Ausgabe 
25.6.1905
 
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Nr. 26.

Mittel deutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

Wieseck. Die Parreigenossen, welche sich am Kreis feste beteiligen wollen, werden ersucht Sonntag bis spätestens 12 Uhr mittags sich im Vereinslokale einzufinden. Die Abfahrt per Wagen ist auf/ 1 Uhr festgesetzt.

Lollar. Die Parteigenossen und Kollegen wollen sich am Sonntag punkt halb 1 Uhr im Lokal zum Schwanen einfinden, da wir uns den mit Extrazug kom nenden Vereinen anzuschließen blabsichtigen.

Die Vorstände

des Wahlvereins und des Metallarbeiter⸗Verbandes.

Gefangene als unfreiwillige Ar⸗ beitswillige. In Butzbach waren, wie wir in letzter Nummer berichteten, Gefangene der dortigen Strafanstalt zu Streikarbeit am Elektrizilätswerk, wo die Maurer in den Aus⸗ stand getreten waren, kommandiert worden. Nachdem die Streikleitung bei der Bürger⸗ meisterei in Butzbach sowie bei der Direktion des Zellengefängnisses vergeblich Einspruch er⸗ hoben hatte, beschwerten ste sich durch den Abg. Ulrich bei dem Ministerium, das am Dienstag die Zurückziehung der Sträflinge ver⸗ fügt hat. Es wäre auch noch schöner gewesen, wenn man zugelassen hätte, daß sich Staats⸗ anstalten dem Unternehmertum als Herausreißer zur Verfügung stellen und auf diese Weise den Arbeitern in den Rücken fallen, die bemüht find, ihre Lage zu verbessern. Damit, daß die Direktion des Gefängnisses Streikbrecher ab⸗ kommandierte, bekundete ste recht geringe sozial⸗ politische Einsicht. Es sollte ihr bekannt sein, daß die meisten Vergehen und Verbrechen in der Notlage des besitzlosen Volkes ihre Ursache haben. Wenn sie nun die Bestrebungen zur Besserung bekämpft, so fördert sie damit in⸗ direkt das Wachstum der Verbrechen, die sie auszurotten berufen ist! Hoffentlich endet nun der Streik recht bald mit einem Siege der Maurer, die jetzt dort mit einem Stundenlohn von nur 32 Pfennig abgespeist werden.

r. Christliche Nächstenliebe in Theorie und Praxis. Am Freitag voriger Woche wurde in Grüningen der Arbeiter H. Hubler in seiner Sand⸗ grube durch herabstürzende Erdmassen verschüttet, was seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Nachdem am Samstag die Untersuchung durch den Kreisarzt erfolgt war, ordnete derselbe die sofortige Beerdigung an. Die Angehörigen des Verunglückten gingen zu dem Pfarrer und baten ihn, die Beerdigung vornehmen zu wollen. Der Herr Pfarrer erklärte jedoch auf mehrmaliges Er⸗ suchen, er hätte keine Zeit, er hätte Geschäfte in Gießen die er verrichten wolle. Er ging dann auch morgens um 9 Uhr fort, und kam dann vor 6 Uhr nachmittags nicht wieder. Die Beerdigung war um 1 Uhr ohne Begleitung eines Geistlichen erfolgt. Obwohl der so jäh um sein Leben gekommene Hubler in mora⸗ lischer Beziehung kein ganz einwandfreies Leben geführt hat, was bei manchem, so auch hier auf die sozialen Verhältnisse zurückzuführen ist, so glauben wir aber doch nicht, daß der Pfarrer das Verhalten rechtfertigen kann, das er hier den Angehörigen gegenüber gezeigt hat. Denn:wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf ihn. Dieser Fall zeigt wieder so recht, wie es mit der christlichen Nächstenliebe bestellt ist, auch bei Leuten, die sie predigen. Bei dieser Gelegenheit sei an einem anderen Fall erinnert, der sich voriges Jahr in Augsburg abspielte. Dort hatte sich der Major von Bennot an Schulkindern schwer sittlich vergangen und er schoß sich eine Kugel durch den Kopf, um dem

Strafrichter zu entgehen. Trotzdem hielt der Geistliche

dem Verbrecher eine schöne Grabrede, in der er u. a. bemerkte, der Tote habe sichaus Sehnsucht nach dem himmlichen Jenseits selber dorthin befördert. Man sieht, die Fälle sind halt verschieden. Aber dem Dümmsten muß es schließlich klar werden, auf wessen Seite die Hüter der göttlichen Weltordnung stehen.

Steinberg. Die Genossen, welche sich am Kreisfeste in Steafenberg beteiligen wollen sich Sonntag vor⸗ mittags 11 Uhr im Lokale zur Wilhelmshöhe ver⸗ sammeln. Abmarsch Punkt 11 ¼ Uhr nach Station Schiffenberg. Abfahrt mit dem Zuge 11 Uhr 40 Min. Auch die Genossen von Watzenborn wollen recht zahlreich zur Stelle sein. Ab Gießen fahren wir mit dem Extrazug nach Lollar, der punkt 1 Uhr abgeht.

* Richtigstellung. In Nummer 11 unseres Blattes brachten wir eine Notiz mit dem Stichwort: Menig rücksichtsvoll. Darin war von dem Arzte Herrn Dr. Nikolay in Leidhecken gesagt, daß er eine Forderung gegen einen seiner Kunden eingeklagt habe, nachdem er diesem kaum die Rechnung eingesandt hätte und dadurch dem unbemittelten Manne Gerichts⸗ kosten in der Höhe von 20 Mark verursacht habe. Wie uns von Seiten des Arztes mitgeteilt wird, ist der

Betreffende vorher aufgefordert worden, die Schuld wenigstens anzuerkennen, dann würde Klage nicht erhoben worden sein. Da der Schuldner dies nicht tat, konnte Herr Dr. Nikolay allerdings zu der Auf⸗ fassung kommen, daß, wie dies schon öfters vorgekommen ist, der Schuldner nicht zahlen wollte. Es blieb ihm daher nichts anderes übrig, als zu klagen und es kann ihm wegen seines Vorgehens kein Vorwurf treffen.

Eingesandt aus Wieseck. In unserer Gemeinde wurde am 8. Juni der Bau einer neuen Schule im Submissionswege vergeben. Für sämtliche Arbeiten waren Offerten von Wieseck eingegangen, außer für die Steinhauer⸗ und Dachdeckerarbeit. Trotzdem sind fast alle Arbeiten nach Auswärts vergeben worden, ein hiesiger Maurermeister erhielt nur deshalb den Zu⸗ schlag, weil er die 2% Unterschied gegen den aus⸗ wärtigen Bewerber gleich nachließ. Im Voranschlag waren die Preise so angesetzt, daß ein Abgebot kaum noch möglich war. Die ganze Differenz zwischen den hiesigen und auswärtigen Angeboten betrug etwa 700 Mk.; es wäre gewiß zu einer Einigung gekommen, wenn man mit den hiesigen Unternehmern unterhandelt hätte. Die Gemeindevertretung hätte meines Erachtens mehr Rücksicht auf die hiestgen Geschäftsleute und Steuerzahler nehmen sollen. Wären diese Ar⸗ beiten hier ausgeführt worden, so hätten eine ganze An⸗ zahl Arbeiter lohnende Beschäftigung gehabt, so wir das Geld nach auswärts getragen! 15

Aus dem Rreise sriedberg⸗Büdingen.

Das Urteil in dem Prozeß gegen drei Röd⸗ gener Einwohner und den Redakteur derMitteld. Sonn⸗ tags⸗Ztg. Gen. Vetters lautete bezüglich des letzteren und der Frau Hensel auf Freisprechung, gegen Stock auf 75 Mk., Kluge auf 50 Mk. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte gegen diese beiden 3 Monate Ge⸗ fängnis beantragt. Wir kommen auf die Sache noch eingehender zurück.

d. In Sachen der Vilbeler Gemeinderäte fand am Freitag vor dem Kretsausschuß in Friedberg Verhandlung statt.(Der von uns neulich angegebene Termin war unrichtig. D. R.) Unsere Genossen im Vilbeler Gemeinderat waren bekanntlich nicht in der Gemeinderatssitzung erschienen, weil diese vom Bürger⸗ meister auf Beschluß der anderen Mitglieder auf 5 Uhr nachmittags festgesetzt wurde. Mit Recht entschuldigten sie ihr Fernbleiben mit geschäftlicher Verhinderung, da sie sämtlich in Frankfurt beschäftigt sind. Auf Strafandrohung des Kreisamts wiesen unsere G' nossen darauf hin, daß sie als Lohnarbeiter ihre Entlassung riskieren müßten, wenn sie ihre Arbeitsstelle verließen, um zu der festgesetzten Zeit in der Sitzung erscheinen zu können. Hierauf reichte der Bürgermeister auf Ver⸗ anlassung des Kreisrates Klage bei dem Kreisausschuß ein. Genosse Busold⸗Friedberg hatte die Vertretung der Beklagten übernommen. Er betonte, daß zu dring⸗ lichen Sitzungen die Leute stets erschienen seien. Ihre Weigerung sei hinreichend begründet. Früher waren die Sitzungen auf halb 9 Uhr festgesetzt und nach 8 40 der Land⸗Gem.⸗Ordn. gelte dies ein für allemal. Es hätte dabei bleiben müssen. Die übrigen Mitglieder hatten keinen Grun) um diese Zeit fernzubleiben. Der Kreisausschuß erkannte auf 5 M. Strafe. Die Sache wird noch weitere Instanzen beschäftigen.

Aus dem Nreise Wetzlar.

h. Der Maurerstreik ist am Mittwoch nach 3 wöchiger Dauer beendet und die Arbeit am Donnerstag wieder aufgenommen. Ergebnis dieser Lohnbewegung ist ein anerkennenswerter Erfolg für die Arbeiter. Sie forderten 103 stündige Arbeitszeit und einen Stundenlohn von 40 Pfg., Regelung der Ueberstunden, Ab⸗ schluß eines Tarifvertrages ꝛc. Nach den jetzt getroffenen Vereinbarungen beträgt der Stunden⸗ lohn ab jetzt: 36 Pfg., ab 1. September d. J. 37, 1. März 1906 38 und vom 1. März 1907 40 Pfg. Es war dies der erste größere Streik, den Wetzlar gesehen hat und sein Erfolg sollte für die gesamte Wetzlarer Arbeiterschaft ein Ansporn sein, sich mehr für ihre Organisation und die Arbeiterbewegung überhaupt zu in⸗ teressieren. Den Wetzlarern speziell wäre dies sehr zu empfehlen. Denn in diesem Falle zeigten sich dieBauern, die Arbeiter vom Lande als die besseren und pflichtbewußten, während die in Wetzlar wohnenden, besonders Kriegerbereinler, die unschöne Rolle der Arbeitswilligen übernahmen. Darin gefiel sich besonders der Maurer Neuhaus, während sein Kollege Sattler als Streikbrecher-Agent fungierte und Arbeitswillige von auswärts herbeizuziehen sich bemühte. Daß solche Leute nun auch die Vorteile mit genießen, die andere erkämpfen, möchte man fast bedauern.

n. Schwierige Agitationsarbert. Wie über⸗ all, so hat auch in Wetzlar die gewerkschaftliche Agitaton ganz gute Fortschritte gemacht. Den Arbeitern in allen Berufen dämmert nach und nach die Erkenntncs. Auch den Schmieden, die bisher der Arbeiterbewegung noch größtenteils fremd gegenüberstanden. Sie zu gewinnen ist aber nicht leicht, trotzdem die Arbeitsverhältnisse bei ihnen zum Teil sehr schlechte sind. Kürzlich besuchten zwei Schmiede ihren bei Schwan jr. beschäftigten Kol⸗ legen, um ihn über die Bestrebungen des Verbandes zu unterrichten. Der Herr Meister hatte aber das Gespräch belauscht, erwartete sie an der Haustüre und überschüt⸗ tete sie mit einer Flut von Schmähungen,Lumpen und ähnliche Titulaturen schallten ihnen noch nach, als sie fast außer Hörweite waren. Mit der Bildung ists also bei diesem Herrn nicht weit her. Wenigstens sollte er aber seinen Gesellen einen anständigen Lohn bezahlen und ihn nicht für ganze 5 Mark die Woche sich von früh bis spät abrackern lassen. Das ist zu wenig, selbst wenn er ihm Schundliteratur zum Lesen zur Ver⸗ fügung stellt, damit er abends nicht aus dem Hause geht.

h. Zur Beteiligung an dem Kreis⸗ fest in Stuufenberg benutzen die Wetzlarer Parteigenossen und Gewerkschafts mitglieder den Zug 153 mittags nach Lollar über Kinzenbach. Es wird recht zahlreiches und pünktliches Er⸗ scheinen erwartet. Um er wetterte Fahrgelegen⸗ heit wurde ersucht.

Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.

h. Sozialdemokrat. Wahl verein. Den Mit⸗ gliedern diene zur Nachricht, daß die nächste Monats⸗ versammlung umständehalber 14 Tage später, am 8. Juli, stattfindet. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vor⸗ trag des Genossen Dr. R. Michels über Marokko. Pflicht jedes Genossen ist es, für recht zahlreichen Be⸗ such dieser Versammlung Sorge zu tragen.

h. Holzarbeiter⸗Lersammlung. Am Sams⸗ tag, 1. Juli findet abends 9 Uhr im Jesbergschen Lokal eine öffentliche Versammlung statt. Es wird darin über die Verhandlungen des 5. deutschen Gewerk⸗ schaftskongresses berichtet werden. Zahlreicher Besuch ist deshalb dringend erwünscht.

Bluttat eines Lehrers.

In Wiesenfel d, dem Hugenottendörfchen im Kreise Frankenberg hatte der noch jugend⸗ liche Lehrer Menge! ein Verhältnis mit der erst vorige Ostern aus der Schule entlassenen Tochter des Landwirtes Kinkel. Am dritten Pfingsttage brachte der Lehrer das Mädchen ohne Wissen der Eltern nach Marburg in Stellung, mußte es jedoch, da die ersteren es verlangten, wieder zurückholen. Am Samstag Abend kam er mit dem Mädchen in Roda, wo sein Vater ebenfalls Lehrer ist, wieder an. Sein Vater und Bruder wollten das Mädchen nach Wiesenfeld zurückzubringen. Anscheinend damit zufrieden, wollte er nur dem Madchen die Hand zum Abschied reichen; in diesem Augenblick stach er ihm einen Dolch in's Herz. sodaß das Mädchen leblos zu Bode sank, Mengel wurde am andern Morgen verhaftet und Montag ins Marburger Untersuch ingsge⸗ fängnis gebracht.

Versammlungskalender. Samstag, den 24. Juni.

Friedberg. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Vec⸗ sammlung bei Ihl, Bismarckstr. Vortrag über Arbeitgeberverbände und ihre Kampfesweise. Ref.: Vetters⸗Gießen.

Gießen. Holzarbeiter. Abends ½7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof). Metall⸗

arbeiter. Abends Uhr Versammlung bei Orbig. Steinberg. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗

sammlung im Lokale zurWetterau. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Zusammen⸗ kunft bei Wacker. Montag, den 26. Juni. Gießen. Freie Turnerschaft. Abends 8 ö Uhr Monatsverfammlung bei Wagner, Solmserhof, Dienstag, den 27. Juni. Gießen. Maler und Weißbinder, Nachmittags % 5 Uhr Versammlung bei Löb Wiener Hof). Ref.: Koll. Zimmermann.

Briefkasten. 3.⸗Wtzlr. Sie dürfen schon etwas haushäl terischer mit dem Papier umgehen; Ihr Brief wog das doppelte dessen, was er bei 10 Pfg. Frankierung wiegen darf. Betr. die Wohnungsverhältnisse mußten wir zurückstellen⸗ r.-Stbg. Wir mußten die andere Sache nochmals zurück⸗

stellen, es schadet ja auch in diefem Falle weiter nichts.

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