänischen Folkething waren am Dienstag. Das Resultat liegt bis zur Stunde, wo wir dies schreiben, noch nicht vollständig vor, doch gewannen unsere Partei⸗ genossen bisher fünf Sitze.
Gestürzte Ministerien.
In Oesterreich hat das erst seit ein paar Wochen im Amte befindliche Ministerium Hohenlohe bereits wieder demisstoniert. Ein Freiherr v. Beck übernahm die Bildung eines„parlamentarischen“ Kabinetts.— In Italten stürzte das Ministerium Son nino, und Giolitti kam wiederum ans Ruder.
Kleine politische Nachrichten.
Ein bedeutender sozialistischer Wahlsieg wird aus Seraing, einem großen Industrieorte bei Lüttich in Belgien, gemeldet. Bei den Gemeindewahlen, die dort am 20. Mai stattfanden, siegten fämtliche sozialistischen Kandidaten im ersten Wahlgange und zwar mit großen Majoritäten. Es sind insgesamt 9 Sozialisten gewählt, so daß der Gemeinderat von Seraing in Zu⸗ kunft neben 11 Klerikalen und 6 Liberalen 10 Sozlialisten zählen wird.
Neun Jahre Zuchthaus! Diese ungeheuerliche Strafe verhängte das Kriegsgericht in Dresden über den Arbeitssoldaten Kunath wegen dreimaliger Maje⸗ stätsbele digung, Fahnenflucht und Diebstahls im Rückfalle.
Sächsisches. In Leipzig kam der Arbeitsbursche Thomas vor das Schöffengericht, weil er— einen roten Schlips getragen hatte! Angeklagt war der Sünder wegen Uebertretung einer Verordnung von 1849 betreffend das Tragen republikanischer Abzeichen. Das Gericht sprach ihn frei. So geschehen im Mai 1906 — nicht etwa in der Fastnachtszeit.
Revolution in Rußland.
Als Antwort der Regierung auf die Adresse der Duma verlas der Mi⸗ nisterpräsident am Montag eine längere Er⸗ klärung im Parlament. Zu Beginn dieser Erklärung heißt es, daß die Regierung bereit sei, zur Lösung der von der Duma angeregten Fragen mitzuwirken. Auf die einzelnen Fragen wird dann, jedoch in zweideutig hinterhältiger Weise und in allgemeinen Redensarten einge⸗ gangen.— Die Duma nahm sofort die Debatte der Erklärung auf, die alle Redner verurteilten. Es wurde eine Resolutton beschlossen, die die Entlassung des Ministeriums fordert.
Gegen die Zarenschergen. In Se⸗ wastopol wurde am Sonntag nach einer Truppenschau ein Bombenangriff gegen den Festungskommandanten General Nepliu⸗ jew gerichtet. Leider wurden 6 Personen aus dem Publikum getötet, von den Militärs soll keiner verletzt sein.— Am Montag wurde der Polizeikommissar Kowalski in Warschau auf offener Straße erschossen.
Pon Nah und Fern. Hessisches.
— Die Zweite Kammer tritt am Donnerstag, den 7. Juni, wieder zusammen. Die Tagung wird sich voraussichtlich über eine Woche erstrecken. Auf der Tagesordnung steht u. a.: ein Antrag des Abg. Frenay betr. die obligatorische Kranken versicherung der Dienstboten; ferner die berufsstand⸗ liche Vertretung der Lohnarbeiter⸗ schaft(Arbeiterkammern), Anträge von Ulrich und Frenay; weiter Vergütung an Ge ⸗ schworenene und Schöffen; Antrag des Abg. Ulrich betr. Entschädigung für un ⸗ schuldig erlittene Straf- und Untersuchungshaft; ferner kommen die Vorstellungen einer ganzen Anzahl Beamten⸗Gruppen wegen Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse zur Verhandlung.
— Zur Landtagsersatzwahl für den verstorbenen Abgeordneten Möl linger, die am Freitag stattfand, waren 36 Wahl⸗
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