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Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung.
r. 44.
Wahlmänner bezw. Landtagskandidaten, die sich verpflichten, für das allgemeine und kau⸗ telenfreie direkte geheime Wahl⸗ recht einzutreten, unterstützen, im Uebrigen je⸗ doch Wahlenthaltung üben.
In welchen Wahlbezirken wird
gewählt.
Neuwahlen zum hessischen Landtage finden alle drei Jahre statt und zwar scheiden jedes⸗ mal die Hälfte der Abgeordneten(25) aus. Dieses Jahr find in folgenden Kreisen Neu⸗ wahlen vorzunehmen:
Oberhessen Bisheriger Abgeordneter
1. Wahlbezirk(Vilbel).. Ullmann(ntl.) 2. 7(Friedberg⸗Bad Nauheim) Windecker(ntl.) 4. 5(Hungen⸗Lich).. Köhler(Brnbd.) 5. 5(Gießen⸗Land). Leun(Brubd.) 15„(Homberg) Brauer(Brubd.) 8. 5(Alsfeld⸗Ullrichstein). Korell(Brnbd.) 12. 5(Nidda⸗Ortenberg). Erk(Brnbd.)
13.„ Alultenstadt⸗Büdingen) Bähr(Brubd.)
Starkenburg
1. Wahlbezirk(Beerfelden⸗Wimpfen) Breimer(nutl.) 2. 5(Höchst).. Häusel(ntl.) 5 1(Fürth⸗Rheinheim). Ripper(Brubd.)
(Lorsch⸗Zwingenberg) Schlinger(Ztr.) 10. 5(Pfungstadt)... Haas(ntl.) 145*(Zwingenberg) Euler(frktl.) 12. 75(Darmstadt⸗Land). Noack(freis.) 14. 5(Groß⸗Gerau). Berthold(Soz.) 1 1(Langen). Cramer(Soz.) 175 5(Seligenstadt).. Horn(Ztr.)
Rheinhessen
2. Wahlbezir:(Alzey). Diehl(natl.) 3. 7(Wöllstein⸗Alzey). Pitthan(natl.) 4. 5(Osthofen). Schill(parteil.) 5. 5(Wörrstadt). Wolf(Brubdlr.) 7. 5 Nierstein).. Molthan(Ztr.) 8. 5(Kastell).. Dr. Schmitt(Ztr.) 10„ Gingen⸗Ober⸗Ingelheim) v. Brentano(Ztr.)
Von den 25. ausscheidenden Abgeordneten sind also zwei Sozialdemokraten, Nationalliberale, 8 Bauernbündler 5 Ultra⸗ montane, 1 Freisinniger und 1 Fraktionsloser.
Der Wahlkreis Gießen ⸗Land
umfaßt folgende Orte, die diesmal zusammen 41 Wahlmänner zu wählen haben. Maßgebend ist die bei der Volkszählung von 1900 festge⸗ stellte Einwohnerzahl. Auf je 500 Einwohner ist ein Wahlmann zu wählen. Demnach sind zu wählen in:
Einwohner⸗ Wahl⸗ zahl männer
Allendorf 703 1 Altenbuseck 1216 2 Annerod 549 1 Daubringen 743 1 Garbenteich 755 1 Großenbuseck 1704 3 Großenlinden 1 3 Hausen 453 1 Heuchelheim 2144 4 Kleinlinden 1526 3 Langgöns 1561 3 Leihgestern 1252 2 Lollar 1578 3 Mainzlar 481 1 Oppenrod 311 1 Rödgen mit Trohe 829 1 Ruttershausen⸗Kirchberg 446 1 Staufenberg mit Friedelhausen 734 1 Watzenborn⸗Steinberg 1728 3 Wieseck 2633 5
23091 41
In diesen Orten zusammen hat unsere Partei bei der Reichstagswahl beinahe zwei Drittel⸗ mehrheit. Es mögen aller diags viele unserer Reichstagswähler zum Landtage nicht wahlbe⸗ rechtigt sein. Immerhin sind unsere Genossen mit Schuld, wenn der Kreis wieder einem Gegner zufällt.
Von Nah und gern.
Gießener Angelegenheiten.
— In der Stadtverordneten⸗ Sitzung am Donnerstag kam zunächst nach Erledigung kleiner Sachen eine Eingabe aus⸗
überflüsstg sei.
wärtiger Metzger zur Verhandlung, in der die Petenten fordern, daß die Geführ für Untersuchung des eingeführten Fleisches in Weg⸗ fall kommen solle. Beigeordneter Curschmann legt dar, daß die Gebühr mäßig sei und die Untersuchung der Stadt Kosten verursache. Daraufhin wird es abgelehnt, dem Gesuch zu entsprechen.— Der Antrag der Schlachthof kommission, die Fütterung des eingestellten Viehes in städtische Regie zu übernehmen, wird angeuommen.— Es kommt dann ein Statut⸗ Entwurf betr. Wahl eines Arbeiter⸗Aus⸗ schusses für die städtischen Arbeiter zur Beratung. Danach sollen auf je 30 Ar⸗ beiter einer, im ganzen sech s gewählt werden, die den Ausschuß bilden sollen. Zu einer Debatte kommt es nur bei der Bestimmung, wonach zum Ausschuß⸗Mitglied nur Arbeiter gewählt werden können, die seit drei Jahren bei der Stadt beschäftigt sind. Dagegen wendete sich mit Recht Stadtv. Orbig, der betont, daß diese Bestimmung eine Härte darstelle und Auch dem Stadtv. Haubach erscheinen 3 Jahre zuviel. Doch wird nach längerer Debatte nach dem Vorschlag der Kommission beschlossen. Im weiteren wird das Statut, auf das wir noch zurückkommen, an⸗ genommen.— Der Ueberlassuug einer Wald⸗ parzelle an den Militär⸗Fiskus zum Exer zier⸗ platz wird zugestimmt. Dagegen soll das Militär in der Nähe von Wohnungen nicht mit Platzpatronen schießen, was Stadtv. Löber im Gegenteil ganz interessant findet.— Zur Angelegenheit Jäger und Rumpf erklärt der Oberbürgermeister, daß freihändige Ver⸗ gebungen an die Firma nur in sehr geringem Umfange stattgefunden hätten. Ferner könne von Bestechungen keine Rede sein. Zwei Beamten hätten außerhalb ihrer Dienststunden Arbeiten für die Firma gemacht und dafür 220 Mk. erhalten; ein anderer für Zuweisung einer Arbeit an die Firma 100 Mk. Die Ar⸗ beiten der Firma seien ordnungsmäßig ausge⸗ führt. Stadto. Gabriel stellt fest, daß weder er, noch andere von Bestechungen gesprochen hätten. Eine Notiz in der„Kl. P.“, in der ihnen dies unterschoben werde, sei durchaus falsch. Die hier in Rede stehenden Beträge seien allerdings klein; später müsse aber noch über höhere Auskunft verlangt werden. Herr Schmall bemerkt, die Sache sei doch nicht so klein und harmlos.— In der nun fol- genden nichtöffentlichen Sitzung wird man weiter darüber geredet haben.
f. Das Fest der Eintracht am Sams⸗ tag war recht gut von der Gießener Arbeiter⸗ schaft besucht. Von den gesauglichen Dar⸗ bietungen, sowie den Leistungen der„Freien Turnerschaft“ waren die Besucher des Lobes voll und es muß in der Tat anerkannt werden, daß sich die beiden Arbeitervereine eifrig be⸗ mühen, die Aufgaben zu erfüllen, die ste sich gestellt haben. Zu wünschen wäre nur, daß mehr organisterte Arbeiter als seither dem Ge⸗ sangvereine beitreten möchten, zumal der Verein in der Person des Herrn August Bauer einen Dirigenten besitzt, der in der Lage ist die Sänger mit Energie und Takt zu leiten.— Diesen Samstag hält nun bekanntlich noch der Schneiderverband ebenfalls im Café Leib sein Stiftungsfest ab, auf das wir nochmals auf⸗ merksam machen wollen.
— Eine öffentliche Holzarbeiter⸗ Versammlung sindet Montag Abend 8 ¼ Uhr im Saale„Lonys Bierkeller“ statt. Herr Gg. Simon aus Augsburg wird über„die Kämpfe und Erfolge des Holzarbeiterverbandes“ sprechen. Es ist wünschenswert, daß alle in Gießen beschäftigten Holzarbeiter in dieser Ver⸗ sammlung erscheinen und es dürfte auch für Angehörige anderer Berufe die Versammlung viel des Interessanten bieten.
— Kater Lampe, die Komödie Rosenow's wird Sonntag Abend im Gießener Stadttheater wiederholt.
Aus dem Rreise gießen.
— Eine Versammlung in Beuern, die am Sonntag in der„Germania“ dort stattfand und gut besucht war, nahm einen Vortrag des Gen. Joh. Diehl⸗Gießen über
politische Pflichten und Rechte entgegen. Redner besprach einleitend die heutigen politischen und wirtschaftlichen Zustände und führte aus, daß diese die Lage und Verhältnisse des Einzelnen sehr stark beeinflussen. Deshalb könne heute kein Vernünftiger mehr gleichgültig an den. politischen Dingen vorüber gehen, jeder müsse vielmehr in seinem eigenen Interesse mitarbeiten, um soviel an ihm liegt, dafür zu sorgen, daß im Reiche, wie in unserem engeren Vaterlande eine auf das Wohl des arbeitenden Volkes ge⸗ richtete Politik getrieben wird. Das zu erreichen sei Zusammenschluß, Organisation nötig. Zum Schluß fordert er zum Beitritt in den Kreis⸗ wahlverein auf, dem auch von einer Anzahl Erschienenen entsprochen wurde. Sache der Beuerner Arbeiter wird es nun sein, dem neu⸗ gegründeten Verein immer mehr Mitglieder zuzuführen!.
Auf zur Wahl! Wähler in Gießen Land! Parteifreunde! Wie ge⸗
meldet wird, hat die Regierung die
Wahlmännerwahlen
bereits auf Mittwoch, den 15. November
festgesetzt. Die Abgeordnetenwahlen sollen am 28. November stattfinden. Es bleibt daher nur noch wenig Zeit zur Agitation übrig, die unsere Freunde tüchtig ausnützen müssen. Ueberall, wo die Vorbereitungen noch nicht beendet sind, muß so⸗ fort die letzte Hand angelegt werden! Wegen etwaiger Aus⸗ künfte wende man sich an den Vorsitzenden des Kreiswahlvereins Gg. Beckmann, Gießen, Grün⸗ bergerstraße 44. Die nächster Tage erscheinenden Flugblätter wollen unsere Genossen allerorts Nesondede und richtig verteilen.
esondere Aufmerksamkeit wende man den
Wählerlisten zu, die nächster Tage ausgelegt werden und in denen auch die⸗
jenigen Wähler besonders bezeichnet
sind, die als Wahlmänner gewählt werden können. f Die Auslegung findet nur an drei Tagen
att. Wahlberechtigt ist und muß demnach in die Wählerlisten eingetragen werden jeder
Jahre alte Hesse, der selt dem 1. April 1905
irgend welche(Staats⸗ oder Kommunal-) Steuern zahlt.
Zum Wahlmann
kann jeder 25 Jahre alte Hesse gewählt
werden, der mindestens 80 Mk. Normalsteuer⸗ kapital versteuert. Dieser Steuerleistung ge⸗ nügt, wer pro Ziel mindestens 2,10 Mk. direkte Staatssteuer bezahlt. Es kommt dabei nicht
blos die Einkommensteuer, sondern auch andere
direkte an den Staat geleistete Steuern, Ver⸗ mögens-, Grundsteuern ꝛc. in Betracht.
Wähler! tätigen Bevölkerung haben im Wahlkreise Gießen⸗ Land die erdrückende Mehrheit. Sie haben die
Aufgabe, dafür zu sorgen, daß nicht wieder ein Feind des direkten Wahlrechts,
Die Angehörigen der werk⸗
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