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Mitteldeutsche Sountoas⸗Zeitung.

(Fortsetzung von Seite 5.)

war die Mehrzahl gegen eine gemeinsame Feier. Be⸗ schlossen wurde, am Sonntag, den 30. April, einen Familienausflug zu veranstalten, und am 1. Mai abends eine Festversammlung. Die Schillerfeter dagegen soll erst Mitte Mai abgehalten werden. Der Vertrauens⸗ mann teilt im Weiteren noch mit, daß in nächster Zeit ein Flugblatt zur Verteilung kommen soll, wozu sich die Parteigenossen recht zahlreich zur Verfügung stellen wollen. Ferner ermahnte er, für größtmöglichste Ver⸗ breitung unserer Parteipresse, derMitteld. Sonntags⸗ Zeitung und der FrankfurterVolksstimme Sorge zu tragen und ebenso für die ganze sozialistische Literatur. Jeder Genosse solle sein Wissen soviel als moglich zu bereichern suchen. Die am 25. März und 29. April fälligen Wahlvereinsversammlungen fallen aus, dafür findet eine solche am 15. April statt.

O Unserer Polizeiverwaltung hat, wie in der Sitzung der Stadtverordneten vom Montag er⸗ wähnt wurde, die Universität Dank dafür abgestattet, daß die Studierenden nur mit geringen Geldstrafen von 35 Mk. bestraft werden und nur in Einzelfällen darüber hinausgegangen wird. Unseres Erachtens ist dieser Dank für den Empfänger ebenso wenig eine Ehre wie für den Spender.

O Eine Wertzuwachssteuer soll von einem Stadtverordneten demnächst beantragt werden. Hoffent⸗ lich wird dieselbe nicht zu niedrig bemessen werden. Es

ist nur schade, daß sie nicht schon einige 1020 Jahren

bestanden hat, denn die Stadtkasse würde aus den Millionenprofiten im Biegenviertel und im Südviertel ganz schöne Einnahmen erzielt haben.

* Vom Fortbildungs verein. Zu der Notiz unter dieser Ueberschrift in voriger Nummer erhalten wir folgende Zuschrift:

In der Nummer 12 dieser Zeitung befindet sich eine Notiz über den Marburger Fortbildungsverein, welche den wirklichen Tatsachen nicht in allen Punkten entspricht. Der Verein treibt überhaupt keine Politik. Es wird kein Neueintretender nach seiner reli⸗ gtösen oder politischen Ansicht gefragt. Die Hauptsache ist, daß er sich innerhalb des Vereins anständig betrage. Daß der Verein sich beiallen möglichen patriotischen Kundgebungen beteilige, war vielen Mitgliedern über⸗ raschend zu hören. Der Einsender entsinnt sich nur zwei derartige Kundgebungen miterlebt zu haben, trotz⸗ dem er dem Verein seit mehr als 30 Jahren angehört, desgleichen mit wenig Unterbrechung auch dem Vorstande Diese patriotischen Kundgebungen, wo der Verein offiziell beteiligt war, fanden statt bei Empfang des Kronprinzen, spätern Kaiser Friedrich III. im Jahre 1883 und beim 90 jährigen Geburtstag Wilhelms I. Wenn Ihr Ge⸗ währsmann allerdings die diversen Turner⸗, Sänger⸗, Schützen⸗, Ochsen⸗ und Kriegerfeste für patriotische Kund⸗ gebungen ansteht, ja, dann hätte der Verein oft gesündigt, trotzdem seit Jahren die Beteiligung der Mitglieder so ziemlich auf den Nullpunkt angekommen ist. Weil der Verein sich ernstere Aufgaben zum Ziel gesteckt hat, grade deshalb wird er nur von wenig jungen Leuten gewürdigt.

Seit Jahren feiert der Verein nur sein Stiftungsfest und Weihnachten, dieses mit Damen. Beim Stiftungs⸗ fest ist es allerdings wieder Sitte, nachdem es längere Zeit nicht der Fall war, ein Kaiserhoch auszubringen. Ob dasselbe notwendig ist, möchte ich bezweifeln, denn der Verein steht vollständig unabhängig da gegenüber der Stadt und den Staatsbehörden. Bekäme er von dieser Seite Unterstützung, er könnte wohl mehr leisten, aber der derzeitige Vorstand wünscht vollständige Unab⸗ hängigkeit jeder Behörde gegenüber. Daß sich diese Herren trotzdem des Vereins liebevoll annehmen möchten, wissen Sie vielleicht noch von einem Vorfall im vorigen Jahre, der ja auch in Ihrer Zeitung besprochen wurde.

Ich glaube auch nicht, daß die in der Notiz be⸗ rührten Angelegenheiten der Grund find, warum z. Zt. so wenig Arbeiter dem Verein angehören. Warum soll es nicht möglich sein, die beanstandeten Punkte abzu⸗ ändern, wenn eine genügende Anzahl Mitglieder sich dagegen erklären. Wenn die Arbeiter abseits stehen. so können sie doch nicht hoffen, andere Zustände herbeizu⸗ führen; nur durch Mitarbeit im Verein wäre etwas zu erreichen.

Ein großer Teil der jungen Leute, welche dem Verein angehören, benützen nur die Bibliothek, im Uebrigen schwärmen sie für möglichst gründliche Bier⸗ vertilgung in sogenannten Geselligkeitsvereinen, tragen auf der Kneipe bunte Mützen, Bänder ꝛc. Das gibt den Nachwuchs für die zukünftigen Philister. Nur ein kleiner Teil benutzt das Lesezimmer. Also nicht abseits stehen sondern mitarbeiten!

r. In Roth hatten sich neulich eine Anzahl Stein⸗ arbeiter, darunter etwa 20 aus Ockershausen, zu einer Versammlung eingefunden. Jedenfalls um zu verhindern, daß sich einer dem Verbande anschließe, hatte sich auch der Schullehrer eingefunden. Doch er ergriff das Wort nach dem Vortrage des Referenten nicht, er sah wohl ein, daß dessen Ausführungen nichts entgegenzusetzen war. Erst nach der Versammlung be⸗

schwerte er sich, daß er auch nur 1600 Wet. Einkommen habe. Er war allerdings sehr überrascht, als ihm von cinigen Arbeitern gesagt wurde, daß sie kaum die Hälfte davon verdienten. Der Mann hat jedenfalls die Schilde⸗ rungen ernst genommen, die oft bürgerliche Blätter von demüppigen Leben der Arbeiter entwerfen. Dem Verbande der Steinarbeiter traten eine Anzahl Berufs⸗ kollegen aus Roth, Ockershausen und anderen Orten der Umgebung bei.

O Nette Submisstonsblüten kamen bei einer dieser Tage in Neustadt(Kreis Kirchhain) stattgefunde⸗ nen Vergebung von Arbeiten zur Herstellung einer neuen Wasserleitung zum Vorschein. Die Angebote bewegten sich bei einzelnen Losen zwischen rund 1000 und 4000 Mark, sowie zwischen 2200 und 6800 Mark. Was für Löhne mögen da wohl die Mindestfordernden den Arbeitern zugedacht haben!

Die Leiche des vor etwa 8 Wochen verschwun⸗ denen Dienstmädchens Kath. Rock aus Ebsdorf wurde am Sonntag Vormittag in der Lahu aufgefunden.

Aus dem Gerichtssaal.

Das Darmstädter Schwurgericht ver⸗ urteilte am Samstag nach dreitägiger Verhand⸗ lung den Kaufmann Faulhaber aus Seligen⸗ stadt wegen vorsätzlicher Drandstiftung zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Wegen Beleidigung des Reichstagsabgeord⸗ neten Becker⸗ Sprendlingen wurde ein Arbeiter von der Darmstädter Strafkammer zu der harten Sirafe von dret Monaten Gefäng⸗ uis verurteilt. Er hatte in der Trunkenheit im Bahnzug eine allerdings höchst ungehörige Bemerkung über Herrn Becker gemacht, die diesem von Bekannten hinterbracht wurde.

Skandalprozeß Ackermann in Dresden.

Gegen den Ratsassessor Dr. Acker mann, Sohn des verstorbenen konservativen Hofrats und Kammerpräsidenten wurde Donnerstag voriger Woche wegen Vergehen gegen§ 175 d. Str. Ges.⸗Buchs vor der Dresdener Straf⸗ kammer verhandelt. Ackermann wurde zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Wegen Erpressung erhielten: Reisender Wallmann⸗ Berlin 2 Jahre 1 Monat, Kellner Dupke⸗Berlin Jahre und Hausdiener Rogahn⸗ Berlin 1 Jahr 3 Monate Gefängnis, jeder auch mit Ausnahme Dr. Ackermanns 5 Jahren Ehren⸗ rechts verlust.

Ein starkes Stück.

Von einer heiklen Affaire berichten Berliner Blätter aus Oberschöneweide. Dort wurde vor etwa fünf Monaten das 22jährige Dienst⸗ mädchen Elise Kode, das bei einem Bürger in Oberschöneweide in Dienst war, von einem Knaben entbunden. Der Vater des Kindes konnte nicht ermittelt werden. Bet einem Wort⸗ wechsel, der wegen der Vaterschaft des Kleinen kürzlich entstand, platzte die Kode damit heraus, daß der Vater ihres Kindes der 13jährige Sohn ihres Arbeitsherrn sei. Dies kam zur Anzeige, und die Untersuchung führte zur Ver⸗ haftung der K. 8

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Weitklaffend öffnet sich des Meeres Schlund Und Riesenschiffe sind ihm nur ein Bissen, Vulkane donnern aus der Erde Grund

Und Regimenter hat ein Schlag zerrissen Nie träumte sich die tollste Phantasie

Der Vorwelt je, was unsere Seit geboren Und hat der Krieg an Grausamkeit verloren d Mich dünkt, er ist so scheußlich wie noch nie!

Schon währt ein Jahr im Osten jener Kampf Kein Kampf mehr, ein Gemetzel ohnegleichen! Sum Himmel raucht in Wolken ekler Dampf Aus Hekatomben von zerriss'nen Leichen.

Ein wüster Blutrausch hält sie dort im Bann, Statt nach der Kriegskunst wohlerdachten Regeln, Serfleischen sie mit Zähnen sich und Nägeln Und viehisch Wüten ist von Mann zu Mann!

Wo ist der Fortschritt in des Fechtens Kunst d Verdreifacht nur sind Wunden, Haß und Leiden!

Noch baden sie in wilder Wollust Brunst

Ihr Bajonett in Menscheneingeweiden! Sie schleudern mit der Faust den Feuerball, Sich selber sinnlos samt dem Feind vernichtend, Sie mauern, Leichen hoch auf Leichen schichtend, Aus toten Brüdern kunstreich ihren Wall! Kein Mitleid mehr, kein ritterlich Gefecht, Kein Vorzug trennt den Menschen mehr vom Tiger, Die feigste Negertücke wird zum Recht, Wie schlechte Spreu verbrauchen sie die Krieger! Bis Freund und Feind erschöpft am Boden liegt, Von roter Lebenswelle überflutet, Wird fortgewürgt und wer zuletzt verblutet, Nicht wer der bessre Held ist, hat gesiegt! Und wird Wir Ebenbilder Gottes hören Stumpf Tag um Tag von neuer Gpfer Sahl, Nicht fähig mehr, uns flammend zu emporen, Uns ekelt nur uns ekelt nicht einmal! Wir ziehen unsre Rechnung kühlgesinnt Bloß aus dem Unheil in des Gstens Fernen, Bemüht, recht viel für jene Seit zu lernen, Da hier die Völkerschlächterei beginnt!

(F. v. O in derJugend)

Ein Glückspilz. Erzählung von Robert Schweichel. 25 Fortsetzung.

Ach, da bist Du ja, begrüßte das blonde Bäckertöchterlein aufatmend den Vetter Lebrecht.

Ja, da bin ich, rief dieser, indem er seinen zerknüllten, weichen Hut, den er sehr verwegen zu tragen pflegte, achtlos auf den nächsten Stuhl schleuderte und seinen Schnurr⸗ hart in die Höhe drehte. Seitdem er die Lehr⸗ jahre überstanden, hatte er sich Schnurr⸗ und Knebelbart wachsen lassen, so daß er in seinen Sonntagskleidern wohl für einen jungen Kunst⸗ 5 5 gehalten werden konnte.Was ist denn o8 2

Da schüttete ihm Rosalie ihr Herz aus, und er lachte unbändig.

Die Mutter war unzufrieden und das blonde Röschen zürnte:Anstatt Mitleid mit mir zu haben, lacht er wie ein dummer Junge. Ist das Deine Freundschaft?

Er warf erst der Einen, dann der Anderen einen schlauen Blick zu und versetzte, indem er sich das braune Haar aus der Stirne strich: Nu, ein Unglück ist die Sache doch gerade nicht. Man geht in die Oper, in's Konzert und Schauspiel, liest aus der Leihbibliothek die

die Bilder an und liest, was die Kritiker über

17 C N SS neuesten Romane, guckt sich in der Ausstellung 1

8 Anterhaltungs-Cril. 0

Kultur!

Einst wird der Krieg veredelt durch Kultur So las ich einst, den Ort hab' ich vergessen Er wird zuletzt ein eisern Schachspiel nur,

Drin feine Geister ihre Kräfte messen!

Und ob die Meisterschaft im Töten stieg

Su Höhen auch, vor denen wir erschauern, So las ichdesto kürzer wird es dauern Und desto minder blutig wird der Krieg!

Nun hat die Mordgier Wunder ausgedacht: Wir senden über Meilen unser Feuer,

Dor dessen Wut ein Berg in Staub zerkracht; Pfeilschnell durchbraust das Danzerungeheuer Die See, das tausendfach Verderben sät.

Wir zielen kaum noch auf der Feinde Glieder, Wie reife Schwaden mähen wir sie nieder Ein Kind regiert das zierliche Gerät.

alles Das in den Zeitungen schreiben; nachher kann man über alles sprechen, daß es sich nur so gewaschen hat. Wozu sind denn die Rezen⸗ senten da, als daß sie den Leuten das Bildungs⸗ futter vorschneiden? Man hat bloß wieder⸗ zukäuen. Das ist Alles, und Du hast ja hübsche, gesunde Zähne, Röschen.

Dieses bewies bei seinem Lachen, das es wirklich hübsche, blendend weiße Zähne hätte. Die Mutter wiegte jedoch bedenklich den Kopf. Wenn das Alles wäre! seufzte sie.Aber damit wird der Vater nicht zufrieden sein. Klavierspielen und ein bißchen Französisch oder Englisch schwatzen muß ein gebildetes Mädchen doch auch können.

Nu, das wird der Rosa den Kopf nicht kosten, tröstete Otto.Aber das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen! Rosa muß das Radeln erlernen.

Gott steh' bei mir, entrüstete sich die Meisterin. Die Tochter aber rief fröhlich:

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