Ausgabe 
23.7.1905
 
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Nr. 30.

Mittel deutsche Sonntags⸗Zeitnug.

Seite 5.

Berufsgefahren der Steinarbeiter; an zweiter Stelle wird über bie Frage: Sind unsere Arbeitsverhältnisse verbesser ungsbedürftig? beraten werden. Alle in dem Betriebe beschäftigten Arbeiter wie Steinmetzen, Schleifer, Säger und Hofarbeiter bitten wir dringend in der Versammlung zu erscheinen. Mehrere Kollegen.

* Zu Pfarrer Zimmermanns Meineids⸗ prozeß. Wir haben in der letzten Nummer den Aus⸗ gang des Prozesses mitgeteilt, der am 10. Juli vor dem Koblenzer Schwurgericht gegen den Pfarrer Zimmer⸗ mann aus Bacharach a. Rh. verhandelt wurde und mit Freisprechung des Pfarrers von der Anklage des Mein⸗ eids endete. Verschiedene Gründe nötigen uns, auf den Fall, den wir sonst nicht viel Beachtung geschenkt haben würden, näher einzugehen und den Sachverhalt darzu legen. Pfarrer Zimmermann sollte den Meineid in einem Beleidigungsprozesse geleistet haben, der im vorigen Jahre gegen die Eheleute Hänsel in Bacharach vor der Koblenzer Strafkamwer durchgeführt wurde. Z. hatte gegen die damaligen Angeklagten Strafantrag wegen verleumderischer Beleidigung gestellt und zwar auf Drängen seines Schwiegervaters, weil man in ganz Bacharach von einer Affaire sprach, in welcher der Pfarrer eine Rolle spielte. Mit der Familie Hänsel stand er in freyndschastlichem Verkehr, besorgte allerlei Geschäfte für sie ꝛc. Dadurch kam er oft in die Hänsel'sche Wohnung. Frau Hänsel erzählte nun eines Tages, wie die Frankf. Ztg. berichtet, zwei andern Frauen, der Pfarrer Z habe sie in ihrer Wohnung besucht, das anwesende Mädchen hinausgeschickt, den Fenstervorhang zugezogen, dann habe er die Frau am Arm gefaßt und sie neben sich aufs Sofa hingezogen, einen Kuß gegeben, ihr unter die Röcke gefaßt und eine unsittliche Zumutung gemacht. Sie sei dann aufgesprungen und habe sich gegen die Angriffe des Z. gewehrt. Merkwürdigerweise hat die Frau ihrem Ehemann von diesem unsittlichen Angriff nicht eher Mitteilung gemacht, als b's die ganze Ge schichte in Bacharach so herumgekommen war, daß sich sogar die Konfirmanden darüber unterhielten. Zwei hochangesehene Herren aus Bacharach hatten nun eine Unterredung mit Z.; dieser machte ein Zugest ändnis, aus dem entnommen wurde, daß die Frau H. zu ihrer Aussage berechtigt war. Trotzdem stellse er später gegen einen dieser Herren und die Hänsels Strafantrag wegen Beleidigung und Erpressung, denn Hänsel hatte den Vorfall zu Geldentnahmen von dem Pfarrer benutzt. Die Angeklagten wurden freigesprochen, obwohl Z. eidlich den Angriff auf Frau Häusel in Abrede stellte. In dem Urteile hieß es, daß die Strafkammer den Bekundungen des Pfarrers den Glauben versagen müsse und die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Dar stellung der Frau Häusel in den wesentlichen Punkten auf Wahrheit beruht. Zimmermann habe eine bewußt falsche Aus sage gemacht, in der Erwartung, seiner bestimmten eidlichen Versicherung werde mehr Gewicht und Glauben beigemessen werden, als der uneidlichen Angabe der Angeklagten Frau Häusel. Daraufhin wurde das Verfahren wegen Meineld gegen den Pfarrer eingeleitet. In der Schwurgerichtsverhandlung wurde das Zeugnis der Frau Hänsel wesentlich erschüttert. Zwei andere Frauen sagten aus, daß die Zeit, zu welcher nach den früheren Angaben der Frau Hänsel sich der Vorfall mit dem Pfarrer abgespielt haben soll, sich nicht mit ihren späteren diesbezüglichen Angaben decke. Später hatten sie auch ein Schriftstück unterschrieben, in dem sie das gegen den Pfarrer Behauptete widerriefen. Der Staatsanwalt hielt die Hänsels nicht für glaubwürdig genug, um einen Mann von der Stellung des Ange⸗ klagten ins Zuchthaus zu bringen. Allerdings sei das Verhalten Zimmermanns mehr als eigentümlich. Er habe Mangel an Würde, an Ehrgefühl und Mut gezeigt, wie es ein anständiger Mensch nicht tun darf. Wie ein Schusbube habe er bei den Zeugen Wasum und Steigerwald zuerst alles geleugnet und erst zugegeben, als ihm Zeugen gegenübergestellt werden sollten. Wenn der Mann nicht schuldbewußt gewesen, dann sei eine solche Denkungsart unter jeder Kritik! Dies der Sachverhalt.

Herr Zimmermann war früher Pfarrer in Ober⸗ quernbach im Kreise Wetzlar. Er verlangte in einer Zuschrift an uns, daß wir den Ausgang des gegen ihn eingeleiteten Verfahrens mitteilen und bedauern, ihm in einer früheren Notiz Unrecht getan zu haben. Seine 17 jährige Amtstätigkeit in hiesiger Gegend sei der Fürsorge des arbeitenden Standes gewidmet gewesen, und gerade daraus sei ihm manche Feindseligkeit von anderer Seite erwachsen. Wir sagten schon, daß unsere frühere Mitteilungen auf das Gerichtserkenntnis gegründet waren, wir haben also keine Veranlassung, etwas zu bedauern. Höchstens wäre zu bedauern, daß seine Unschuld nach dem Verlauf des Prozesses durchaus nicht so sonnenklar erscheint. Von seiner Fürsorge für Arbeiter ist uns nichts bekannt. Wohl aber wissen wir, daß er einmal einem unserer Flugblattverteller das Blatt zerriß und den Mann aus dem Dorfe hinausjagen wollte. Trotzdem, wir haben kein Interesse daran, die Sünden des Herrn Z. und anderer Gegner breitzutreten.

Wenn unsere Parteipresse von solchen Fällen Notiz

aammt, so sind dieOrdnungs leute selber schuld. Welches Geschrei erheben sie, wenn ein bekannter Sozial⸗ demokrat sich das Geringste zu schulden kommen läßt! Ohne jeden Grund werden unsere Genossen persönlich verunglimpft und verdächtigt. Dem alten Singer wird von pfäffischer Seite heute noch vorgeworfen und zur Last gelegt, was vor 20 Jahren ein anderer gesagt hat. Kann man es dann uns verdenken, wenn wir die Sünder der Sozialistenvernichter festnageln? Darum bessert Euch!

h. Parteipresse! Alle Parteigenossen und Ge⸗ werkschaftsmitglieder wollen bei dem Monatswechsel sich recht lebhaft für Gewinnung neuer Abonnenten für die Mitteldeutsche Sonntags⸗-Zeitung bemühen! Wer die FrankfurterVolksstimme zu abonnieren wünscht, wende sich an: W. Zahn, Lahnstr. 28 II.

h. Die Typhusepidemie in Erda, welche man schon für erloschen glaubte, ist wieder von neuem aufgetreten und hat mehrere Opfer gefordert, in den letzten Tagen sind drei junge Mädchen gestorben. Das find jedenfalls Zeichen dafür, daß es in gesundheitlicher Beziehung in Erda noch immer schlimm bestellt ist, trotz aller behördlichen Maßregeln. Die Wohnungs⸗ und Wasserverhältnisse sind eben auf dem Lande vielfach schlecht und es ist infolgedessen trotz der berühmten Landluft ungesunder als in der Stadt. Früher laten die Landgemeinden überhaupt niemals etwas für Besse⸗ rung der Gesundheitsverhältnisse und jetzt auch noch wenig. Für solche gemeinnützige Dinge ist niemals Geld da, für Kriegervereinsfeste und Kriegerdenkmäler wird immer bewilligt.

Niedergang der Innungs bewegung. Die am Sonntag in Limburg abgehaltene General⸗ versammlung der Buchdrucker-Zwangsinnung für den Regierungsbezirk Wiesbaden beschloß mit 30 gegen 8 Stimmen die Innung aufzulösen. So verschwindet eine nach der andern jener Organisationen, von denen das Handwerk oder sagen wir lieber rückständige Handwerker Rettung erwarteten.

Aus dem Nreise Marburg-Nirchhain.

* Zu dem Eingesandt des Genossen Rösler in voriger Nummer schreibt Genosse Dr. Michels:

Genosse Rösler protestiert in der letzten Nummer gegen eine Aeußerung, die ich in meinem in der letzten Marburger Wahlvereinsversammlung gehaltenen Vortrag über Marokko getan habe. Aus der Art seines Protestes ersehe ich zu meinem Bedauern, daß er so festgeschlafen hat, daß es ihm sogar entgangen ist, in welchem Zu⸗ sammenhang ich die betr. Aeußerung getan habe. Es ist mir natürlich nicht eingefallen, ganz allgemein be⸗ haupten zu wollen, daß unsere Parte schliefe(die Wahlen der letzten Zeit möchte ich an Genossen Röslers Stelle allerdings nicht zum Beweis des Gegenteils auführen), sondern ich habe lediglich bemerkt, daß sie in der Marokkofrage erst von auswärtigen Genossen aus dem Schlafe gerüttelt werden mußte, ehe sie sich über⸗ haupt bewegte. Diese Behauptung sowie die von der Selbsteinladung Jaurxès nach Berlin muß ich allerdings aufrecht erhalten. Doch ist hier wohl nicht der Ort, auf diese Dinge näher einzugehen.

Im Uebrigen möchte ich doch noch feststellen, daß aus der gutbesuchten Versammlung, die meiner Marokko⸗ rede beiwohnte, trotz der ausdrücklichen Aufforderung des Versammlungsleiters zur Diskussion, keinerlei Wider⸗ spruch erfolgte. Auch von Seiten des anwesenden Genossen Rösler nicht. Es wäre aber meines Er⸗ achtens höchst bedauerlich, wenn die Sitte in unserer Partei einreißen sollte, statt die Diskussion in der Ver⸗ sammlung zu pflegen, einen nicht einmal persönliche Dinge betreffendenProtest in der nächsten Zeitungs⸗ Nummer loszulassen. Robert Michels.

Ein Gewerbegericht wäre in Marburg eine absolut notwendige Einrichtung. Das zeigt wieder ein Prozeß, den ein Maurer wegen Schadenersatz gegen seinen Unternehmer wegen kündigungsloser Entlassung anstrengte. Obwohl der Unternehmer von dem Schöffen⸗ gerichte zur Zahlung verurteilt wurde, wies das Land⸗ gericht auf die eingelegte Berufung hin die Klage ab. Möglicherweise hat das WortStreikführer, das der Beklagte in Bezug auf den Kläger brauchte, zu diesem Ausgang mit beigetragen. Der Prozeß hat fast/ Jahre gedauert.

Eine Gewerkschaftsversammlung findet Samstag, den 22. Juli, abends 9 Uhr im Restaurant Hildemann statt. Genosse Weidner ⸗Frankfurt. wird über den Gewerkschaftskongreß sprechen. Für recht zahl⸗ reichen Besuch zu sorgen, muß jeder für seine Pflicht halten.

Gewerkschaftsfest. Bisher hatten die Ge⸗ werkschaften bei ihren Festen noch immer Glück mit dem Wetter. Diesmal hatten sie aber entschiedenes Pech, das am Sonntag abgehaltene Gewerkschaftsfest ist gründlichzu Wasser geworden. Es hatte sich bereits eine ganze Menge Menschen auf dem Festplatze einge⸗ funden, als sich ein halbes Dutzend Gewitter über unsern Häuptern entlud und alles in die Flucht schlug. Um

den Schaden wieder gut zu machen, veranstaltet die Gewerkschaftskommission diesen Sonntag nachmittags 4 Ühe im Garten restaurant Hildmann eine Nachfeier. Dabei sollen die Kindergeschenke verteilt und die zurückgestellten Programmnummern abgewickelt werden.

Aussperrungen

verhängt das Unternehmertum zahllose über die deutschen Arbeiter. Kaum sind die Differenzen in der bayrischen Metallindustrie und den Werften an der Weser beigelegt, so sperren die Bau⸗ unternehmer Westfalens wieder ihre Arbeiter aus und begehen dabei schlimmsten Kontraktbruch. Der Bürgermeister von Essen, Zweigert, will jedoch klagend gegen das kontraktbrüchige Unternehmertum vorgehen und den ausgesperrten Arbeitern Beschäftigung verschaffen. Ein seltenes und mutiges Stadtoberhaupt!

Die erste Arbeitersekretärin. Fräulein Helene Grünberg aus Berlin, die vom Gewerkschaftskartell als Arbeitersekretärin beim Arbeitersekretariat Nürnberg gewählt wurde, hat dieser Tage ihr Amt angetreten.

Letzte Nachrichten.

Bei der Reichstags⸗Ersatzwahl in Fürth, die am Donnerstag stattfand, soll nach der Frkftr. Ztg. der Sieg des Freisinnigen Barbeck gesichert sein.(Bei den Hauptwahlen 1903 erhielt unser Genosse Segitz 12031, die gesamten Gegner 14302 Stimmen. In der Stichwahl siegte Barbeck mit 15 503 gegen 13 553 soztaldemokratlsche Stimmen.)

Partei-Nachrichten

An die Parteigenossen von Wieseck, Rödgen, Trohe und Alten⸗Buseck. In Aus⸗ führung des Beschlusses der vorjährigen Bezirkskonferenz beruft der Unterzeichnete die diesjährige Konferenz auf Sonntag, den 30. Juli 1905, nachmittags 3 Uhr nach Rödgen in das Lokal Bal ser ein.

Tagesordnung: 1. Die Landeskonferenz in Alzey eventl. Wahl eines Delegierten. 2. Anträge zur Landes⸗ konferenz. 3. Verschiedenes.

Wir machen darauf aufmerksam, daß von jedem

Ort drei Delegierte stimmberechtigt sind. Um zahlreichen

Besuch ersucht Der Vorstand des Volksvereins Alten-Buseck.

Wahlkreis Wetzlar⸗Altenkirchen.

Sonntag, den 30. Juli, nachmittags Uhr Parteiversammluug im LokaleWiener Hof (Löb) in Gießen. Tagesordnung: Das neue Orga⸗ nisationsstatut; Parteitag in Jena; Parteiangelegenheiten unseres Wahlkreises. Nur Mitglteder haben Zutritt.

Wahlkreis Friedberg⸗Büdingen.

Die Generalversammlung des Kreiswahlvereins

wird hiermit auf Sonntag, den 30. Juli d. J., vormittags präzis 10 Uhr, nach Helden⸗ bergen bei Gastwirt Schneider einberufen.

Die Filialen werden ersucht, die Delegiertenwahlen nach§ 13 des Statuts vorzunehmen. Etwaige An⸗ träge sind bis spätestens den 2 5. Juli an den Kreis⸗ vorstand einzureichen. Mit Partei⸗Gruß

Der Vorstand. J. A. Gustav Kühn.

Versammlungskalender. Samstag, den 22. Juli. Alten⸗Buseck. Volksverein. Abends 9 Uhr

Versammlung bei Wirt Becker. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗

sammlung bei Löb(Wiener Hof). Von ½7 Uhr ab kann über die Beitragserhöhung abgestimmt werden. Metallarbeiter. Abends Uhr Versammlung bei Orbig.

Schotten. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Müller.

Wieseck. Tabak⸗Arbeiter. sammlung bei Wacker.

Briefkasten.

Schuleinweihung in W. Die Zuschrift wurde uns übermittelt. Alles gut und schön, aber es fehlt der Name des Ensenders! Anonymes findet nie Beachtung. tz.⸗Rmlhsn. Besten Dank! Wir sehen Ihrer weiteren Betätigung mit Vergnügen entgegen. Wtzir. Das sollen die Leute doch ganz ruhig den Gießener Buchdruckern und Parteigenossen überlassen, die wissen schon, was sie zu tun haben.

Abends 9 Uhr Ver⸗