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Nr. 47.
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Mitteldeutsche Sountagsgeitung.
Seite 5.
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— Firma Jäger& Rumpf. Nun ist doch über das Vermögen des Inhabers der Hanauer Baufirma Jäger& Rumpf Architekten Heinrich Usener das Konkurs verfahren er⸗ öffnet worden. Die Gläubiger waren früher geneigt, auf das Angebot Useners, 25 Prozent im Vergleichswege zu zahlen, einzugehen, weil ja beim Konkurs noch viel weniger übrig bleibt. Durch den Konkurs werden eine Anzahl Gießener Geschäftsleute ganz empfindlich geschädigt. Die Buchführung der hiesigen Filiale der Firma war außerordentlich lüderlich.
— Der städtische Fischmarkt erfreut sich stets verhältnismäßig lebhaften Zuspruchs. Vorigen Freitag wurden 16 Zentner Fische verkauft und auch diese Woche blieb von dem
leichen Quantum nichts mehr übrig. Die Preise stellten sich ziemlich niedrig; Bratschell⸗ fische z. B. kostete das Pfund 14 Pfg. Die Preise der übrigen Sorten bewegten sich zwischen 20 und 26 Pfg.
— An die Arbeit! Nächsten Sonntag, den 26. November, soll im Kreise Gießen unser Landkalender verteilt werden. Wer von unsern Genossen nur irgend kann, muß sich zu der Partetarbeit zur Verfügung stellen. Je mehr Kräfte, desto schneller ist die Arbeit getan. Man wolle sich zur Einteilung bei Orbig zur Verfügung stellen.
— Ein schwerer Unglücksfall er⸗ eignete sich in der Maschinenfabrik Heyligenstaedt. Zwei Arbeiter wurden durch glühendes Eisen erheblich verbrannt.
Aus dem Rreise gießen.
— InlLindenstruth findet gemäß dem am 15. Oktober gefaßten Beschlusse die Mit⸗ glieder⸗Versammlung des Arbeitervereins jeden ersten Sonntag im Monat nachm. 3 ¼ Uhr bei Wirt Peter Zinkam statt.
k. Stelle zum Schutt abladen. Der famose Reichsverband zum Totlügen der Sozialdemokratie hat, soviel wir übersehen, in ganz Oberhessen nur ein Blättchen für Ab⸗ lagerung sei es journalistischen Mistes n Den„Vogelsberger Boten“ in Gedern. Das Blättchen entspricht allerdings in geistiger Beziehung dem Reichsverband. Das heißt, sein Inhalt il trostlos borniert und tölpelhaft zu⸗ sammengestoppelt.
Aus dem Nreise Alsfesd⸗Cauterbach.
b. Die Alsfelder Genossen wollen sich zur Kalender verteilung diesen Sonntag recht zahl⸗ reich zur Verfügung stellen. Je mehr bei derartiger Parteiarbeit antreten, desto leichter ist die Arbeit für den einzelnen und desto rascher ist sie erledigt. Die Einteilung der Touren erfolgt Samstag Abend 9 Uhr beim Kreis vertra uensmann Eder.
Aus dem RNreise Wetzlar.
h. Die erste Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahl vereins, die am Sonntag in Wetzlar stattfand und gut besucht war, nahm zunächst den Geschäfts⸗ und Kassenbericht entgegen, gegen den Einwendungen nicht gemacht wurden. Die von den Revisoren beantragte Entlastung wurde genehmigt. Gen. Fauth erstattete den Bericht vom Jenaer Parteitag, welcher belfällig aufgenommen wurde. In der darauf⸗ folgenden Diskussion wurde hauptsächlich der Massen⸗ streir erörtert, wobei von den ländlichen Genossen die Anscht vertreten wurde, daß ihrer zum Zweck des po⸗ litischen Massenstreiks noch zu wenig gewerkschaftlich organisiert seien, während hier in Wetzlar das Gegen⸗ teil der Fall ist, da noch viele geworkschaftlich organisierte Arbeiter der politischen Bewegung teilnahmszlos getzen⸗ überstehen. Anschließend daran erfolgte der Bericht von der Gemeindevertreter⸗Konferenz, den Genosse Winter⸗ Gleiberg erstattete. Hierauf sprach man noch über den am 26. November stattfindenden außerordentlichen Pro⸗ vinztallandtag. Der Vorfttzende konstattert, daß unser Kreis bei der letzten Einteilung der Bezirke gar nicht mit aufgeführt ist; des weiteren erläuterte er den Ent⸗ wurf des Organisationsstatuts für die Landes organisa⸗ tion. Von der Versammlung wurde nur der Paragraph betr. Verwendung der Beiträge beanstandet und den zu wählenden Delegierten entsprechende Weisung erteilt. Zu Delegierten wurden die Genossen Fauth⸗Wetzlar und Mandler⸗Kinzenbach gewählt; als Ersatzmänner die Ge⸗ nossen Krombach⸗Krofdorf und Pfaff⸗Odenhausen. Der letzte Punkt betraf die Reichstagskandidatur. Hierzu nahm die Versommlung einen Antrag an, des Inhalts, daß einem bekannten Frankfurter Genossen,
welcher in hiesiger Gegend in guter Fühlung mit der Arbeiterschaft steht, die Kandidatur unseres Wahlkreises anzutragen sei. Zum Schlusse wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt; außerdem wurde beschlosseu, die nächste Generalversammlung in Krofdorf abzuhalten.
x. Wenn man„hoch“ kommt. Aus Krofdorf schreibt man uns: An ein be⸗ kanntes Sprüchwort erinnert das Verhalten des Werkführers Bender in der hiesigen Gail'schen Fabrik. Seit Jahren klagen die Arbeiterinnen über die ungehörige Behandlung, die sie von dem Manne zu erdulden haben. Kürzlich kontrollierte Werkführer Dauberts⸗ häuser die Arbeit meiner Frau, als Bender dazu kam und sofort 2 Formen Wickel aus⸗ schled, sich sogar die Frechheit erlaubte, nach meiner Frau zu schlagen! Solches Betragen verdient gewiß öffentlich gekennzeichnet zu werden.
h. Ein Bergarbeiter⸗Aus stand droht in zwei 157 Fürsten v. Braunfels gehörigen Gruben auszu⸗ echen.
Westerwald und Anterlahn.
t. Die Stadtverordneten wahl in Haiger fand am Mittwoch statt. In der 3. Klasse wurden 121 Stimmen abgegeben, wovon unser Genosse Louis Trott 39 erhielt. Gewählt wurde mit 68 Stimmen der seitherige Stadtverordnete Berns. 14 Stimmen waren zersplittert. Um den verhaßten Sozialdemokraten niederzustimmen, hielt, wie jetzt überall, der ganze Ord⸗ nungsbrei zusam men. Auch die Christlich⸗Sozialen zogen ihren Kandidaten zurück und stimmten für Berns, sodaß wir sagen können, die 39 Stimmen für unsern Genossen, der im vorigen Jahre bei einer Ersatzwahl nur 20 Stimmen erhielt, find reine Arbeiterstimmen. Uebrigens dürfte die Wahl angefochten werden, weil sich der Herr Bürgermeister nicht geniert hat, im Wahllokal jeden Wähler zu fragen, ob er den Bäcker oder den Bier⸗ brauer wähle. Darin liegt eine Beeinflussung. In der 1. und 2. Klasse wurden natürlich lauter„Ordnungs⸗ stützen“ gewählt.
** Tollwut. In Münchhausen(illkreis) sind fünf Rinder an Tollwut eingegangen. Es hat sich herausgestellt, daß vor einiger Zeit zwei Hunde des Hirten plötzlich verendeten. Drei Personen die mit 1 zu tun hatten, sind nach Berlin zur Impfung gereist.
Aus dem Nreise Marburg⸗RAirchhain.
Die Stadtverorbnetenwahl hat uns noch nicht den Sieg gebracht, den einige Genossen erhofften. Trotzdem die Mehrheit unserer Genossen nicht erwartete, einen Kandidaten durchzubringen, hat das Wahlresultat doch manchen enttäuscht. Denn da unsere Partei als einzige mit einm klaren Programm auftrat und Ver⸗ sammlungen mit freier Diskussion abhielt, glaubten viele von uns an einen besseren Erfolg.— Gegen wen hatten wir aber auch alles zu kämpfen! Im Gegen⸗ satz zu früheren Wahlen hatten sich fast sämtliche Ver⸗ eine und Gesellschaften auf eine Kandidatenliste ver⸗ einigt, wie es ja von uns bereits früher mitgeteilt wurde. Außer unserer Partei ging nur der Beamten⸗ verein mit eigenen Kandidaten vor. Sein Auserkorener war der Oberpostschaffner und„Dichter“ Ph. Krone⸗ mann. In ihm glaubten die Professoren, Landgerichts⸗ räte ꝛc. einen geeigneten Vertreter gefunden zu haben. Er hat's auch zur Stichwahl gebracht und im Falle seiner Wahl können die Verhandlungen manchmal „poetisch“ werden. Den größten Erfolg haben die ver⸗ einigten Vereine davon getragen. Und zwar vereinigten sich der Bürgerverein, sämtliche Innungen, der Gast⸗ wirteverein, der Gewerbeverein und viele andere einfluß⸗ reiche Bürger Marburgs. So war es natürlich kein Wunder, daß diese Liste siegen mußte, da diese Vereine zusammen/ aller Wähler ausmachen. Zwei ihrer Kandidaten, Dietrich und Klee, sind bereits gewählt, während die anderen zwei in die Stichwahl mit der Beamtenliste kommen. Daß bei sämtlichen Vereinen die Parole war:„Gegen die Sozialdemokratie“, das ver⸗ steht sich von selbst.
Im Uebrigen kann unsere Partei, die zum ersten Male und ohne jeden Kompromiß in die Wahlbe wegung ging, mit dem Resultat zufrieden sein. Wer die Mar⸗ burger Verhältnisse kennt, weiß, was es bedeutet, öffent⸗ lich seine Stimme für die Sozialdemokratie abzugeben. Mit Argusaugen wurden diejenigen beobachtet, die voll⸗ ständig„rot“ wählten, und so mancher Genosse wird der Wahl sern geblieben sein, um Schädigung in ge⸗ schäftlicher Beziehung zu vermeiden. Wir müßten aber die Erziehunsg unserer Wählerschaft für unsere Auf⸗ gabe erachten, dann können wir auch dieser Hemmnisse spotten.
Das Wahlresultat ist folgendes: Die Vereinigte Liste: Gastwirt Dietrich 355, Kupferschmied Klee 311,
Dr. Maurmann 247, Oberpostschaffner Kronemann 206,
Schreiner Bang 185, Schlosser Laubscheer 246, Metzger Keppler 216 Stimmen. Die sozialdemokratische Liste: Schuhmacher Posern 125, Dr. Michels 112, Schrift⸗ setzer Fischer 106, Hilfsarbeiter Steets 98 Stimmen. Letzterer sowie Keppler und Laubscheer waren als Er⸗ satzmänner aufgestellt.— Bei der letzten Wahl, wo wir mit einer gemischten Liste auftraten, erhielten wir nur 68—97 Stimmen, haben also diesmal mit einer reinen Liste bedeutend besser abgeschnitten.— In der zweiten Abteilung wurden gewählt: Buchbinder Schaaf, Bäcker Runkel, Möbelfabrikant Schäfer und Schreiner Bang.
Zur Stadtverordnetenwahl⸗Agitation hielten unsere Genossen am Freitag eine Wähler ver⸗ sammlung bei Jesberg ab, in der Genosse Die mer⸗ Frankfurt über die Frage sprach: Was will die Sozial⸗ demokrat ie auf dem Rathause? Sein interessanter und lehrreicher Vortrag wurde von der gut besuchten Ver⸗ sammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In der sich daran anschließenden Diskussion wurden von unseren Kandidaten besonders die Marburger Verhält⸗ nisse besprochen. Wie sehr die Versammlung mit den Ausführungen unserer Kandidaten einverstanden war, das bewies die lebhafte Zustimmung am Schlusse ihrer Reden. Für die nötige Heiterkeit sorgte ein Herr Weiß⸗ bindermeister Blaufuß, welcher versuchte, die Stadtväter in Schutz zu nehmen.„Wenn die Stadt sich auch noch um die Fleischnot bekümmern sollte, dann hätte sie viel zu tun,“ meinte u. A. der biedere Handwerks meister. Ihm und einem nationalsozialen Redner antwortete in ausgiebiger Weise Genosse Dr. Michels und der Referent in seinem Schlußwort.
* Ortskrankenkasse. Die am Mitwoch stattgesundene Generalversammlung der Ortskrankenkasse war jo stark besucht, daß die Aula der alten Realschule sich zu klein erwies. Herr Professor Hildebrand hielt seinen angekündigten Vortrag über ansteckende Krankheiten, der besonders für die Arbeiter sehr lehrreich war und mit großem Beifall aufgenommen wurde.— Aus dem Jahresberichte, den der Vorsitzende Engel gab, ging hervor, daß die Kasse in diesem Jahre finanziell nicht besonders gut abschneidet. Als Vertreter zur Generalversammlung wurden die von der Gewerkschafts⸗ kommission aufgestellten Vertreter gewählt. In den Vorstand wurd en die Gen. Weber und Strüber delegiert.
Sechs Wochen Gefängnis fr einen Kuß
Der auf einer Ackerwirtschaft bei Mannheim bedienstet gewesene Knecht Heinrich Essenwein aus Sennfeld gab in einer Scheune einem vierzehnjährigen Mädchen gegen dessen Willen einen herzhaften Kuß. Der Dienstherr, der in diesem Augenblicke hinzukam, erstattete Anzeige. Gegen den Attentäter wurde Anklage wegen Beleidigung des Mädchens erhoben. Die dritte Strafkammer in Mannheim verurteilte jetzt den Angeklagten für seine„Liebenswürdigkeit“ zu sechs Wochen Gefängnis.— Wegen eines ähnlichen„Attentates“ erhielt in Darmstadt ein junger Mann 10 Tage Gefängnis.
Ueber die Sittlichkeit auf dem Lande
äußerte sich in einer Schwurgerichtsverhandlung der Vorsitzende des Gerichtshofes in Greifs⸗ wald, Geh. Justizrat Budde. Ein Arbeiter, der bereits wegen Sittlichkeitsverbrechen mit 5 Jahre Zuchthaus bestraft ist, hatte sich wegen des gleichen Verbrechens zu verantworten. Er wurde schuldig befunden und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei der Urteilsbegrün⸗ dung erklärte der Vorsitzende des Gerichtshofes, Geh. Justizrat Budde, daß es für den Ge⸗ richtshof strafmildernd in Betracht gekommen sei, daß die sexuel le(geschlechtliche) Moral auf dem Lande weit niedriger stehe als in der Stadt. Die Geschworenen, meist Landwirte, gerieten über diese Begründung in Erregung und erklärten durch ihren Obmann, Herrn v. Behr. Fritzow, daß stie sich verletzt fühlten. Der Vorsitzende gab darauf die noch- malige Erklärung ab, daß nach seiner Erfahrung die Sittlichkeit und Schamhaftigkeit auf dem Lande bedeutend tiefer stehe als in der Stadt. In der ländlichen Umgegend hat diese Erklärung viel böses Blut gemacht.
Versammlungskalender. Samstag, den 18. November.
Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.


