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Nr. 13.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
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Diese Widmung ist ein wörtliches Zitat aus Schillers„Wilhelm Tell“. Und dies wurde konfisziert! In der Hauptstadt des Deut⸗ schen Reiches, stebenundfünfzig Jahre nach der bürgerlichen Revolution, hundert Jahre nach Schillers Tode! Acht Wochen vor dem großen preußisch⸗deutschen Schillerbegeisterungsrummel! Die Schleife wird dereinst im Museum zu sehen sein. Die Geschichte aber soll auch davon zu erzählen wissen, wie die deutsche Arbeiterschaft Schiller zu ehren wußte, den die königlich preußische Staatspolizei im Schillerjahre kon⸗ fiszierte! Nahrungsmittel werden vernichtet!
Durch die Presse ging kürzlich nachstehende Notiz, die Bände spricht:„Heringe als Dünger! In Apen rade und der Außen⸗ förde sind in diesen Tagen so ungewöhnlich viele Heringe gefangen worden, daß sich für die Ware keine Abnehmer mehr fanden. Schließ⸗ lich kaufte ein Gärtnereibesitzer aus Flensburg etwa 25 große Kisten zu je 20 Pfennig, um die Heringe als Dünger zu verwenden. Auch im Binnenlande sind in letzter Zeit so viele Heringe auf den Markt gekommen, daß sie stellenweise auch nicht untergebracht werden konnten und den Abdeckereien überwiesen werden mußten.“
Millionen Arbeiterfamilien leiden an ständiger Unterernährung, Hunderttausende Bergarbeiter im Ruhrgebiet hatten in den letzten Wochen Mangel am Notwendigsten. Das Meer spendet dabei so viel Lebensmittel, daß sie als— Dünger verwendet werden. Es lebe die kapitalistische„Kultur“!
Die revolntionäre Bewegung in Rußland.
Kosakische Bestialitäten scheußlichster Art wurden Ende vortger Woche aus Lodz berichtet. In der Fabrik Poznanski standen Frauen und Knaben auf dem Fabrikhof. Der Fabrikdirektor ließ das Zugangstor vom Hof zu den Sälen schließen und Notpfeifen ertönen. Bereitgehaltene betrunkene Kosaken stürzten sichauf die Frauen und Kinder, traten sie zu Boden und schlugen ste mit Knuten. Die Tore wurden geschlossen. Eine Flucht war unmöglich, denn vor den Leuten waren Kosaken und im Rücken befand sich ein tiefer Teich. 64 Personen wurden durch Pferde zertreten, 14 davon sind gestorben. Zahlreiche Frauen und Kinder wurden in den Teich getrieben, sechs sind er⸗ trunken. Unter den Verwundeten und Getöteten überwiegen die Frauen. Jedenfalls als Ant⸗ wort auf diese Metzeleien erfolgte andern Tags eine Explosion in der Portierloge der Fabrik. Der Direktor wurde gerettet, weil er später als gewöhnlich kam. Der Portier Jakob Paplak wurde in Stücke gerissen. Abends 6 Uhr er⸗ dolchten Arbeiter drei Geheimpolizisten. In vielen Fabriken in Lodz ist der Ausstand wieder ausgebrochen, ebenso wurde in vielen Zuckerfabriken Polens der Streik erneuert.— Ferner wurde aus Sosnowiee berichtet, daß noch 17 von den bei der Katharinenhütte ge⸗ töteten und verwundeten Arbeitern fehlen. Es ist festgestellt, daß diese siebzehn, darunter vier schwerberwundete, beraubt und von den Soldaten in die Fabriköfen, zum Teil noch lebend, geworfen wurden. In den Oefen sind versengte Körperteile ge⸗ funden worden.
Ein neues Attentat wurde am Montag gegen den Gouverneur von Wiboy(Finn⸗ land) ausgeübt. Ein 25 jähriger Mann ver⸗ wundete den Gouverneur durch drei Revolver⸗ schüsse lebensgefährlich.
Im Kaukasus⸗Gebiet greifen die Bauern⸗ unruhen immer mehr um sich.
Der geisteskranke Zar.
Vor einigen Tagen schrieb ein Berliner bürgerliches Blatt:„Von jeher hat des Zaren geistige und körperliche Konstitution nicht für besonders stark und widerstandskräftig gegolten, unter der niederdrückenden Wucht der auf ihn einstürmenden trübseligen Ereignisse ist sie völltg
zusammengebrochen. Der Zar ist schwer krank.
Die„Schlesische Ztg.“ erhält aus erster Hand eine Schilderung, die ein erschreckendes Bild von dem dermaligen Zustande des Beherrschers aller Reußen zeichnet. Der Zar sitzt slunden⸗ lang wie geistesabwesend da, nimmt kaum etwas zu sich und klagt beständig über Kopfweh. Die Minister mit ihren üblichen Vorträgen sind ihm ganz gleichgültig geworden. Als Fürst Chilkow wegen seiner sibirischen Reise ihm Bericht erstatten und zu verschiedenen Projekten die Genehmigung er⸗ langen wollte, schrie ihn der Kaiser nach einigem Anhören an:„Hören Sie auf mit diesen dummen Sachen!“
Ja, wenn sich die„dummen Sachen“ so mit einer Handbewegung beiseite schieben ließen! Aber sie werden im Gegenteil immer zudring⸗ licher, und immer empfindlicher macht sich ihre Macht geltend— vernichtende Schläge auf dem Kriegsschaupletz und gleichzeitig zunehmende Verwirrung im Innern, völlige Erschütterung der e Ordnung und der Regierungs⸗ gewalt.“
Auch ein großer Teil der übrigen„Ordnungs“⸗ presse brachte die Nachricht von der Verblödung des Zaren. Es wird daher wohl damit seine Richtigkeit haben.
Kleine politische Nachrichten.
Der preußische Minister v. Hammerstein ist am Montag Nachmittag ganz plötzlich gestorben. Er ist, wie es heißt, einem Herzleiden erlegen. 1901 begann er seine Ministerlaufbahn, in der er sich stets als williger Bedienter der Junker erwies. Alle seine Taten waren vom Geiste der preußischen Polizei und der junkerlichen Reaktion durchdrungen. Das preußische Volk wird dem Manne keine Träne nachweinen.— Sein Nachfolger wird der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, v. Bethmann⸗Hollweg. Das ist ein neuer Name— das System bleibt, möge sein Träger heißen wie immer er wolle.— Wegen„Meuterei“ ver⸗ hängte das Krlegsgericht in Würzburg gegen drei Reservisten die ungeheuerliche Strafe von 4 Jahren und 3 Monaten Gefängnis. Die Leute hatten im Manöver aus Uebermut ein paar Steine nach einem Unteroffizier geworfen!
Der russische Zusammenbruch.
Nach der furchtbaren Niederlage des russischen Heeres bet Mukden zog es sich nord⸗ wärts nach Tiel ing zurück, wohin es die Japaner energisch verfolgten. Hier wurde die Niederlage vollends besiegelt, die Armee Kuro⸗ patkins zersprengt, zum großen Teil vernichtet. Tieling wurde von den Japanern besetzt, viele Vorräte, Artillerie und Munition fielen den Siegern in die Hände. Große Mengen Proviant und Futter wurden von den Russen verbrannt.
Kuropatkin wurde seines Amtes als Oberbefehlshaber enthoben. An seiner Stelle wurde General Linewitsch zum Leiter der militärischen Operationen ernannt, Oberstkom⸗ mandierender soll der Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch werden. Ob dieser mehr Erfolge erzielen wird? Das erscheint mindestens zweifelhaft. Die schauerliche Niederlage hätte ein anderer auch nicht verhindert. Es ist viel⸗ mehr das korrupte System des Zarismus, was in den Steppen und den Tälern der Mandschurei kläglich zusammengebrochen ist, in einer Art und Ausdehnung zusammengebrochen, daß es davon kein Erheben mehr gibt.
Zum Frieden scheint man in den maß⸗ gebenden russischen Kreisen trotz der vernichtenden Schläge noch nicht geneigt zu sein. Der Krieg soll„bis zu einem durchschlagenden Erfolge“ fortgesetzt werden, lautet der Be⸗ schluß der Zarenregierung, wie durch eine Petersburger Meldung von anfangs der Woche verbreitet wurde. Die Zeit bis zu einem durch⸗ schlagenden Erfolge dürfte aber den Russen noch sehr lang werden, denn dazu ist jetzt weniger Aus ficht als je vorhanden. Für die Russen kann die Fortsetzung des Krieges nur weitere Verluste bringen und dem Volke werden neue, ungeheure Blutopfer auferlegt. Außerdem ge⸗ staltet sich bie Lage auch finanziell für die Russen schwierig. Die französischen Banken haben es abgelehnt, die neue russische
Anleihe unterzubringen und auch der Chef des Londoner Rothschild⸗Hauses hat sich ablehnend ausgesprochen und offen erklärt, daß es schwer abzusehen sei, wo Rußland, außer in Frankreich, noch Geld zur Fortsetzung des Krieges auf⸗ treiben könne.
Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.
Der Dank der Bergarbeiter. Kürzlich veröffentlichte der Vorstand des Bergarbeiter⸗ verbandes eine Bekanntmachung, in der er ersuchte, die Sammlungen zu schließen. Er sprach dabei folgende Dankesworte aus:„In keinem Streik, der jemals geführt wurde, sind die Unterstützungsgelder in so reichlichem Maße geflossen wie bei unserm Streik. Wir müssen gestehen, daß sie unsere Erwartungen weit über⸗ troffen haben. Es muß offen anerkannt werden, daß es vor allem die arme soztaldemo⸗ kratische und freigewerkschaftlich organtisierte Arbeiterschaft Deutsch⸗ lands gewesen ist, die den Löwenanteil der Gelder aufgebracht hat. Aber auch von allen anderen Berufsklassen, dem Bürgertum, Ge⸗ schäftsleuten, den ausländischen organisterten Arbeitern, namentlich von den englischen Bergarbeitern, sind viele und reichliche Gaben geflossen. Wir sind folglich allen, namentlich der organisierten in⸗ und ausländi⸗ schen Arbeiterschaft zu ganz besonderem Dank verpflichtet, nicht minder der sozialdemokratischen Partei und einzelnen Vereinen, den Vorständen der freien Gewerkschaften, der Gewerkschafts⸗ kartelle, sowie den Redaktionen der sozialdemo⸗ kratischen und einiger liberaler Zeitungen und sprechen hiermit diesen im Namen aller Berg⸗ leute unseren herzlichsten Dank aus.“
Aus den Gewerkschaften. Nicht bloß die großen Verbände haben in der letzten Zeit ihren Mitgliederstand beträchtlich erhöht, sondern auch die kleinen zentralisierten Gewerkschaften haben nicht unerheblich zugenommen. So er⸗ höhte der Schmledever band seine Mitglieder⸗ zahl im Jahre 1904 von 9571 auf 13 806, das heißt um 4235. Sein Kassenbestand stieg von 46 355,80 auf 62 185,51.— Der Zi m⸗ mererverband verfügte am Schlusse des Jahres 1904 über ein Gesamtvermögen von 706 735,41 Mk. gegen 558 096 Mk. am Jahres⸗ schluß 1903. Seine Mitoliederzahl stieg im genannten Jahre von 27265 auf 37043. Also um fast zehntausend!— Auch der Stein⸗ setzerverband gewann 1390 Mitglieder, brachte es im Ganzen auf 6425. Das Ver⸗ bandsvermögen fiel um einige Tausende, weil bedeutende Summen an Unterstützung ausgezahlt wurden.
Lohnkämpfe. In Wiesbaden sind die Zimmerleute in eine Lohnbewegung einge⸗ treten. Sie fordern einen Mindestlohn von 50 Pfg. pr. Stunde.— Die Schreiner in Wiesbaden haben mit dem Vorstande des Arbeitgeberverbandes eine Vereinbarung dahin abgeschlossen, daß vom 1. April an 9½stündige Arbeitszeit und 8 prozentige Lohnerhöhung ge⸗ währt werde. Vom 1. März 1907 an wird die 9stündige Arbeitszeit eingeführt und eine weitere 7prozentige Erhöhung der gegenwärtigen Arbeitslöhne erfolgen.
Pon Rah und Lern.
Gießener Angelegenheiten.
sp. Die Märzfeier der Gießener Arbeiterschaft wurde am Sonntag im Verein mit den Wieseckern im Saale des „Gambrinus“ in Wieseck begangen. Der Saal war voll besetzt. Der Arbeiter⸗Gesang⸗ verein„Eintracht“, unter Direktion des Herrn Bauer, trug zur Eröffnung einige Freiheitschöre vor, die allgemeinen Beifall ernteten. Genosse Dr. Quarck⸗Frankfurt ergriff darauf das Wort, um in einstündigen gediegenem Vortrage die Bedeutung der März⸗Ereignisse von 1848 zu schildern. Er legte zunächst die Ursachen jener Bewegung dar, wies darauf hin, wie durch die Revolution von 1789 die Vorherr⸗
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