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Mitteldeutce Senntags-Bentung:

von Nah und Fern.

Krankenkassen⸗Schwindler vor Gericht.

Das Urteil gegen die Gründer der sogenannten KrankenkusseThalia fiel ziemlich milde aus. Der Staat anwalt hatte gegen alle Angeklagte Gefängnisstrafen beantragt; das Gericht verurteilte nur Schomburg zu 6 Monaten Gefängnis, Hennes zu 270 Mk. und Wiechmaun zu 120 Mk. Geldstrafe. Diese geringen Strafen sind gewiß nicht geeignet ähnliche edle Seelen wie die Angeklagten von solchen Schwindelgründungen abzuhalten. Darum Taschen zu und Augen auf vor Schwindelkrankenkassen!

Vorsicht bei Umgang mit Hunden.

In Jena starb das einzige Kind einer Pösnecker Familie an Verlust der Leber infolge Hundewurm. Der arme Kleine hat ungeheure Schmerzen auszustehen gehabt, da die Aerzte nicht wußten, was dem Jungen fehlte. Durch Bauchumschläge kam dann der Eiter zu Tage. Die Sezierung der Leiche ergab, daß die Leber des Kindes durch den Hundewurm ganz durch⸗ löchert war. Solche Fälle sind schon öfter vor⸗ gekommen, daher müssen besonders Kinder davor gewarnt und behütet werden, mit Hunden in zu nahe Berührung zu kommen.

Vom Arbeitergroschen.

DerArbeitergroschen spielt bei den Fein⸗ den der Arbeiterbewegung von altersher bis auf den heutigen Tag eine große dankbare Rolle. Was ist nicht alles schon zusammengeredet, ge⸗ schrieben und natürlich gelogen worden über das Thema von den Arbeitergroschen, die in unerschöpflichem Flusse in die Taschen der schlemmenden, prassenden Arbeiterführer strömen! Jahrelang strömte die schöne, ganz genau spezialisterte Geschichte von den 12 Mil⸗ lionen Arbeitergroschen, die alljähr⸗ lich in die sozialdemokratische Parteikasse fließen sollten, in der ganzen bürgerlichen Presse, in Flugschriften und Büchern umher, hundertmal totgeschlagen als perfide Albernheit, aber immer wieder frisch und frech alsneueste Ent⸗ hüllung über die maßlose Ausbeutung der armen Arbeiter durch die Sozialdemokratie zu neuem Leben erwacht. Und tausend andere, kleine und große Geschichten solcher Art gingen und gehen heute noch durch die Presse und keineswegs nur durch das Kreisblatt und Klein⸗ staatpresse, sondern durchsehr angesehene Blätter aller Richtungen. Das ist eben der geistige Kampf.

Daß so viele Arbeitergroschen in die Taschen derArbeiterführer fließen, ärgert unsere Gegner doch nur deshalb, weil sie diese Groschen lieber in den Taschen der armen Arbeiter bleiben sehen? Hm das weniger! Sie glauben nur, der Arbeiter fände reiche Ge⸗ legenheit, die Arbeitergroschen in unvergleichlich höherer und edleren Art zu verwenden. Und darin haben ste ja auch ganz recht.

Statt die Arbeitergroschen densozialdemo⸗ kratischen Blutsaugern zu geben, die aufreizend und umstürzend von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt ziehen, von einem Gefängnis in das andere spazieren, ein wahres Herrenleben führen, könnten diese Arbeitergroschen in wahr⸗ haft ordnungsmäßiger lohaler, patriotischer Weise verwendet werden. Da zerbricht sich der arme neue Reichsschatzsekretär den Kopf, wie er die schwindsüchtige Reichskasse zu neuen Kräften bringt. Zwar fließt der Geldstrom viel breiter und gewaltiger in die Reichskasse, wenn erst der neue Zolltarif in Kraft sein wird. Und es sind lauter Arbeitergroschen, diese neuen hundert Millionen, die zu den alten aus den Zollein⸗ nahmen kommen, sauer verdiente Groschen der Aermsten, die diese sich vom Notwendigsten, vom Essen, Trinken, Kleiden abdarben müssen. Aber es reicht dem armen Reichsschatzsekretär immer noch nicht und neue Steuern auf Tabak, Bier und andereLuxusbedürfnisse des Plebs sollen mehr Arbeitergroschen in die Kasse bringen. Kann es auch eine bessere Verwen⸗

geschluckten Arbeitergroschen geben?

Welche herzerhebende patriotische und kul⸗ turelle Aufgabe können auch die Arbeiter⸗ groschen in Südafrika erfüllen! Für meine Groschen, auf meine Kosten werden in der süd⸗ afrikanischen Sandwüste tausende armer Be⸗ wohner jenes Landes, Männer, Weiber und Kinder, Verwundete und Gefangene ins Jen⸗ seits befördert so ruft stolz dergutgesinnte Arbeiter, der es verabscheut, seine Groschen den rohen, vaterlandslosen Hetzern daheim zu über⸗ anworten. 5

Sucht Ihr noch eine andere Gelegenheit,

Eure Groschen loszuwerden, Ihr Arbeiter?

Habt keine Angst, solche Gelegenheiten sind überreichlich da. Jeder nimmt ste, die Arbeiter⸗ groschen, jeder der braven Leute, die Euch nicht ernst und eindringlich genug warnen können vor den Verführungskünsten dersozialdemo⸗ kratischen Aufwiegler, jeder getreue Eckhart

steckt sie gern und schmunzelnd in seine weite

Tasche und jemehr er haben kann von diesen Arbeitergroschen, um so lieber ist es ihm. Schau nur den hochadeligen, blaublütigen Schweinezüchter an, wie er eben jetzt zur Zeit unerhörter Fleischteuerung grinsend die Geld⸗ rollen einsäckelt, die ihm dieKonjunktur be⸗ schert lauter Arbeitergroschen, vom Schweiß und Blut der Armen klebend! Und sieh dort denköniglichen Kaufmann, sieh dengenialen Leiter der Produktion wie ste geschickt in Ringen, Trusts, Kartellen die Preise zu treiben wissen, wie sie Millionenverdienen die groschenweise den Arbeitern in den Preisen der notwendigsten Verbrauchsartikel abgezwackt werden.

Wohin Du siehst, Arbeiter, überall wirst Du Scharen leidenschaftlicher Verehrer der Arbeiter⸗ groschen finden. Weist der Beamte, bis zum Höchsten hinauf, der hunderttausend Mark im Jahre bekommt, weist der Herr Pfarrer, der so schön zu reden weiß vom irdischen Jammer⸗ tal, von den Schätzen, die Rost und Motten fressen, von den Freuden des Himmels, etwa entrüstet die Arbeitergroschen zurück, die er in seinem Gehalt mitbekommt? Schau Dir auch mal den braven, liberalen, utramonanuen, kon⸗ servativen Zeitungsschreiber an, wie er auf die sozialdemokratischen Kollegen schimpft, weil sie den Arbeitern die Groschen abnehmen. Weißt Du, Arbeiter, nicht, daß dieseMänner der Ordnung nichts lieber haben wie Arbeiter⸗ groschen? daß sie von der furchbaren Wut er⸗ füllt sind gegen die sozialdemokratischenHetz⸗ blätter, die ihnen die Abonnenten und damit die Arbeitergroschen abwendig machen.

Her mit den Arbeitergroschen! So tönt von überall her das Feldgeschrei und so, lieber Arbeiter, greife nur hinein in Deine Tasche, und hole den letzten Pfennig hervor. Du hast unendlich viele Freunde der Arbeitergroschen vor Dir, daß Du wirklich nicht wissen wirst, wem Du zunächst zu Hilfe kommen sollst. Jeder hofft, jeder betkelt, jeder fordert jeder aber sagt Dir: Nur keine Arbeitergroschen für die verderblichen Lehren der Sozialdemokratie und ihre habsüchtigen, in Glanz und Ueberfluß lebenden Führer!

Sehiller.

(Geboreu 10. November 1759, gestorben 9. Mai 1805.)

Aus lang gehäuften schweren Aergernissen Brach los das Ungewitter deiner Seit.

Da fand der Sturm erwachender Gewissen

Auch Dich, den Jüngling, rasch entflammt bereit; Da hat auch Dich der Glaube hingerissen

An Menschenliebe und Gerechtigkeit,

Als könnte die Vernunft in wenig Tagen

Die Torheit von Jahrtausenden zerschlagen.

den roten Führern gierig

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Die allzu rasche ungestüme Glut. Es galt geduldig um das Siel zu kämpfen, Zu fern dem Sprunge. Aus der Enttäuschung ersten bittern Krämpfen Wuchs Dir ein ruhig abgeklärter Mut,

Den keine nah geträumte Zukunft blendet, Der sich an's Mögliche bescheiden wendet.

Doch wenn auch nicht mit allen tausend Masten Du von der ersten Ausfahrt heimgekehrt,

Es war kein Grund für Dich zu faulem Raste n, Dir blieb der große Wille unversehrt.

HNast mit der jungen Träume falschem Hasten Nicht fortgeworfen ihren Kern und Wert,

Hast, treu Dein Selbst stets edler zu gestalten, Den Glauben auch zur Menschheit fest gehalten.

Bist nie gesunken zu den kleinen Feigen,

Die träge folgen der Gewohnheit Macht. Du wagtest, freien Blicks hinabzusteigen

In der Geschichte schätzereichen Schacht.

Du machtest die Gedanken Dir zu eigen,

Die Dir die kühnsten Denker vorgedacht,

Und Dir ist nie im Qualm der Alltagsstunden Der Swigkeiten Sternenlicht entschwunden.

Hast mit der Stumpfheit dieser Welt gestritten Um Menschenstrebens heiligstes Gebiet,

Bis Dich erbarmungslos der Tod inmitten

Des reinsten, schönsten Schaffens fort beschied, Und still gefaßt hast Du auch ihn erlitten,

Den ohne Schmerz kein Fleißger nahen sieht. Das ist's, was wir aus Deinen Werken lesen: Du bist ein wahrhaft großer Mensch* gewesen.

Edle Menschlichkeit, reichste und reinste Entfaltung aller dem Menschen eigenen Kräfte, Humanität, das galt allen unsern klassischen Denkern und Dichtern als höchstes, erstrebenswertes Zei. l

Wenn Mama nähen muß. Von Dorethee Goebler.

Ein enges Zimmer nach dem Hofe hinaus, die Wände kalt, die Einrichtung ärmlich, nur auf das notwendigste beschränkt. Am Fenster steht eine Nähmaschine, eine Frau sitzt baran und läßt die Räder fliegen. Sie ist noch nicht alt, aber ihre Augen haben tiefe Ränder. Ihre Wangen sind gelb und farblos, ein Zug von Müdigkeit liegt um ihren Mund, jene tiefe Müdigkeit, die von Hunger und Elend, von durchwachten, durcharbeitenden Nächten spricht. Ohne aufzusehen zieht sie den feinen Batist durch die Maschine. All' ihre Bewegungen sind von fliegender Hast. Sie muß sich'ran⸗ halten; wenn ste nicht bis fünf Uhr im Ge⸗ schäft war, wird die Kommisston nicht mehr verrechnet, und die Nachtjacken reißen doch den ganzen Wochenverdienst heraus.

Zwölf Mark diesmal, eine hübsche Summe. Sie hat zwar beinahe alle Nächte dafür auf⸗ sitzen müssen und noch den Sonntag! durchge⸗ arbeitet, es schadet aber nichts. Wenigstens kann ste nun die sieben Mark Mietsrest bezahl en und braucht nicht mehr vor der Exmission zu bangen. Wie es mit dem Lebensunterhalt werden soll, ist ihr freilich noch unklar. Fünf Mark Wirtschaftsgeld für steben Tage, damit war schlecht haushalten. Ob ihr der Wirt noch 2 Mark ließ? Na, der hatte schon vorige Woche ein Gesicht gemacht, und die Schuld stand auch schon so lange, noch von damals her, wo ihr Mann starb. Nein, dem Wirt sagte sie lieber nichts.

Aber wie denn? Sie versuchte in Gedanken einen Ueberschlag zu machen. Siebzig Pfennig gingen ab für Milch für das Kind; dem durfte nichts fehlen. Sie warf einen zärtlichen Blick zu dem Buben hinüber, der spielend auf dem Kissen in der Ecke saß! Etwas Mehl war noch da. Das gab für drei Mittage eine Suppe. Die anderen Tage behalf man sich mit Kaffee und Schmalzstulle, etwas Wurstabfall gab ihr wohl die Schlächtersfrau. Nun ja, so würde es gehen. Sie atmete auf, dann verfinsterte sich plötzlich ihr Gesicht, die Kohlen an die Kohlen hatte sie noch nicht gedacht. Woher die nehmen? Mit einer ungeduldigen Bewegung riß sie die Arbeit herum. Ach was, das mußte eingerichtet werden. Der Grünkramhändler mußte noch einmal borgen. Sie wollte mit ihm sprechen, gleich nachher, wenn sie vom Liefern kam. Hundert Preßkohlen und drei

Und Du kämpftest gut.