Ausgabe 
29.1.1905
 
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Nr. 5

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

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lage der Arbeiter zu ständigen Kontraktbrüchen benutzen.!

Die Seilfahrt ist ohne Aenderung der Ordnung allmäh⸗ lich auf Stunden ansgedehnt worden. All die Verpflichtungen, die der Bergbauliche Verein in Bezug auf Verkürzung der Arbeitszeit auf Ein⸗ und Ausfahrt usw. auf sich genommen hatte, sind in allen Teilen schon seit Jahren durchbrochen. Hier liegt also ein Wort⸗ bruch der Unternehmer vor. Der Achtstundentag besteht im Ruhrrevier schon lange nicht mehr. Er ist auf 10 Stunden verlängert worden Man sollte doch alle Verordnungen aufheben und an ihre Stelle

den einzigen Paragraphen setzen:Ueber das, was giltig

ist, bestimmen nur die Herren, die vor dem großen Geldsack sitzen. Das Bergwerkskapital füllt die Berg⸗ werke mit völlig unqualifizierten Leuten an, die keine Ahnung vom Bergbau haben. Darauf sind auch die vielen Grubenunglücke zurückzuführen. Seit 1900 find die Löhne der Arbeiterschaft außerordentlich re du⸗ ziert worden. Die Sätze, die der Abgeordnete Hirsch, der Syndikus der Essener Handelskammer, anführte, beruhen auf rechuerischen Taschenspielkunststückchen. Das gesetzliche Kündigungsrecht wird illusorisch gemacht.

Und nun zu der Frage des Wagennullens. Der Arbeiter fährt den Wagen vor bis zum nächsten Sammel⸗ platz; von da ab verliert er jede Kontrolle über sein Produkt. Die Höhe des Nullens läßt sich summarisch berechnen. Es gibt Zechen, auf denen gar nicht genullt wird; während auf anderen das Nullen von gewissen Beamten systemotisch, aus Rache, aus Schikane zu be⸗ trügerischen Zwecken gehandhabt wird. Ein Beamter, der noch im Dienst ist, hat ein festes Pensum: er nullt täglich 62 Wagen. Dabel werden die genullten Wagen nicht etwa nicht gebraucht, sie werden eben so gut gebraucht wie die andern. Außer den Abzügen durch das Wagennullen müssen die Arbeiter noch oben⸗ drein Geldstrasen bezahlen. Es handelt sich in der Tat um eine völlige Verwirrung aller Rechtsbegriffe. Es heißt zwar, die Strafgelder fließen in die Unterstützungs⸗ kasse. Aber wer hat die Kontrolle darüber? Es gibt Zechen, in denen die Arbeiter keinen Anteil an der Ver⸗ waltung der Kassen haben; ihr Verlangen nach öffent⸗ licher Abrechnung wird brüsk mit der Erklärung zurück⸗ gewiesen, die Zechenverwaltung wolle Herrin im eigenen Hause bleiben. Dabei handelt es sich um gewaltige Summen: die ZecheDeutscher Kaiser hat tm vorigen Jahre 45000 Mek. für genullte Wagen eingenommen. Als Herr Stinnes die ZecheHasenwinkel kaufte, war das erste, was er tat, daß er den Arbeitern das Wahl⸗ recht zu den Unterstützungskassen nahm.

Die Schichtlöhne sind derart gering, daß die Arbeiter zu 35 bis 45 Schichten pro Monat genötigt sind, Ich selbst keune einen Mann, der für 41 Schichten im Monat 128 Mk. verdient Bedenken Sie, was Doppelschichten von 12 16 Stunden in feuchter, heißer Luft, bei Brot und kaltem Kaffee bedeuten! Die Berg⸗ arbeiter schaft muß dabei furchtbar degenerieren; ist doch auch das Durchschnittsalter der Invalidität in 30 Jahren von 50 auf 44 Jahre gesunken, auch die Unfalls- und die Krankheitsziffern in erschreckendem Maße gestiegen. Aber trotz aller dieser Mißstände wäre es nicht zum Kampfe gekommen, wenn nicht die empörende, bar barische Behandlung oder besser gesagt Mi ß⸗ handlung hinzugekommen wäre! Sind doch selbst Prügel vorgekommen! Aber die Macht der Organi⸗ sation ist nicht wirkungslos geblieben. Leute, die nicht geprügelt worden sind, aber gesehen haben, wie ihre Kameraden geprügelt wurden, sind in den Streik ge⸗ treten und wenn sie 78 Mk täglich verdtenten! Gewiß gibt es hochanständige Beamten und Verwaltungen, aber die Brutalitäten sind nicht Ausnahme, sondern Kegel. Hat sich jemand gegen einen Peiniger beschwert, so wird er nachher von seinen Kameraden gefragt:Hast du den Gummischlauch bekommen? Als ein Arbeiter, Mitte des Monats, um einen Vorschuß bat, bekam er einen Zettel mit den Worten:Der Hauer kann eine Tracht Prügel von 10 Schlägen empfangen! Wir haben diesen Zettel der Regierung mit vorgelegt. Die Brutalitäten der Unternehmer haben freilich ihr Gutes gehabt. Sie haben das Solidaritätsgefühl mächtig gestärkt.

Die Forderungen der Arbeiter sind doch wahrhaftig nicht als unbescheiden zu bezeichnen. Glauben Sie nicht, daß dieser Streik, wenn er nicht durch einen Ver⸗ gleich beendet wird, aus Mangel an Mitteln zusamen⸗ bricht. Es haben Ar beiter zu mir gesagt: Wir haben bei der Arbeit gehungert, wir werden auch im Ausstand hungern können. Ich frage nun die Regierung; was will sie für die Sache der Gerechtigkeit tun?

Unter stürmischem Beifall unserer Genossen schloß Hue seine wuchtige Anklagerede. Reichs⸗ kanzler Bülow antwortete auf die Anklagen gegen den Gegenwartsstaat mit Betrachtungen über den Zukunftsstaat. Er mußte anerkennen, daß die Haltung der Arbeiter, wie Hus aus⸗ geführt hatte, musterhaft ist; trotzdem konnte er sich nicht enthalten, die Scharfmacher mit einer Aussicht auf den hauenden Säbel und

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die schießende Flinte zu erfreuen!! Der Betfall der Junker, der der Kanzlerrede folgte, war ehrlich verdient. Wie wenig Graf Bülow die Gewerkschaftsbewegung kennt, zeigte seine Aeuße⸗ rung, daß die Arbeiterorganisationen nur Werk⸗ zeuge der politischen Parteien seien; diesozi⸗ alistischen Gewerkschaften wären nichts anderes als Exerzierplätze und Manöverfelder für die Vorbereitung der Arbeiter auf den Kommunis⸗ mus! Nach dem Reichskanzler kam der Handels⸗ minister Möller.

Er erklärte zunächst, daß die Vermittelungs⸗ bemühungen auf einen toten Punkt gekommen wären. Hus habe trotz seiner ruhigen Rede solche Angriffe gegen ihn(den Minister) gerichtet, daß es ihm schwer falle, die unpartetische Rolle weiter zu spielen. Die Arbeiterverbände hätten nicht Autorität genug besessen, den Streik zu verhüten, sie hätten ihre Leute nicht in der Hand gehabt. Der Minister kommt dann auch auf denTon derLeipziger Volkszeitung zu sprechen, der ihn doch hier wahrlich nicht zu kümmern brauchte. Doch er mußte Hus darin Recht geben, daß die Krawall⸗Nachrichten sämtlich übertrieben waren.

Nach Möller ergriff der Zentrumsmann Stötzel das Wort. Dieser war früher selber Bergmann und weiß daher die Beschwerden der Bergleute zu würdigen. Er nannte die Forderungen der Arbeiter durchaus bescheiden. Die Unterstützungskassen sind allerdings aus den genullten Wagen gegründet worden, aber den Arbeitern wird jede Auskunft über die Verwendung der Gelder verweigert. Wir haben schon vor 13 Jahren das Unglück anmarschieren sehen. Natürlich war die Rede Stötzels ultra⸗ mantan gefärbt, trotzdem fand sie an einigen Stellen mehr Beifall bei den Sozialdemokraten als bei dem Zentrum. Eine possierliche Er⸗ klärung gab im Namen der Konservativen der Abg. v. Normann ab: Die Arbeiter sollten erst die Arbeit wieder aufnehmen, dann wollten seine Freunde in eine Prüfung der Beschwerden eintreten!

Samstag wurde die Debatte fortgesetzt. Zuerst behandelte der nationalliberale Beumer, den Riesenkampf zwischen Kapital und Arbeit etwa vom Standpunkte eines gerissenen An⸗ walts für Bagatellsachen, nörgelte an Einzel⸗ heiten herum, suchte die Zechenverwaltungen von allen Anklagen reinzuwaschen und lieferte dabei neues Matertal zu den furchtbaren An⸗ klagen, die die Arbeiterschaft des schwarzen Reviers einmütig erhebt. Herr Beumer gesteht zu, daß Prügelstrafen im Bergbau vor⸗ kommen; er rechnet es den Zechenbeamten gar als besondere Humanität an, wenn ste Prügel statt Geldstrafen über ihreUntergebenen verhängen!

Genosse Molkenbuhr hatte es leicht, mit den Sophistereien dieses Anwaltes des Kapitals fertig zu werden. Fast noch leichter war es ihm, den höchsten Beamten des Reiches abzutun, der jetzt im Palais an der Wilhelmstraße nach⸗ zuholen scheint, was er im hochragenden Palazzo Caffarelli auf dem kapitolinischen Hügel ver⸗ säumt hat; durch eine eifrige Lektüre des er⸗ greifenden Romans Eugen Richters von der Sparagnes und der Strampelannie sich für die sozialen Probleme unserer Zeit vorzubereiten. Die Ausführungen Molkenbuhrs, auf reich⸗ haltiges Material gestützt und mit sonorer Stimme vorgetragen, machten ersichtlich anf das gon ze Haus, sowie auf die dichtbesetzten Tribünen einen tiefen Eindruck.

Dem Reichskanzler sagte Molkenbuhr, daß er wohl jetzt erst Eugen RichtersZukunfts⸗ bilder gelesen habe, weil er stets daraus Lese⸗ früchte zum Besten gäbe.Der Reichskanzler stellte das Recht zu arbeiten dem Recht zu streiken gegenüber: warum wird denn nicht auch das Recht zum Streik gegen Terrorismus geschützt? Aber wenn ein Arbeitswilliger einen Streikenden einenLump nennt, so entscheidet der Richter:Lump ist keine Beleidigung, sondern nur die Bezeichnung für einen, der kein Vermögen besitzt. Nennt dagegen ein Streikender einen Arbeitswilligen Lumpen, so wandert er 6 Monate ins Gefängnis! Der Kanzler zsagte, wenn alles wahr wäre, was

Hué gesagt, so würde es gewiß allgemeine Verurteilung finden. Damit ist den Arbeitern nichts gedient, der Kanzler hätte vielmehr sagen sollen: wenn alles das wahr ist, dann wird die Gesetzgebung eingreifen müssen, um derartige Mißstände zu beseitigen. Freilich wird die Gesetzgebung, wenn ste überhaupt Er⸗ folg haben will, nicht bei einer Flickarbeit stehen bleiben können: es wird nichts übrig bleiben, als die Verstaatlichung, die Expropriation der Expropriateure. Der Reichskanzler sprach von den sozialpolitischen Lasten der Verstcherungs⸗ gesetzgebung. Diese Lasten sind den Kapitalisten des Bergbaues sehr gut bekommen: die Aktien sind seit Einführung der sozialpolitischen Gesetz⸗ gebung immens gestiegen. An diesem Tage sprachen u. a. noch Stöcker und Gothein (Freis.) in einem für die Bergarbeiter günstigen Sinne. Zum Schluß mahnte Herr Möller die Zechenbesitzer zur Nachgtebigkeit.

Am dritten Tage der Streikdebatte (Montag) sagte zunächst der Pole Brejski dem Minister Möller ein paar bittere Wahr⸗ heiten, auf die dieser höchst kleinlaut erwiderte. Gleich im Anfang seiner Rede spielte Brejski auf die Ereignisse in Petersburg an; doch sein Beispiel wurde von den meisten anderen Rednern nicht befolgt, wie sehr auch das blutige Drama die oft sehr lauten Privatgespräche der Abge⸗ ordneten beherrschte. Der Natitonalliberale Heyl aus Worms suchte ersichtlich den Eindruck der Beumerschen Scharfmacherrede zu verwischen und gab sich als Freund sozialer Politik. Wer diesoziale Tätigkeit des Wormser Lederbarons beobachtet hat, auf den dürfte die Rede schwerlich Eindruck gemacht haben. Reichsgerichtsrat Spahn(Ztr.) hüllte sich in ein noch schimmern⸗ deres Sozialgewand: er forderte dringend eine parlamentarische Untersuchungskommisston, die mit dem Rechte gesetzgeberischer Initiative aus⸗ gerüstet sein soll, und malte unter Betonung des staatlichen Oberrechts an Grund und Boden des Bergwerks das Schreckgespenst der Ver⸗ staatlichung in recht deutlichen Zügen an die Wand. Daneben zeichnete er ein Porträt des Multimillionärs Stinnes, das mehr treffend als geschmeichelt war. Der Antisemit Zimmermann erging sich in allerlei er⸗ götzlichen und anzüglichen Betrachtungen über die goldene Internationale und ihre Beziehungen zu Ministerien und Fürstenhöfen, so daß ihn sogar der Vizepräsident ersuchte, die Person des Kaisers außer Spiel zu lassen. Aber man schätzte deshalb den Antisemit nicht etwa als radikal oder gar antimonarchisch ein; er schreit fich ebenso wie seine Gesinnungsverwandten bet jeder Gelegenheit die Kehle an Kaiserhochs wund! Zum Schluß kam noch unser Genosse Bömel⸗ burg zum Wort. Er unterzog die Willkür der Zechenbeamten und die Beschaffenheit jener nützlichen Elemente der Streikbrecher einer vernichtenden Kritik. Große Heiterkeit und Un⸗ willen erregte es, als er einen jenerTot⸗ schläger genannten Mord⸗ und Prügelwerk⸗ zeuge auf den Tisch des Hauses niederlegte, mit denen die ZecheKaiserstuhl ihreArbeits⸗ willigen zu bewaffnen für gut befunden hat. Darauf wurde die Debatte anf unbestimmte Zeit vertagt.

politische Rundschau. Gießen, den 26. Januar 1905.

Sträflicher Verkehr mit Arbeitern!

Eine sehr interessante Frage über den Verkehr eines Arztes mit unter seinem Stande stehenden Personen hatte der ärztliche Ehren⸗ gerichtshof zu Dresden zu prüfen. Der zu Frankenstein i. S. praktizierende Arzt Dr. Frank war vom ärztlichen Bezirksverein Freiberg zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt word n, weil er schuldig befunden worden war, u. A.allzu familiären Verkehr mit tief unter seinem Stande stehenden Personen unterhalten und dadurch das Ansehen des ärztlichen Standes geschädigt zu haben. Gegen dieses seltsam anmutende Ur⸗ teil legte der Arzt Berufung beim Dresdener Ehrengerichtshof ein. Dieser setzte die 1000 Mk. Geldstrafe auf die Hälfte herab. Die Gründe