Ausgabe 
30.12.1905
 
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Nr. 53.

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Mitt ldeutsche Sonntags deitung.

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geld ab, das man nach Beschluß von jedem Austretenden verlangen will. Solche lächer⸗ liche Mittel muß man anwenden, um die all⸗ gemeine Flucht zu verhüten! Wir können nur jedem Arbeiter zurufen: Heraus aus dem Kriegerverein, schließt Euch den politischen und gewerkschaftlichen Arbeiter⸗Organisationen an!

Von der Ibutz⸗Bahn. Die Bahn⸗ linie Butzbach⸗Lich machte, wie berichtet wird, im letzten Jahre schlechte Geschäfte, ihre Aus⸗ gaben übersteigen die Einnahmen um 20558 Mk. Die Gesamteinnahmen betrugen 1696 900 Mk. und die Aus gaben 1717410 Mk. Es sollen deshalb die Fahrpreise für alle Wagenklassen erhöht werden, was für die Bewohner der interessterten Ortschaften jedenfalls nicht erfreulich ist zu hören. Nun, wenigstens hat der Abg. Joutz seiner Zeit schönes Geld dabei verdient!

Aus dem Rreise griedberg⸗Büdingen.

Die Wohnungszustände auf dem Lande sind oft noch schlimmer als in der Stadt und selbstver⸗ ständlich leidet darunter die arbeitende Bevölkerung am meisten. Ein Bespiel dafür wird aus Dorhe im be⸗ richtet: In einem alten, dem Oekonomen Schudt gehörigen Hause, von 4 Zimmern und 2 Küchen, wohnen die Schweizer und Taglöhner des Herrn Schudt. Die Zimmer sind alle sehr klein. Die stärkste Familie ist 8 Köpfe, die in einem Raume hausen. An Miete bezahlt jede Partie 96 Mark pro Jahr; ergiebt für die 4 Räume 348 Mark pro Jahr. Der höchste Jahres⸗ verdienst eines Insassen ist 400 Mark. Wir überlassen es der Beurteilung unserer Leser, ob diese Mieten in Einklang stehen zu den Löhnen, die diese Leute haben. Auch in anderer Beziehung herrschen hier noch mauche Mißstände. So fehlt uns hier ein Totenhaus. Vor einiger Zeit wurde die Leiche eines alten Kuhschweizers aus der Wetter gefischt. Diese wurde in Ermangelung eines Totenhauses in ein altes Gewölbe, wo früher der Abdeckerkarren gestanden, geworfen. Ist so etwas christlich?

Aus dem Rr eise Wetzlar.

h. Sorgt für die Weiterverbreitung Euerer Presse! Diesen Mahnruf müssen beim Quartalswechsel auch die Arbeiter Wetzlars beherzigen. Welcher Arbeiter nur einigermaßen um sich schaut, muß erkennen, welchen Wert die Arbeiterpresse für ihn und die Gesamtheit der arbeitenden Bevölkerung hat. Wenn er sieht, wie die Amts⸗ undOrdnungsblätter bei jeder Gelegenheit unsere Partei und die Arbeiterbewegung zu schädigen und ihre Wortführer zu verdächtigen suchen, muß er sich gedrungen fühlen, sein Möglichstes für die Unterstützung der Arbeiterpresse zu tun. Denn diese allein verficht die Interessen der kleinen Leute, der Arbeiterschaft auf allen Gebieten, während die bürger⸗ lichen Blätter lediglich Unternehmungen zum Zwecke Gelderwerbs für ihre Eigentümer darstellen. Darum agitiert unermüdlich für Euere Presse! In Wetzlar werden Bestellungen auf die Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung und Frankfurter Volksstimme jederzeit bei Ge⸗ nossen Zahn, Gewandsgasse 19, parterre, sowie beim Genossen Fauth angenommen. Dort ist, auch sonstige Partelliteratur erhältlich.

h. Unternehmerpraktiken. Die Baufirma Schneider in Wetzlar kündigte am Donnerstag, 21. Dez., sämtlichen bei ihr beschäftigten Maurern, so daß diese nach dem neuen Tarife am Samstag, 23. Dezem ber, am Vorabend des Weihnachtsfestes, entlassen waren. Wenn auch bei den Maurern im Winter auf Ent⸗ lassungen gerechnet merden muß, so muß doch diese Kündigung befremden, da die Firma dringende Arbeiten in einem größeren Betriebe übernommen hat. Charak⸗ teristisch ist dabei, daß der Vertrauensmann bereits vor 14 Tagen heimgeschickt wurde. Von den anderen Ge⸗ schäften ist uns bis jetzt nur die Entlassung einzelner Arbeiter bekannt. Ob es vielleicht eine Revanche für den im Frühjahr erfolgreich durchgeführten Streik sein soll?

n. Landrätlicher Boykott. In Nieders⸗ hau sen war den dort über die Feiertage auf Urlaub befindlichen Soldaten auf Weisung des Landrats durch den Bürgermeister das Besuchen der Wirtschaft, in welcher unsere Parteigenossen ihr Vereinslokal haben, verboten worden. Nicht aus dem Orte stammende Soldaten

konnten dagegen in der Wirtschaft verkehren, weil es

ihnen von militärischer Seite ja nicht verboten war. Der Herr Landrat und der Oberwachtmeister Krüger lassen sich den Kampf gegen die Sozialdemokratie sehr angelegen sein. Sie hätten aber alle vier Wirtschaften verbieten sollen, denn die bösen Roten sind halt überall.

2, Zentrums⸗Agitation. Das Zentrum läßt es sich eifrig angelegen sein, seine Schäflein in seinem Stalle zu behalten und entfaltet eine sehr eifrige Agitation, bei der es sich die Bekämpfung der Sozial⸗

demokratie zur Hauptaufgabe gemacht hat. Ueber eine kürzlich in Niederlahnste in stattgefundene Zen⸗ trumsversammlung wird uns berichtet: Wir wollten auch mal hören, was die Herren zu sagen haben und fanden uns in der Versammlung ein.Die Roten sind auch da! Diese Kunde verbreitete sich wie ein Lauf⸗ feuer durch den Saal, das uns natürlich weiter nicht störte. Zuerst stieg ein sehr wohlbeleibtee Pfarrer aus Koblenz auf die Tribüne und ging zunächst auf die Fleischnot ein, die allerdings für ihn nicht zu existieren scheint. Er meinte, dadurch, daß die B⸗wohner Lahn⸗ steins meist ihren Fleischbedarf in Koblenz deckten, stellte sich der Preis höher, well das Fahrgeld mit zum Ein⸗ kaufspreis geschlagen werden müsse. Von einer Unter⸗ ernährung des Volkes, wle sie allgemein geschildert wird, könne nicht die Rede sein. Die Sozialdemokratie be⸗ nütze nur die Teuerung als Agitatlonsmittel. Nun also wlssen's die katholischen Arbeiter. Wenn sie sich in⸗ folge der Zentrumspolitik kein Fleisch mehr kaufen können, mögen sie sich einbilden, daß die ganze Fleischnot ja blos sozlaldemokratische Mache und in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist!

Es war für halbwegs aufgeklärte Menschen geradezu bejammernswert anzusehen, mit welcher Raffinierth eit diese Herren das arbeitende Volk über das Elend seiner Lebenslage hinwegzutäuschen versuchen. Der Herr hielt dann noch eine mächtige Paule gegen die religions⸗ und vaterlandsfeindliche Sozialdemokratie, und forderte zum Betritt in den katholischen Volksverein auf, der schon 500 000 Mitglieder zähle. Als zweiter Redner folgte der Zentrumsadvokat Dr. Dahlem, Abgeordneter für den 3. nass. Reichstagswahlkreis. Er bestritt ebenfalls die Fleischnot auch er spürt nicht das Geringste davon und sprach gegen die Einfuhr ausländifchen Fleisches, das noch teuerer sei, als das einheimische. (Die Preise an der französischen, holländischen und österreichifchen Grenze beweisen das Gegenteil. D. R.) Er kam dann auf die neuen Steuern zu sprechen, die bekanntlich das minderbemittelte Volk wieder am stärk⸗ sten belasten, ließ aber unklar, wie sich das Zentrum dazu stellen wird. Man wird eben auch hier das längst gewohnte Schauspiel erleben: das Zentrum wird mit ein bischen Theaterdonner dem Volke Sand in die Augen streuen und nachher im Interesse der Besitzenden be⸗ willigen. Er schloß ebenfalls mit einer Sozialistenver⸗ nichtungsrede und damit die Sozialdemokratie richtig tot ist, vernichtete sie schließlich ein anderer Pfarrer nochmals. Diskussion gibts selbstverständlich nicht bei den Zentrumsleuten. Trotzdem zeigte sich Herr Dahlem sehr erbittert darüber, daß einige räudige Schafe da wären, die den vorgesetzten Zentrumskohl nicht fressen wollten. Ja, wir sagen eben nicht zu allem ja und Amen. Wir lieben eine freie und öffentliche Aussprache wie sie in unsern Versammlungen üblich ist, wo jedem freie Meinungsäußerung gewährleistet ist. Dieser Ge⸗ pflogenheit haben wir die gesunden Fortschritte in unserer Partei zu verdanken. Eine andere Kampfsweise ist ver⸗ werflich und kann auch nur dort vorherrschen, wo Zen⸗ trum Trumpf ist, wo es dem Pfaffentum noch möglich ist, die Arbeiterschaft am Gängelband zu führen. Von Sozialdemokratie kann in hiesiger Gegend noch kaum die Rede sein, aber die Unhaltbarkeit der heutigen Zustände wird zeitigen, daß unsere Sache auch hier Eingang findet. Das Morgenrot wird auch endlich über dem schwarzen Rheinlande aufgehen. Unsere Pflicht wird es auch hier sein, alle Kräfte anzustrengen zur politischen und gewerkschastlichen Aufklärung der jetzt noch Gleichgiltigen und Kurzsichtigen und sie mit den Zielen der völkerbefreienden Sozialdemokratie vertraut zu machen.

Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.

O Amtsblatt⸗Kosaken. Von einer geradezu viehischen Bestialität zeugt ein Erguß der hiestigen konservativenOberh. Ztg.. Einer Nachricht aus Rußland, wonach 4000 Auf⸗ ständische sich ergaben, fügt sie den Satz an: Von Rechtswegen hätte man das revolutionär? Gesindel vom ersten bis zum letzten Mann über die Klinge springen lassen sollen! Das ist also das Ergebnis der christlichen Lehre, welch. ein konservativer Redakteur in der ersten Nummer nach dem Weihnachtsfeste der Oeffentlichkeit übergibt! Das ist eine Frucht der il dich hundertjährigen christlichen Kultur! Sollte ich in Marburg mit seinen vielen Verkündigern der christlichen Lehre auch nicht einer finden, der gegen diese Roheiten der Amtsblatt⸗Ordnungs⸗ besti Einspruch erhebt?

ueber die Wertzuwachssteuer ist zwar schon sehr viel geschrieben und geredet worden, aber unser Magistrat hüllt sich im Schweigen. Sollte diese Steuer überhaupt zur Einführung gelangen, so jedenfalls noch nicht zum 1. April. Schon in letzter Nummer konnten wir von dem Verkauf größerer Grundstücke im

Südviertel berichten; am Dienstag sind bedeutende

Bauterrains im Nordvlertel an hiesige und auswärtige Bauunternehmer verkauft worden. Bald werden sämt⸗ liche größere Grundstücke verkauft sein und der Steuer⸗ säckel und die Stadt hat das Nachsehen. Die Grund⸗ stücksbesitzer können sich dabei ins Fäustchen lachen.

Ueber die Anmeldung von Kost⸗ und Schlafgängern herrscht bei den meisten Vermietern noch Unkenntnis. Nach§ 5 der Marburger Polizelverord⸗ nung ist der Vermieter verpflichtet, die von ihnen wegziehenden Leute auf dem Meldeamt abzumelden. Im Uebertretungsfalle wird zuerst eine Strafe von 2 Mk. verhängt, die sich im Wiederholungsfalle erhöht. Man wolle also dies beachten.

* Konitz Nr. 2. Einen Ritualmord hätte man beinahe in Treysa entdeckt. Dort wurde das Dienstmädchen des jüdischen Kaufmanns Strupp vermißt. Da alles Suchen resultatlos blieb, machte Strupp dem Bürgermeister die Anzeige. Die Polizei nahm wieder⸗ holt eine Haussuchung vor, bei der man sogar im Keller nachgrub. Da kam der Stadtförster auf den Gedanken, das Heu nochmals und besser zu untersuchen, und fand das Mädchen lebend, aber anscheinend bewußtlos, tief im Heu versteckt. Der herbeigerufene Arzt konstatterte sofort Irrsinn. Von der Anstalt Hephata aus wurde das Mädchen in die Irrenheilanstalt zu Marburg überführt und nach acht Tagen entlassen. Soweit der Tatbestand. Sofort nach dem Vermissen des Mädchens trat die Lüge des Blutmordes auf. Man lief zum Bürgermeister und teilte ihm mit, daß die Juden das Mädchen ermordet haben, um sein Blut für Ostern zu gebrauchen. Man drohte den Juden, mit Gewalt⸗ tätigkeit gegen sie vorzugehen, ihre Habe zu vernichten, ihnen das Schicksal der russischen Juden zu bereit en! So wäre also Treysa beinahe zum zweiten Konitz ge⸗ worden. Es liegt allerdings im Wahlkreise Liebermann von Sonnenbergs, der den Grundsatz proklamiert:wer einen Juden totschlägt, beerbt ihn.

Eine Familien⸗Tragödie

hat im Frankfurter Stadtwalde ihren Abschluß

gefunden. Dort erschoß der Eisenbahnbeamte Wendtland aus Darmstadt seine Frau, Sohn und Tochter und sich selbst. Vorher hatte er der Polizei mitgeteilt, daß er mit seiner Familie Selbstmord verüben werde. Man werde die Leichen in der Nähe der Oberschweinstiege finden. Dort fand man sie auch. Wendtland hatte Unterschlagungen begangen und war des⸗ wegen vom Amte enthoben worden. Die Be⸗ erdigung der vier Leichen, die in einfachen Armensärgen ruhten, fand am Sonntag auf dem Sach häuser Friedhofe unter großer Beteiligung statt.

Edelste vor dem Strafgericht.

In Schnetidemühl(Posen) wurde gegen den Grafen Johann v. Bninski wegen Betrugs, den er beim Spiel verübt hat, verhandelt. Ge⸗ mäß dem Antrage des Staatsanwalts wurde das erste Urteil aufrechterhalten, welches den Angeklagten des versuchten Betrugs für schuldig erklärt. Er wurde zu 3 Monate Gefängnis, 2000 Mk. Geldstrafe und wegen Herausforde⸗ rung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen zu einem Monat Festung verurteilt.

Partei-Uachrichten.

Unsere Kreuzband⸗Abonnenten ersuchen wir, den Betrag für die Bezugszeit stets zu Beginn derselben einzusenden, da sonst die Zusendung der Zeitung eingestellt werden muß.

Die Abonnentenzahl desVorwärts beträgt jetzt 90 000. Der Preis der Inserate muß erhöht werden, weil sonst bei der großen Auflage die Kosten nicht mehr gedeckt werden. Vom 1. Januar ab wird derVorwärts auf besseres Papier gedruckt, was eine Erhöhung der Ausgaben um 24,000 Mark zur Folge hat. Den Angestellten mit unter 40 Mark Wochenlohn ist wegen der Lebensmittelteuerung eine Zulage von 1 Mark gewährt worden.

Versammlungskalender. Samstag, 30. Dezember. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends

9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag: Wahl⸗

rechtskämpfe. Marburg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Lokale D. Jesberg.

7 Bemüht Parteifreunde! eu le nach besten Kräften für die immer weitere Verbreitung Eueres Blattes.