Ausgabe 
26.11.1905
 
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die Gemeindewahl stattfand. Unsere Partei erhielt 3040 Stimmen, das sind 149 mehr, als sie vor drei Jahren mit der Volkspartei zu⸗ sammen aufbrachte. Sechs unserer Kandidaten wurden gewählt. Die Bürgerlichen erhielten e 3938 Stimmen. Das Gemeinde⸗ kollegium setzt sich nunmehr aus 13 Sozial- demokraten, 10 Demokraten, 9 Nationalliberalea, 8 Freistunigen und 2 sozialistenfreundlichen Fraktionslosen zusammen.

Einen glänzenden Erfolg erkämpften auch unsere Genossen in Graz. Sämtliche sechs sozial demokratische Kandidaten wurden mit 1388 bis 1452 Stimmen in den Gemeinde⸗ rat gewählt. Auf die Liste dervereinigten Grazer Gewerbetreibenden entfielen im ganzen 770 bis 814 Stimmen. Bisher hatte die Sozialdemokratie von den sechszehn Mandaten des dritten Wahlkörpers vierzehn inne. Seit heute hat sie alle sechszehn. Das Wahlresultat wurde mit ungeheurem Jubel aufgenommen.

Wir können uns denRückgang der Sozial⸗ demokrotie, von dem die Amts⸗ und Ord⸗ nungsblätter faseln, schon gefallen lassen.

Klage des Afrikakriegers.

In einem Soldatenbriefe aus Südwestafrika, den unser Saalfelder Parteiblatt veröffentlicht, heißt es u. a.:Schon 13 Wochen liege ich nun im Lazarett an Malaria. Elend und schwach hat mich diese Krankheit gemacht. Noch gut 6 Wochen werden darauf vergehen, bis ich ganz gesund bin. Ob ich überhaupt ganz ge⸗ sund werde, ist fraglich. Ich bin das Leben in diesem Pavianuslande überdrüssig. Ich gäbe sonst was darum, wenn ich hinaus käme. Aber hier heißts:Geduld undhalts Maul. Was nun die allgemeine Lage betrifft, so stehts noch ziemlich windig hier aus. Da geht noch lange Zeit darüber hin, bis alles klar ist. Wie mancher Fluch fällt so tagsüber auf das gottverdammte Affenland. Jeder Mann ist den Rummel müde. Ich glaube, das geht aus wie's Hornberger Schießen. Wenn der Mann etwa auspatriotischer Begeisterung sich zum Kriegszuge meldete, dann ist er aller⸗ dings gründlich abgekühlt.

Senosse Max Schippel

hat sein Reichstagsmandat niedergelegt, das ihm seine Vaterstadt Chemnitz seit 1890 stets wieder übertragen hatte. Schippel be⸗ gründet in dem Schreiben, durch das er dem Parteivorstand und den Genossen seines Wahl⸗ kreises seinen Rücktritt anzeigte, diesen Schritt mit Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. Doch es werden ihn dazu auch noch andere Gründe bestimmt haben; denn bekanntlich setzte er sich in den letzten Jahren öfters mit seiner Stellungnahme in Militär⸗ und Zollfragen mit der Gesamtpartei in Widerspruch. Dies führte auch zu einer Auseinandersetzung auf dem Bremer Parteitag und Annahme einer Schippel tadelnden Resolution, in der ihm sogar nahegelegt wurde,die Konsequenzen seines Verhaltens zu ziehen, d. h. zurückzutreten. Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre galt Schippel als Führer der Radikalen; als Redakteur derBerliner Volkstribüne schlug er einen entschieden revolutionären Ton an. Später verlor er mehr und mehr die Fühlung mit der Gesamtpartei und bereitete dieser oft Verlegenheiten durch seine Aeußerungen und Schriften auf zollpolitischem Gebiete, die von deu Zöllnern gegen die Sozialdemokratie zitiert wurden. Das Nürnberger Parteiblatt schreibt über seine Parteitätigkeit u. a.:Es ist zu früh, das letzte Wort über Schippels Gang durch die Partei zu schreiben. Er erklärt, nach wie vor der Partei angehören zu wollen. Möge es ihm beschteden sein, in jeder Hinsicht gekräftigt, wieder in unsere Reihen zu treten und dem Befreiungskampfe des Proletartats Dienste zu leisten, wie man ste vor einem halben Menschenalter von ihm mit Recht erwarten konnte. Eine 20 jährige Wirksamkeit in den Reihen des Proletariats liegt hinter Schippel, sie läßt sich nicht einfach auslöschen.

34266 gegen 17000 gegnerische Stimmen

gewählt.

Kleine politische Nachrichten.

Der antisemitische Musterpfaffe Krö⸗ sell Reichstagsabgeordneter für den pommerschen Kreis Pyritz⸗Saatzy wurde in Hamburg ver⸗ haftet. Er war wegen Beleidigung eines Staats⸗ anwalts verfolgt und ausgeknlffen.

Zwei Monate Gefängnis für ein Menschenleben! Der Leutnant v. Leekow vom 56 Feldartillerieregiment in Lissa, der im Rausch seinen Burschen erschoß, ist vom Oberkriegsgericht in Posen zu zwei Monaten(8) Gefängnis und Dienstentlassung verurteilt worden! Das Kriegsgericht hatte ihm gar nur ein paar Wochen Arrest zudiktiert, Was wäre wohl dem Burschen passiert, wenn er den Leutnant erschossen hätte.

Soziales.

Das Schicksalgutgesinnter Ar beiter. Die Direktion der großen Maschinen⸗ fabrik in Augsburg und Nürnberg, die neuerdings berühmt geworden ist durch die von ihr gegründeteOrganisation der Nich torganisterten, hat kürzlich plötzlich und ohne Grund vier Arbeiter entlassen, wovon zwei mehr als 13 Jahre bei ihr beschäftigt waren. Keiner von den Vieren gehört zu den Hetzern, organistert sind sämtliche, zwei bei den freien und zwei bei den christlichen Gewerk⸗ schaften. Besonders bemerkenswert dabei ist der Umstand, daß einer der Gemaßregelten Mitglied des von der Direktion protegterten Arbeiterausschusses ist und daß dieser gutgestunte Arbeiter im vergangenen Sommer in einer Versammlung der 5000 ausgesperrten Metallarbeiter, deren Führer die Brutalität der in Augsburg ohne jeden Grund aussperrend en Unternehmer scharf brandmarkte, den Ober⸗ scharfmacher Buz, den ersten Direktor der Maschinenfabrik in Augsburg, verteidigte, wobei er ausführte:Unser alter Herr meint es mit den Arbeitern ja bloß gut, man soll nicht immer auf ihm herumhacken! Und nun liegt derbrave Arbeiter auf der Straße. Vergeblich fragte er sich, was habe ich getan; habe ich nach 13 jähriger, treuer Arbeit und aufopfernder Hingabe meiner Gesundheit fürmeinen alten Herrn diesen schmachvollen Fußtritt verdient? Mit nichten! Wie Schuppen fällt es ihm nun von den Augen. Mit einem Schlage wurde ihm nun der Stand⸗ punkt derHetzer verständlich, an Stelle der Liebe zuseinem alten Herrn tritt Haß und tiefe Erbitterung!

Aus den Sewerkschaften. Eine Viertelmillion Mitglieder hat jetzt der Metallarbeiter⸗Verband erreicht. Alle die großen Kämpfe, die er in der letzten Zeit zu bestehen hatte, haben ihn nur gestärkt, ihm Tausende neuer en a ewert Ein Beweis dafür, daß der Kampf die Gewerkschaften nicht schwächt, sondern stärkt. Nur wo Kampf ist, ist auch Leben. Die Metallarbeiter⸗Zeitung feiert das Jubiläum in einem besonderen Artikel, der mit den Worten schließt: Frisch auf denn zu weiterem Kampfe, frisch auf zu fröhlicher Agitation, damit wir bald unser nächstes Ziel nicht unser Endziel erreichen: die 300 000!

Gewerbegerichtswahlen. Die Beteili⸗ gung bei der am 12. d. Mts. in Aschaffen⸗ burg stattgefundenen Wahl war eine äußerst starke. Abgegeben wurden insgesamt 1066 Stimmen, davon 6 ungiltig. Auß die Liste der freien Gewerkschaften fielen 624, auf die der christlichen 436. Nach dem Proportionalsystem war die Wahl vorgenommen, infolgedessen ftelen auf die freien Gewerkschaften 6, auf die christlichen 4 Sitze. In Mülhausen i. Els. wurden die Kandidaten des Gewerkschaftskar⸗ tells mit 2520 Stimmen gegen diejenigen der Christlichen gewählt, die 1650 Stimmen er⸗ hielten. Die Christlichen agitierten sehr eifrig im Geheimen, wie es jetzt immer von den Feinden der Sozialdemokratie beliebt wird.

In Höchst a. M. siegte ebenfalls die sozial⸗ demokratische Liste mit 464 Stimmen gegen 183 der Christlichen.

Nr. 436. Mitteldentsche Sonnags⸗Zeitung Seite 3. vor 2 Jahren. Nicht gering ist auch unser Der Chemnitzer Wahlkreis gehört mit zu Erfolg in Fürth anzuschlagen, wo am Montag unsern sichersten; Schippel wurde 1903 mit Von Nah und Fern.

Hessisches.

UeberTerrorismus der Sozial⸗ demokratie zur faseln werden die Ordnungs⸗ blätter nicht müde. Der berühmte Reichs⸗ verband der Sozialistenvernichter liefert die nötigen Schauergeschichten und die Amtsblätter und ähnliche Papiere drucken ste ab und ser⸗ vieren ste ihren gläubigen Lesern. Welch' scheußlichen Zwang aber von den Gegner gegen die Arbeiterschaft geübt wird, täglich geübt wird, davon wissen ste nichts zu erzählen. Von einem besonderen skandalösen Stückchen, das den katholischen Pfarrer in Ober⸗Roden in wenig schönem Lichte zeigt, berichtete unser Offenbacher Parteiblatt.

Die Frau eines Einwohners kam zum Pfarrer, der heilkundig ist, und bat um Hilfe für ihr krankes Kind. Der Pfarrer fragte:Welche Zeitung haltet ihr? Antwort: Den Generalanzeiger. Pfarrer: Dieses Judenblatt! Geht hin zu den Juden und zu dem roten Ulrich und laßt euch von denen helfen, ich helfe dem Kinde nicht. Erst abonniert auf das christliche Blatt in Dieburg.

Das Kind ist gestorben. In der Zen⸗ trumsversammlung ist der Pfarrer zur Rede gestellt worden und er hat geantwortet:

Siebenmal hätte ich dem Kind helfen können, doch ich tat es nicht, weil der Vater kein christliches Blatt hält.

In einer späteren Wählerversammlung sprach ein anwesender Zentrums mann sein Be⸗ dauern aus über das Verhalten des Pfarrers und setzte lediglich hinzu:Daß er helfen konnte, hat der Pfarrer nicht so bestimmt behauptet, er hat nur gesagt, er konnte wohl dem Kinde ein Mittel geben.

Diese Tatsachen reden eine eindringliche Sprache von Zentrumshetze undchristlicher Nächstenliebe. Ist das kein Terrorismus?

Nachträgliches zur Landtagswahl.

Wie ein Ordnungsbruder in Wirklichkeit denkt, geht aus einem Zettel hervor, der sich in Bessungen in der Wahlurne fand. Derselhe wies in sonderbarer druckähnlicher Schrift folgende Worte auf: Direktes Wahlrecht ist Blödsinn, daraus resultiert die unerhörte Frechheit des Gesindels. Die Steuern sind zu hoch, es geschieht zu viel für das Gesindel. Am Fuß war zu lesen:Kinderschutz ist Er⸗ ziehung zur Faulheit, wir haben als Kinder auch gearbeitet und Geld verdient. Links stand geschrieben:Wir haben schon zu viel Frei⸗ heit in Deutschland, nieder mit dem Mob, uud auf der rechten Seite des Zettels waren die Worte zu lesen:Gemeinsame Schulen für das Lumpenzeug und die Kinder besserer Leute ist Blödstnn. Wir danken dafür. Dieser Meinungsäußerung braucht man ja nicht allzuviel Wert beizulegen, doch gestattet ste, einer schönen Seele auf den Grund zu sehen. Mög⸗ lich ist immerhin, daß auch Leute so denken, die für das direkte Wahlrecht als Abgeordnete zu stimmen versprachen.

Einen geradezu kläglichen Rein⸗ fall erlebte der nationalliberale Advokat Win⸗ decker, der bisher den Wahlbezirk Friedberg⸗ Bad⸗Nauheim vertrat. Er brachte nur einen einzigen Wahlmann durch! Gewählt dürfte der Bündler Breidenbach werden. Unsere Ge⸗ nossen konnten in diesem Kreise sehr wohl eine Anzahl Wahlmänner durchbringen, ste über⸗ ließen jedoch meistens den Bündlern das Feld, weil ste auf einen Erfolg nicht rechneten. Da aber in Nauheim 9 Wahlmänner für die (freis.) Kandidatur Fritz gewählt find, wäre die Wahl desselben nicht unmöglich gewesen, wenn unsere Genossen inden uns sicheren Orten Wahlmänner aufgestellt hätten. Doch immerhin ist der Hinauswurf Windeckers, der sich in der Kammer ruppig und sozialisten⸗ fresserisch wie kaum ein anderer zeigte, zu be⸗ grüßen.

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