Ausgabe 
30.4.1905
 
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Nr. 18.

Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

gulen Arbeitern zurückgewiesen ist, von ben schlechtesten Arbeitern mangelhaft zusammen⸗ gestellt. Das kaufende Publikum bekommt also für gutes Geld schlechte Ware. In Kassel sind es die Leichenbesorger, die Streikarbeit für Gießen anfertigen. Die Schneider werden in den nächsten Tagen wieder ein Flugblatt herausgeben, in dem eingehend die Handlungs⸗ weise der Arbeitgeber im Schneidergewerbe klargelegt werden wird. Auch sonstige Interna aus dem Schneidergewerbe sollen veröffentlicht werden. Das Publikum wird da interessante Sachen erfahren. Die Schneider werden dem kaufenden Publikum Gelegenheit geben, seinen Bedarf doch zu decken, ohne auswärts kaufen zu müssen. Von verschiedenen bürgerlichen Arbeiterfreunden angeregt, werden z. Zeit Ver⸗ handlungen wegen Errichtung einer Produktions⸗ genossenschaft gepflogen. In Jena haben vor Jahresfrist die Schneider ebenfalls eine solche errichtet, die ausgezeichnet prosperiert. Die Schneider haben tüchtige Fachleute und können somit für guten Sitz, prima Arbeit und prompte Lieferung Garantie leisten. Das Publikum weiß dann auch, wie und wo seine Arbeit fertiggestellt wird und ist nicht allen möglichen Gefahren ausgesetzt. Die Arbeitgeber haben die geringfügigen Lohnforderungen ihrer Arbeiter verwendet, um die Machtfrage zwischen Kapital und Arbeit gufzurollen und wenn das für sie unaugenehme Folgen zeitigt, sind sie selbst daran schuld. Bedauerlich ist ja, daß einige friedlich gesinnte Unternehmer, die gern bewilligen würden von den Scharfmachern überstimmt werden, doch kann die Arbeiter organtsation daran nichts ändern, sie muß den Kampf mit der Schärfe führen, wie er ihr aufgedrungen wird. Alle Streikenden sind bereit auszuharren, bis sie einen ehrlichen Frieden schließen können. Die gesamte Arbeiterschaft muß aber die kämpfenden Schneider dadurch unterstützen, daß sie ihren Kleiderbedarf nicht in Geschäften deckt, wo gestreikt wird.

Wir erhalten ferner eine Zuschrift aus Alsfeld, die sich auf den Schneiderstreik bezieht und die wir ohne weitere Bemerkung wiedergeben:

n. Streikarbeit wollte der hiesige Schneider⸗ meister A. Schophach machen. Er meldete sich bei Markus Bauer in der Krone und erhielt am Montag in der Feiertagswoche einen Rock zur Probe. Er schickte ihn schnell ab, andern Tags ersuchte ihn aber Herr Bauer telephonisch, Aermel nebst Futter sofort abzuschicken, er wolle ihm Hose und Weste schicken. Das kam aber nicht und wie Sch. angibt, habe er nichts für die Probe erhalten. Sch. ist eine sehr minderwertige Kraft und auch kein Freund der Arbeit, er überläßt es seiner 6köpftgen Familie, sich durch Bettel ihren Unterhalt zu erwerben. Seine frühere Kundschaft hat er verloren, weil es in seiner Haushaltung äußerst unsauber ist und er den Leuten öfters gewisse kleine Tierchen in die Kleider brachte. Wahrscheinlich hat er auch ein solches mit der Probe nach Gießen geschickt. Er wohnt im Spital und die Stadt muß ihm die Miete bezahlen. Der Bürger⸗ meister hat es ihm schriftlich zugestellt, daß er ins Arbeitshaus verbracht werden soll. Ein solcher Streikarbeiter schadet den Streikenden jedenfalls nicht.

Metallarbeiter⸗Versammlung. Am Donnerstag voriger Woche tagte imPfau eine außerordentlich stark besuchte Metallarbeiterversammlung, in der Beinkämpen⸗Frankfurt über die Tätigkeit der Arbeitgeber⸗Verbände sprach. Er schilderte, welche be⸗ deutende Machtfülle denselben innewohnt und in welcher Wetse sie von den Scharfmachern zur Unterdrückung der Arbeiter angewendet wird. Dagegen müsse sich der Arbeiter bei Zeiten durch eine gute Organisation schützen. Die Ausführungen fanden eine sehr beifällige Aufnahme und eine nicht geringe Anzahl der Anwesenden erklärten ihren Beitritt zum Verband.

Maifeiernde, die den ersten Mai durch Arbeitsruhe begehen, treffen sich Montag morgen ½10 Uhr bei Orbig.

Richtigstellung. In voriger Nr.

brachten wir eine Notiz, in der mitgeteilt war,

daß auch die Brauerei Friedel& Asprion demnächst in den Besitz des Herrn Bichler übergehen werde. In Zuschriften, die uns

daraufym von be'den Firmen zugingen, wird entschieden bestritten, daß eine derartige Fusion beabsichtigt sei, es hätten auch keinerlel Ver⸗ handlungen darüber stattgefunden. Wenn die Herren das öffentlich erklären, wirds wohl richtig sein. Uns wurde diese Mitteilung schon vor längerer Zeit und von verschiedenen Seiten gemacht und wir hielten eine Verschmelzung des Friedel und Asprion'schen Betriebes mit dem Bichler'schen um so eher für möglich, als eben die Einverleibung der Aktienbrauerei in den Besitz des Herrn Bichler Tatsache wurde. Für uns ist die Sache übrigens nicht von so großer Wichtigkeit und unsere daran geknüpften allge⸗ meinen Bemerkungen werden dadurch nicht erschüttert.

Gegen Hudde soll bereits Ende Mai vor dem Gießener Schwurgericht verhandelt werden.

Den Schluß unserer ErzählungDer Glückspilz mußten wir auf die nächste Nummer zurückstellen.

Aus dem Rreise gießen.

Arbeiter allerorts! Beteiligt Euch recht zahlreich an den Maifeiern.

r. Volks verein in Alten⸗Buseck. Die letzte Abrechnung des Volksvereins ist insofern von besonderer Bedeutung, als sich in ihr ein besonders befriedigender Ausschwung des Vereins bemerkbar macht, sowohl in finanzieller Beziehung, als auch bezüglich der Mitgliederzahl. Im letzten Halbjahr sind eine Reihe Neuanmeldungen zu verzeichnen, an deren Zahl keine vorhergehende Periode heranreicht. Bemerkt muß werden, daß die meisten Anmeldungen freiwillig ohne jede per⸗ sönliche Agitation erfolgt sind, ein Beweis, daß es all⸗ mählich anfängt Licht zu werden. Hoffen wir, daß die neuen Mitglieder auch zahlreich die regelmäßigen Ver⸗ sammlungen besuchen, tüchtig mitarbeiten, und so zu tapferen Kämpfern für unsere gerechte Sache werden.

Bei dieser Gelegenheit sei darauf aufmerksam gemacht, daß Montag den 1. Mai abends zur Maifeier im Vereinslokale eine Versammlung stattfindet, wozu alle hiermit nochmals eingeladen werden, auch diejenigen, die es sonst vorziehen durch Abwesenheit zu glänzen.

Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbhach.

Standes herrliches Blechgeld. Als neulich Dr. Eugen Katz⸗Berlin darauf hinwies, daß Graf Görtz im Schlitzer Ländchen seine Arbeitsleute mit Blechgeld ausbezahle, wird wohl mancher Leser ungläublich gelächelt haben. Niemand hält derartiges für möglich, jedermann erachtet es für selbstverständlich, daß überall im Deutschen Reiche jede Ware oder Arbeit in Reichsmünze oder sonstigen gangbaren Zahlungsmitteln beglichen wird. Im Macht⸗ bereich des gräflichen Agrariers kursierten aber heutigen Tages noch flott blecherne Münzen, die man sonst überall an den Kopf geworfen bekäme, wenn man damit bezahlen wollte. Es existieren Stücke zu 1 Mk., 50, 20, 10, 5 und 1 Pfennig. Wir habeag uns einige Exemplare verschafft und bringen hier eine Abbildung des 20 Pfg.⸗Stückes:

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Diese Münzen aus Messingblech sind im ganzen Gebiet des Grafen Görtz verbreitet und werden von Wirten und Geschäftsleuten, die in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zu der gräflichen Gutsverwaltung stehen, angenommen. Daß diese Einrichtung dem Grafen bedeutende Vorteile, seinen Arbeitern aber erhebliche Ver⸗ luste bringt, liegt auf der Hand. Der Graf kaun zunächst eine respektable Summe, die er sonst zur Lohnzahlung verwenden müßte, anderweit nutzbringend anlegen. Dann aber gewinnt er für jede verlorene, ver⸗ schleppte oder aus irgend einem andern Grund nicht mehr zur Einlösung präsentiterte Blechmarke den darauf verzeichneten Betrag. Dagegen können die Arbeiter nicht dort ein⸗ kaufen, wo sie es durch ihre Zahlung in Reichs⸗ münze vorteilhafter könnten, sondern ste sind auf die Geschäftsleute angewiesen, die ihnen die Lohnmarken abnehmen. Daß ste dabei in

Nachteil kommen, ist ohne weiteres klar und so werden die armen Landarbeiter mittels des gräflichen Lohnzahlungssystems noch einmal extra ausgebeutet. Warum sich wohl die Behörde nicht um die Sache kümmert?

Aus dem NRreise Wetzlar.

h. Maifeier in Wetzlar. Es sei hiermit nochmals auf die am Montag, den 1. Mai abends 1½9 Uhr im Lokale des Heinr. Kyrmse stattfindende Versamm⸗ lung aufmerksam gemacht, in der Gen. Krumm⸗Gießen über die Bedeutung des 1. Mai sprechen wird. Unsere Parteifreunde wollen sich dazu recht zahlreich einfinden.

h. Zur Schillerfeier hat die Wetzlarer Lese⸗ vereinigung eine größere Veranstaltung auf nächsten Donnerstag, abends 8 Uhr, vorgesehen. Dafür wurde ein Programm aufgestellt, zu dessen Durchführung sich die Gießener Ortsgruppe des Dürerbundes in entgegen⸗ kommender Weise zur Verfügung gestellt hat. Die Feier soll in einer kurzen Festrede bestehen, sowie Rezitationen Schiller'scher Dichtungen. Ferner wird der Mustkalische Verein drei Männerchöre zum Vortrag bringen. Der Eintrittspreis beträgt, wie stets bei den Vorträgen, nur 20 Pfg. im Vorverkauf und 30 Pfg. an der Kasse. Ein Erinnerungsblatt, das die Liedertexte und das Programm enthält, soll zum Preise von 10 Pfg. aus⸗ gegeben werden. Wir empfehlen unsern Lesern den Besuch der Veranstaltung angelegentlichst.

h. Schlagfertiger Ordnungshüter. In der letzten Zeit machte wieder einmal der frühere Gendarm Glaus von sich reden. Es war ihm von seinem Haushbesitzer die Wohnung gekündigt worden und darüber kam es zu Differenzen und schließlich zu Tätlichkeiten. Dabei schlug G. den Hausbesitzer zu Boden, daß dieser schwere Verletzungen davon trug und den Arzt in Anspruch nehmen mußte. Die Sache wird wohl noch ein gerichtliches Nach⸗ spiel haben. G. hat, als er noch im Amt war, seineSchlagfertigkeit häufig ungestraft geübt, daß ihm ein Denkzettel allgemein gegönnt würde, wenn auch der Geschlagene sich nicht besonderer Sympathien erfreut. Aber Glaus wird wieder einen Verteidiger finden, der ihn, wie damals, als gegen seinen Sohn wegen Diebstahls verhandelt wurde, alsverdienten Beamten hinstellt und da wird ihm wohl nicht viel passieren.

Aus dem Rreise Marburg⸗Kirchhain.

g. Zur Maifeier veranstalten die Marburger Parteigenossen, wie bereits in voriger Nummer mitge⸗ teilt, eine Versammlung am 1. Mai abends punkt 9 Uhr im Lokale von D. Jesberg. Als Redner ist Genosse Hopf- Frankfurt gewonnen. Für diesen Sonntag, (30.) ist ein Familien⸗Ausflug nach Cölbe vorgesehen, der bei ungünstigem Wetter auf 8 Tage später verlegt wird.

O Zur Errichtung von Arbeiterwohn⸗ ungen sollte, wie wir vor Kurzem berichteten, hier eine Baugenossenschaft gegründet werden. Dieselbe ist jetzt unter dem TitelWohnungsgenossenschaft des e van⸗ gelischen Arbeiter⸗Vereins als Genossen⸗ schaft mit unbeschränkter Haftpflicht eingetragen worden. Daß die Genossenschaft unter muckerischer Flagge segelt, sichert ihr von vornherein ein berechtigtes Mißtrauen der Arbeiterschaft, sowie die Gewißheit, daß dieselbe Fehler begehen wird, die sich bei einem Zusammenarbelten mit selbständig denkenden Arbeitern vermeiden ließen. Wie verlautet, hat die Genossenschaft am Wehrdaerweg. Gemarkung Wehrda, Grundstücke erworben, um eine Anzahl Häuser zu errichten. Für steuerzahlende Arbeiter haben die hohen Geme indeumlagen des Dorfes Wehrda ebensowenig Anziehungskraft wie die Schulverhältnisse unserer hessischen Dörfer, die in vieler Hinsicht den ost⸗ elbischen Schulverhältnissen gleichartig sind. Arbeiter, welche infolge ihres geringen Einkommens keine Steuer zahlen, find aber für die Gemeinde Wehrda kein begehrens⸗ werter Zuwachs. Bei etwas reger Tätigkeit wird die Wohnungsgenossenschaft immerhin das erreichen, daß die Wohnungsmieten nicht gar zu sehr in die Höhe gehen. Mit gutem Willen und unter geeigneter Leitung wären übrigens auch die Marburger Arbeiter sehr wohl in der Lage, auf genossenschaftlicher Grundlage den Bau von Arbeiterwohnungen selbständig in die Hand zu nehmen.

Versammlungskalender.

Samstag, den 29. April. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung imGambrinus bei Wacker. Sonntag, den 14. Mai. Kirchhain. Mühlenarbeiter⸗Versammlung, nachmittags 3 Uhr, im SaaleZur Post. Ref. A. Wedermann⸗ Marburg. Alle Kollegen von Gießen, Marburg, Kirchhain, Ziegenhain ꝛc. sind eingeladen.