Ausgabe 
12.3.1905
 
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Nr. II.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite.

loszufeuern. Bei den Gelegenheiten, wo er ohne Begleitung und anscheinend unbeschützt gesehen wird, bewachen und behüten unsichtbare Augen überall seine Sicherheit; er selbst fährt oder reitet meist mit rasender Schnelligkeit und besucht niemals ein Theater, ohne daß die Ge⸗ heimpoltzei sich versichert hat, daß keine ver⸗ dächtige Person Einlaß erhalten kann..

Und als ob diese vielfachen und sorgfältigen Vorsichtsmaßregeln nicht genügten, gibt es noch eine andere Art, um das kostbare Leben des Zaren zu schützen. Den verstorbenen Zaren Alexander sah man merkwürdigerweise oftmals zu gleicher Zeit an zwei verschiedenen Orten. Der Grund ist darin zu finden, daß eine Wachspuppe existierte, eine Nachbildung Alexan⸗ ders, deren kunstvoller Mechanismus es er⸗ möglichte, den Kopf und die Hände zu be⸗ wegen und mit absoluter Lebens wahrheit zu grüßen. Dieser Strohmann nahm häufig Alexanders Platz auf seiner täglichen Spazier⸗ fahrten ein und eines Tages erhielt er eine für den Zaren bestimmte Kugel in die Brust, die ein gewisser Solowiew abgefeuert hatte. Trotz der Wunde hörte der mechanische Zar nicht auf, zu lächeln und mit unerschütterlichem Gleichmut zu grüßen. Der Korrespondent von Reuters Bureau berichtete damals:Ohne das geringste Zeichen von Aufregung und Angst an den Tag zu legen, antwortete der Zar auf die hurra⸗ rufende Menge nach beiden Seiten mit freund⸗ lichem Lächeln und setzte die Spazierfahrt ruhig weiter fort. So hatte Alexander wenigstens einmal sein Leben seinem Strohmann zu danken.

Aber selbst im Innern seines streng be⸗ wachten Palastes ist der Selbstherrscher aller Reußen niemals seines Lebens sicher, wie die folgende Geschichte beweist. Eines Abends, als Alexander III. in seinem Arbeitszimmer im Winterpalast saß, glaubte die Kaiserin, ein leises Geräusch zu hören. Sie veranlaßte ihren Gemahl, seine Papiere einen Augenblick liegen zu lassen und sich mit ihr in das Kinderzimmer zu begeben. Als sie das Zimmer verließ, ver⸗ schloß die Zarin die Tür und gab den Schlüssel dem die Wache habenden Offizier, wobei ste ihm die Aufklärung zuflüsterte, damit nur ja der Zar nichts bemerkte. Als die Wache in das Zimmer drang, um den Raum zu durch- suchen, fand man nur noch Spuren davon, daß sich eine Person durchs Feuster ins Freie ge⸗ flüchtet hatte.

Russisch⸗japanischer Krieg.

Die Schlacht bei Mukden. Auf dem mandschurischen Kriegsschauplatze haben in den letzten Tagen bedeutende Kämpfe stattgefunden, die auf beiden Seiten ungeheuere Opfer kosteten. Das Ergebnis ist die beinahe vollständige Umzingelung der russischen Haupt⸗ macht unter Kuropatkin durch die Japaner. Der en beide Flügel sind weit nach Norden vor⸗ gerückt; am weitesten der linke unter General Nogi, dem Bezwinger von Port Arthur, welcher nördlich bis wett über Mukden vorgerückt ist und die russische Armee im Rücken bedroht. Sicher ist, daß Nogi vor den Toren Mukdens

tteeht, das er vielleicht schon in den nächsten

Tagen besetzt. Damit würde sich das letzte

Slied in dem eisernen Ring schließen, der dem

General Kuropatkin die Rückzugslinie ab⸗ schneidet und sein Heer vor die letzte Wahl stellt: Vernichtung oder Kapitulation. Ueber die Kämpfe auf dem japanischen linken

Flügel berichtete eiue Meldung vom 5. März: Die Japaner nahmen die russischen Schanz

träben, die durch Drahtgeflecht geschützt waren, nit Maschinengewehren und dem Bajonett trotz

flartnäckigen Widerstandes der Russen, die sich in Unordnung zurückzogen und Waffen und Bekleidungsstücke fortwarfen, um die Flucht zu leichtern. Die Japaner erbeuteten eine Anzahl

echszölliger Geschutze und Maschtinengewehre. Alle Belagerungsgeschütze von Port Arthur burden verwendet, die Wirkung war furchtbar. Die Russen sind entmutigt. Der japanische iußerste linke Flügel steht jetzt nordwestlich, zicht bei Mukden. Ein Entkommen der

zussischen Hauptmacht scheint un⸗ möglich.

Eine Seeschlacht scheint ebenfalls be⸗ vorzustehen. Die durch den Kampf mit den Fischerbooten vor Hull soberühmt gewordene baltische Flotte des Admirals Roschdjestwenski liegt seit vielen Wochen noch immer untätig bei Madagaskar, wo er auf das zweite und dritte Geschwader wartet. Unterdessen dampft der japanische Admiral Togo über den Indi⸗ schen Ozean und wird zweifellos dem Gegner gehörig auf den Leib rücken. Die Absicht des japanischen Admirals ist ohne Zweifel, Rosch⸗ djestwenski mit seiner Hel denschar zu vernichten, bevor das dritte Geschwader in Sicht kommt. Der Plan kann sehr wohl gelingen. Mit der Flotte Roschdjestwenskis kann Togo, selbst auf diese weite Entfernung von seiner Basis hin, verhältnismäßig leicht fertig werden, zumal er sich bereits seit Monaten eine gute Kohlen- und er ganz in der Nähe geschaffen

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Die Belagerung Wladiwostok's, des letzten Stützpunktes der russtschen Seemacht in Ostasten, hat jetzt ebenfalls begonnen. Diese Seefestung muß, wie Port Arthur, von der Landseite bezwungen werden.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Vom Zusammenschluß der unter⸗ nehmer wird aus Köln berichtet, daß zwi⸗ schen den Arbeitgebern des Schutzverbandes der Tischlermeister und Holzindustriellen und dem Arbeitgeberbund des Bauge⸗ werbes eine Vereinigung geschlossen worden ist, um bei Ausständen einheitlich vor⸗ zugehen und sich gegenseitig zu unterstützen. Man will weiter erstreben, daß die verschiedenen anderen Gewerbe sich gleichfalls anschließen, und alsdann einen Vorstand wählen, der aus den verschiedenen Handwerkergruppen zusammen⸗ gesetzt ist. Das wird ein ganz schöner Kuddel⸗ muddel werden, in welchem die Handwerker jedenfalls die leidende und die Großunternehmer die leitende Rolle spielen. Die Arbeiter sollten aber hieran erkennen, wie notwendig der Zu⸗ sammenschluß ihrerseits ist!

Ferien für die Arbeiter! Nach einer Zusammenstellung desBuchdrucker Correspon⸗ denten, die aber auf Vollständigkeit keinen Anspruch macht, wurden im Buchdruck⸗ gewerbe iu verflossenen Jahre 354 Firmen ermittelt, die 7306 Gehülfen und 2524 Hülfs⸗ arbeitern Sommerferien gewähren. Andern Betrieben zur Nachahmung dringend empfohlen!

Der Deutsche Holzarbeiterverbaud hat, wie aus der soeben veröffentlichten Ab⸗ rechnung für das dritte Quartal 1904 ersichtlich ist, das erste Hunderttausend Mitglieder über⸗ schritten. Der Verband zählte am 1. Oktober 101108 Mitglieder, darunter 595 weibliche. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme von 18491 Mitgliedern. Die Ein⸗ nahmen betrugen im dritten Quartal 433 458, die Ausgaben 429 483 Mk. Von den Ausgaben sind zu erwähnen: Streikunterstützung 198754, Arbeitslosenunterstützung am Ort 22696, auf der Reise 24337, Agitation 20 792 Mk. Da⸗ gegen betragen die Gehälter und Entschädi⸗ gungen nur 4817 Mk. Der Kassenbestand der F betrug am 1. Oktober 1051666

ark.

Lohnkämpfe. Die Schneider in Köln a. Rh. sind mit ihren Arbeitgebern in Unterhandlungen getreten, um eine Verlänge⸗ rung und Ausgestaltung des am 1. April ablaufenden Tarifvertrags herbeizuführen. Die Tapezierer in Frankfurt a. M. beschlossen den Beginn der Lohnbewegung und Einreichung eines verbesserten Tarifs. In Halle haben die Schneider die Lohnbewegnng ebenfalls proklamiert. Sie fordern einen korpo⸗ rativen Arbeitsvertrag.

Pon Nah und Fern.

Hessisches.

Kann der Provinzialausschuß jemanden zum Stadtverordneten er⸗

nennen? Vor diese Frage wird die hessische Regierung durch eine von den Mainzer Land⸗ tagsabg., Genossen Adelung und Dr. David, eingebrachte Interpellation gestellt, die folgen⸗ den Wortlaut hat:

Hat die Großh. Regierung Kenntnis davon, daß der Provinzialausschuß für Rhein⸗ hessen, in Ueberschreitung der ihm durch Artikel 25 der Städteordnung gezogenen Kompetenz, bestimmt hat, daß einer der bei der letzten Stadtverordnetenwahl in Mainz in der Minderheit gebliebenen Kandi⸗ daten in das Stadtverordnetenkollegium ein⸗ tritt? Was gedenkt die Großh. Regierung zu tun, um die Ausführung dieses gesetzwidr igen Beschlusses zu verhindern?

Es handelt sich um die vom Zentrum an⸗ gefochtene und dann auch zunächst vom Kreis⸗ ausschuß Mainz für ungiltig erklärte Wahl unseres Genossen Freiherrn von Zucco⸗ Cuccagna, der Prediger der freireligiösen Gemeinde Mainz ist, zum Stadtverordneten. Der Provinzialausschuß hat sodann die gegen den Entscheid des Kreisausschusses eingelegte Berufung verworfen. Aber er hat sich nicht mit der Kassierung der Wahl, gemäß dem Beschlusse des Kreisausschusses begnügt, sondern er hat darüber hinausgehend noch bestimmt, daß der Nächsthöchstbestin'mte als gewählt zu gelten hat und somit in das Stadtver⸗ ordnetenkollegium eintritt. Der Nächsthöchst⸗ bestimmte ist der Zentrumskandidat Dr. Müller. Unsere interpellierenden Genossen sagen nun in der Begründung ihrer Interpellation, mit diesem Beschluß habe der Provinzialausschuß sich über die klar gefaßten Bestimmungen der Städte⸗ ordnung hinweggesetzt. Dem Provinzialausschuß könne so wenig wie irgend einer anderen Be⸗ hörde die Kompetenz zugebilligt werden, seine eigene Kompetenz nach Belieben zu erweitern. Das wäre die Anarchie der Behörden. Es wäre sinnlos, Gesetze zu machen, wenn die zu ihrer Hut bestellten Behörden selber nicht an die Gesetze gebunden sein sollten. Wir verlangen daher, so sagen die Interpellanten, Schutz gegen den gesetzwidrigen Eingriff des Provinzial⸗ ausschusses in das der Mainzer Bevölkerung gesetzmäßig zustehende Wahlrecht.

Vernünftige Gemeindepolitik. Unsere Genossen in der Offenbacher Stadt⸗ vertretung gehen daran, die ungerechte Kopf⸗ steuer, das Oktroi, nach und nach zu beseitigen. Sie beantragten, in den städtischen Voranschlag bei der Verbrauchssteuer ab 1. April das Oktroi auf Schweine, Schweinefleisch, Wurst⸗ waren ꝛc. mit 60000 Mark nicht mehr, dafür aber an Gemeindesteuern 60000 Mark mehr, also statt 1910305 Mark 1970305 Mark 60 Pfg. zu erheben. Oberbürgermeister Brink bekämpfte diesen Antrag unter Hinweis auf die Finanzlage Offenbachs, die den Wegfall der Verbrauchs- steuer nicht gestatte, außerdem habe der geringe Mann keinen Vorteil davon. Ulrich dagegen betonte wiederholt, daß man vor einer Er höhung der Gemeindeumlagen nicht zurückschrecken dürfe. Diese Erhöhung sei unvermeidlich, sie sei das Ergebnis der Bestrebungen, die in Blüte begriffene Stadt auf die Höhe der Anforderungen zu bringen, die man an eine moderne Stadt stelle. Die Einnahmen aus den Verbrauchssteuern, die 1910 ja doch aufhören, solle man möglichst Zug um Zug aufheben, und zunächst mit dem Schwernefleisch beginnen, weil es für den Minderbemittelten ein Hauptnahrungsmittel sei. Selbstverständlich find wir auch für Aufhebung des Oktrois auf Ochsen⸗ und Rindfleisch usw. Vor allen Dingen sollte aber die Stadt wirt⸗ schaftliche Werke errichten und in eigene Regie nehmen, deren Einnahmen die Steuerzahler entlasten. Wenn die Metzger, entgegen ihrem Versprechen, nicht mit den Fleichpreisen nach Aufheben des Oktrois heruntergehen würden, so gäbe es außer der Heranziehung auswärtiger Konkurrenz noch andere Mittel, ste dazu zu zwingen, er und seine Freunde würden z. B. keinen Augenblick anstehen, eine Gemeindeschlächterei zu beantragen. Ulrich rechnete dann im einzelnen vor, daß dem Arbeiter die Aufhebung des