Ausgabe 
18.6.1905
 
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Nr. 25.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

besonders auf die Verteuerung der Lebensmittel durch die Zölle und die dadurch bedingte Verschlechterung der Lebenshaltung für die Arbeiter hinwies, fanden lebhaften Beifall. Im Weiteren tadelte Terschowetz, daß ver⸗ schiedene Parteigenossen noch nicht zu ihrer Gewerkschaft gehörten und dadurch doch ihre eigene Sache schädigten. Er schilderte ferner die Arbeitsverhältnisse in Alsfeld. In der Möbelfabrik wird gegenwärtig nicht weniger als 13 Stunden gearbeitet, für die Ueberstunden wird aber kein Pfennig Zuschlag bezahlt. Angesichts dieser Dinge sse sich die Arbeiterschaft fest zusammenschließen und es dürften besonders auch die älteren Kollegen nicht fehlen!(Wegen Raummangel erscheint dieser Bericht verspätet. D. R.)

Aus dem Nreise Wetzlar.

h. Bedeutende Aufwendungen für die höhere Stadtschule haben die Stadtver⸗ ordneten vorige Woche beschlossen. Nun wird zwar lein vernünftiger Mensch etwas dagegen sagen, wenn eine Gemeinde bestrebt ist, das Schulwesen zu fördern. Hier handelt es sich aber wieder um eine bedeutende Leistung aus dem allgemeinen Steuersäckel zu Gunsten der Besitzenden. Es kommen in der höheren Stadtschule auf einen Lehrer nur 22 24 Schüler, trotzdem wird die Anstellung eines neuen Lehrers beschlossen! Dagegen muß sich in der Volks⸗ schule ein Lehrer mit beinahe 80 Kindern ab⸗ plagen, hier hat man es mit einer Verbesserung nicht so eilig. In weiten Kreisen der Wetzlarer Bebölkerung haben die Beschlüsse tiefe Erregung hervorgerufen und man hört vielfach mißfällige Bemerkungen über die Stadtverordneten.

h. Ein ehemaliger Ordnungshüter, der Gendarm a. D. Glaus wurde am Mitt⸗ woch von der Strafkammer wegen Körperver⸗ letzung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und viel hätte nicht gefehlt, so wäre nach§ 224 des Str.⸗Ges.⸗Buchs auf Zuchthaus erkanut worden. In der Verhandlung waren die Zuhörer in großer Anzahl erschienen und es kann wohl gesagt werden, daß diesem Menschen die über ihn verhängte Strafe allgemein gegönnt wird. Denn schon während seiner Dlenstzeit hat er sich vielfach Brutalitäten zu schulden kommen lassen, Leute mißhaͤndelt ꝛc., ohne daß ihn der Arm des Strafrichters erreicht hätte, was ja Gendarmen gegenüber immer seine Schwierigkeiten hat. Hier hatte sich Glaus wegen einer außerordentlich rohen Tat zu ver⸗ antworten. Er wohnte bei dem Dachdecker⸗ meister Kottmann, mit dem er, wie wir schon in Nr. 18 berichteten, in Differenzen geraten war, weshalb ihm Kottmann die Wohnung

gekündigt hatte. Als nun am 6. April der Hausbesitzer neuen Mietern die Wohnung zeigen wollte, kam es zwischen beiden zu einem Wort⸗ wechsel, in dessen Verlauf Glaus den Kott⸗ mann mit einem dicken kantigen Knüppel über den Kopf schlug, daß er sofort zusammenbrach

und eine klaffende Wunde über dem linken Auge davon trug, dessen Sehkraft durch 855 as

Schlag bedeutend geschwächt wurde. Gericht erklärte in der Urteilsbegründung, daß

die Tat ein Racheakt des Angeklagten gegen den Verletzten sei, von Notwehr, in der sich der Angeklagte nach den Ausführungen seines Verteidigers, Rechtsanwalt Kaufmann⸗Gießen, befunden haben will, könne keine Rede sein. Deshalb sei nach dem Antrage des Staatsan⸗

im Jahre 1907 in Wetzlar abzuhalten hat der Handwerkerverein beschlossen und seinen Vorftand mit den Vorarbeiten be⸗ traut. In der gleichen Versammlung wurde beschlossen, einen Kursus im Holzbeizen für Schreiner und Drechsler

walts erkannt worden. h. Eine Gewerbe⸗Ausstellung

einzurichten.

Westerwald und Antersahn.

t. Landrat und Stadtgemeinde.

Metzger, die Fleisch in bedeutender Menge ausführen, Auch die Landgemeinden des Amtes der Niederlassung eines zweiten

gewesen wäre. Hachenburg waren an

Zu dem schon früher berichteten Zwiste zwischen dem Landrat Büchting und der Stodt Hachenburg erfahren wir noch des Näheren: Als nach der Pensionierung des früheren Kreistierarztes auf Wunsch des Landrats Büchting trotz der Gegenbestrebungen Hachenburgs, Marienberg zum Sitz des neuen Kreistierarztes bestimmt wurde, sah sich Hachenburg genötigt, selbst einen Tierarzt anzustellen, da ein Laie als Fleischbeschauer nicht nur von Nachteil für die Fleisch essende Bevölkerung, sondern auch für die

Tierarztes imteressiert und bildeten daher einen Tierarzt verband, der dem Hachenburger Tierarzt ebenfalls ein Fixum zu gewähren beschloß. Die nach Ausschreibung

der Stelle eingegangenen Bewerbungsschreiben wurden

von Seiten der Stadt dem Herren Landrat Büchting vorgelegt, da Hachenburg unter 10 000 Einwohner und keinen Schlachthof besitzt, somit die Fleischbeschau dem Landrat in Marienberg unterstellt ist. Die Wahl des Mag istrates fiel auf den Tierarzt D. aus Köln a. Rh, dessen Zeugnisse ihn besonders für das Amt des Schlacht⸗ vieh⸗ und Fleischbeschauers geeignet erscheinen ließen. Als auch die von Seiten der Stadt eingezogenen Er⸗ kundigungen vollständig befrie digten, richtete die Stadt an Herrn Landrat Büchting die Bitte, dem gewählten Stadttierarzt die Fleischbeschau in Hachenburg zu über⸗ tragen. Wie Herr Landrat Büchting einem Magistrats⸗ mitgliede erklärte, hätte er sehr wohl den Stadttierarzt sofort zum Fleischbeschauer ernennen können. Er tat es jedoch nicht, wie er selbst gesprächswelse geäußert haben will, deswegen, weil die Stadt Hachenburg selbständig gehandelt habe. Erst als nach endlosen vergeblichen Verhandlungen der Magistrat sich beschwerdeführend an den Herrn Regierungspräsidenten zu wenden drohte, wurde dem Stadttierarzt die Fleischbeschau übertragen. Der mit dem Landrat eng llirte Vorstand des Tierarzt⸗ verbandes besch loß jedoch, obgleich der Stadttierarzt von der Landbevölkerung auch als tüchtiger Praktiker gerühmt wurde, und obgleich Herr D. in den ersten Wochen ohne hierzu verpflichtet zu sein, nur die niedrigsten Vertrags⸗ honorare liquidierte, denselben nicht als Verbandstierarzt anzustellen. Man ruhte nicht, bis endlich ein Tierarzt, dem selbst in seinem Geburts- und bisherigen Wohnorte

wor den sind, als Verbandstierarzt und, was die Haupt⸗ sache war, als Konkurrent des Stadttierarztes gefunden. Dies em dritten Tierarzt übertrug nun Landrat Büchting, der selbst die Ansicht ausgesprochen, daß nur schwer zwei Tierärzte in dem Bezirke ihr Auskommen finden würden, sofort den Vertrauensposten als Tierarzt der Kreisviehversicherung und wohl ohne erst weitere Er⸗ kundigungen einzuziehen, die Hälfte der Fleischbeschau, wodurch natürlich, da auf diese Weise keiner der beiden Tierärzte genügendes Auskommen hat, die Beseltigung der Stadtt ierärzte erstrebt werden soll. Landrat Büchting bezeichnete denn auch selbst im Gespräche mit dem Stadt⸗ tierarzt, diesen als dasunglückliche Opfer der Ver⸗ hältnisse, d. h. deutlicher, seine Abneigung gegen die Stadt Hachenburg. Für die teilweise Entziehung der Fleischbeschau kann der Herr Landrat als Grund nur die Anstellung aller Fleischbeschauerauf Widerruf angeben. Dann wie eine Anfrage bei den Metzgern in Hachenburg ergab, liegt gegen den Stadttierarzt nicht die geringste Beschwerde vor. Nach Auffassung des Landrats kann er jederzeit, wenn es ihm so gefällt, auch in diesem Falle einenjahrelang bewährten Fleisch⸗ beschauer durch einenunerfahrenen ersetzen. Der ein⸗ zige Zweck der ganzen Sache ist eben, Hachenburg zu demütigen. Wie wir hören, ist jedoch die Stadt ent⸗ schlossen, die nötigen Schritte zu tun, um solcher un⸗ erhörten Landrätlichen Willkür zu begegnen. Leben wir denn in Rußland?

Aus dem Nreise Marburg⸗Kirchhain.

Ein journalistisches Klopffechter⸗ stückchen leistet sich die konservativeOberhessische Zeitung mit ihrem Bericht über eine Versammlung des Antisemiten Dr. Böhme. Unter anderem schreibt das Blatt über dieseRadauversammlung: es warensozial⸗ demokratische Hilfstruppen, namentlich aus Ockers⸗ hausen herbeigezogen,um den bereits sehr unbequem gewordenen Gegner mit Waffen des Geistes, als da sind höhnische Zurufe, Unterbrechungen, Lärm und sonstige Störungen zu bekämpfen.... Man brauchte nur die mit stieren Hassesblicke den Redner anschauenden Augen, die hämischen Mienen zu sehen, die Redensarten zu hören, um sich zu sagen, daß bei derartigen Gesellen alle Liebes⸗ müh umsonst ist, ihre Gedanken und politischen Ansichten in vernünftige Bahnen lenken zu wollen.Genossen dieser Art und so sind die meisten wollen gar nicht belehrt sein, wollen auch gar tein Entgegenkommen, ste sind stolz darauf, Feinde, Todfeinde des»sich am Arbeiterschweiße mästenden Kapitalismus zu sein usw. Nachdem das konservative Aemterorgan sich mit solchen Ausführungen auf einen wahren Zuhälterton herunter⸗ geschwungen, war denn auch der Rückzug, den es an⸗ treten mußte, ein dementsprechender, Aus Ockershausen war nur ein Einwohner in der Versammlung anwesend und dieser verwahrte sich dagegen, die Versammlung gestört zu haben. Diesozialdemokratischen Hilfstruppen schrumpften nunmehr zusammen auf einen Marburger Genossen, der früher in Ockershausen gewohnt habe. Wir wollen nun nicht näher untersuchen, ob dieser eine Versammlungsbesucher wirklich ein Parteigenosse ist und der Versammlungsleiter wirklich so gutmütig gewesen ist, die Störungen eines einzelnen zu einerRadauversamm⸗

lung auswachsen zu lassen, wir müssen es aber als eine unehrliche, dem obigen Tone allerdings voll⸗ ständig angepaßte Kampfesweise bezeichnen, eine ganze

Laien als Fleischbeschauer von der Regierung vorgezogen

Parsei für das Verhalten eines einzelnen verantwortlich zu machen. Es dürfte auch der Redaktion derOberh. Ztg. nicht unbekannt sein, daß hervorragende Konser vative meineidig geworden und das Zuchthaus geziert haben; es ist aber deshalb noch niemanden eingefallen, die Konservativen als Meineidige und Zuchthäusler zu bezeichnen.

O Eine Beleidigungsklage, die einige in⸗ teressante Momente bietet, kam am Freitag vor der Marburger Strafkammer zur Verhandlung. Zwei Ein⸗ wohner aus Frankenberg hatten den dortigen Bürger⸗ meistee u. a. in einem Schreiben an die Regierung Verletzung der Amtepflicht und schikanöse Behandlung von mißliebigen Personen nachgesagt, ferner dem Stadt⸗ baumeister, daß er sich städtisches Eigentum aneignet und städtische Arbeiter in eigenem Dienste Ar beiten habe ver⸗ richten lassen. Die Angeklagten konnten den Beweis für ihre Behauptungen nicht erbringen, denn die Zeugen versagten vollständig, sie wurden aber unter Zubillig ung des§ 193(Wahrung berechtigter Interessen) freige⸗ sprochen. Einige Sätze aus dem freisprechenden Urteil mögen hier wiedergegeben werden: Leute, welche öffent⸗ liche Aemter bekleiden, müssen sich eine Kritik gefallen lassen; es sei das Recht jedes Staatsbür gers, auch eingebildete Mißstände zur Sprache zu bringen; nach Lage der Sache und wie die Verhandlung gezeigt, hätten die Angeklagten glauben können, die von ihnen verbreiteten Gerüchte seien wirklich wahr. Die Freige⸗ sprochenen wurden aber vor weiterer Verbreitung gewarnt. Wir haben es bis jetzt noch nicht erlebt, daß ein sozial⸗ demokrati scher Redakteur unter solch vernünftigen Gründen freigespro chen worden wäre. Kann ein solcher den Wahrheitsbeweis nicht bis zum Tipferl überm i erbringen, so wird er verurteilt, und selbst wenn er dies kann, er⸗ folgt gewöhnlich noch Verurteilung aus formellen Gründen.

W. Die städtischen Arbeiter, denen neulich in der Stadtverordneten⸗Sitzung 2 Pfg. pro Stunde mehr bewilligt worden sind, werden herausgefunden haben, daß man auf dem Stadtbauamt der von den Bauhilfs⸗ arbeitern eingereichten Lohnforderung Beachtung geschenkt hat und daß dieses dazu beitragen wird, sich dieser Organisation anzuschließen. Es ist zwar noch nicht viel, aber doch immer etwas. Ueberhaupt für die Kanalputzer, die bis jetzt nur 27 Pfg. erhalten und für die sie 50 Pfg. pro Stunde gefordert, ist es viel zu wenig. Wenn ein solcher Kollege ein paar Jahre diese Arbeit geleistet hat, ist er fertig mit seiner Gesundheit und sinkt als Schwindsuchtskandidat in's frühe Grab.

Und in den Kohlengeschäften sieht es noch schlimmer aus. Dort erhalten die Kollegen 2,30 bis 2,40 Mk. pro Tag. In einem derselben hatten die Kollegen 2,30 Mk., da hat der humane Mitinhaber 10 Pfg. pro Tag den Lohn erhöht, aber die Kollegen müssen dafür eine Stunde länger schaffen. Das nennt man dann für die Arbeiter sorgen. Es würde auch dort besser stehen, wenn sie sich organisierten, sei es nun in dem Hülfs⸗ oder Transportarbeiterverband.

Der Tiefbauunternehmer Schneider hat seine aus 70 Köpfen bestehende Arbeiterschaft in verschiedene Klassen eingeteilt, in Gute, Mindergute und Nichtgenügende. Er hat den zwei Erstgenannten sage und schreibe 1 Pfg. pro Stunde zugesetzt. Jetzt können sie fett werden. Wenn die dort beschäftigten Arbeiter nur nicht im Fett ersticken!(Verspätet.)

Ueber 30 000 Bauarbeiter ausgesperrt.

hat das Unternehmertum in Rheinland und Westfalen. Die Kapftalisten verlangen von den Arbeitern Austritt aus der Organisation. Die Arbeiter werden dieser Unverschämthett zu be

gegnen wissen. (Weiteres Nah und Fern 6. Selte.)

Versammlungskalender.

Samstag, den 17. Juni. Gießen. Sozlaldem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Sonntag, den 18. Juni. Reiskirchen. Nachmittags 4 Uhr Versammlung bei Wirt Biermann.

Lindenstruth. Nachmittags 2 Uhr Zusammenkunft der Genossen in der WirtschaftZur Traube. Briefkasten.

r.⸗Stbg. Wir besprechen die Sache in nächster Nummer ausführlich. H.⸗Daubrgn. Nochmals zurückgestellt. Streikbrecher⸗Album nächste Nr.

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Parteifreunde! eic nah

nach besten Kräften für die immer weitere

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Verbreitung Eueres Blattes, der

Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung!