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Nr. 44.
Mitteldeutsche Sonntags Reitung.
Seite 5.
ein Mann, der die Lebensmittel verteuerungs⸗ Politik unterstützt und die rückständigsten An⸗ schauungen vertritt, als Vertreter unseres Kreises in den Landtag einzieht!
Das Wahlkomitee.
— Herr Leun und das direkte Wahl⸗ recht. Bekanntlich hat der Abgeordnete Leun im Landtage gegen das direkte Wahlrecht gestimmt. Bei der kürzlich stattgefundenen Konferenz, die ihn als Kandidat aller Bürger⸗ lichen proklamierte, hat er erklärt, für das direkte Wahlrecht eintreten zu wollen und, nach den Berichten des Amtsblattes, hinzugefügt, seine damalige Stimmabgabe dagegen sei wegen der Wahlkreiseinteilung erfolgt. Wenn sich Herr Leun tatsächlich so ausgesprochen hat— und er hat den betreffenden Berichten nicht wider⸗ sprochen— so hat er die Unwahrheit ge⸗ sagt. Die Wahlkreiseinteilung kam bei der Abstimmung am 17. Junt 1902 absolut nicht in Frage, es handelte sich lediglich um das Prinzip der direkten Wahl. Und bei Abstimmung über den entscheidenden Artikel 4, stimmte Leun mit Nein in Gemeinschaft
mit Heidenreich, Koch, Jöckel und Möl⸗
linger. Das waren die prinzipiellen Gegner. Alle übrigen, auch die ländlichen Abgeordneten, die besondere Wahlkreis wünsche hatten, stimmten bei Artikel 4 mit ja, weil eben hier lediglich das Prinzip vorbehaltlich aller Gegensätze im einzelnen in Frage kam.
Leun gehörte also damals zu den prin⸗ ztpiellen Gegnern, darüber bestand in der Kammer kein Zweifel und er hat dieser Auf⸗ fassung auch nicht widersprochen. Die Ausrede, er habe wegen der Wahlkreiseinteilung mit Nein gestimmt, ist ganz hinfällig. In dieser Beziehung blieb ja alles vorbehalten, darauf hatte die Abstimmung über Artikel 4 gar keinen Einfluß. Sadäter war Leun allerdings so schlau prinzipiell ja zu sagen, nun aber hinterher nach seinem besten Können das Ganze zum Scheitern bringen zu helfen. Leun ist also ein Gegner des direkten Wahlrechts. Die ganze Art und Weise, wie er in den Landtag kam, läßt es begreiflich erscheinen, daß er dem in⸗ dir ekten Wahlsystem den Vorzug gibt.
Der„Gießener Anzeiger“ charakteristerte schon längere Zeit solche Leute wie Leun ganz richtig, Adem er ausführte, daß eine Anzahl Abgeordnete der Zweiten Kammer für die Wahlrechtsreform eingetreten seien, weil ste ganz genau wußten, daß die Reform in der 1. Kammer zu Wasser werde. Und später fügt er dem hinzu:„Es wird sich bewahrheiten, was behauptet worden ist, daß mancher, der unter volksfreundlichem Getue zunächst in der Kammer für Wahlreform gestimmt hat, das nur getan hat in der sicheren Vor ⸗ aus sicht, daß er Gelegenheit finden werde, vor allem Volke behaupten zu können, die Be gehrlichkeit der Ersten Kammer mache alle guten Absichten zu nichte. So streut man in ein populäres Mäntelchen gehüllt, dem guten Volke Sand in die A 85 1 21 timmt. aßt genau auf Herr f bessen i wel das Amtsblatt eintritt. Es kennzeichnet damit sich selbst und seine eigene Wahlrechtsfreundlichkeit.
— Die Leunianer auf Sch leich⸗ wegen. Ju der bewußten Leun'schen Ver⸗ trauensmänner⸗Vusammlung, am 8. Oktober beschäftigte mar sich auch mit der Frage, auf welche Art man bie Sozialdemokratie am besten „besiegen“ und den Wahlkreis erobern könne. Man fühlte, daß das immerhin nicht gar 0 leicht sein dürfte, zumal man dem„Programm Leuns so viel werbende Kraft nicht zutraute. Man sann deshalb auf andere Mittel und fand,
daß es besser set, dem offenen ehrlichen Kampfe auszuweichen und eine hinter hältige Taktik zu beobachten. Ein Herr Reul aus Heuchelheim meinte, Heuchelheim und Großenbuseck sei ausschlaggebeud, dort müsse ganz besonders gearbeitet werden, aber nicht mit öffentlicher Agitation sondernim Geheimen. Dadurch würden unsere Genossen gleichgültiger und wären dann leichter zu überrumpeln. Weißbinder Größer aus Großenbuseck stimmte dem bei. Der Vertreter von Hausen wollte diese Taktik auch für seinen Ort angewendet wissen, er sei dann gewiß, daß nichk alle Ar⸗ beiter wählen gingen. Obiger Reul fügte noch hinzu, wenn man in diesen Orten Spektakel mache, gingen alle Arbeiter zur Urne.— Das ist so die richtige, von Herrn Leun ja schon bei der letzten Wahl erprobte Kuddelmuddel⸗ Taktik. Und man wird ste nicht blos in den genanuten Orten, sondern überall anwenden. Unsere Freunde müssen dafür sorgen, daß sie diesmal erfolglos bleibt!
— In Klein⸗Linden finde Samstag Abend eine Volksversammlung im Lokale des Herrn Hinterlang statt, in der die„Landtagswahl“ auf der Tages⸗ ordnung steht. Referent ist Redakteur Vetters.
Aus dem Rreise ꝗriedberg⸗Büdingen.
Aus Stockheim wird uns geschrieben: m In der hiesigen Zuckerfabrik besteht die zwölfstündkge Arbeitszeit. Mas das heißt, täglich 12 Stunden in diesem Werke als Arbeiter zu schuften, kennt nur der, der es selbst mitgemacht hat. Noch schlimmer wird diese zwölfstündige Schwitzkur dadurch, daß den Lenten fast keine Zeit zum Essen gelassen wird; über Hals und Kopf muß die Esserei nebenher, während der Arbeit ge— schehen, es darf auch in den„Pausen“ kein Arbeiter die Fabrikräume verlassen. Vielleicht genügt dieser Appell an die Oeffentlichkeit, die Direktion zu bewegen, die in allen Fabriken üblichen Pausen einzuhalten; noch nützlicher wäre es aber, wenn die Arbeiter sich organi⸗ sieren würden, um gemeinsam bessere Zustände zu er⸗ kämpfen, die wenigstens einigermaßen als menschenwürdige bezeichnet werden können.— Soweit die Zuschrift. Sie beweist wieder, daß Arbeiter, die keiner Organisation angehören, mehr unter ungünstigen Arbeitsbedingungen zu leiden haben, als solche, die ihrem Verband ange⸗ hören. Hoffentlich sehen bie betreffenden Arbeiter endlich auch die Notwendigkeit des Zusammenschlusses ein. Wir erklären uns gerne bereit, ihnen mit Rat und Tat dazu zu helfen.
Bahnen in Oberhessen. Am 1. Dezember soll die Teilstrecke Grebenhein⸗Gedern der Eisenbahn Lauterbach⸗Gedern⸗Stockheim⸗Vilbel dem Betrieb übergeben werden. An der genann⸗ ten 11 Kilometer langen Teilstrecke liegen sieben Stationen. Täglich sollen auf der Strecke 8 Züge ver⸗ kehren. Damit ist ein weiteres Glied in die Bahnver⸗ bindung des Vogelsberges und der Wetterau mit Frank⸗ furt eingefügt.
Aus dem Nreise Wetzlar.
Wahlkreis Wetzlar⸗ Altenkirchen. Sonntag, den 12. November, nachmittags 3½ Uhr im Gasthaus„Zur Glocke“ in Wetzlar: General versammlung des Wahl⸗ vereins.
h. Ueber Erziehung und Sozialismus sprach am vorigen Donnerstag Gen. Schulz⸗Beuern in einer bei Trinkhammer stattgefundenen öffentlichen Bersammlung. Seine Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Gegner meldeten sich keine zum Wort; sie kläffen erst immer hinterher. Eine Resolution, in der ausgesprochen wird, daß die Ausführungen des Referenten die heutigen Zustände im Erziehungswesen treffend be⸗ leuchten und daß erst die sozlalistische Gesellschast für das gesamte Volk eine vernünftige Erziehung herbeiführen würde, gelangt zur einstimmigen Annahme. Leider war die Versammlung— vielleicht zum Teil infolge des schlechten Wetters— nicht so stark besucht.— Das Amtsblatt hatte einem Inserat mit der Ankündigung der Versammlung die Aufnahme verweigert. Solche elend kleinliche Mittel wendet man in Wetzlar heute noch zur Bekämpfung der Sozialdemokratie an! Das beweist, daß diese Ordnungsleute noch weit hinter dem Monde daheim sind.
k. Sleg in Krofdorf⸗Gleiberg! Bei der am Doanerstag stattgefundenen Ge⸗ meinderatswahl wurden die vomsozial⸗ demokratischen Wahlverein aufgestellten Kandidaten Schaum und Winter bei außer⸗ gewöhnlich starker Wahlbeteiligung mit großer Mehrheit gewählt. So hat denn die elende
Hetze der Schwarzen, die unter der Flagge des sogenannten Bürgervereins segelten nichts genützt.
k. Bei der Gemeindewahl in Kinzenbach am Mittwoch stegten unsere Genossen in der dritten Klasse. Ihr Kandidat Mandler wurde mit 23 Stimmen gewählt. Der bisherige Gemeinderat erhielt nur s Stimmen.
Aus dem Nreise Alsfesd-Cauterbach.
* Alsfeld. Vorigen Sonntag Nachmittag hielt hier Gen. Robert Michels aus Marburg eine Ver⸗ sammlung ab, in welcher er über die heutige politische Lage und den Parteitag in Jena, mit besonderer Be⸗ rücksichtigung der Stellung von Partei und Gewerkschaft, der auswärtigen Politik und des Generalstreiks ceferierte. Die Versammlung, die von etwa 40 Personen besucht war, erklärte sich mit den Beschlüssen des Parteitages sowie den Ausführungen des Referenten bezüglich der politischen Lage einverstanden. In der Diskussion wurde von verschtedenen Seiten aber mit Recht darauf hinge⸗ wlesen, daß die Agitation im Kreise lange nicht energisch genug betriebeu werde. Auch wurde über die Lässigkeit des Vertrauensmannes bei der Bekanntmachung der Ver⸗ sammlungen berechtigte Klage geführt. So war z. B. diese Versammlung weder in der Mitteldeutschen noch durch Handzettel oder Plakate, sondern nur„mündlich“ bekannt gemacht worden, was für Alsfeld entschieden nicht genügt.
Aus dem Rreise Marburg⸗-Nirchhain.
h. Oeffentliche Holzarbeiter⸗ Versammlung. Am Dienstag, den 31. Okt. abends 9 Uhr findet im Hildemann'schen Saale, Barfüßertor eine öffentliche Holzarbeiter⸗Ver⸗ sammlung statt. Kollege G. Simo n-Augsburg wird über die„Geschichte des deutschen Holz⸗ arbeiterverbandes, dessen Kämpfe und Erfolge“ referieren. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht, eines jeden Kollegen für zahlreichen Besuch zu agitieren. Also Kollegen Marburgs und Umgegend erscheint Mann für Mann in dieser Versammlung.
Partei-Uachrichten. Sozialdemokratisches Handbuch
für das Großherzogtum Hessen.
Das Handbuch ist jetzt fertig gestellt und es kann der Versandt sofort beginnen.
Wir bitten die Genossen aller Orte, welche darauf reflektieren, umgehend ihre Bestellung so⸗ fort an den Genossen C. Ulrich, Offenbach a. M., Gr. Marktstr. 23 zu richten.
Der Preis desselben ist broschtert 60 Pfg., gebunden 1 Mk. In Partien von mindestens 10 Stück bezogen 40 bezw. 80 Pfg.
Bezüglich der Protokolle der Landes⸗ Konferenz von Alzey haben wir zur Kenntnis der Genossen zu bringen, daß die vorliegenden Bestellungen nicht genügen, um die Drucklegung zu veranlassen.
Das Landeakomitee.
Im„Vorwärts“ ist eine Differenz zwischen der Mehrheit der Redakteure und dem Parteivorstand ausgebrochen. Die Sache gibt natürlich der bürgerlichen Presse Anlaß zu verdächtigenden Angriffen.
Versammlungskalender.
Samstag, den 28. Oktober.
Gießen. Metallarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig.
Gießen. Fabrik⸗ und Hilfsarbeiter. Abends 6 Uhr Versammlung bet Löb(Wiener Hof). Tages⸗Ord.: Quartals abrechnung und Verbands⸗ angelegenheiten. Zahlreich erscheinen! 2
Marburg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Lokale D. Jesberg.
Sonntag, den 29. Oktober.
Gießen. Maschinisten und Heizer. Nach⸗
mittags 4 Uhr Versammlung im„Wiener Hof“. Weißbinder Versammlungen
am 29. ds. Mis. Vorm. 11 Uhr bei Seipp in
Hattenrod und nachm. ½4 Uhr bei Wagner
früher Größer in Großen⸗Buseck. In beiden
Versammlungen Referent Zimmerman n-⸗Frankfurt.
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Briefkasten.
r.⸗Stbg. Wegen Raummangel nächste Nummer.— Rödgen b. Nauhm. Wir bringen einen Auszug aus der Urteils⸗Begründung demnächst,


