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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
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boykott verhängt wurde und auch heute noch besteht. Eigentümlicher Weise blieb das Militär ⸗ verbot auf die Lesehalle beschränkt, während das Saal gebäude, das allen Parteien, also auch der Sozialdemokratie zur Verfügung steht und von ihr sehr rege benutzt wird, von dieser Maßregel bisher verschont blieb. Wenn es aber nach gewissen Leuten ginge, dann würde diesem„Uebelstand“ bald abgeholfen. Ins⸗ besondere sind es die Gastwirte und Saalbesttzer, die mit scheelen Augen nach dem Volkshaus blicken, weil sich um diese Stätte das ganze geistige Leben Jenas konzentriert und dadurch ihre Lokalitäten beeinträchtigt werden. Jetzt sind sie auch zur Einsicht gekommen, daß sie selbst mit Schuld tragen an dem gegen⸗ wärtigen, ihnen so unliebsamen Zustand, denn gerade die Weigerung der Wirte, ihre Säle zu sozialdemokratischen Versammlungen herzugeben, hat den entscheidenden Anstoß zum Bau des Volkshauses gegeben. Nun sehen ste zu ihrer Enttäuschung nicht nur, daß alle großen Ver⸗ sammlungen und Festlichkeiten, ja sogar der so zialdemokratische Parteitag im großen Saal des Volkshauses abgehalten wird, sondern auch, daß dem Militär der Zutritt zum Volkshaus nicht verwehrt ist. Infolgedessen haben die Gastwirte an das Bezirkskommando den ausführlich begründeten Antrag eingereicht, entweder den Militärpersonen den Besuch des Volkshauses überhaupt zu versagen oder aber den Militärboykott von den andern Lolalen zu nehmen, in denen soztaldemokratische Versamm⸗ lungen ev. stattfinden.
Ob der Großherzog nun den Ausgang der Sache abgewartet, oder trotz des Militärver⸗ botes das„Volkshaus“ betreten hat, ist uns nicht bekannt und ist auch nebensächlich.“) Mehr luteressiert uns die Tatsache, daß die Jenaer Saalbesitzer den Zustand bitter empfinden, den ste durch ihre Schlappigkeit mitverschuldet haben. Die Wirte in anderen Orten sollten sich daran ein Bespiel nehmen, denn auf die Dauer lassen sich die Arbeiter nicht als Menschen zweiter Klasse behandeln; sie werden ihre Rechte zu wahren und die ihren Bestrebungen entgegen- stehenden Hindernisse zu beseitigen wissen und das nicht bloß in Jena.
Volksschulbildung.
„Die Religion muß dem Volke er⸗ halten werden,“ soll der alte Wilhelm ein⸗ mal gesagt haben. Und in der Tat richtet die Schule ihr Augenmerk darauf, das, was offiziell Religion heißt, zu pflegen. Nicht nur in Preußen und Mecklenburg, auch in dem Staate, dessen Minister einst Goethe war, ist die verabreichte Dosts Religion auch für den stäresten Magen ausreichend. Eine neue Ver⸗ ordnung des großherzoglichen Departements des Kultus in Weimar, die eine Vermin⸗ derung() des religiösen Lernstoffes in den Volksschulen bezwecken soll, schreibt vor, daß zehn Kirchenlieder ganz, dreizehn mit gewissen angegebenen Beschränkungen„einzu⸗ prägen“ sind. Im ganzen sollen 120 Lieder- strophen gelernt werden! Dazu kommen 156 Bibelsprüche! Mit diesem Stoff soll den armen Kindern der Kopf vollgepfropft werden. Mit solcher„Bildung“ ausgerüstet, schickt man sie dann hinaus in den Kampf ums Dasein. Wenn nicht die Verordnung vorläge, würde man es für unmöglich halten, daß das im zwanzigsten Jahrhundert geschehen kann.
Kein sächsisches Urteil.
Wegen Beleidigung des Königs von Sachsen war gegen den Redakteur Linnenkogel dom„Simplizissimus“ auf Betreiben der säch⸗ sischen Polizef ein Strafverfahren eingeleitet worden, das am Montag in der Verhandlung bor dem Schwurgericht in Stuttgart seinen Abschluß fand. Die Majestätsbeleidigung sollte zurch ein die Gräfin Montignoso darstellendes Bild in der Spezialnummer„Familtenfromm“ begangen sein. Der Angeklagte wurde jedoch freigesprochen. Die Verteidiger stellten fest, daß der beleidigende Sinn des Textes von der
) Späteren Nachrichten zufolge hat der großherzog⸗ liche Besuch stattgefunden.
Polizeibirektion Dresden ausgelegt worden ist, worauf die Dresdener Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme verfügte und später die württem⸗ bergische Staatsanwaltschaft mit Ermächtigung des Königs von Sachsen die Anklage erhoben hat. In diesem Falle ist also die sächsische Polizei, die den„Simplizissimus“ wie alle freiheitliche Blätter eifrig verfolgt, gehörig abgeblitzt.
Eine Skandalaffaire aus„ besseren“ Kreisen
hat fast drei Wochen das Schwurgericht in Lemgo beschäftigt. Angeklagt war das Ehe⸗ paar Kracht des Meineids. Ende der 90er Jahre wurde die bessere Gesellschaft des etwa 9000 Einwohner zählenden lippischen Städtchens Lemgo mit anongmen Briefen überschwemmt, in denen die intimsten Geschichten ausgeplaudert, die Adressaten beschimpft und verhöhnt wurden und die selbstverständlich in jenen Kreisen große Aufregung und viel Aergernis verursachten. Nachdem einige Jahre mit dieser Briefschreiberei Ruhe gewesen war, ging die Geschichte vor längerer Zeit wieder los und der Verdacht fiel auf die Eheleute Kracht, eine der reichsten und angesehensten Familien Lemgo's. Frau Kracht wurde von den Geschworenen für schuldig er⸗ klärt und zu 1½ Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihr Mann wurde freigesprochen.
Sehr richtig bemerkt unser Zentralorgan zu dieser Affatre: Nie ist die Oeffentlichkeit mit einer läppischeren, gleichgültigeren, unbedeuten⸗ deren Geschichte behelligt worden. Nie ward größerer Aufwand schmählicher vertan.„Ano⸗ nym— Papierkorb!“ Diese stehende Rubrik aller Redaktionsbriefkasten hätte die einfachste Lösung dieser Affaire gegeben, die in ihrem weiteren Verlauf zu so phantastischen Verwickel⸗ ungen aufstieg. Kam es anders, so ist das nur aus dem versauerten Milieu der Kleinstadt zu erklären, in der sich der blödsinnige Klatsch zur Tragödie entwickeln konnte. Haussuchungen, Beschlagnahmen, Untersuchus gen, plötzlicher Tod infolge Aufregung, schließlich ein Zuchthaus⸗ prozeß— alles, weil sich eine alberne Person ihre überflussige Zeit mit unsinnigem Geschreibsel vertrieb. Diese Person durfte von ernsten Leuten unmöglich ernst genommen werden. Hatte Frau Martha Kracht die Briefe wirklich geschrieben, war ihr dann zuzutrauen, daß ste die stttliche Bedeutung des Eides überhaupt zu erkennen imstaude sei? War es nicht voraus⸗ zusehen, daß durch ein Untersuchungs verfahren, in dem Leute als Zeugen beschwören mußten, daß sie nicht verdienen Angeklagte zu werden, notwendig irgend wer in einen Meineid hinein⸗ getrieben perden mußte? Hier zeigt sich in der Tat eine ernste Seite der sonst so überaus lächerlichen Geschichte, hier zeigt sich, daß unsere Strafprozeßordnung durch Hintertüren immer noch den„Reinigungseid“ zuläßt, durch dessen Ableistung der Verdächtige seine Lage ver⸗ schlimmert, der wirklich Schuldige aber aus einem kleinen Sünder zu einem großen Ver⸗ brecher und Zuchthauskandidaten wird. Wie war es möglich, die Krachts darauf zu ver⸗ eidigen, daß sie den anonymen Briefen fern⸗ ständen? Hatte man sie nicht im Verdacht, was bedurfte es des Eides, hatte man sie aber im Verdacht, wie konnte dle Vereidigung zuge⸗ lassen werden?
Im Uebrigen warf aber der Prozeß ein grelles Schlaglicht auf die in den Schichten der besitzenden Klaste vielfach herrschende Sitte und Moral. Und die Angehörigen dieser Kaste blicken verächtlich auf die Arbeiterklasse herab; wo derartige Dinge aber noch nicht vorgekommen und auch unmöglich sind.
Eine sozialdemokratische Mehrheit
besitzt jetzt die Gemeindevertretung in Kopen⸗ hagen. Die letzten Wahlen brachten unseren Genossen einen bedeutenden Sieg. Sie brachten der sozialdemokratisch⸗ radikalen Liste einen Zu⸗ wachs von 5000 Stimmen, während die Liste der Gegner nur 1000 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl aufbrachte. Die Wahlbeteili⸗ gung war größer als jemals früher, indem sie auf mehr als 80 Prozent der Wahlberechtigten stieg. Von den 42 Plätzen der Stadtverord⸗
netenversammlung nehmen also zukünftig die Antisozialisten nur 14, die Sozialdemokraten aber 28 ein; die Sozialdemokraten haben zu⸗ Bede im Magistrat die Majorität inne. Die edeutung der Wahl wird allgemein dahin charakteristert, daß Kopenhagen auf absehbare Zeit als eine vollkommen soztalistisch regierte Stadt anzusehen sein wird.
Fürstlicher Gauner.
Aus Moskau wird mitgeteilt, daß der hingerichtete Großfürst Sergius ein Vermögen von 430 Millionen Rubel, das sind weit über eine Milliarde Mark, Vermögen hinterlassen habe, das hauptsächlich in Grund⸗ besitz bestehe. Für jeden Menschen ist ohne Weiteres klar, daß ein solches Riesenvermögen von einem einzigen Menschen auf ehrliche Weise nicht erworben werden kann. Es ist eben andern Leuten das ihre genommen worden. Ein solcher Besitz stempelt dem Besttzer oder seine Vorfahren zu Verbrechern an ihren Mitmenschen.
Russische Revolution.
Greueltaten der russischen Macht- haber. Aus Warschau wurde berichtet, daß dort am 6. April 36 jüdische und 60 nicht jüdische Sozialisten in der Zitadelle hingerichtet wurden. Die Gesichter der jüdischen Sozialisten wurden vor der Hinrichtung unkenntlich gemacht. Infolgedessen herrscht unter den jüdischen Arbeitern eine furchtbare Aufreg⸗ ung. Auch die christlichen Sozialisten werden in keiner Weise geschont. Der Berliner Lokal⸗ anzeiger meldete, daß Ende der vorigen Woche weitere sozialistische Agitatoren erschossen worden seien.— Im Gefängnis von Pawink wurde ferner der Kaufmannssohn Gutschmann, der im Vorjahre bei der Aufhebung einer Druckerei in Warschau einen Rittmeister und drei Poltzisten erschossen hatte, zu Tode gemartert.
Der Geisteszustand des Zaren scheint sich in letzter Zeit bedeutend verschlimmert zu haben, denn eine Nachricht, welche dem„Echo de Paris“ zuging und welche die russische Zensur passierte, besagt:„Die im Ausland verbreiteten Nachrichten über den schlechten Gesundheitszu⸗ stand des Zaren sind keine Uebertreibungen. Das Mukdener Unglück, die Ermordung seines Oheims und die Ereignisse des 22. Januar haben seinen Gesundheitszustand in der Tat unter⸗ graben. Er ist von einer auffallenden Zerstreutheit und Gereiztheit. Bei jeder Gelegenheit stampft er mit dem Fuße auf, was er früher nie tat. In medizinischen Kreisen hält man den Zustand des Zaren für hoff⸗ nungslos.“— Und einem geisteskranken Menschen ist die unumschränkte Gewalt über Millionen in die Hand gegeben, auf sein Geheiß werden Hunderttausende hingemordet! Ist noch ein bitterer Hohn auf das Gottesgnadentum denkbar?
Kleine politische Nachrichten.
Sozialdemokratischer Wahlsieg. Bei den Gemeinderatswahlen in Linz, wo zwölf Sozial⸗ demokraten in die Stichwahl kamen, wurden zehn Sozial⸗ demokraten gewählt. Die sozialdemokratischen Kandidaten erhielten sämtlich über 5000 Stimmen und die beiden unterlegenen Genossen wurden von den siegenden Natio⸗ nalen nur um wenige Stimmen überholt.
Russisch⸗japanischer Krieg.
Aus Charbin wird berichtet, daß Gerüchte über eine Umgehungsbewegung der Japaner verbreitet sind. Eine 10000 Mann starke japanische Abteilung sei mit Arttllerie aus japanischer Rückendeckung nach der Mongolei abgegangen, um sich im Innern zu verbergen und bedrohe somit die Russen vom Westen. Die Japaner stehen ferner im Begriff, die 63000 Quadratmeter große, nördlich von Japan gelegene Insel Sachalin zu besetzen.
Die baltische Flotte hat die Straße von Malacca passiert und ist jedenfalls nach dem südchinesischen Meer gesteuert. Möglicher⸗ weise kommt es bald zu einem Zusammenstoß der beiden feindlichen Flotten. Ein solcher wurde bereits bei den Anamba⸗Inseln berichtet, doch scheint sich die Nachricht nicht zu bestätigen


