Ausgabe 
12.2.1905
 
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Nr. 7.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

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wir wenigstens für den ersten Teil des Antrags, weil er gegenüber dem bestehenden Zustand einen unleugbaren Fortschritt bedeuten würde. Die Beratung dieses Gegenstandes wurde abgebrochen, nachdem noch verschiedene Konser⸗ vative und Nationalliberale dazu gesprochen.

Schiffahrtsabgaben auch auf den deutschen Flüssen einzuführen, ist der Plan der Agrarier und sie lassen nichts unversucht, die Regierung dafür zu gewinnen und diese zeigt sich, wie immer, geneigt, den Junkern gefällig zu sein. Solche Abgaben stehen aber mit der Reichsverfassung im Widerspruch, deshalb rich⸗ teten die Freistnnigen eine Juterpellation an den Reichskanzler, um zu hören, ob ste gewillt ist, die Verfassung zu wahren. Der Freisinnige Kämpf begründete am Montag die Anfrage sehr eingehend. Graf Posadowsky erklärte, die preußische Regierung beabsichtigt keine ver⸗ fassungswidrigen Abgaben, denn die Abgaben, die ste beabsichtigt, sinb nicht verfassungswidrig.

Von Seiten unserer Genossen griffen Dr. David und Dresbach in die Debatte ein und erhoben als Vertreter der großen ober⸗ rheinischen Handelsstädte Mainz und Mannheim gegen die geplante Einführung der Schiffahrts⸗ abgaben Protest. Denn nicht nur der Handel, nicht nur die Schiffahrt werden durch diese neue agrarische Teufelei gefährdet und beein⸗ trächtigt: es werden durch sie, wie unsere Ge⸗ nossen mit großer Schärfe betonten, neue Zoll⸗ zuschläge zu den erhöhten Getreidezöllen erhoben; es handelt stch um eine Verschärfung der Brot⸗ wucherpolitik, Verteuerung der Lebensmittel. Dies wies besonders Genosse David klar und deutlich nach. Die Nationalliberalen waren in dieser Frage wieder einmal gespalten.

Der zehnstündige Maximalarbeits⸗ tag war am Dienstag infolge einer Zentrumsanfrage Gegenstand der Verhand⸗ lung. Trimborn aus Köln begründete die Interpellation in einer langen Rede, in der er die Sozialpolitik des Zentrums über den grünen Klee lobte. Unser Genosse Richard Fischer zeigte jedoch gründlich, was damit in Wirklich⸗ keit los ist. In hunderten von Fällen hat gerade das Zentrum den Beweis geliefert, wie wenig ernst es ihm mit seiner angeblichen Arbeiterfreundlichkeit ist.

Am Mittwoch setzte das Haus die Be⸗ ratung desToleranzantrages fort.

Politische Rundschau. Gießen, den 9. Februar 1905.

Die neuen Handelsverträge

gefallen auch dem Hauptorgane der National liberalen, derKöln. Ztg. nicht. Das rheinische Fabrikantenblatt sagt unter anderm in 4 Besprechung des Vertrags mit Oester⸗ reich:

So gern wir ein Aufblühen der deutschen Landwirtschaft, insouderheit der Vieh⸗ und Ge⸗ flügel zucht, begünstigen würden, im österreichi⸗ schen Vertrage ist die Industrie, die mäch⸗ tigere Stütze der deutschen Weltmachtstellung, doch gänzlich vernachlässigt und schwer geschädigt worden. Der Lebensmittel ver⸗ brauch im Inlande ist verteuert, die Kosten der Industrieproduktion sind deshalb erhöht, aber dem Absatz sind keine neuen Wege geöffnet worden. Auch die Stetigkeit der Handels⸗ beziehungen ist bei Oesterreich am kürzesten ver⸗ bürgt deshalb fällt uns von allen sieben Verträgen die Befürwortung der Zustimmung bei dem österreichisch⸗ungarischen am schwersten. Wir können nicht umhin, unser Bedauern dar⸗ über auszusprechen, daß die Regterung die vorteilhaftere Handelslage Deutschlands gegen⸗ über Oesterreich nicht dahin auszunutzen ver⸗ standen hat, neben denErfolgen, die sie für die Landwirtschaft herausgeschlagen hat, auch die Interessen der deutschen Industrie nach⸗ drücklicher zu wahren.Das oberste Prinzip, die möglichste Steigerung des Schutzes der land wirtschaftlichen Produkte, ist ohne Schwan⸗ ken festgehalten worden, rühmt sich die Re gierung. Man muß ihr diesen Ruhm bestätigen. Daß er auf Kosten und zum unausbleiblichen

Schaden der deutschen Industrie erlangt worden ist, ist aufs tiefste zu bedauern.

DieKöln. Ztg. könnte sich vor die Brust schlagen und die eigene Mitschuld gestehen. Als die Kardorff⸗Mehrheit im Reichstage die Minderheit vergewaltigte, da waren die National⸗ liberalen tapfer mit dabei und die nattonal⸗ liberale Presse gab ihren Segen dazu. Nun⸗ mehr, da eingetreten ist, was die Sozialdemo⸗ kratie in jenen verhängnisvollen Dezembertagen vorausgesagt hat, geht der Jammer los. Nun ist's zu spät.

Zittere, Sozialdemokratie

Nun wird aber die Vernichtung der Sozial⸗ demokratie nicht mehr lange auf sich warten lassen! DerReichsverband gegen die Sozial⸗ demokratie wird nämlich demnächst seine neu⸗ gebackenen Wanderredner loslassen. Dieser Tage berichteten die Ordnungsblätter, daß der von diesem eingerichtete Rednerkurses beendet worden sei. Es sollen siebenArbeiter von nationalliberalen Lehrmeistern, zu denen auch der Sprendlinger Dr. Becker gehörte, in der Sozialistenbekämpfung ausgebildet worden sein. Die Vortragsgegenstände waren der sozial⸗ demokratische Zukunftsstaat, die soziale Bedeu⸗ tung des Königtums, der Crimmitschauer Streik, die Notwendigkeit der Flottenvergrößerung, die wirtschaftlichen Vorteile des stehenden Heeres usw. Nun werden wir aber einpacken und unser Programm in die Makalatur werfen können!

Auf Vater und Mutter schießen.

Dieses Thema sollen nach Berichten Berliner Blätter verschiedene Truppenchefs in An⸗ sprachen an ihre Mannschaften gelegentlich der Kaisergeburtstagsfeier behaudelt haben. Vielfach sollen ste auf die Taten der russischen Garde am blutigen Sonntag bezug genommen haben. Die Maunschaften sollen dabei darauf aufmerksam gemacht worden sein, daß es unter Umständen auch ihre Pflicht sein könnte, auf die Arbeiter zu schießen.Sollte der Befehl ergehen, mit scharfer Munition Ge⸗ horsam zu erzwingen, dann muß jeder dem Kaiser gehorsam sein und seine Waffe mit Nach⸗ druck gebrauchen. Das ist ja das beste Geburtstagsgeschenk für Se. Majestät, daß Ihr auch nicht einen Augenblick darüber im Unklaren seid, voll und ganz Eurem Fahnen⸗ eide treu zu bleiben. Mit Ausnahme einiger kosakischen Kreaturen verabscheut das ganze deutsche Volk die Mord⸗ und Greueltaten der russischen Henlersknechte. Angesichts dieser Volksstimmung nehmen sich diese an die bekannte Rede Wilhelms II. vom Schießen auf Vater und Mutter erinnernden Ansprachen wirklich recht nett und volksfreundlich aus!

Das Prunkgeschenk der Abgebraunten.

Zur Linderung der Not von armen Ein⸗ wohnern des Dorfes Kuhlhausen(Altmark), das von einer großen Feuersbrunst heimgesucht worden ist, hatte die Stadtverordnetenversamm⸗ lung der benachbarten Stadt Sandau(Elbe) 50 Mark bewilligt. Der Magistrat stimmte indes diesem Beschlusse nicht zu, sondern strich davon 20 Mark, so daß den Abgebrannten nur noch 30 Mark zugute kamen. Der Bürger⸗ meister Holtzheuer führte zur Begründung des magistratlichen Vorgehens aus: Es ist be⸗ hördlicherseitsgewünscht, daß unsere Stadt sich mit einem Beitrage an dem Prunk⸗ geschenk zur Hochzeit des Kronprinzen beteiligt, und hierzu sollen die von der be⸗ willigten Summe gestrichenen 20 Mark ver⸗ weadet werden! Bürgermeister Holtzheuer hat ganz recht. Er hätte eigentlich veranlassen sollen, daß den Abgebrannten eine Kopfsteuer für das Prunkgeschenk auferlegt wird.

Teures Kinderspielzeug.

Der reiche Ordenssegen, der sich in diesen Zeitläuften über diegutgesinnten Bürger ergießt, kostet dem Volke ein schönes Stück Geld. Im Jahre 1903 sind in Preußen, wie die Uebersicht der Staatseinnahmen und Ausgaben nachweist, 203355 Mk. mehr für Orden und Ordensinsignien ausgegeben worden. Bet der

Verleihung von Orden hat nach den geltenden Gebräuchen weder Parlament noch sonst jemand im Volke etwas mitzureden. Wir finden es recht unangebracht, daß trotzdem die Mittel für diesen Zweck von dem allgemeinen Steuer⸗ säckel, also vom Volke bestritten werden müssen. Freilich das Dreiklassenparlament wird nie⸗ mals dagegen Einwendungen erheben.

Die Bewegung in Rußland

ist noch keineswegs gedämpft. In Warschau, Lodz, Sosuovice traten tausende von Ar⸗ beitern in den Ausstand. Es kam in diesen und andern Orten zu blutigen Zusammenstößen, wobei es viele Tote gab. Der Zar hat eine Arbeiter deputation empfangen, die aber zumeist aus Spitzeln bestanden haben soll. Niko⸗ lauschen erlaubte sich, der Deputation eine Standrede zu halten. Nikolaus soll aber auch einen Brief, in dem ihm der Tod angedroht wurde, erhalten haben, worüber er und seine Umgebung in große Angst geriet. Maxim Gorkt sitzt noch immer in Haft; jedenfalls auch der Priester Gapon.

Russisch⸗japanischer Krieg.

Auf dem mandschurischen Kriegs⸗ schauplatze wurde von einer großen Schlacht auf dem linken Flügel der Russen berichtet. Kuropatkin meldete jedoch nur von kleinen Scharmützeln.

Die Abberufung Kuropatkins soll im Prinzip beschlossen sein. Sie soll aus Ge⸗ sundheitsrücksichten erfolgen, da der General anBlutandrang nach dem Kopfe leidet.

Wladiwostock ist von den Japanern blocktert und damit die Zufuhr für Kuro⸗ patkins Armee zun großen Teil abgeschnitten. Dieser Umstand macht die Situation für die Russen unhaltbar und deshalb verdient die Nachricht Glauben, daß eine Konferenz der Großfürsten in Petersburg beschlossen habe mit Japan Frieden zu schließen.

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Von der Genossenschaftsbewegung. Vie Großeinkaufs⸗Gesellschaft Deutscher Konsumvereine hat, soweit sich schon jetzt über⸗ sehen läßt, im verflossenen Jahre ein sehr günstiges Geschäftsergebnis gehabt. Der Um⸗ satz dürfte von 26 Millionen Mark auf 33 bis 34 Milltonen Mark gestiegen sein. Als Zeichen innerlicher Konsolidierung ist die Tat⸗ sache zu verzeichnen, daß die Großeinkaufs⸗ Gesellschaft zum ersten Male seit ihrem Bestehen in der vorteilhaften Lage war, fast immer gegen bar zu kaufen, was einen nicht unerheb⸗ lichen Gewinn bedeutet. Den Vorteil haben die Konsumvereine und ihre Mitglieder. In der Angelegenheit des Konsumvereins Leipzig⸗Connewitz, dessen Liquidation vor Kurzem erfolgte, sind jetzt die größten Schwie⸗ rigkeiten überwunden und die Dinge neigen sich einem günstigeren Ausgange zu. Erneute Ver⸗ handlungen zwischen den beteiligten Faktoren haben zu Abmachungen geführt darüber, daß die meisten Verkaufsstellen käuflich vom Leipzig⸗ Plagwitzer Konsumverein übernommen werden. Die Bäckerei soll bis Schluß der Liquidation diese Verkaufsstellen mit Backwaren versorgen. In einem Rundschreiben an die Mitglieder fordern die Liquidatoren zum Eintritt in den Plagwitzer Verein auf. Der Metzgereibetrieb wird vorläufig weitergeführt. Von der bürger⸗ lichen Presse wurde dieser Fall bekanntlich ganz besonders gegen die Arbeiterkonsumvereine aus⸗ geschlachtet. f

Gewerkschaftliches. Zur Maifeier beschloß die Delegierten⸗Versammlung des Ge⸗ werkschaftskartells in Frankfurt einstimmig: Die Versammlung des Frankfurter Gewerk⸗ schaftskartells fordert alle Delegierten auf, eine allgemeine, frühzeitige, kräftige Agitation in ihren Gewerkschaften zu entfalten, um die völlige Arbeitsruhe am 1. Mai zu verwirklichen.