Ausgabe 
29.1.1905
 
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hat, will der Ehrengerichtshof dahingestellt sein lassen.

sonen des Arbeiterstandes verkehrte.

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Seite 4.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Nr. 5.

dieses abgeänderten Urteilsspruches sind inter⸗ essant. Sie lauten:Was den allzu familiären

mgang Dr. Frank's mit tief unter seinem Stande stehenden Personen betrifft, so ist nach Ansicht des Ehrengerichtshofes kein Stand unseres Volkes so gering, daß ein vertranlicher Umgang mit ehrenhaften Mitgliedern desselben an sich dem ärztlichen Stande zur Unehre ge⸗ reichen könnte. Sind doch schließlich aus allen Ständen unseres Volkes auch tüchtige und ehren⸗ werte Aerzte hervorgegangen. Allerdings kommt es auf die Art und Wesse des Umganges an, und daß er in anständigen Grenzen bleibt. Ob Dr. Frank diese Grenzen immer eingehalten

Zu bemerken ist noch, daß Dr. Frank ausschließlich mit redlichen und Te

ner unserer Redakteure, bemerkt dazu die Frankfurter Volksstimme, der früher Jurist war, kann dem hinzufügen, daß auch ihm s. Z. als Refe⸗ rendar sein Verkehr mitredlichen und ehrlichen Arbeitern weit schlimmer angerechnet worden ist, als Kollegen von ihm der größte Exzeß bet Zech⸗ und Saufgelagen. Jede Natton zerfällt eben heute in zwei Welten, die sich nicht mehr verstehen!

Sieg in Calbe⸗Aschersleben!

Die am Dienstag vorgenommene Stich⸗ wahl im Reichstagswahlkreise Calbe⸗Aschers⸗ leben brachte unserer Partei einen glänzenden Sieg. Unser Genosse Albrecht wurde mit 21730 Stimmen gewählt, der Nationalliberale Placke erhielt 19435. Gegen das Ergebnis der ersten Wahl haben die bürgerlichen Parteien zirka 1000 Stimmen eingebüßt, wir dagegen 2400 gewonnen und sogar die bei der Haupt⸗ wahl 1903 erreichte Stimmenzahl um 500 über⸗ troffen. Nun kann dieHess. Landesztg. wieder vonSymptomen der Wirkungen von Dresden reden.

Neues Ministerium in Frankreich.

Das Ministerium Combes ist nunmehr durch ein solches unter der Präsidentschaft desGe⸗ mäßigten Rouvier, der bisher Finanzminister war, abgelöst worden. Darin und in dem Umstand, daß die beiden Gemäßigten Depuy und Poincarré dem Ministerium angehörten, durfte man eine Abflauung des Kampfes gegen Reaktionäre und Klerikale erblicken. In der ersten Sitzung beschlossen jedoch die radikalen Mitglieder, an dem Programm der früheren Regierung festzuhalten, worauf die beiden Ge⸗ nannten austraten. Von dem bisherigen Mi⸗ nisterium sind der Kriegsminister Berte aux, Delcassé(Aeußeres) in dem Kabinet Rouvier verblieben.

Ein Sozialdemokrat gehört dem Ministerium nicht on; gemäß der früher gefaßten Beschlüsse haben die sozialdemokratischen Gruppen es abge⸗ lehnt, einen der ihrigen den Eintritt in die Regierung zu gestatten. Und das ist gut so.

Luise Michels Begräbnis

fand in Paris am Mittwoch unter ungeheurer Beteiligung man schätzte die Zahl der Teil⸗ nehmer auf zwanzigtausend statt. An ihrem Grabe im Friedhof von Levallois Perret hielt Gaspard Girault, sowie der Maire des Bezirks Levallois im Namen des Gemeinderats eine Gedächtnisrede. Die Leiche war von Marseille nach Paris gebracht worden und schon dort hatte unter Anwesenheit vieler Arbeitersyndikate eine Leichenfeier stattgefunden, bei der von dem füheren Bürgermeister Flaissieres, augenblicklich

Vorsitzenden des Generalrats eine Rede gehalten wurde.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Eine Konferenz der Maurer des Gaues Frankfurt tagte am Sonntag in Darmstadt. Sie war von 100 Delegierten besucht. Aus dem Jahresberichte, der vom Gauleiter Hütt⸗ mann erstattet wurde, geht hervor, daß die Organisatlon überall gute Fortschritte gemacht hat. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1904 9100

in dem Bezirke. Hüttmann meinte für die Weiterbildung der Mitglieder müsse mehr getan werden. Der Kassenbericht weist an Einnahmen 13 523.98 Mark, an Ausgaben 12 051.72 Mark auf. Kassenbestand: 1472.26 Mark. Im Namen der Revisoren erklärte Pfeiffer⸗Vilbel, daß Alles in Ordnung befunden wurde. Verbandsvor⸗ sitzender Bömelburg sprach seine Befriedigung über den diesjährigen Gaubericht aus und dankte dem Gauvorstande für diesen Erfolg. Er bat, die Zeit vor Ablauf des Vertrages richtig aus⸗ zunützen, dann könne die Mikgltederzahl auf verschiedene Tausend mehr gebracht werden. Er wies die entstandenen Mehrausgaben durch die eingeführten Unterstützungseinrichtungen nach und begründete die Notwendigkeit eines großen Vermögens bestandes eines jeden einzelnen Zweig⸗ vereins. Opferwilligkeit ist unbedingt notwendig, um für schwere Kämpfe gewachsen zu sein und die Lebensweise der Maurer menschenwürdig zu gestalten. Für Streiks im Gau wurden 201 462.03 Mark vereinnahmt und ausgegeben, gegen 57 229.27 Mark im Jahre 1903. Die Zuschüsse des Hauptvorstandes betrugen 1904 185 464 Mark, von letzterer Summe entfallen auf Streikunterstützung 184 711.85 Mark. Zum Schluß wurde die Wahl des Gauvorstandes vorgenommen.

Arbeitet, Partrifteunde!

Gedenkt der kämpfenden Bergarbeiter im Auhrrevier!

Don mah und Fern. Hessisches.

Durch einenGnadenerlaß, den der Großherzog anläßlich seiner am 2. Febr. stattfindenden Vermählung ergehen läßt, werden alle wegen Majestätsbeleidigung ꝛc., wegen wörtlicher Beleidigung einer Behörde usw., wegen Zuwiderhandlungen gegen die Bestimm⸗ ungen des Forst⸗ und Feldstrafrechtes, sowie wegen Uebertretung verhängten Strafen erlassen, wenn sie auf Gefängnis, Festungshaft, Haft oder Geldstrafe lauten und spätestens mit Ab⸗ lauf des 2. Feor. rechtskräftig geworden sind.

Einen Gemeindewahlsieg errangen unsere Genossen in Ober-Roden(Starken⸗ burg). Ihre Kandidaten wurden mit großer Mehrheit gewählt.

Dertechnische Mißgriff bei dem Heyls⸗Organ. DerWormser Zeitung ist ein Malheur passiert. Es hatte seinen an staatserhaltende und militärfreundliche Kost gewöhnten Lesern folgenden Witz vorgesetzt: Verrannt. Leutnant:Wer von Euch Kerls ging denn gestern Abend an mir vorüber, ohne Front zu machen? Zum Donnerwetter, wenn ich mir hundert dämliche Gesichter merken muß, könnt Ihr Euch doch wohl eins

merken! Schon am nächsten Tage tat die

Redaktion Buße. Sie erklärte imBriefkasten reuevoll:Alter Soldat. Wir siad ganz Ihrer Meinung, der sogenannte Witz in der gestrigen Morgennummer ist kein Witz und gehört nicht in unser Blatt. Er ist infolge eines technischen Mißgriffs zum Abdruck gelang, nachdem der betreffende Ausschnitt bet der Korrektur übersehen worden war. Der technische Mißgriff ist natürlich nur eine faule Ausrede.

Gießener Angelegenheiten.

Die Gewerkschaftsversammlung am Sonntag war nicht so gut besucht, wie sie es hätte sein sollen. Zunächst nahm die Ver⸗ sammlung einen kurzen Vortrag des Genossen Vetters über den Kohlenarbeiterstreik entgegen, worauf der Vorsitzende des Kartells, Genosse Bock, über die Tätigkeit des Gewerkschaftskartells Bericht erstattete. Daraus ist zu ene nehmen, daß in einer Reihe von Berufen, von denen hier in Gießen bisher noch keine Organisationen bestanden, solche geschaffen wurden. Ferner veranstaltete das Kartell einen Rezitationsabend sowie das Mai⸗ und Gewerkschaftsfest. Diese Veranstaltungen hatten zahlreichen Besuch auf⸗

zuweisen.

ledigt. Den Gießener Gewerkschaftsfilialen ge⸗ hören jetzt insgesamt 1190 Mitglieder an, von denen allerdings ein nicht geringer Prozentsatz außerhalb wohnt. Der Bericht des Kassterers weist an allgemeinen Einnahmen 872.18 Mk.,

Ausgaben 799.43 Mk. nach. Für den Streik⸗

fonds Einnahme 286.10 Mk., Ausgabe 448.29 Mk. Nachdem die Abrechnung von den Reoisoren bestätigt war, wurde in die Beratung des neuen Kartellstatuts eingetreten und der Entwurf mit einigen kleinen Abänderungen genehmigt. Unter anderem wurde dann festgesetzt, daß jede Ge⸗ werkschaft vierteljährlich für jedes ihrer Mit⸗ lieder 10 Pfg. für die Kartellkasse und 15 Pfg. ür den Streikfonds zu leisten hat. Hierbei bleiben solche Mitglieder außer Berechnung, die zwar hiestigen Gewerkschaften angehören, aber anderwärts wohnen und dort zu Beiträgen herangezogen werden. Im Weiteren wurde noch der Bericht der Bibliothekare sowie der Auskunftsstelle entgegengenommen. Letztere er⸗ teilte im letzten Vierteljahre in 34 Fällen Aus⸗ kunft. Mit der Bitte, das Möglichste für die Unterstützung der kämpfenden Bergleute zu tun, schloß der Vorsitzende hierauf die Versammlung.

Besichtigung der neuen Biblio⸗ thek. Diesen Sonntag vormittags 11 Uhr findet die bereits früher angekündigte Besichtigung des neuen Bibliothek⸗Gebäudes der Universitär durch die Gewerkschaften statt. Zu diesem Zwecke wollen sich die Mitglieder nebst Frauen recht pünktlich 11 Uhr besser noch einige Minuten früher in der Treppenhalle der Bibliothek(Stephanstraße) einfinden. Freunde, Bekannte können sich anschließen. Einer der Herren Bibliothekare wird erst im Lesesaale einen kleinen Vortrag über die Bibliothek und ihre Einrichtungen halten.

Wahlverein. Diesen Samstag findet die erste Vereinsversammlung in diesem Jahre statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag von Genosse Vetters:Rückblick auf das Jahr 1904, ferner Geschäfts⸗ und Kassen⸗ bericht des Vorstandes über das zweite Halb⸗ jahr 1904. Es wird um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht.

DerBürgerverein hat sich

nun endgiltig konstttuiert. In einer Versamm⸗

Außerdem wurde eine große Anzahl örtlicher gewerkschaftlicher Angelegenheiten er⸗

lung in Steins Garten am Dienstag wurden 1 f

die Statuten nach dem vorgelegten Entwurf genehmigt und ein Vorstand von achtzehn Per⸗ sonen gewählt. Zu wenig sind das nicht. Herr Lehrer V. Müller, der den Vorsttz führte, be⸗

zeichnete als Programm des neuen Vereins 1

seine Programmlosigkett. Wie weit man. damit kommen wird, mag die Zeit lehren.

Der Sanitätsberein hält nächsten Montag, 30. Januar, abends ½9 Uhr im Gambrinus seine Generalversammlung ab. Wir verwetsen auf das Inserat in heutiger Nummer.

Raubmörder Hud de ist nach Mitteilung der Gießener Staatsanwaltschaft als überführt zu erachten. Es hat sich herausgestellt, daß eine von Hudde in Köln versetzte Uhr diejenige des ermordeten Pfarrers Thöbes ist.

Aus dem Rreise gießen.

Wohltätigkeit. Mancher mit Glücksgütern reich gesegnete Mitmensch fühlt

um Weihnachten herum ein menschliches Rühren

gegenüber denjenigen seiner Nächsten, die in der Wahl ihrer Eltern weniger vorsichtig gewesen sind. Mit vielem Drum und Dran werden

Weihnachtsbescheerungen angerichtet und bedürf⸗

tigen Kindern irgend ein billiger Gegenstand in die Hand gedrückt. Die Hochherzigkeit des edlen Gebers wird dann in dengutgesinnten Zeitungen hoch gepriesen, wenngleich er die Mittel zu seiner Wohltätigkeit erst durch die Arbeit der Eltern der beschenkten Kinder oder anderer Leute erwarb. Wie mancher übt oft Wohltätigkeit, der seine Arbeiter lieber streiken lassen würde, als ein paar Pfennige Lohner⸗ höhung bewilligen! Von dem Millionär Müller in Leihgestern wurden auch an vergangenen Weihnachten, wie alljährlich die dortigen Kinder mit Kleinigkeiten, Schürzen, Halstüchern und

wollenen Jäckchen beschenkt. Diese Sache geht

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