Ausgabe 
16.7.1905
 
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29. Lechs

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Nr. 29.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite.

politik abginge, dürfte auch nicht unbedingt

beweisbar sein.

Wie süßlich sentimental aber klingt der Satz:Es handelt sich für den General Trotha nicht darum, die militärischen Führer in seine Gewalt zu bekommen, sondern die Häuptlinge, welche nicht dulden, daß ihr armes Volk den Kampf aufgibt und zu friedlicher Tätigkeit zu⸗ rückkehrt. Welches Mitleid plötzlich mit dem armen Volk, dem man Land und Freiheit vorher zu nehmen sich nicht scheute. Wie naiv, die Fortdauer des Krieges ein paar Einzelnen zur Last zu legen, ganz das Schema, nach dem man bei uns daheim eine große kulturhistorische Bewegung wie die Sozialdemokratie sich zu erklären beliebt. Hätte nicht mit demselben Rechte auch Varus einst einen Preis auf den Kopf Hermanns des Cheruskers setzen dürfen? Und was würde die Darmstädterin sagen, wenn man denselben Grund für das Vorgehen der russischen Revolution gegen die kleine höfische Kriegspartei auführen wollte? Tausend Ein⸗ wände hätte sie, natürlich! Vor allem das nationale Interesse. Denn, daß es stttliche Ziele gibt, die über dieses hinaus weisen, daß die Nationen selbst sich unter ethische Gesetze zu beugen haben, so gut, wie die Einzelpersön⸗ lichkeiten, das sind Gedanken, die man von philosophischen Lehrstühlen, aber nicht von eineropportunistischen Regierung erwarten kann.(Nordd. Allg. Ztg.) Dasnationale Interesse ist der Moloch, dem jedes Opfer gebracht werden darf, der Zweck, der jedes Mittel heiligt! Nationaljesuiten!(Staudinger). Und wie vielen ist dabei das nationale Interesse fast völlig bewußt oder unbewußt, mit dem allerpersönlichsten identisch!

Die Darmstädterin meint dann weiter, ma könne kaum annehmen, der Verfasser des Vor⸗ wärtsartikelsschreibe aus persönlicher Ueber⸗ zeugung. Es sei bedauerlich, daß er den Lesern seines Blatteseine solche geistige Kost vorsetzen könne. Es wird vonVolksverführern gesprochen, dievon der Lüge und Verhetzung leben, voneiner entarteten Menschenrasse, die die eignen Landeskinder beschimpft, es macht sich die Sehnsucht bemerkbar nacheinem Mittel, die Sozialdemokratie zu hindern, unsre tapfern Söhne, unsre deutschen Soldaten und Offiziere, um die uns die ganze Welt beneidet, mit Schmutz zu bewerfen! Welche übertriebene Idealisterung nach der einen, welch' gehässige Verzerrung nach der andern Seite!

Wir möchten einen Satz dergerechten Darmstädterin mit ein paar kleinen notwendigen Aenderungen dankend zurückgeben:Es ist be⸗ dauerlich, daß Leute, die vom Redaktionstisch ihre Giftpfeile gegen die Vorkämpfer der modernen Humanitätsbewegung aussenden, nicht gezwungen werden können, einmal selbst mit ihren Landeskindern das unsäglich armselige, eintönige Leben zu teilen, etwa bei mangel- hafter Ernährung unter steter Lebensgefahr lebendig begraben in einem Kohlenbergwerk zu arbeiten, 1012 Stunden bei 30 Celstus in 40 em hohen Gängen auf dem Bauche liegend, grob behandelt und chikaniert von den Organen der Grubenverwaltung, mit der Aussicht auf ein recht bescheidenes Lebensalter oder auf eine nicht grade behagliche Altersversorgung! In das Leben, meine hochzuverehrenden Herrn Redakteure vonnationalem Charakter möchte ich den einen oder andern von ihnen stecken können, Ihnen dann die Reden konservativer Vertreter in Herren⸗ oder Abgeordnetenhaus zu lesen geben dürfen, ich möchte wetten, daß Sie mit dem Vorwurfnationaler Charak⸗ terlosigkeit nicht mehr so gar einseitig frei⸗ gebig sein würden! K. W.

Politische Rundschau.

Gießen, den 13. Juli 1905.

Die Zehnmillionen⸗Bettelei für Offiziere.

Fürst Heuckel von Donnersmarck, ein millionenreicher Großgrundbesitzer, hat bekannt⸗ lich eine Finanz⸗Aktion zur Unterstützung von Offizieren in die Wege geleitet. Im Verein

mit einer Reihe Banken will er zehn Milli⸗ onen Mark zu einem Fonds zusammenbringen, aus welchem die Offiziere Zulagen fürstandes⸗ gemäßes Leben erhalten sollen. Wie die Frankfurter Zeitung mitteilte, ist der Fonds zum größten Teil schon zusammengebracht und soll dem Kaiser am Tage der silbernen Hoch⸗ zeit mit einer vielleicht etwas anders formn⸗ lierten Zweckbestimmung zur freien Verfügung überreicht werden. Fürst Donnersmarck machte in der Kreuzzeitung für seinen Bettelfonds Reklame. Er berief sich auf den Grafen Walder⸗ see, der ihm gegenüber wiederholt geklagt habe, daß die Söhne alter Offiziere und Staats⸗ beamten bedenklich in der Armee abnehmen, was seinen natürlichen Grund darin habe, daß den penstonierten Offizteren und Staatsbeamten, welche den altpreußischen Geist, der allmählich auch in der ganzen deutschen Armee sich ein⸗ bürgere, fortzupflanzen berufen seien, die Mitte! fehlten, um bei der allgemeinen Wertsteigerung und der verhältnismäßigen Beschränktheit ihrer Mittel, ihre Söhne in die Offizierslaufbahn eintreten zu lassen. So wird also der wider⸗ liche Bettel begründet. Möchte doch die be⸗ sitzende Klasse die ganze Armee aus ihrer Tasche bezahlen!

Ueber die Marokkofrage

gab der franz. Ministerpräsident Rou vier in der Kammer die zwischen Deutschland und Frankreich erfolgten Vereinbarungen bekannt, und betonte zum Schluß unter dem Beifall des Hauses, daß damit das Einvernehmen böllig hergestellt sei. Eine Konferenz wird noch stattfinden, in der die einzelnen Punkte geregelt werden sollen.

Die bayrischen Landtagswahlen.

Am Montag haben die Wahlmännerwahlen für den bayrischen Landtag stattgefunden, doch ist ihr Gesamtresultat bis zur Stunde noch nicht zu übersehen. Sie wurden nach dem alten indirekten Wahlrecht vorgenommen, weil ja auch in Bayern eine Wahlreform nicht zu Stande kam infolge des Verhaltens derLibe⸗ ralen. Dadurch war unsere Partei genötigt, vor allem dafür zu sorgen, daß eine Zwei⸗ drittel⸗Mehrheit für das direkte Wahl⸗ recht in den Landtag einzieht. Und da das Zentrum für die Wahlreform eintrat, haben unsere Genossen es unterstützt, wo ein Erfolg für unsere Partei ausgeschlossen war. Das Ziel ist denn auch erreicht worden. Denn soviel steht sicher fest, daß die Zweidrittel⸗Mehrheit vorhanden ist. Einen schmerzlichen Verlust haben wir zu verzeichnen: Nürnberg, das seit 1893 sozialdemokratisch vertreten war, ging an den liberalen Mischmasch verloren. Die Liberalen erhalten die Mehrheit der Wahl⸗ männer, obwohl sie nur 13000 Stimmen aufbrachten, während die Sozialdemokratie 21000 erhielt! Solche verrückte Resultate zeitigt das indirekte Wahl, recht mit der von dem freisinnigen Nürnberger Magistrat partetisch zu Gunsten der Liberalen zurechtgetüftelten Wahl⸗ bezirkseinteilung! Diese war nämlich so einge⸗ richtet, daß in vielen Bezirken, in denen wir unterliegen mußten, 6 bis 7 Wahlmänner zu wählen waren, während unsre sicheren Bezirke nur drei oder vier Wahlmänner wählen dürfen. Die sozialdemokratische Wählerschaft in den Bezirken der inneren Stadt ist teilweise erheblich zurückgegangen, weil viele frühere Wohnhäuser in Geschäftslokale umgewandelt wurden und die Arbeiter, die dort wohnten, vielfach in die Vorstädte hinausgezogen sind, wo es uns nicht an Wählern fehlt. Nach einer vorläufigen Berechnung dürften die Parteien im zukünftigen Landtage in folgender Stärke erscheinen: Zentrum 102(18 mehr als bisher); So⸗ zialdemokraten 10(1 weniger); Bauern⸗ bündler 12(7 weniger); Liberale 34(10 weniger) und ein Demokrat.

Deutsche Sireikjustiz.

In der vom Genossen Hch. Braun heraus⸗ gegebenenNeuen Gesellschaft werden folgende Gerichtsurteile und Tatsachen aus der neuesten Zeit angeführt:

Ein Streikender sagt zu einem Arbeits⸗ willigen:Wenn Du Geld brauchst, kriegst Du welches aus dem Verbande. Das ist eine Beleidigung und wird mit fünf Tagen Ge⸗ fängnis bestraft.

Wir werden Dich schon kriegen(nämlich in den Verband), ist eine Drohung mit einem Uebel und kostet 1 Woche Gefängnis.

Euch(den Streikbrechern) kommt der Teufel auf den Kopf drei Monate Gefängnis!

Klebt Marken, sonst melden wir das dem Vertrauensmann drei Wochen bis ein Monat Gefängnis.

Das ist auch einer davon, betrachtet ihn Euch! Nötigung, 14 Tage Gefängnts. Streikbrecher! Drei Wochen Ge⸗ fängnis.

Wir werden uns auf der Versammlung mit Dir beschäftigen drei Monate Ge⸗ fängnis.

Wir werden Dich bei den Schweinsohren kriegen ein Monat Gefängnis.

Pfui(und Ausspeten) ein Monat Ge⸗ fängnis.

Streikbrecher, Speichellecken z wei Monate Gefängnis.

Macht, daß Ihr fortkommt, sonst schieße ich(und Klappern mit dem Deckel der Schnupf⸗ tabaksdose) drei Monate Gefängnis.

Ein Arbeitswilliger nennt einen Streikenden Lumpen und erhält dafür eine Ohrfeige. Der Amtsanwalt beantragt gegen den Attentäter fünf Monate Gefängnis. Mit dem Aus⸗ druck Lumpen sei niemand beleidigt worden, da man Besttzlose gemeinhin als Lumpen be⸗ zeichne Urteil sechs Wochen Gefängnis.

Das Herrenhaus des preußischen Landtages beschloß am 28. Juni die königliche Staats⸗ regierung zu ersuchen, sobald als möglich und mit allem Nachdrucke Maßregeln zu ergreifen, welche geeignet sind, den Arbeitswilligen den⸗ jenigen Schutz zuteil werden zu lassen, auf welchen sie einen berechtigten Anspruch haben.

Opfer der Bergarbeit.

Die Zahl der Menschenleben, die bei den Bergwerksbetrieben das Jahr über zu grunde gehen, ist auch jetzt noch eine sehr bedeutende, trotzdem die fortgeschrittene Technik Mittel genug zur Sicherung der tief unter der Erde Arbei⸗ tenden an die Hand gibt. Das profitgierige Kapital fragt aber nichts nach Menschenopfern; die vorhandenen Mittel zum Schutze des Lebens der Arbeiter werden ungenügend oder auch gar nicht angewendet. Erst in voriger Woche gingen auf der ZecheHolland bei Bochum 6 Bergleute elend zu grunde, die bei einem infolge Exploston ausgebrochenen Grubenbrand erstickten. Und am Montag kam schon wieder die Nachricht von einem schrecklichen Grubenunglück, das sich auf der Zeche Borussia bei Dortmund ereignete. Dort geriet ebenfalls infolge einer Lampenexplosion die ganze Zeche in Bran d. Von der Morgen⸗ schicht befanden sich 287 Mann in der Grube. 248 Bergleute konnten sich retten; alle andern 39 sind erstickt. Die Toten müssen von den Rettungsmannschaften unter der Erde/ Stunden weit in einem engen Stollen getragen und dann auf dem Rücken durch den engen Luftschacht zutage gebracht werden. Es ver⸗ gehen infolgedessen Tage, bevor Leichen heraus- geschafft werden können. Bis Mittwoch Abend waren noch keine geborgen! Die amtliche Mut⸗ maßung, daß vielleicht noch Leute am Leben sind, dürfte sich kaum als zutreffend erweisen. Im Jahre 1904 kamen im deutschen Bergbau nicht weniger als 9879 schwere und tödliche Unfälle vor!

Die russische Revolution.

Das revolutionäre KriegsschiffPotemkin hat sich am Sonntag den Rumäniern im Hafen von Constanza(Köstendsche) ergeben. Die Besatzung des Schiffes wurde von der zahlreichen Bevölkerung, die den Kai belagerte, freudig begrüßt. Auf dem Schiff waren 200 Matrosen sozialistischer Gesinn⸗ ung, die sich für die Uebergabe desPotemkin erklärten, unter der Bedingung, daß das Schiff nach der Gewährung einer Verfassung Rußland zurückgegeben würde. Das Kommando des