Ausgabe 
29.1.1905
 
Einzelbild herunterladen

kr

ge⸗ on I. ts

lk. . ken

uit ter de . bei ug, ek, gen

der ale ind

fag em ein juf on lb ind

sich im⸗ den rf

er⸗ ert

ins gan

ten

ab. ger

ung 0 von len

Mit i ren del eden dell

aud des el die dle der

len el ler fell 9 un it

C. 2

e C

e

Sr

..

.

Nr. 5.

Mitter deutsche Sonntaas⸗Zeitung.

Seile 5.

die Sache noch ein böses Nachspiel.

in der Kirche unter Assistenz des Herrn Dekans

vor sich und zum Schluß defilteren die Be⸗

schenkten vor den 14 16 jährigen Töchtern

des Herrn Müller und bezeugen ihren Dank für die Gaben. Für einen der W 07 Dieser, ein Waisenknabe, bekam nämlich nicht ein Ge⸗ sangbuch, wie die übrigen Konfirmanden, sondern

ein Halstuch oder Aehnliches. Das wollte aber

der Pflegevater des Jungen nicht haben und schickte es wieder zum Dekan zurück. Ob das nun gerade richtig war, mag dahingestellt bleiben. Der Herr Dekan aber geriet darüber in Wut und schlug dem Jungen dermaßen ins Gesicht, daß dieser blutend zu Hause ankam. Besonders christlich war diese Handlungsweise gewiß nicht.

b. Staufenberg. Unser Volksverein hält Samstag, den 4. Februar sein Winter⸗ fest, bestehend in Konzert und Vorträgen ab. Die Mitglieder wollen pünktlich ¼ 8 Uhr er⸗ scheinen.(In welchem Lokale hat der Ein⸗ sender anzugeben vergessen. D. R.)

Aus dem Rreise Alsfesd-Cauter bach.

g. Freie Turnerschaft in Alsfeld. Diesen Sonntag, den 29. Januar, nachmittags Uhr soll imStadtpark eine Zusammenkunft stattfinden, in der die Gründung eines Arbeiterturnvereins vorgenommen werden soll. Hier besteht zwar seit Jahren ein Turn⸗ verein, diesem können jedoch Arbeiter, die etwas auf sich halten, nicht beitreten, denn sie werden dort als minder⸗ wertig angesehen. In dem Statut desselben findet man Stellen, wonach Arbeiter nicht aufgenommen werden dürfen! Der Kastengeist herrscht und die Arbeiter werden von oben herunter angesehen. Deshalb wollen unsere Turnfreunde sich einen neuen Verein schaffen, in dem die Parole gilt: Gleiches Recht für alle! Recht zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Zum Gelingen des Werkes ein kräftiges Frei Heil!

Aus dem Rreise Weßlar.

h. Von einem schweren Unglück wurde am Sonntag der Weißbindermeister Mohr heimgesucht. Seine beiden Töchter im Alter von 13 und 15 Jahren brachen, als sie vom Schlitischuhlaufen auf der Ochsenwiese über die zugefrorene Lahn heimkehren wollten, plötzlich ein und ertranken. Es gelang zwar, das ältere der Mädchen bald wieder ans Land zu bekommen, doch blieben die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche leider erfolglos. Die Leiche ihrer Schwester wurde erst am Montag geländet. Der Schmerz des Vaters, dem es manchmal nicht leicht geworden ist, seine Kinder so weit zu erziehen, die ihm jetzt hätten eine Stütze sein können, kann man sich vorstellen. Nicht mit Unrecht verlangt das Publikum, daß in der Nähe der Eisbahn Rettungsmittel vor⸗ handen sein sollten.

* Die Vorträge des Wunderdoktors oder Predigers Semmel, über die kürzlich im Wetzl. Anz. berichtet wurde, nimmt in der heutigen Nummer ein Arzt in einem längeren ArtikelDer fromme Helfer auf Seite 6 unter die Lupe. Wir machen darauf nicht bloß unsere Wetzlarer, sondern alle Leser unseres Blattes besonders aufmerksam.

Westerwald und Anterlahn.

t. Infolge des Bergarbeiterstreiks wurde der HochofenAgnesenhütte bei Haiger ge⸗ löscht. Aus denselben vielleicht auch noch aus andern Gründen arbeiten die Leim⸗ und Terrazzo⸗ fabriken mit beschränkter Arbeitszeit und Feierschichten. Einzelne Werke halten sich mit Braunkohlen. Aus Nächstenliebe haben dann auch die Privat Besitzer der Westerwälder Braunkohlen⸗Gruben ihre Preise erhöht. Von einer Erhöhung der Arbeitslöhne in diesen Be⸗ trieben verlautet indessen nichts.

t. Haiger. Am Montag brach in der schon seit Jahren stillstehenden Zementfabrik Westerwald Feuer aus, welches das Sackmagazin und die Terrazzo⸗Fabrik einäscherte. Der Schaden wird 50 60,000 Mark betragen. Allerdings wirkt derselbe um so empfindlicher, weil die Fabrik ¼ Selbstversicherung trägt. Das Unternehmen selbst leidet an chronischer Betriebsunfähig⸗ keit, Geld ist immer das Wenigste gewesen, worüber die Verwaltung verfügte. Auf den Betrieb wird der Brand weiter keinen Einfluß ausüben, denn das ganze Personal, bestehend aus drei Arbeitern, einem Nacht⸗ wächter und zwei Direktoren, dürfte weiter beschäftigt werden.

65

Aus dem Rreise Marburg⸗Airchhaimn.

r. Konsumpverein. In der General⸗ versammlung am Sonntage, die einen sehr zahlreichen Besuch aufwies, berichtete Geschäfts⸗ führer Fischer über die Entwickelung der Geno ssenschaft im letzten Quartal des verflossenen Jahres. Der Verein kann auch auf diesen Zeitabschnitt mit Befriedigung zurückblicken. Die Mitgliederzahl ist wiederum gestiegen, sie beträgt jetzt 445. Infolgedessen ist auch eine erfreuliche Steigerung des Umsatzes zu verzeich⸗ nen, die gegen das letzte Quartal des Vorjahres etwa 50 Prozent beträgt. Eine Statistik über die Berufsangehörigkeit der Mitglieder ergab, daß sieben Achtel davon Arbeiter sind, woraus sich die erfreuliche Tatsache er⸗ kennen läßt, daß innerhalb der Arbeiterkreise immer mehr der Wert der Konsumgenossenschaft erkannt wird. Bezüglich der Bäckeret kann gesagt werden, daß dieKinderkrankheiten als überwunden gelten dürfen, sie hat in der Be⸗ richtszeit bereits mit Ueberschuß gearbeitet. Getadelt wurde jedoch, daß nicht sämtliche Mitglieder ihren Bedarf an Weißbackwaren aus der Konsumbäckerei beziehen. Alle sollten doch bedenken, daß sie nur ihren eigenen Vorteil wahrnehmen, wenn ste die Waren in ihrem eigenen Geschäft beziehen. Der Brotverkauf dagegen stieg derart, daß man die Abgabe an Nichtmitglieder einstellen mußte. Ueber die Anstellung eines Geschäftsführers war man sich infolge der immer größeren Ausdeh⸗ nung des Vereins einig, und wurde Herr Franz Fischer vom 1. Februar d. J. an als be⸗ soldeter Geschäftsführer angestellt. Die An⸗ schaffung eines eigenen Fuhrwerks und die Er richtung eines Zentrallagers wurde allgemein gut geheißen und die Verwaltung beauftragt, das Weitere zu veranlassen. Ferner wurde beschlossen, mit dem 8 Uhr Ladenschluß an den Wochentogen(außer Samstags) am Montag den 23. Januar zu beginnen und wollen die Mitglieder sich danach richten. In der weiteren Diskusston gab man der Meinung Ausdruck, daß die Mitglieder nicht auf mög⸗ lichst hohe Dividende sehen sollen, sondern es müsse vielmehr dahin gestrebt werden, billige und gute Waren zu liefern. Dazu müsse die Eigenproduktion nach Möglichkeit ausgebaut werden. Diese Ausführungen fanden allge meine Zustimmung.

O Zwei Ersatzwahlen zur Stadverord⸗ neten⸗Vesammlung fanden am Samstag unter Aus⸗ schluß des öffentlichen Interesses statt. Die Reihen unserer Stadtväter hatten sich durch Tod und Wegzug derart gelichtet, daß es schwer hielt, genügend pflicht⸗ eifrige Stadtverordnete zusammen zu bekommen, um be schlußfähig zu sein. Es wurden deshalb zwei Ersatz⸗ wahlen für die erste Klasse ausgeschrieben, die übrigen Klassen können warten bis zu den ordentlichen Wahlen im Herbst.

O Winterlöhne erhalten zur Zeit die Arbeiter der Maschinenfabrik von Ostheim hierselbst. Winterlöhne bedeutet kürzere Arbeitszeit und geringeren Stundenlohn. Von den ca. 200 Metallarbeitern Marburgs sind nur 23 organisiert. Das macht es erklärlich, daß Unter⸗ nehmer sich Winter löhne erlauben dürfen.

O Kohlenwucher darf man es wohl nennen, wenn hiesige Händler den Bergarbeiterstreik dazu benutzen, die Kohlenpreise bedeutend zu erhöhen. Die jetzt vor⸗ rätigen Kohlen dürfen wohl kaum zu einem Preise ein⸗ gekauft sein, der eine Preissteigerung rechtfertigt, unter der gerade die Armen, denen es nicht möglich ist im Herbst sich mit Vorrat für den Winter zu versehen, zu leiden haben.

r. Die Wahlvereinsversammlung, findet diesen Samstag, 28. Januar statt, nicht Sonntag, 29., wie irrtümlich in der letzten Nr. der Mitteld. S.⸗Ztg. angegeben war. In der Versammlung wird Gen. Dr. Quarck⸗Frankfurt überKommunal⸗ politik sprechen.

r. Gewerkschaftsfest. Die vereinigten Ge⸗ werkschaften feiern diesen Sonntag im Café Quentin (Höck) ihr diesjähriges Winterfest. Von jeher waren die Gewerkschaftsfeste gut besucht, und so wird es auch diesmal der Fall sein. Für genügende Unter⸗ haltung ist auf das Beste gesorgt. Konzert, Gesangs⸗ vorträge, Theater, Fastnachtsüberraschungen usw sorgen dafür, daß jeder auf seine Kosten kommt. Die Festrede hält Genosse Dr. Quarck aus Frankfurt. Selbstverständ⸗ lich wird auch dem Tanze gehuldigt werden. Auf zahl⸗

Gewerkschaftsversammlung.(Forts. v. Ber aus vor. Nr.)

Es solgte hierauf der Jahresbericht der Gewerk⸗ schaftskommission, den Genosse Rößler erstattete. Daraus sei mitgeteilt, daß Anfangs des Jahres 1904 der Kommission 9 Gewerkschaften mit 207 Mitgliedern angeschlossen waren. Lohnbewegungen haben zwei, die der Maler und der Maurer stattgefunden. Oeffentliche Versammlungen wurden in Marburg und Umgebung 92 von den einzelnen Berufen abgehalten. Die Bau⸗ hilfsarbeiter, Steinarbeiter, Mühlenarbeiter, Bäcker, Zimmerer und Tapezierer gründeten Zahlstellen. Sta⸗ tistische Erhebungen wurden in den Berufen der Leder⸗ arbeiter, Transportarbeiter, Maurer, Tapezierer, Kondi⸗ toren, Buchbinder, Metzger und Brauer aufgenommen. Bei den Wahlen zur Ortskrankenkasse(Vorstandswahl) und denen zur Landesversicherungsanstalt griff die Kommission ein; die von ihr aufgestellten Kandidaten wurden gewählt. Am Schlusse des Jahres waren in 16 Berufen 439 Mitglieder organisiert, die doppelte Zahl als bei Beginn des Jahres. Sie verteilen sich auf die einzelnen Berufe wie folgt:

Beschäftigt Organisiert WManunr?ß g 9 5

Buchdrucker, 8 46 Bicerrr 8 9 Erd⸗ und Bauhilfsarbeiter 300 65 Formsteche, 7 7 Holdar beiter, 886 45 Kupferschmiede 8 4 Ref, 2 55 Maurer ee 55 Steinapbeite, 0 33 Schleiden, 88 26 Metallarbeiteeee r 200 23 Mühlen arbeiter 30 12 Schuh machen 35 12 hee 15 Zimmerer 40 27

Insgesamt betrug die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder anfangs 1903: 139; 1904 207 und dieses Jahr 43 9. An christlichen Organisationen bestehen in Mar⸗ burg 2, die der Maurer git 28 Mitgliedern, und die der Eisenbahner mit 240 Mitgliedern. Wir haben in Marburg also eine ganz erfreuliche Entwickelung unserer Gewerkschaften zu verzeichnen. Allerdings dürfen wir uns damit noch nicht zufrieden geben, sondern müssen uns bemühen, die unserer Bewegung noch Fern⸗ stehenden zu gewinnen. Das wurde auch in der sich an dem Bericht anschließenden Diskussion zum Ausdruck gebracht. Und ferner wurde dabei die geringe Frequenz desVolksbades getadelt und die Mitglieder ermahnt, das Bad fleißig zu benutzen. Der Preis wurde so gering angesetzt, daß jeder Arbeiter sich ein Bad leisten kann. Zum Schluß wurde auch die Bibliothek zu größerer Benutzung empfohlen.

* Here Gastwirt Aug. Hildemann er⸗ sucht uns um Aufnahme des Folgenden:

Erklärung.

Durch verschiedene Anfragen sehe ich mich veranlaßt, folgendes zu erklären: Von einem Kommissionsmitglied der hiesigen Gewerkschaften ist die Aeußerung getan worden, ich hätte meinen Saal zu Gewerkschafts⸗ sowie einer Partei⸗Versammlung verweigert. Unterzeichneter erklärt hiermit, daß dies nicht den Tatsachen entspricht, denn ich habe bis jetzt noch weder einer Gewerkschaft noch der Partei meinen Saal verweigert.

August Hildemann.

Versammliungskalender. Samstag, den 28. Januar, Gießen. Sozlaldem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Sonntag, den 29. Januar. Heuchelheim. Arbetterbildungsverein. Abends 8 Uhr Versammlung bei Wirt Karl Rinn. Sonntag, den 4. Februar.

Für die streikenden Bergarbeiter gingen folgende B träge ein:

Bei der Redaktion der Mitteld. Sonntags⸗Zeitung: E. Krumm, erste Rate 20 Mk.; Frau Elisabeth Krumm für die Frauen und Kinder der Streikenden 10 Mk.; Krofdorf, durch St. 76,30 Mk., Stck. 0,50.

Bei der Expedition der Mitteld. Sonntags Zeitung: Sp. 2, Mk., H. H. 2., B. R. 1,, W. U. Nieder⸗ Mockstadt 4,, von Herrn M. F. 10,W. S. 1,.

Bei dem Gewerkschaftskartell: Brauer Mk. 30,. Buchdrucker 50,, Küfer 20,, Schneider 10,.. Liste 5 Mk. 11.30, L. 10 15,20, L. 20 Steinberg) 12,25, L. 21 0,55, L. 12 54,80, L. 24 18,70 T Gewerkschaftskartell 400,. Summa Mk. 753.50.

Bei A. Fauth, Wetzlar: Liste 0755 Mk. 15,06, L. 0764 3,85, L. 0771 1760. Summa Mk. 41,50.

Die Lokalliste veröffentlichen wir in nächster Nummer. H.⸗Etzl.⸗Wblsbch. Das Forstgesetz haben wir nicht vorratig. T.⸗Haiger. Den Schwindel⸗ bericht des Herborner Stöckerblättchen wollen wir in

reichen Besuch der Arbeiterschaft Marburgs wird daher der nächsten Nr. ein wenig beleuchten. Der Bursche gerechnet.(Siehe Inserat.) lügt und verleumdet ja haarsträubend. 5 2