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Nr. 42.
Mitteldeutsche SonntagsZeitung
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Seite 5.
ousgezahlt wurden, die sie nach ihrem vereinbarten Ge⸗ dinge verdient hatten. Als sie beim Steiger Gaul diese Summen reklamierten, sagte ihnen dieser, daß sie genug erhalten hätten und zufrieden sein könnten, soviel bekommen zu haben. Demnach ist eine Gedingeverein⸗
barung übexrflüssig und Steiger Gaul zahlt den Leuten
Auszahlen läßt.
soviel aus, als er für ausreichend hält, denn er muß ja wissen, was die Leute notwendig haben.
Die Grube gehört dem Für sten Solms⸗Braunfels. Wir möchten gerne wissen, ob derselbe mit der Handlungsweise des Steigers einverstauden ist, oder ob er lieber auf das Geld verzichtet und es den Arbeitern nachträglich noch Grube Ottilie ist aber wirklich nicht der einzige Betrieb in unserer Gegend, wo derart mit den Arbeitern umgesprungen wird.
Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.
O Kostspielige Projekte kamen in der Stadtverordnetensitzung vom vergange⸗ nen Freitag zur Erörterung. Die Museums⸗ gesellschaft hatte ihre Gebäude der Stadt zum Verkauf angeboten und es wurde eine Kommission gewählt, um diesen Ankauf einer Prüfung zu unterziehen. Die Museumsgesell⸗ schaft ist eine Vereinigung von Leuten der sogenannten besseren Kreise, zu vornehmlich geselligen Zwecken; selbst unserm gewöhnlichen Bürgertum sind die Pforten dieser Gesellschaft verschlossen. Ste hat vor einigen Jahren ihre Gebäude bedeutend erweitert und dabet einen großen Gesellschaftssaal errichtet, in welchem außer den Festlichkeiten der Gesellschaft auch die Theater vorstellungen, Konzerte, namentlich des Akademischen Konzertvereins, studentische Veranstaltungen und schließlich auch Festlich⸗ keiten bürgerlicher Vereine gegen hohe Saalmiete abgehalten werden. Letzteres war nur solange in Aussicht genommen, bis die Schulden ge⸗ tilgt seien, aldann sollte auch das Bürgertum nichts mehr im„Museum“ zu suchen haben. Doch hatte es damit seine Schwierigkeiten, die Schulden haben sich nicht verringert, die Ge⸗ bäude sind mit hohen Hypotheken belastet und die Mitglieder der Gesellschaft mußten hohe Beträge zur Unterhaltung des„Museums“ be⸗ zahlen. So kamen sie auf den verflucht ge⸗ scheiten Gedanken, der Stadt diese Last aufzu⸗ bürden und boten dieser das Museumsgebäude zum Kauf an, selbstverständlich„im öffentlichen Interesse“, damit nicht etwa eine Bierbrauerei oder gar ein Warenhaus dasselbe erwerben, und wie man sagt, für den Preis von 300 000 Mk. Das„öffentliche Interesse“ wird begründet mit der Notwendigkeit eines größeren Lokales für Konzerte und Theater. Für letzteres ist aber das Lokal wie jeder Saal nicht besonders geeignet und müßten außerdem für 1 5508 Umbauten und Reparaturen weitere 100000 Mark ange⸗ wendet werden, so daß die Stadt fast eine halbe Million ausgeben könnte, um die Museums⸗ esellschaft von ihren Schmerzen zu befreien.
n die Kommission zur Prüfung des Projektes sind sowohl seitens des Magistrats wie auch von der Stadtverordneten⸗Versammlung auch mehrere Mitglieder der Museumsgesellschaft ge⸗ wählt worden, welche also hier sowohl als Käufer wie als Verkäufer auftreten werden; nur ein Stadtverordneter besaß soviel Takt, die Wahl abzulehnen, weil er Mitglied der Museumsgesellschaft ist. Man kann auch wohl mit Sicherheit annehmen, daß bei der endgül⸗ tigen Beschlußfassung über den Kauf die Stadt⸗ verordneten, soweit sie der Museumsgesellschaft angehören, sich nicht scheuen werden, natürlich „im öffentlichen Interesse“ mitzuwirken, der Stadt eine ungeheure Last aufzuladen, wenn nicht die Bürgerschaft den Herren noch bei Zeiten das Gewissen schärft und damit eine absolut sichere Erhöhung der Steuer zu ver⸗ meiden sucht.— Sehr viele Schmerzen verursacht jetzt bereits unserer Stadtverwaltung das neue Elektrizitätswerk. Nach gutem altem Schöppen⸗ stedter Vorbild hat man ein solches moderne Werk in einer alten, morschen, niedrigen Mühle untergebracht, in welche man das Licht in Säcken hineintragen muß. Wenn diese Mühle als„Baudenkmal“ wirklich erhalten bleiben müßte, dann hätte man sie ruhig den Mäusen als Herberge belassen sollen, aber ste in ein Elektrizitätswerk umzuwandeln, das hätten schließlich auch die Schöppenstedter fertig gebracht. Jetzt müssen bereits Schienen gezogen werden,
um das neue Elektrizitätswerk vor dem Zu⸗ sammenbrechen zu schützen. Ferner kam die durch die oberirdische Leitung im Südviertel bedingte Aufstellung von Masten zur Sprache, durch welche das Schönheitsbild unserer Stadt beeinträchtigt werden sollte.“ Leider fehlen uns einige Häuser, um für diese Schmerzen das nötige Verständnis zu haben.
O Die Stadtverordnetenwahlen finden am 14. und 15. November statt. Die zweite und erste Abteilung(etwas über 400 Wähler) wählen am Mittwoch, 15. November, während die dritte Abteilung, welche über 1800 Wähler umfaßt, am Dienstag, 14. November, morgens von 10 Uhr bis mittags um 1 Uhr zu wählen hat. Mit der Bekanntmachung des Wahltermins dürfte auch etwas Leben in die Wahlbewegung kommen.
Staatsgefährliches Turnen. Am Sonntag hielt die Freie Turnerschaft Ockershausen ihr Rekrutenabschiedskränzchen in Hildemanns Saale ab. Von dem übrigens zahlreich besuchten und gut ver⸗ laufenen Feste hatte jedenfalls auch der Kommandeur des hiesigen Jägerbataillons erfahren und er hält offen⸗ bar das Turnen für staatsgefährlich, wenn es von Ar⸗ beitern geübt wird. Er verhängte nämlich sofort den Militärboykott über das Hildemann'sche Lokal. Von der Wirkungslosigkeit solcher Maßregeln hat man sich sogar iu Sachsen überzeugt, wo das Militärverbot nicht mehr über die Lokale verhängt wird, sondern für die Soldaten nur Lokale an dem betreffenden Tage oder Abende verboten sind, an dem sozialdemokratische Ver⸗ sammlungen stattfinden. Vielleicht brauchen die Rekruten von der Freien Turnerschaft nicht einzurücken?
Eine Junggesellensteuer einzuführen empfahl Herr Pfarrer Herrmann in einer Rede, die er am Sonntag im evang. Arbeiterverein hielt. Er meinte, die ledig bleibenden Männer brächten den Staat ums Geld, weil sie viel weniger Steuern zahlten als die Ehemänner. Es könnte also nichts schaden, wenn die Junggesellen einige Hundert Mark Steuern zahlten. Würde eine solche St euer eingeführt, so könnte in Mar⸗ burg gleich bei dem Stadtoberhaupt angefangen werden. Vielleicht kommt einer auch noch auf den Gedanken, die älteren Jungfern zu besteuern.
h. Auf die Parteiversammlung, die Samstag, den 14. Oktober(in der vorigen Nummer war der Datum in der Notiz un⸗ richtig) stattfindet, sei nochmals aufmerksam gemacht. Ferner werden die Genossen der losen Organisation, also mit Parteikarten sich legttimierenden, zu dieser Versamm⸗ lung nochmals besonders eingeladen.
Eine Gummifabrik abgebrannt.
In Harburg vernichtete Samstag nacht ein Großfeuer fast die ganze Anlage der Gummifabriken Harburg⸗Wien. Beinahe 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen sind durch den Brand beschäftigungslos geworden. Der Schaden, der durch Verstcherungen gedeckt ist, dürfte etwa 2 Millionen Mark betragen.
Bürgerliche Personalien.
Der Bürgermeister in Kappelrodeck in Baden, Hermann Haas, stellte sich am Donners⸗ tag der Staatsanwaltschaft in Offenburg mit der Selbstanschuldigung, daß er als Kassierer des Vorschußvereins etwa 30000 Mk. unter⸗ schlagen und für etwa 60000 Mk. Wechsel gefälscht habe. Die Unterschlagungen habe er seit etwa 15 Jahren betrieben. Neueren Mitteilungen zufolge soll es sich um 400 000 Mark handeln.— In Erfurt wurde am Freitag der Stadtverordnete Patentanwalt Meyer unter dem Verdacht bedeutender Unter⸗ schlagu 35 n im hiesigen Patentbureau ver⸗ haftet. Er galt für einen sehr wohlhaben⸗ den Mann. Meyer erhängte sich in seiner Gefängniszelle.— Der ehemalige Direktor des Braunkohlenbergwerks Glückauf in Lichtenau, Adolf Fügner, der einen Geldschrank mit Nach⸗ schlüssel geöffnet und 12000 Mk. gestohlen hatte, wurde am Freitag von der Straflammer in Berlin zu 3 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt.
Das Landessekretariat der sozialdemokratischen Partei Hessens befindet sich seit 1. Oktober in Offenbach, Bahnho f⸗ straße 39. Sekretär ist Reichstagsabgeordn. Dr. David. P⅛ oo ̃§⁰ w ̃]§—ö2—I—̊[
Partei-Uachrichten. Sozialdemokratisches Handbuch
für das Großherzogtum Hessen.
Das Handbuch wird in der nächsten Woche fertig gestellt sein und es kann der Versandt so⸗ fort beginnen.
Wir bitten die Genossen aller Orte, welche darauf reflektieren, umgehend ihre Bestellung an den Genossen C. Ulrich, Offenbach a. M., Gr. Marktstr. 23 zu richten.
Der Preis desselben ist broschiert 60 Pfg., 145 0 1 Mk. In Partien von mindestens 10 Stück bezogen 40 bezw. 80 Pfg.
Bezüglich der Protokolle der Landes⸗ Konferenz von Alzey haben wir zur Kenntnis der Genossen zu bringen, daß die vorliegenden Bestellungen nicht genügen, um die Drucklegung zu veranlassen. Falls bis 1. November nicht hinreichende Bestellungen eingelaufen sein sollten, soll die Drucklegung vertagt werden.
Das Landeskomitee.
Das Parteitagsprotokoll von Jena ist im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschte nen. Die Versendung der bereits vorliegenden Bestellungen wird in der Reihenfolge des Eingangs erfolgen. Die— jenigen Parteiorte, die ihre Bestellung noch nicht auf gegeben haben, werden gebeten, dies umgehend zu tun.
Der Preis für das Protokoll beträgt wie für das vorjährige 70 Pfg. für das broschierte und 1 Mk. für das gebundene Exemplar. Bestellungen nehmen alle Parteibuchhandlungen entgegen.
Ueber Bebels Erbschaft, die schon öfter in der Presse besprochen wurde, teilte der Vorwärts mit: Nachdem das Ulmer Landgericht das Testament des ver⸗ storbenen Leutnants H. Kollmann, der Bebel und die Familie eines seiner Brüder als Erben einge⸗ setzt hatte, für rechtsgültig erklärt hatte, erfolgten auf Bebels Anregungen Vergleichs verhand⸗ lungen. Diese haben ihren Abschluß in der Weise gefunden, daß nach Abzug der gesamten Gerichtskosten — die vertragsmäßig der gewinnende Teil zu tragen hat— das vorhandene Vermögen in zwei gleiche Teile geteilt wird, wobei auf jeden Teil nahe an 400,000 Mark kommen dürften. Von diesen zahlt der Miterbe Bebels an seine Verwandten 60,000 Mark; Bebel hat sich bereit erklärt, die Summe an die Geschwister des Verstorbenen auf 132,000 Mark festzusetzen. Die Erb⸗ schaftssteuern fallen auch für diesen Teil Bebel zu Last, sodaß dieser im ganzen hierfür weitere 31,000 Mark zu zahlen hat. Der Partei überwelst Bebel für verschiedene Parteizwecke 45,000 M. Der Rest verbleibt ihm. Die 45,000 Mark sind in der letzten Quittung des Parteikassierers bereits mit aufgeführt und es sind davon 10,000 Mk. für die Unterstützungsver⸗ einigung in der modernen Arbeiterbewegung tätigen An⸗ gestellten und 5000 Mark für die proletarische Frauen⸗ Agitation bestimmt.
Versammlungskalender.
Samstag, den 14. Oktober. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).— Metall⸗
arbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Lindenstruth. Arbeiter⸗Verein. Nachr
mittags 3 Uhr Versammlung bei Wirt Zintmann.
Letzte Nachrichten.
Eine Reichstagsersatzwahl hat am Donnerstag im oberschlesischen Kreise Katto⸗ witz stattgefunden, wo die Wahl des Polen Korfanty vom Reichstag für ungültig erklärt worden war. Korfanty wurde nach der „Frankf. Ztg.“ mit 23208 Stimmen im ersten Wahlgange wiedergewählt. Für das Zentrum wurden 8100, den Nationalliberalen 7682 und den Sozialdemokraten Morawski 4780 Stimmen abgegeben.(Das ist ein unerwartetes Resultat. Gegen 1903 hat das Zentrum über 11000 Stimmen eingebüßt, unsere sind ebenfalls un. 5000 zurückgegangen, während der Pole 12 000 Stimmen gewonnen hat.)
Briefkasten.
Stbg. Losholzgeschichte erscheint bestimmt nächste Nummer.„ Mbg. Einiges zurückgestellt.
+ Erwerbt die i Geno ssen! Staatsangehörigkeit!
Pete


