Ausgabe 
22.10.1905
 
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Nr. 43.

Mitteldeutsche Sonntags Zeitung.

Seite 5.

tage sestgesrellt, daß seit Jahren nicht ein einziges krankes Stück Vieh aus Oesterreich nach München gekommen sei.

* Mit der Druckerei Imgardt beschäf⸗ tigte sich vor kurzem eine Buchdrucker⸗Versammlung in Gießen. Schon anfangs dieses Jahres, heißt es in einem Bericht desKorrespondent, wurde genannte Firma wegen Nichtachtung ber tariflichen Bestimmungen aus dem Tarifverzeichnisse gestrichen; nur auf ihr Bitten und das Versprechen hin, für die Zukunft den Tarif voll und ganz zur Einführung zu bringen, wurde die Streichung rückgängig.Den älteren Setzern wird längeres Ar⸗ beiten vorgeschrieben(speziell den Maschinensetzern), und Rausschmeißen angedroht, wenn ste wagen, die tarif⸗ lichen Bestimmungen einzuhalten. Ein Kollege(Redak⸗ teur), welcher es unterlassen hatte, vorher Erkundigungen einzuziehen, verließ nach sehr kurzer Tätigkeit die gast⸗ liche Stätte, und der häufige Wechsel des Personals ist wohl darauf zurückzuführen, daß Herr J. fortgesetzt billigere und willigere Arbeitskräfte sucht. In sanitärer Beziehung ist auch hier noch vieles zu verbessern. Eine am 27. September in Wetzlar abgehaltene Versammlung (im Beisein des Bezirksvorstandes) beschloß einstimmig, die Streichung der Firma Imgardt aus dem Tarif⸗ verzeichnisse zu beantragen.

Imgardt ist Besitzer und Redakteur desunpar⸗ teiischen WetzlarerGeneral Anzeigers, eines Blattes, das jeder Verdächtigung und Beschimpfung der Sozial⸗ demokratie Raum gibt. Einmal vor längerer Zeit er⸗ laubte sich das Blättchen eine Schwindeluotiz über die Arbeitsverhältnisse in der Vorwärts⸗Druckerei nachzu⸗ drucken. Wir sagten damals schon, daß die Blätter vom Schlage des Wetzlarer vor ihrer Türe kehren sollten. Die Buchdrucker in Wetzlar würden froh sein, wenn sie nur zu einem Viertel so günstige Arbeitsbedingungen hätten als im Vorwärts. Wie recht wir hatten, be⸗ weist obiger Bericht. Jedenfalls wird nun die Druckerei Imgardt aus dem Tarifverzeichnisse ausgeschlossen.

Uebrigens hat das Blättchen das Zeitliche ge⸗ segnet, wie wir erfuhren, nachdem obiges schon ge- setzt war. Am Montag stellte Herr Imgardt seinen paar Abonnenten statt einer Zutung nur das einseitig bedruckte Titelblatt zu, auf dem die Ankündigung zu lesen war, daß Herr Imgardtum den erhöhten An⸗ forderungen an seine Druckerei ꝛc. in jeder Weise gerecht werden zu können das Erscheinen seines Blattes e i n⸗ stel le. So hat das edleunpartetische Organ ein unrühmliches, längst verdientes Ende gefunden.

k. Die Gemeindewahltu Krofdorf, die am Donnerstag, den 26. Oktober stattfindet, hat diesmal den ganzen Ort in eine nicht ge⸗ ringe Aufregung gebracht. Seit Wochen schon wird die Agitation von allen Seiten mit einer Energie betrieben, wie man es früher bei solchen Wahlen nie erlebte. Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat sich einBürgerverein gebildet, den Pfarrer, Schullehrer, Postverwalter 2c. ins Leben riefen oder doch begünstigen. Von der Seite wird mit Mitteln gegen unsere Genossen gearbeitet, wie man sie nur von den be⸗ rüchtigten Agitatoren des Reichs verbandes gegen die Sozialdemokratie gewohnt ist. Die unglaub⸗ lichsten Lügen werden aufgetischt. So erschien in der Sonntagsnummer des Wetzl. Anzeigers eine Notiz aus Krofdorf, in der u. a. hieß:

Die bürgerlichen Parteien.. stehen im Kampfe mit der Sozialdemokratie, um der Mehr heit derselben im Gemeinderat ein Ende zu machen. War man schon lange mit den Beschlüssen desselben nicht einverstanden, so wirkte ein Beschluß dieses Gemeinderats, das Läuten der Glocken morgens, mittags und abends zu beseitigen, wie ein Funke im Pulberfaß. Der 26. Oktober wird nun ent⸗ scheiden, ob im sozialistischen oder im bürgerlichen Sinne weiter gearbeitet werden soll.

Von alledem, was da hier behauptet wird (das Gießener Amtsblatt druckte es auch nach D. R.) ist noch nicht der hundertste Teil wahr. Leider haben unsere Geuossen im Gemeinderat nicht die Mehrheit, sondern nur einen einzigen Vertreter darin. Das von dem Läuten der Glocken ist ebenso das Gegenteil der Wahrheit. Niemals hat der Gemeinderat einen solchen Beschluß gefaßt. Richtig ist nur, daß beschlossen wurde, daß vom 1. März des nächsten Jahres ab der Gehalt des Küsters nicht mehr im Etat aufgeführt werden soll aus dem sehr einfachen Grunde, weil nicht die politische, sondern die Kirchen⸗Gemeinde den Küster zu bezahlen hat. Wer dem Wetzlarer Amtsblatte obiges Zeug geschrieben hat, wollte ihm entweder absichtlich einen Bären aufbinden, oder besitzt keine blasse Ahnung von den Krofdorfer Verhältnissen.

y. Ueber Heldentaten eines Krofdorfer Ordnungsmannes wird dort viel gesprochen. Der Be⸗ treffende, der sich in der Agitation für denBürgerver⸗ ein und gegen die Sozialdemokratie hervortat, sch lug am Montag Abend seine Ehefrau dermaßen, daß diese laut um Hilfe rief und bei Nachbarsleuten Schutz suchen mußte. Nun kommt ja schließlich überall mal eine Differenz vor; so hätte der Mann aber seinen Krieger⸗ sinn und Kampfesmut nicht zu zeigen brauchen.

Zur Gemeindewahl in Krofdorf⸗ Gleiberg.

Gemeindewähler! Donnerstag, den 26. Oktober finden in unserer Gemeinde die Wahlen zur Gemeindevertretung statt. Arbeiter und Bauern! Zeigt hierbet, daß Euch die Wohlfahrt des Gemeinwesens am Herzen liegt und sorgt dafür, daß nur solche Leute gewählt werden, von denen sich zuversichtlich erwarten läßt, daß sie uneigennützig und ohne Rücksicht auf einzelnemaßgebende Personen ihr Amt im Interesse aller Gemeinde⸗Mitglieder be⸗ tätigen. Haltet die schwarze Vettern⸗Gesell⸗ schaft, die sich in der ersten und zweiten Klasse aufgestellt hat aus dem Gemeinderat fern! Bekundet durch Euere Abstimmung, daß die verlogene, auf Täuschung der Wähler berech⸗ nete Agitation, wie sie von gewisser Seite be⸗ trieben wurde, hier ihre Wirkung verfehlt und wählt keinen vom schwarzen Peter⸗Verein auf⸗ gestellten Kandidaten! Wählt vielmehr in dritter Klasse die vom Krofdorf-Gleiberger sozialdemokratischen Wahlverein aufgestellten Kandidaten: Georg Schaum von Krofdorf und Wilhelm Winter von Gleiberg. In erster und zweiter Klasse stimmt nicht für die vom sog. Bürgerverein aufgestellten Leute!

Aus dem Rreise Marburg⸗Rirchhain.

In der Parteiversammlung am Samstag erstattete Genosse Härtling Bericht über den Jenaer Parteitag. In längeren Ausführungen besprach er die einzelnen Tagesordnungspunkte und gab zum Schlusse seiner Meinung dahin Ausdruck, daß wir mit dem Ver⸗ lauf des Parteitages wohl zufrieden sein könnten. Die so sehnlich von unseren Gegnern erhoffte Spaltung der Partei ist wieder nicht eingetreten, das ärgert natürlich unsere Gegner nicht wenig und besonders machte auch dieHessische Landesztg. ihrem Mißbehagen in giftigen Artikeln Luft. Das ist ja bei demnational⸗sozialen Blatte nichts neues, fast scheint es, als wäre dasselbe bei Max Lorenz oder beim Reichsverband gegen die Sozialdemokratie abonniert. Doch solche Ergüsse lassen uns kalt. Mehrere Diskusstonsredner meinten mit Recht, je mehr die Gegner schimpfen, um so richtiger sind un⸗ sere Beschlüsse. Eine Resolution, die sich mit den Be⸗ schlüssen des Parteitages einverstanden erklärt, fand einstimmige Annahme. Weiter wurde noch beschlossen, die sogenanntelose Organisation aufzulösen, alle Ge⸗ nossen sollen sich dem Wahlverein anschließen. Auf die Gemeindevertreter⸗Konferenz in Frankfurt wird Genosse Fischer delegiert. Schließlich gab der Vertrauens⸗ mann bekannt, daß demnächst im ganzen Wahlkreis eine Kalenderverteilung stattfindet, an der sich alle Genossen beteiligen sollen.

Die Weber. Das so benannte Schau⸗ spiel des schlesischen Dichters Gerhardt Haupt mann wird der bekannte Rezitator Emil Walkotte am Montag(23.) im Saale des Café Quentin zum Vortrag bringen. Wie vielen unsern Lesern bekannt, schildert das Stück den schlesischen Weberaufstand von 1844, der als der soziale Vorläufer der 48 er Revolution gelten darf. Die Not, das Elend und der Hunger der von den Fabrikanten rücksichtslos ausgebeuteten Weber wird uns vor Augen geführt; aber auch die Unklarheit der damaligen Arbeiterschaft, die vom Hunger geplagt und vom Zorn über⸗ wältigt die Wohnung des Fabrikanten Dreißiger

er hieß in Wirklichkeit Zwanziger) stürmt und 0 ihrer Not und der Ausbentung ein Ende zu machen sucht. Das Drama entstand 1890. Seine Aufführung wurde früher vielfach ver⸗ boten. Wir zweifeln nicht daran, daß Herr Walkotte es wirksam zum Vortrag bringen wird und es 15 niemand diese Dar⸗ bietung entgehen lassen.

h. Soßtalbemokratischer Wahl⸗ verein. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß in der am Sonnabend, den 28. Oktober statt⸗ findenden Monatsversammlung Genosse Dr. R. Michels einen Vortrag über dieUnent⸗

geltlichkeit der Rechtspflege halten

wird. Ferner steht auf der Tagesordnung: Abrechnung des Kassterers, Jahresbericht, Kan⸗ didaten⸗Aufstellung zur Stadtverordnetenwahl und Vorstandswahl. Angesichts der reichhaltigen und wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes einzelnen Genosseu, für zahlreichen und pünktlichen Besuch dieser Versamm⸗ lung Sorge zu tragen. Gäste willkommen!

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Arbeiterbewegung.

Der Streik in der Berliner Elektro⸗ Industrie ist wieder beigelegt. Die Arbeiter haben gewiß keinen Erfolg davon getragen das war ja von vornherein ausgeschloffen, da sie sich in der Notwehr befanden aber immer⸗ hin kann auch von keinervernichtenden Nieder⸗ lage gesprochen werden, wie das die bürgerliche Presse tut. Im Gegenteil werden die Arbeiter aus diesem Kampfe die nötigen Lehren ziehen. Auch die Unternehmer! Bereits ist die Allg. Elektr.⸗Gesellschaft aus dem Scharfmacher⸗Ver⸗ bande ausgetreten. Einegroße Aussper⸗ rung hat der Verband der sächsisch⸗thüringischen Webereien auf den 23. Oktober beschlossen. Es kommen viele Tausend Arbeiter in Betracht.

Par tei-Nachrichten.

Friedrich Harm, einer der ältesten Vorkämpfer unserer Partei, früher Reichstagsabgeordneter für Elber⸗ feld ist dort Ende voriger Woche gestorben. Harm war 1844 in Holstein geboren und hatte sich schon an⸗ fangs der sechziger Jahre dem Allg. deutschen Arbeiter⸗ verein angeschlossen. Ende der Sechziger kam ec nach dem Wuppertal, wo er dann bald Bevollmächtigter der dortigen Mitgliedschaft des Allgemeinen deutschen Arbeiter⸗ vereins wurde, Seit jener Zeit stand Harm in den vordersten Reihen der Kämpfer. Der treue und mutige Kämpfer wurde 1884 als Kandidat für die Reichstags⸗ wahl aufgestellt und wurde auch gewählt. Vierzehn Jahre hat er das Wuppertal im Reichstag vertreten, In seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter regte er an, den zur Uebung einberufenen Landwehrleuten und Reservisten Entschädigung zu zahlen und hatte den Er⸗ folg, daß diese Anregung Gesetz wurde. 1898 bat er seine Genossen, ihn von der Tätigkeit im Reichstage zu entbinden. Als Agitator blieb er was er gewesen war, eifrig und uneigennützig. So wirkte er bis 1903. Nun setzte ein schweres Nieren⸗ und Herzleiden seiner Tätig⸗ keit ein Ziel. Jetzt hat ihn der Tod erlöst. Ehre seinem Andenken!

Versammlungskalender. Samstag, den 21. Oktober.

Hausen. Arbeiter⸗Verein. Abends ½9 Uhr Versammlung bei Wirt Wallbott. T. ⸗Ord.: Landtagswahl und Bürgermeisterwahl. Mitglieds⸗ bücher mitbringen!

Sonntag, den 22. Oktober.

Beuern. Volksversammlung nachm. 4 Uhr bei Wirt C. Diedrich zurGermania T.⸗Ord.: Politische Pflichten und Rechte. Ref. Diehl⸗Gießen.

Samstag, den 28. Oktober.

Lauterb ich. Sozialdemokrat. Wahlverein Abends Uhr Versammlung bei Gastwirt Keutzer. Wegen wichtiger T.⸗Ord. zahlreich erscheinen!

* 3 Letzte Nachrichten.

Landtagswahlen in Bade n. Nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten sind 41 Abgeordnete gewählt und zwar: 17 Zentrum, 15 Nationalliberale, 5 Sozialdemokraten, 3 Demokraten und 1 Bündler. Sozialdemo⸗ kraten wurden gewählt: in Mannheim: Leh⸗ mann, Süßkind und Kramer; in Pforz⸗ heim: Eichhorn, in Offenburg: Geck. Außerdem sind unsere Genossen an 13 Stich⸗ wahlen beteiligt.

Viktor Adler in den Reichsrat ge⸗ wählt. In einer Ersatzwahl im Kreise Reich en⸗ berg in Böhmen wurde der bedeutendste Führer der österreichischen Sozialdemokratie, Dr. V. Adler mit 26 000 Stimmen in den Reichsrat gewählt. Den Bezirk vertrat vorher bereits der Gen. Hannich, der wegen Krankheit das Mandat niederlegen mußte.

Briefkasten.

H. H.⸗Büdeshm. Sie wenden sich mit der Frage am besten an unser Landessekretariat: Dr. David, Offenbach, Bahnhofstr. 39. Düdelshm. Ihre Zuschrift hätte in dieser Form keine Aufnahme finden können. Es müssen immer bestimmte Tat sachen angegeben werden, die jederzeit unter Beweis gestellt werden können.