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—— micteldeutsche Sonutags⸗Zeuung.
Seite 7.
Fit Petoleum, das war am Ende doch keine e lan Würden drei Liter reichen? Sie hielt inne und sah bedenklich vor sich hin. Na, es war wohl schon besser, sie sprach gleich um vier an, sie mußte doch wieder die Nächte arbeiten, da verzehrte die Lampe schon etwas.
Ste seufzte auf, beugte sich aber zugleich wieder tiefer über Arbeit. Na, man nicht tragisch werden, dabei kam nichts heraus. Ueber⸗ haupt war es gleich zwei Uhr und ste hatte noch sieben Jacken Aermel und Kragen einzu⸗
nähen. Eine fliegende Röte stieg in ihren Wangen empor. „Mami!“ Eine kleine, zierliche Gestalt ist
neben sie getreten, ein weiches Händchen legt sich auf ihren Arm.
„Was denn, Fritzchen?“ Sie fragt es ohne, aufzusehen.
„Mami, Fenster gucken!“
„Aus dem Feuster gucken will das Kind? Na ja, warte nur noch ein Weilchen, ich habe jetzt keine Zeit. Geh', spiel mit deinem Hotte⸗ pferdchen.“
„Fenster gucken.“ Er wiederholt es mit dem Eigensinn kleiner Kinder und versucht sich, um ihren Stuhl herumzudrängen.
„Nein, hier kannst Du jetzt nicht durch, Du störst mich— geh'!“
Der Kleine schrickt bei dem rauhen Klange ihrer Stimme zusammen. Ein Weilchen steht er, den Finger im Munde, und überlegt, dann tappelt er, von einem neuen Gedanken erfaßt, zu seinem Spielzeug zurück und nimmt es auf: „Ach ja,— Hotti is krank. Armer Hotti sehr sehr krank. Zudecken, Mami, ja?“
„Ja, ja— deck ihn nur zu. Nein, aber, was machst Du denn da, Du unnützer Junge? Wirst Du'mal Mamas Arbeit liegen lassen!“ Sie springt cuf und reißt ihm die spitzenbe⸗ setzte Jacke fort, in die er eben das schmutzige Holzpferd wickeln will.„So, jetzt bleibst Du hier in der Ecke sitzen und spielst, und nicht ge⸗ rührt, verstanden?“ Mit hartem Griffe drückt sie ihn auf sein Kissen nieder und stürzt nach ihrer Maschine zurück. Schon gleick drei Uhr und noch fünf paar Aermel!
Die Maschine rasselt von Neuem, eine ganze Weile hört man nichts als das Klappern der Rä der, dann plötzlich ein feines, tränendurch⸗ zitterntes Stimmchen:„Nicht böse, Mami, Fritzchen gut sein— nicht böse.“
„Nein, nein, ich bin dir auch nicht böse, Herzchen, aber nun stör' mich auch nicht, Mama muß nähen...“
„Mami— Kuß geben!“
„Ja, Mama wird dir einen Kuß geben, aber nachher. Jetzt geh' nur— geh'!“ Sie schleudert die Jacke, die eben fertig geworden, zu den andern und nimmt eine neue aus dem Arbeitskorb; nur noch zwei, Gott sei Dank!
„Mami, jetzt Kuß geben.“ Er ist hinter ihr auf den Stuhl getlettert, weiche Aermchen um⸗ schlingen ihren Huls.
„Fritz“:— sie springt auf, ihre Augen funkeln, alle ihre Glieder zittern,„Fritz, Du kannst einen rasend machen. Willst Du mich jetzt endlich zufrieden lassen, marsch in die Ecke!“ Sie nimmt ihn am Arme und stößt ihn rauh in die Stube hinein.
Er starrt sie einen Moment verdutzt an, er weiß gar nicht, was er böses getan hat. Sein Gesicht verzieht sich, er beginnt zu weinen. — Sie hörk es wohl, aber sie achtet es nicht. Eigentlich fühlt ste sich versucht zu ihm hinzu⸗ stürzen, ihn an die Brust zu reizen und abzu⸗
küssen, aber nein, bloß nicht— bloß nicht Zeit verbummeln jetzt, jede Minute ist Geld.
Ach, es war doch eigentlich ein Hundeleben. — Arbeit Tag und Nacht, nichts zu essen und dann nicht einmal Mutter sein dürfen, nicht einmal Mutter sein!— und während sie die letzte Jacke unter die Maschine schiebt, fließen große Thränen ihre abgezehrten Wangen hinab.
Allerlei.
Pfarrstellen⸗Ver gebung in früheren g Zeiten.
Auf welche Weise im 17. Jahrhundert mancher„Diener Gottes“ zu einer Pfarre kam, das erfahren wir aus dem Rosenow'schen Werke „Wider die Pfaffenherrschaft“: Behandelten nachgerade die Fürsten ihre Hofgeistlichen gleich Lakalen, so sprangen die Junker mit ihren Dorfpfarrern wie mit Stallknechten um. Wer eine Pfarre haben wollte, mußte zunächst den adeligen Patron tüchtig„schmieren“.„Die schmierenden Narren kriegen die besten Pfarren“, klagt ein Zeit⸗ und Amtsgenosse in einer Predigt. Aber damit nicht genug:„Wann der Studkosus“, so schreibt Schuppe,„sein ganzes Patrimo⸗ nium auf Universttäten verzehrt hat und endlich ein Dienstlein sucht und den Collatoribus(Ver⸗ mittler) die Hände nicht vergülden kann, wie muß er dich oft vor einem kahlen Dintensteber, vor einem Schreiber oder Stiefelschmierer bücken, den Hut abziehen, wenn er ihn bei seinem Herrn anmelden soll und dann heißt es noch oben⸗ drein: domine Johannes, ihr sollt zwar Dienst haben, aber ihr müßt Jungfer Margareth, meiner gnädtigen Frau Kindermädchen heiraten.“ Dieser Brauch der Junker, eine abgelegte Maitresse um den Preis der Pfarr⸗ stelle an den geistlichen Anwärter zu verkuppeln, war ein ganz allgemeiner...
Aphorismen.
Dem einen sind wir zu theologisch, dem anderen zu semitisch infiziert, dem dritten sind wir nicht kirchlich, dem vierten nicht politisch genug, hier sind wir einem zu liberal, dort einem anderen zu vorsichtig, der findet zu viel Beamte, jener zu viel Sozialdemokraten in unseren Reihen. Die„Menschlichkeit“ aber, die uns alle verbindet?— Und auf welches Häuflein unter all diesen tapferen„Bildungsverfechtern“ sollen wir uns nun beschränken?
*
Dem Redakteur eines kleinen Kreisblattes bot ich im Interesse der Volksbildung einmal unentgeltlich Be⸗ sprechungen guter Bücher an. Er antwortete, das könne er nur, wenn die betreffenden Buchhändler bei ihm inserierten! Bald darauf kam der Sedanstag und der Hauptgedanke des Leitartikels war, das uns, den Epi⸗ gonen jener tapferen Sieger, zur Zeit leider nicht ver⸗ gönnt sei, unseren„Ideallsmus“ durch Taten zu be⸗ weisen.
*
Was war doch der Gedanke, der unsere Klassiler in all ihrem Schaffen beherrschte? Das Humanitätsideall Aber nach ihnen kamen die Jahre der Reaktion und die großen Kriege. Wir wurden„schneidig“, teilweise sogar „verflucht“ oder„verdaumt“ schneidig. Und was ist inzwischen aus jenem Gedanken geworden?
Die„Humanitätsduselet!“
*
Auch eine gute Resonanz gehört zu dem Ton, der klingen soll. Um begeistert für eine Sache sprechen zu können, genügt es nicht, selbst begeistert zu sein. Es gibt Menschen, denen gegenüber unsere eignen Gedanken
einen fremden Klang bekommen. Da verliert man dann bald die Lust, überhaupt zu sprechen. *
Noch immer haben im ganzen Verlauf der Geschichte die Feinde und Verkenner neuer Errungenschaften deren Vorkämpfern möglichst niedrige, egoistische Motive unter⸗ geschoben, und wo alle andern Vorwürfe hatten wider⸗ legt werden können, da ließ sich noch immer der des Ehrg eizes oder der Ruhmsucht gebrauchen. Mit ihm kann man auch das größte Opfer noch verkleinern, das ein Sterblicher seinen Mitbrüdern überhaupt darzu⸗ bringen hat: das des Lebens. Nur an die Selbst⸗ losigkeit oder an die geistige Ueberlegenheit eines anderen zu glauben, das wird allen Philisterseelen ewig unmög⸗ lich bleiben.
(Gem einnützige Blätter.)
Humoristisches
Reingefallen. A.: Der österreichische Reichsrat hat ja jetzt den„roten Adler“ gekriegt.— B.: Nicht möglich? Unser Kaiser war doch jetzt gar nicht in Wien?— A.: Wer meint denn den roten Adler⸗ Orden? Ich meine doch den Viktor Adler, den die Reichenberger Arbeiter in den Reichsrat gewählt haben.
De koriert. Ein biederer Landpfarrer erführt währen d des Gottesdienstes, daß sein etwas beschränkter Neffe einen Orden bekommen habe.„Guter Jesus,“ sagt er, indem er die Hände zum gekreuzigten Christus erhebt,„mein Neffe und Du sind dle einzigen, die ihr Kreuz nicht verdient haben!“
Im Zweifel. Diener(der erst seit kurzem bei einer neuen Herrschaft eingetreten):„Ich weiß nicht, meine jetzige Herrschaft zahlt alles gleich... sind sie so nobel oder krieben sie nichts mehr gepumpt 2!“
(Fl. Bl.)
Uhren- und Goldwarengeschäft
von D. Kaminka „befindet sich jetzt Marktplatz Ii
am Kriegerdenkmal.
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Literarisches.
Die Hohenzollern⸗Legende, Kulturbilder aus der preußischen Geschichte vom 12. bis zum 20. Jahr⸗ hundert, ist bis zum Hefte 32 erschienen. Wir sehen in diesen Heften die Geschichte des„Alten Fritz“ und erfahren die wirklichen Motive, die ihm zu den jahre⸗ langen Kriegen um Schleslens Besitz Veranlassung gaben. Das im Heft 29 beginnende 13. Kapitel:„Ueber⸗ spannung des Absolutismus“ hat u. a. folgenden Inhalt: 1. Die Eroberung Schlesiens.— Dynastisches oder volkswirtschaftliches Interesse?— Das Bekenntnis zum Ehrgeiz.— Der erste Sieg.— Bündnis mit Frankreich. — Zöeifacher Bruch des Bündnisses und Sonderfriede mit Oesterreich.— 2. Die resignierte Stimmung.— Neue Gefahr und neuer Vorstoß.— Ein unglücklicher Feldzug.— Drei Siege.— Die russische Gefahr.— Der neue Friede.— 3. Wirtschaftspflege.— Beteiligung des Adels an der Rente des Absolutismus.— Mono⸗ polist erung der oberen Verwaltung für die Junker.— Kampf um die Bauern.— 4. Kabinetts regierung.— Der König als Lobredner der Republik.— 5. Die persönliche Philosophie des Königs.— Aufklärungs ver; bote.— Lockerung der Sitten in der herrschenden Ge⸗ sellschaft.
Die Hefte sind zum Preise von 20 Pfennig durch die Expedition der Mitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung zu beziehen. Die bereits erschienenen Hefte können nach bezogen werden.
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