Ausgabe 
19.2.1905
 
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Nr. 38.

Mittel deutsche Sountaos⸗geitung.

Seite 5.

2. Heft: Das erste Lebensjahr; 3. Heft: Zur

Gesundheitspflege des Nervensystems; 4. Heft: Der Achtstundentag, eine gesundheitliche Forde⸗ rung; 5. Heft: Alkoholfrage und Arbeiterklasse. Jedes Heft kostet 20 Pfennig und ist durch die Expedition unseres Blattes zu beziehen. Wir empfehlen diese lehrreichen Heftchen unsern Lesern zur Anschaffung. f

Der Gießener Lesehalle⸗Verein hält Freitag, den 24. Februar, abends 8 Uhr, seine ordentliche Mitgliederversammlung im Café Ebel ab. Die Tagesordnung ist aus dem Inserat ersichtlich.

Der Raubmörder Hudde hat ein⸗ gestanden, den Pfarrer Thöbes in Heldenbergen ermordet zu hoben. Nachdem in Köln festgestellt und durch Zeugen bestätigt wurde, daß Hudde es war, der die Uhr des Pfarrers in Köln versetzte, verdichtete sich das Beweismaterial immer mehr. Die Schwurgerichts⸗ verhandlung gegen ihn dürfte wie verlautet, erst im Juli stattfinden.

Aus dem Preise gießen.

ch. Wieseck. Im Wahlverein wurden in der Versammlung am Samstag die Geschäfts⸗ und Kassenberichte erstattet. Letzterer zeigte ein recht erfreu⸗ liches Bild. Die Einnahmen und Ausgaben überstiegen die aller vorhergegangenen Jahre; die Einnahmen betrugen Mk. 454,95, die Ausgaben Mk. 406,27 gegen voriges Jahr mit Mk. 325,26 Eennahme und Mk. 332,57 Aus gabe. Unter den Ausgaben befinden sich: ein Betrag von Mk. 214,03 für die Kreiskasse, Mk. 32 für Unter⸗ stützung Kranker, Mk. 26,80 für Parteizwecke, Mk. 10, für Agitation und Mk. 17, für Kommunalwahlen. Ferner wurden noch für sonstige Vereinszwecke und Litteratur Mk. 115,44 verwendet. Von der Unter⸗ stützungskasse wurden außerdem noch für ein verstorbenes Mitglied Mk. 10 und an Sterbegeld für zwei Ehefrauen von Mitgliedern je Mk. 20 ausgezahlt. Nachdem die Kontrolleure die Richtigkeit der Abrechnung bestätigt und für richtig befunden hatten, wurde unserm altbewährten Kassserer Körber Entlastung erteilt. Die nächste Versammlung soll am 18. März mit einem Vortrag über die Bedeutung des 18. März und die jüngsten politischen Ereignisse abgehalten werden. Der Wahl⸗ verein und Arbeitergesangverein Sängerkranz halten am 7, März gemeinsam einen Ball ab und werden die Mitglieder jetzt schon darauf aufmerksam gemacht.

1 Wieseck. Dem Guten müssen alle Dinge zum Besten dienen. Bei der Sammlung für die Berg⸗ arbeiter bekamen die Sammler oft recht törichte Bemerkungen zu hören. Als neulich Wiesecker Arbeiter für den Bergarbeiterstreik sammelten, legten sich auch die Liste einem bekannten undberühmten Maurer- meister vor. Der lehnte jedoch eine Gabe ab und bedachte die Bergarbeiter und überhaupt die Arbeiter im Allgemeinen mit allerhand Liebens würdigkeiten. Da erinnerten sich die Arbeiter, daß ihnen der Herr Maurer⸗ meister noch seit 18 9 8 einen Betrag schuldig war, sie forderten denselben ein und spendeten einen Teil davon den Bergleuten. Das war recht. Herrn S. könnte aber etwas mehr Bescheidenheit nichts schaden.

s. In Annerod fand am 4. Februar eine gut besuchte Pflasterer⸗Versammlung statt, in welcher unser Kollege A. Frickel aus Klein⸗Krotzenburg über die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung sprach. Er beschästigte sich eingehend mit den Verhältnissen in unserm Berufe und betonte die Pflicht aller auf Besserungen hinzuwirken. Seine sehr belfällig auf⸗ genommenen Ausführungen hatten zur Folge, daß eine Filiale des Pflasterer⸗Verbandes für Annerod gegrün det wurde, der sich hoffentlich sämtliche hier wohnenden Pflasterer anschließen.

r. Mit dem Bahnprojekt Gießen ⸗Beuern beschäftigte sich am Samstag eine Versammlung in Altenbuseck. Lange vor ihrem Beginn war das Wilhelm Rabenau'sche Lokal dicht besetzt. Gegen ½¼9 Uhr eröffnete Herr Bürgermeister Körber die Versammlung und erteilte Herrn Beigeordneten Rau das Wort, der in kurzen Zügen die Vorteile darlegte, welche für die in Betracht kommenden Orte von der Verwirklichung des Projekts zu erwarten seien und erläuterte die bereits gepflogenen Verhandlungen. Dem Referat folgte eine recht rege Diskussion, wobei sich eine seltene Einmütig⸗ keit in der Beurteilung der Sache zeigte. Eine zum Schluß eingebrachte Resolution, welche die Angelegen⸗ heit durch energische Schritte gefördert wissen will, wurde einstimmig an enommen. Zwecks einen plan⸗ mäßigen Verfolgung der ganzen Angelegenheit wurde eine, aus allen Berufsschichten zusammengesetzte sieben⸗ gliedrige Kommission gewählt. Die Zusammensetzung der Kommisston läßt eine rege Tätigkeit auf diesem Gebiete erwarten.

r. Der Großherzog von Großen⸗Linden. In der Zeit der Jubelfeiern, wo jedes unbedeutende Ereignis zu großem Festestrubel Veranlassung geben muß, will das Oberhaupt von Großen⸗Linden, Herr

Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Leun auch verbrecher, lassen es sich die Behörden keine Mühe ver⸗ nicht zurück bleiben. Zu seinem 50. Geburtstage hatten 1 drießen, um durch den bekannten preußischen Terrorismus

seine Freunde am Donnerstag einen Fackelzug und Festkommers in der Turnhalle arrangiert, wo Herr Leun für das Verdienst, daß er 50 Jahre alt geworden ist, sich anhochen ließ. Eine Gießener Kneip⸗Gesellschaft überreichte ihm sogar einDiplom. Dabei passierte übrigens ein Unglück. Als einer der Gießener das Ding an ein Fenster aufhängen wollte, stürzte ein Fensterflügel herunter und verletzte den Betreffenden schwer am Kopfe. Zwei andere Personen wurden leichter verletzt. Wie wir hören, erhielt Herr Leun von seinem Kollegen Köhler-Langsdorf, dem Grafen Pückler und dem Schah von Persien Begrüßungstelegramme. Das Schönste wird aber noch kommen: in dengut⸗ gesinnten Blättern wird aus Großen ⸗Linden zu lesen sein: Welcher Beliebtheit sich unser allverehrter Bürger⸗ meister erfreut, bewies der großartige Fackelzug ꝛc. ꝛc. Heil, Heil! ö

Tabakarbeiter⸗Versammlung, Die in voriger Nr. auf Sonntag, den 18. Februar für Heuchelheim angekündigte Tabakarbeiter⸗Versammlung findet erst am 5. März nachmittags 3 Uhr im Lokale August Rinn statt. Eine weitere Versammlung soll am Abend desselben Tages in Wieseck, voraus⸗ sichtlich im Ziegler'schen Lokale abgehalten werden.

Lollar. Der Metallarbeiter ⸗Ver⸗ band feiert Samstag, den 25. d. Mts. sein Winter⸗ fest im Saale zum Schwanen. Das Fest, bestehend in Konzert, Gesang, Vorträgen, Deklamationen ꝛc. be⸗ ginnt abends 8 Uhr. Hoffentlich beteiligen sich nicht nur die Metallarbeiter, sondern auch Genossen aus andern Berufen recht zahlreich an der Veranstaltung.

Aus dem Nreise Wetzlar.

* Herr Franz Behrens, der christlich⸗soziale Agitator und zukünftiger Reichstags landidat für den Wahlkreis Wetzlar, hielt am Sonntag in Wißmar eine Agitationsversammlung ab. Mit dem erzieltenErfolge dürfte er jedoch kaum zufrieden sein. Die Versammlung war gut besucht, es mögen etwa 140 160 Personen anwesend gewesen sein.

Zwar darüber sprach Herr B. weniger und die Zuhörer werden nach seinem Vortrage über die Bestrebungen der Stöckerpartei genau so klug als vorher gewesen sein. Den größten Teil des Vortrags nahm der Bergarbeiter⸗ streik in Anspruch. Das ist ja erklärlich; Behrens machte darüber auch Ausführungen, denen wir im All⸗ gemeinen von unserm Standpunkte aus zustimmen können. Zum Schluß erklärte es Herr Behrens als das Streben der Christlich⸗Sozialen, in Staat und Gesellschaft die Grundsätze des Christentums zur Anerkennung zu bringen. Nur 3 oder 4 Leute bekundeten Beifall. Genosse Vetters, der hierauf das Wort ergriff es waren zehn(ö) Minuten Redezeit angekündigt hielt Herrn B. vor, daß er doch nicht gesagt habe, was die Christlich⸗Sozialen wollten. Darum wolle er es nach⸗ holen und darauf hinweisen, daß jene für die Lebens⸗ mittelverteuerung durch Zölle, für die kostspielige und nutzlose Kolonialpolitik und Beseitigung des Reichstags⸗ wahlrechts eintreten. Christlich seien doch diese Be⸗ strebungen sicher nicht. Genosse Beckmann bemerkte, daß Behrens sein« Reden je nach Zusammensetzung der Versammlung einrichte, hier bei Arbeitern habe er es vermieden, gegen die Sozialdemokratie loszuziehen, wie das sonst seine Gewohnheit sei. Stöcker habe s. Zt. für das Ssozialisteugesetz gestimmt und wenn dieser Mann im Reichstage das Wort ergreife, schimpfe er auf die Sozialdemokratie und verdächtige sie. Die christlichen Gewerkschaften stören die Einheitlichkeit der Arbeiter⸗ bewegung und wirken im Interesse des Unternehmertums. Behrens selbst habe in seiner eigenen Gewerkschaft der⸗ artig zersplitternd gewirkt und außerdem die Geschäfte als Vorsitzender der Gärtner⸗Organisation unordentlich geführt. Letzteres bestritt Herr B. und erklärte die diesbezüglichen Zeltungsmeldungen als unwahr. Vetters und Beckmann antworteten nochmals und fanden mit ihren Ausführungen beifällige Zustimmung der Versamm⸗ lung, die einen Erfolg der Sozialdemokratie bedeutet.

Westerwasd und Anterlahn.

n. Versammlung in Niedershausen. Am Samstag sprach hier Genosse Krumm-⸗Gießen über: Die Sozialdemokratie und ihre Gegner. Redner präzisierte eingehend unsere Stellung, namentlich zu den agrarischen Parteien Ziffernmäßig wies er nach, daß die in dem neuen Zolltarif enthaltenen Zollerhöhungen landwirtschaftlicher Produkte nur dem Großgrundbesitzer zu Gute kämen, während dem Kleinbauern schon im Voraus etwaige Vorteile durch die verminderte Kaufkraft der industriellen Bevölkerung, erhöhte Preise der Syn⸗ dikatsbrüder im Inlande, Verteuerung der Futterartikel und anderer Verbrauchsgegenstände, wegstibiezt wer⸗ den. Ebenso sprach unser Redner über die beinahe komischen Versuche, den Wahlverein hier in Nieders⸗ hausen zu ruinieren. Als seien die Organisierten Staats⸗

den Arbeitern ihre gesetzlich gewährte Vereins- und Versammlungsfreiheit zu nehmen. Noch schärfer geißelte Krumm das Lumpengesindel von Denunzianten, die die Arbeitgeber den Organisierten auf den Hals zu hetzen versuchen, meistens ohne Erfolg, da auch die an⸗ ständigen Unternehmer für diese traurigen Menschen nur Verachtung hegen. Wir hoffen, daß die Versammlung die Organisation stärken und die Verbreitung derMittel⸗ deutschen Sonntags Zeitung und derFrankfurter Volksstimme fördern wird. Wir fordern auch nochmals die Genossen auf, nur in den Lokalen zu verkehren, die uns zu Versammlungen zur Verfügung stehen.

Aus dem Rreise Marburg-Nirchbain.

r. Die Stadtverordneten ⸗Versamm⸗ lung beschäftigte sich in ihrer Sitzung am Mittwoch mit der Errichtung eines Volksbades. Professor Dr. Bonhoff trat lebhaft für die Schaffung eins solchen ein. Eine solche Einrichtung sei in Marburg unbedingt nötig. Man beschloß vorläufig einem Badeanstalts⸗ besitzer unentgeltlich das Wasser für die von Orts⸗ krankenkassenmitgliedern benutzten Bäder zu liefern,

r. Polizei⸗Scherereien. Mit der allmählichen Erstarkung der Gewerkschaftsbewegung in Marburg be⸗ ginnt ihr auch die Polizei eine größere Aufmerksamkeit zu schenken und das Leben sauer zu machen. Im vorigen Jahre kam auf einmal das Verbot des Plakatanklebens und jetzt verbietet man das Sammeln zum Bergarbeiter⸗ streik. Noch nie vorher hat jemand, so oft für streikende oder ausgesperrte Arbeiter gesammelt wurde, etwas da⸗ gegen eingewendet, jetzt auf einmal haben drei Genossen deswegen Strafbefehle erhalten. Mögen sich unsere Ge⸗ nossen dadurch nicht beirren lassen, sondern weiter ihren Groschen zur Unterstützung der Bergleute geben und so⸗ viel sie können, sammeln.(Anmerkung der Red. Nach einer Entscheidung des Kammergerichts vom 20. Mai 1901 fällt unter den Begrifföffentliche Kollekte nur das Ein sammeln von Haus zu Haus. Für solche muß

nach verschiedenen Polizeiverordnungen die Genehmigung Behrens sprach etwa/ Stunden

über das Thema: Was wollen die Christlich Sozialen?

des Oberpräsidenten eingeholt werden, die, wenn es sich um Unterstützung Streikender handelt, wohl schwerlich gegeben würde. Das Sammeln in der Werkstelle oder am Wirtshaustisch, überhaupt in einem geschlossenen Personenkreise, ist nach der erwähnten Entscheidung keine öffentliche Kollekte. Unsere Freunde wollen dies beachten und nicht etwa von Haus zu Haus gehen.)

r. Sprechstunden des Gewerbe⸗Inspekto⸗ rats. Die Gewerbe⸗Aufsichtsbeamten zu Cassel haben, was auch für die Marburger Arbeiterschaft zu wissen nötig ist, bestimmte Sprechstunden für Arbeitgeber und Arbeit nehmer eingerichtet und wie folgt festgesetzt: 1. der Regierungs⸗ und Geberberat zu Cassel(Regierungs⸗ gebäude, erster Stock, Zimmer 23) an jedem Samstag von 1112 ¼ Uhr; 2. der Gewerbeinspektor zu Cassel (Bureau Emilienstr. 1) an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat. vormittags von 89½¼ Uhr und Sams⸗ tags vormittags von 912 Uhr. Die Gewerk⸗ schaftskommission nimmt etwaige Beschwerden zur Weiter⸗ beförderung entgegen. i

Eine gemeinnützige Baugesellschaft, die den Zweck verfolgt, Kleinfamiltenhäuser zu bauen, soll nach derOberh. Ztg. hier in der Bildung be⸗ griffen sein. Für Arbeiter sind die Wohnungsverhältnisse sehr reformbedürftig.

Verschwunden. Seit dem 22. Januar wird das Dienstmädchen Kath. Rock aus Ebsdorf, das in Marburg in Stelle war, vermißt und konnte trotz aller Nachforschungen nicht ausfindig gemacht werden. Die Polizei hat für sichere Auskunft eine Belohnung von 50 Mk. ausgesetzt.

Aus dem Gerichtssaale.

Eine harte Strafe verhängte die Gießener Strafkammer am 7. Februar über den Kranken⸗ wärter Ewald aus Momart i. O., der zuletzt in der psychtatrischen Klinik in Gießen in Stel⸗ lung war. Wegen Verleitung zum Mein⸗ eid erhielt der bisher unbestrafte 22 jährige Angeklagte 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus und 5 Jahre Verlust der Ehrenrechte. Er hatte einen früheren Kollegen zu bestimmen versucht, in einem gegen Ewald gerichteten Alimentationsprozesse zu beschwören, das er in fraglicher Zeit ebenfalls mit der Klägerin verkehrt habe. Ewald wollte sich damit der Zahlung von Alimenten entziehen, welche die Klägerin von ihm als Vater ihres Kindes be⸗ anspruchte.

* Liebenswürdiger Gatte. Die Strafkammer in Heidelberg verurteilte den Hauptlehrer Welde wegen fortgesetzter Mißhandlung seiner Ehefrau zu einem Jahr Gefängnis. W. wurde sofort verhaftet