Ausgabe 
30.4.1905
 
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Nr. 18.

Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 8.

früher. Hier wird man ganz menschenscheu und grob. Wir schlagen die schwarzen Halunken tot und fällt uns darüber gar nichts ein es macht uns sogar noch Spaß. Wenn wir einmal 14 Tage kein Gefecht gehabt haben, sind wir wie toll, alles lüstet nach Rache und Blut. Das bringt halt alles der Krieg mit.

Noch weitere Stellen legen Zeugnis ab von der Blut⸗ und Rachgier und der unglaublichen Verwilderung des Briefschreibers. So wird in AfrikaKultur verbreitet! Als während des Chinafeldzuges ähnliche Hunnenbriefe von sozialdemokratischen Blättern veröffentlicht wurden, faselte die Ordnungspresse vonsozial⸗ demokratischem Schwindel. Damals zeigte sich hier und da noch etwas Scham über solche Bestialitäten, davon bemerkt man jetzt aber feine Spur mehr. Um so lauter muß die Sozialdemokratie ihre Maiforderung erheben: Für den Völkerfrieden! Nieder mit Kolontalräuberei und Völkermord!

Väterliche Arbeiterbehandlung in Ostelbien.

Auf einem adligen Gut im Kreise Wehlau in Ostpreußen war ein Mädchen im Dienst, das die ungeheure Sünde beging, das zu tun, wozu adlige Herren ihre Dienstmädchen, solange sie hübsch und jung sind, gern benutzen. Sie wurde schwanger, mußte aber nichtsdestoweniger bis zum Tage ihrer Entbindung, dem 23. März, ihre Arbeit verrichten. Dann wurde nachts die Hebamme geholt. Nun duldete derväter⸗ liche Gutsherr aber nicht, daß das Mädchen die Entbindung in ihrer Dienststelle vollende. Auch fiel es ihm nicht ein, ihr ein anderes Unterkommen anzuweisen, sondern das Mädchen mußte, inmitten heftiger Wehen, durch das Gut von Wohnung zu Wohnung ziehen mit der Bitte um Unterkunft. Die meisten Instleute mußten sie natürlich abweisen, denn sie sind nicht so gestellt vomgnädigen Herrn, daß sie Gastzimmer zur Verfügung haben; die Räume, die ste bewohnen, reichen noch nicht einmal für ste selbst und ihre Kinder. Nicht einmal die eigenen Eltern des Mädchens konnten ste aufnehmen, weil ste tagüber arbeiten und die Wöchnerin sich allein überlassen geblieben wäre. Endlich nahm eine Witwe sie auf. Diese hatte aber keine Betten und dergnädige Herr

man denke, welche Herzensgüte! gab

endlich ein paar Stück Betten her. Zugleich aber kündigte er dem Vater des Mädchens an, daß er sich von ihm für die Benutzung der Betten werde bezahlen lassen. Und in der Tat! Dem Vater, der als Vieh⸗ fütterer auf demselben Gute dient, wurden vom gnädigen Herrn für die 8 tägige Benntzung der Betten 6 Mark sage und schreibe sechs Mark vom Lohn abgezogen! Das Mädchen aber mußte nach der Entbindung wieder zurück in den Dienst, der gnädige Herr verzichtete nicht etwa auf den Kontrakt. Doch für das Neugeborene sorgt er wie ein ostelbischer Patriarch. Er hat es bei einer Frau auf dem Gut untergebracht und gibt dieser täglich 30 Pfennig und eine halbe Metze Korn. Den Betrag zieht er ebenfalls dem Vater des Mädchens vom Lohne ab! Ja, die Agrarier sorgenväterlich für ihre Arbeiter.

Der Arme kommt ums Wahlrecht.

In der ersten Aprilhälfte lagen die Wähler⸗ listen für die Landtagswahlen in Bayern zum letzten Male vor den Wahlen öffentlich auf und von unserer Partei wurden die Arbeiter durch Flugblätter usw. aufgefordert, fleißig nachzusehen, ob sie in der Liste eingetragen 7775 Darauf schrieb nun ein Arbeiter an den oztaldemokralischen Verein in Nürnberg:

Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß ich leinen Anspruch darauf habe, in der Wähler⸗ Uste eingetragen zu sein: denn ich habe meine Steuer zu spät bezahlt.... Anfangs Januar gab ich meiner Frau das Geld und den Auf⸗ trag, die rückständige Steuer zu entrichten. Da nich meine Frau in den 14 Jahren unseres Verheiratetseins noch niemals hintergangen hat, glaubte ich die Sache geregelt.... Als ich am 8. d. Mts. das Steuerbuch dem Bürger⸗

rechtsgesuch beilegen wollte, merkte ich mit Schrecken, daß die Steuer erst am 4. April bezahlt war. Nun kann ich meiner Frau nicht einmal einen Vorwurf machen, denn durch Krankheit meiner Frau ebenso lag ich im vorigen Jahre 25 Wochen an einem Nerven⸗ leiden darnieder war ich in eine sehr miß⸗ liche Lage geraten, und anstatt die Steuer zu bezahlen, hat ste hinter meinem Rücken den Kindern Brot gekauft. Sie dürfen es mir glauben, daß es mir nicht leicht fällt, Ihnen dies zu schreiben, aber ich kann ja nicht anders, will ich in Ihren Augen nicht als Indifferenter erscheinen. Hätte ich das gewußt, ich hätte lieber ein Stück meines Hausrates verkauft und mir damit mein Wahlrecht gesichert.

Wer seine Steuern nicht zur rechten Zeit bezahlt, ist nach kapitalistischen Rechtsbegriffen ein Lump und hat keine Rechte. Ist nun dieser Arbeiter ein Lump, dem keine Rechte zukommen? Alle Achtung vor der Opferwilligkeit dieses Mannes!

Begehrliche Pfarrer.

Die sächsischen Herren Pastoren sind in eine Lohnbewegung eingetreten. In ihrer Organtisation, dem Pfarrverein, haben ste beschlossen, vom Landeskonsistorium folgende Gehalts⸗Regelung zu verlangen: Gewähr freier Wohnung oder angemessenen Wohnungsgeldes, ein Grundgehalt von 2500 Mk., dazu 7 Dienst⸗ alterszulagen: nach dem 5. und 10. Hienstjahre je 500 Mk., nach dem 13., 16., 19., 22. und 25. Dienstjahre je 300 Mk., so daß stch 5000 Mk. als Endgehalt ergeben. Hierzu treten noch Arbeitszulagen von 250 bis 1000 Mk. Dazu können noch kommen außerordentliche persönliche Zulagen und Dotation für Ephoralämter und städtische Pfarrämter von besonderer Bedeutung. Die Gehälter sind als Minimalgehälter gedacht.

Wie Figura zeigt, sind die Herren Pastoren gar nicht schüchtern und verstehen es, Forde⸗ rungen zu formulieren. Natürlich hindert ste das nicht, gelegentlich gegen die Forderungen der Arbeiter aufzutreten und derenBegehr⸗ lichkeit zu bekämpfen.

Verbotene und erlaubte Maifestzüge.

Während in Dresden, wo früher Hunderte bestraft wurden, weil sie am 1. Mai spazieren gegangen waren, diesmal ein öffentlicher Umzug die behördliche Erlaubnis erhielt und in Leipzig der gemeinsame Marsch nach dem Festplatze wenn auch ohne Mustk gestattet wurde, gefallen sich andere Gemeindebehörden darin, ähnliche Veranstaltungen zu verbieten. So tat das der Gemeindevorstand in Jena, der ausdringenden Gründen des öffentlichen Wohles den Maiumzug der Arbeiterschaft verbot. Da nun aber in Jena die Stu⸗ denten regelmäßig in der Nacht zum 1. Mai so zwischen 11 und 12 Uhr einen Umzug mit riesigen Radau veranstalteten, meldeten unsere Genossen auf dieselbe Zeit einen Umzug an, aber siehe da, auch dieser wurde verboten! Nun wird sich's zeigen, ob auch die Studenten mit gleichem Maße gemessen werden. In vielen andern Orten finden Maifestzüge statt.

Die Sozialdemokratie Württembergs

hielt an den Feiertagen im Stuttgarter Gewerkschaftshaus ihre Landes versamm⸗ lung ab. Aus dem Berichte des Landes⸗ vorstandes geht hervor, daß 11839 Partei⸗ genossen in 179 Mitgliedschaften organistert sind. In den württembergischen Gemeinden gibt es zusammen 108 sozialdemokratische Gemeinderäte und 176 Bürgerausschußmit⸗ lieder. Die Abonnentenzahl derSchwäbischen agwacht beträgt 14629, des Wochenblattes 1146. Auf der Tagesordnung stand außer den Berichten ein Referat des Landtagsabge⸗ ordneten Keil überLandespolitische Fragen, sowie ein solcher des Genossen Singer über diePolitik im Reiche. Zu dem ersten Referat wurde eine Resolution beschlossen, in welcher der Kampf gegen alle bürgerlichen Parteien bei den Landtagswahlen proklamiert wird. Im Anschluß an die Landesversammlung fand eine Schillerfeier statt, die unter Mitwirkung

hervorragender Kräfte einen wahrhaft künstle⸗ rischen Genuß bot. Genosse Frohme⸗Hamburg feierte in der Festrede Schiller als den Dichter der Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Feier hob sich sehr vorteilhaft von dem besonders in Stuttgart schwungvoll betriebenen bürger⸗ lichen Schillerrummel ab.

Die sächsische Sozialdemokratie

hielt nach den Feiertagen in Leipzig ihre Landesversammlung ab. Der Bericht, den der Landesvorsitzende Sinder mann erstattete, konstatiert eine erfreuliche Entwickelung der Partei im roten Königreich. Die Parteivereine zählen rund 60 000 Mitglieder. Auch die Partei⸗ presse hat sich sehr gut entwickelt und steht so günstig, wie man es vor Kurzem noch nicht zu hoffen wagte. Die Frage der Landtagswahl⸗ beteiligung wurde eingehend debattiert; die Abg. Fräßdorf, Geyer, Gradnauer und andere traten entschieden für die Beteiligung ein und die Versammlung beschloß in diesem Sinne. Außer den Abgeordneten waren 59 Delegierte anwesend.

Einigung der frauzösischen Sozial · demokratie.

In Paris hielten die verschiedenen sozia⸗ listischen Gruppen einen Kongreß ab, dessen Hauptberatungsgegenstand die Schaffung einer einheitlichen Partei bildete. Dies ist denn auch erfreulicherweise gelungen und eine sozialdemokratische Partei Frankreichs mit einer zentralen Leitung ist gegründet worden.

Getreue Beamte in Rußland.

Im Finanzministerium ist eine Defraudation von gegen 400,000 Mark aufgedeckt worden, begangen durch einen höheren Beamten, dem diese Summe zum Ankauf von Korn für Ver⸗ pflegungszwecke überliefert worden war. Er wurde einstweilen von seinem Vertrauensposten entfernt und soll bereits das Weite gesucht haben. Ferner sind eine Anzahl Moskauer Militärärzte beschuldigt, militärpflichtige Personen vom Militärdienst befreit und Sum⸗ men von 500 bis 3000 Rubel dafür ange⸗ nommen zu haben. Ein reicher Kaufmann mußte sogar 20,000 Rubel zahlen. Anderer⸗ seits sind Fälle vorgekommen, in denen Kranke als zum Militär tauglich befunden wurden. Der Geschäftsführer einer Wehrpflichtbehörde ist ebenfalls stark kompromittiert, da er Aerzten Militärpflichtige zuführte und sich von diesen nach ihrer Militärpflichtbefreiung große Summen zahlen ließ. Für Rußland sind das immer noch Bagatellen.

Vom russisch⸗japanischen Kriege

sind in dieser Woche Neuigkeiten nicht zu be⸗ richten. Die feindlichen Flotten suchen sich noch in den chinesischen Gewässern, ohne daß es bis jetzt zu einem Zusammenstoß gekommen wäre. Aus der Mandschurei wird von kleineren Gefechten berichtet, bei denen beide Teile gestegt haben wollen. Die Japaner sind bemüht, bedeutende Verstärkungen nach dem Kriegsschauplatz zu dirigteren.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Sämtliche Gewerberichter Sozial⸗ demokraten. Bei der Wahl zum Gewerbe⸗ gericht in dem Berliner Vorort Rummels⸗ burg wurden sowohl in der Arbeiter-, als der Arbeitgeberseite Sozialdemokraten gewählt. Auf Seite der Arbeitgeber gab es einen harten Kampf, bei der den Kandidaten des Gewerk⸗ schaftskartells die übrigen Parteien geschlossen gegenüber standen. Trotzdem siegte in dem überwiegend von Fabrikarbeitern bewohnten Orte die Liste des Gewerkschaftskartells mit 45 gegen 35 Stimmen.

Aus den Gewerkschaften. Der Bau⸗ hilfsarbeiterverband hat im letzten Jahre eben⸗ falls eine recht erfreuliche Entwickelung zu ver⸗ zeichnen. Die Mitgliederzahl stieg von 27105 auf 39029. Seine Ausgaben betrugen 462 255 Mark, davon für Streiks 226 584 Mk., für