Ausgabe 
11.6.1905
 
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Nr. 24.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite.

derVolkswacht, in Breslau. Sie be⸗ schlagnahmten die Exemplare der Nummer des Blattes, in welcher eine Rede des Genossen Bernstein über den politischen Massen⸗ streik enthalten ist. Sie suchten auch nach der angekündigten Broschüre über denselben Gegenstand, ferner suchten sie die Person Bern⸗ steins selbst in dem Hotel, in welchem er seinen Aufenthalt gehabt hat, bevor er wieder nach Berlin zurückkehrte. Die Polizei fand 108 Exemplare und die Matrizen der betreffenden Nummer. Die Beschlagnahme ist angeorduet, weil Aufreizung zum Klassenhaß vor⸗ liegen soll. Was in dem Bernsteinschen Vor⸗ trag eigentlich staatsgefährliches enthalten sein soll, hat bis jetzt noch niemand herausbekommen. Breslau liegt aber nicht weit von der russi⸗ schen Grenze.

Wie leicht man zu einer Majestäts⸗ beleidigung kommen kann.

Die Hildesheimer Strafkammer verur⸗ teilte kürzlich den epileptischen Fabrikarbeiter Hache aus Hildesheim, der in betrunkenem Zustande bei einem Kaiserhoch sitzen geblieben war, wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängnis. Es wird also nächstens bestimmt so kommen, wie ein prophe⸗ tisches Witzblatt schon vorausgesagt hat. Man wird bald auch die Invaliden, denen Anno 1870 beide Beine abgeschossen wurden, einsperren, wenn stie sich beim Kaiserhoch nicht erheben. Leute aber, die im Besitze gesunder Beine sind, werden gut tun, das Sitzen überhaupt zu ver⸗ meiden, da man ja nie weiß, wie, wann und wo zufällig ein Kaiser hoch ausgebracht werden kann. Mag sich auch jeder hüten, im Schlafe eine Majestätsbeleidigung zu begehen!

Die Landtagswahlen in Bayern

sind nunmehr durch eine Verordnung festgesetzt und der gegenwärtige Landtag ist aufgelöst worden. Die Urwahlen sollen am Montag, den 10. Juli, die Abgeordnetenwahlen am Montag, den 17. Juli, vorgenommen werden.

Eine Reichstagserfsatzwahl

fand im hannöverschen Wahlkreise Hameln⸗ Springe statt, der bisher nationalliberal, zu⸗ letzt vom Baurat Wallbrecht vertreten war. Es erhielten Stimmen: unser Genosse Brey 7812, der Nationalliberale 8189, der Welfe 4964, der Bündler 3739. Es findet Stichwahl zwischen dem Nationalliberalen Hausmann und Brey statt. Unsere Stimmen sind leider um fast 1500 zurückgegangen. Das erklärt sich vermutlich aus dem Umstande, daß viele Ar⸗ beiter, die auf dem Lande wohnen und in den entfernteren Großstädten beschäftigt sind, nicht zur Wahl nach Hause gingen. Die Stichwahl findet am 8. Juni statt und bietet für uns natürlich gar keine Aussichten.

Ersatzwahl in Essen.

Der Zentrumsabgeordnete Stötzel, Ver⸗ treter des Wahlkreises Essen ist vorige Woche 1 storbe n. Die deshalb notwendig werdende

rsatzwahl beansprucht das Interesse unserer Partei in besonderem Maße. Von 1871 bis 1893 war der Kreis Besitzstand des Zentrums, 1893 fiel er an die Reichspartei und seit 1898 war er wiederum durch einen Zentrumsabge⸗ ordneten vertreten. Bei der letzten Wahl rangen

drei Parteien um den Sieg, neben unsrer das

Zentrum und die Reichspartei. Im ersten Wahlgang erhielten wir von 80 368 abge⸗ gehenen Stimmen 22 773, das Zentrum 35 129 und die Reichspartei 20819; in der Stichwahl wurden für unsere Partei 32 632 und für das Zentrum 39 016 Stimmen abgegeben. Die Verhältnisse in dem Kreise haben sich seit der

letzten Wahl noch zu unsern Gunsten verschoben.

Der Bergarbeiterstreik und die Berggesetzuovelle haben den Bergarbeitern gezeigt, was sie vom Zentrum als arbeiterfreundliche Partei zu halten haben. Diese Situation wird von unsrer Seite so ausgenutzt werden, wie es das Gebahren des Zentrums verdient. Jedenfalls ist diesem

eine Nachwahl in jenem Bezirk besonders un⸗

angenehm.

Die Revolution in Rußland breitet sich infolge der russtschen Niederlagen im ostastatischen Kriege immer weiter aus. Das Volk verlangt überall die Einstellung des blutigen und opferreichen Krieges. Am Freitag Abend kam es in der Petersburger Vorstadt Liesnoi zu einem heftigen Zusammenstoße der Arbeiter mit der Polizei. 15000 Arbeiter zogen mit roten Fahnen, revolutionäre Lieder singend, zum Gebäude des Technischen Instituts, welches ganz mit roten, revolutionäre Inschriften tragenden Fahnen beflaggt war. Als die Ar⸗ beiter sich dem Institut näherten, erschienen Kosaken und berittene Polizei. In dem Getümmel hieben die Kosaken mit Säbeln auf die Arbeiter ein, die sich mit Stöcken und Steinen verteidigten. Das Getümmel dauerte etwa eine Stunde. 12 schwer verwundete Arbeiter blieben auf dem Platze zurück, außerdem etwa 40 Leichtverwundete. Von der Polizei und den Kosaken sind etwa 15 verwundet.

Von oben herunter wurde zwar schon un⸗ zähligemal die Einberufung einer Volks- vertretung versprochen, die als die einzige Rettung aus dem Wirrwarr angesehen wird. Es ist aber noch nicht das Geringste in dieser Richtung geschehen; das Volk wird damit nur betrogen. Dagegen ist der General T rep o w zum Polizeiminister ernannt und ihm diktatorische Gewalt übertragen worden.

Kleine politische Nachrichten.

Kulturtaten in Südwestafrika. Wegen Ermordung eines Hereroweibes sind vier Reiter einer Patrouille in Deutsch⸗Südwestafrika anfangs zum Tode und auf ihre Berufung zu lang jährigen Zuchthaus⸗ strafen verurteilt worden. Deutsche Rechts⸗ pflege. Wegen Kritik eines Urteils der Geschworenen in Altona, das vier Söhnchenbesserer Leute freisprach, die gemeinsam ein minderjähriges Mädchen vergewaltigt hatten, erhielt unser Genosse Waberski, Redakteur desHamburger Echo 600 Mk. Geldstrafe. Wir kommen auf diesen Fall noch eingehend zurück.

Russisch⸗japanischer Krieg.

Ueber die Vernichtung der russischen Flotte und den Seesieg der Japaner macht ein englisches Blatt folgende interessante Mit⸗ teilung:

Das vereinigte zweite und dritte Geschwader gelangte in japanische Gewässer durch die Bashee⸗ Straße. Der kommandierende russische Admiral wollte gleich zu Anfang die japantschen Streit⸗ kräfte teilen, und er schickte seine schnellen Kreuzer voraus, damit diese die Tsuschimastraße von der Rhede von Saischiutau aus rekognoszierten. Das Gros des russischen Beschwaders veränderte seinen Kurs, wie wenn es zur Bashee⸗Straße zurückkehren wollte, aber am Saustag, 27. Mai, um 5 Uhr Morgens dampfte es mit zwölf Kilometer Geschwindigkeit in südöstlicher Rich⸗ tung durch die Straße von Korea nach Sai⸗ schiutau zu durch die Gewässer der Insel Iki. Jedes Schiff der Russen dampfte mit der größten möglichen Geschwindigkeit vorwärts, und das Geschwader bot ein eindrucksvolles, majestätisches Bild. Inzwischen lauerten die Japaner in der Nähe. Die Russen passierten die starke Strömung, die bei der Insel Iki vorbeigeht, und fuhren dann in rein nördlicher Richtung. Die Japaner waren für den Kampf bereit, und ihr nördliches Hilfsgeschwader ver⸗ stellte dem Feinde den Weg. Nun begann die große Schlacht. Die Szene war von schrecklicher Großartigkeit. Die Kanonen von fünfzig Kriegsschiffen wurden abgefeuert. Die Taktik des Geschwaders Roschdjestwenskis ver⸗ riet Zögerung, und das war die Einleitung zu völliger Verwirrung. Die Japaner sahen sofort, daß der Feind geschlagen war, und die Kon⸗ zentrierung ihres Feuers wurde nun wahrhaft höllenmäßig. Jede Kanone wurde auf die in der Sackgasse gefangenen Russen gerichtet. Lange Linien von Rauch schwebten wie Seewolken über das weite Wasser hin, untermischt von den Blitzen der Artillerie. i f

Um acht Uhr Abends wurden die japanischen Torpedojäger und Torpedoboote vorgeschickt,

und es gab kein Rückwärts mehr. Wte eine große Heuschreckenwolke eilten diese kleinen Fahrzeuge vorwärts. Die See war besät mit den bleichen Strahlen zahlreicher Scheinwerfer. Die Arbeit des Tages war vorüber, die Arbeit der Nacht begann. Die großen japanischen Kriegsschiffe deckten den Angriff. Unter den Geschossen der großen Kanonen eilten die win⸗ zigen Fahrzeuge heran, um die feindlichen Schiffe zu stechen und zu versenken. Die rus⸗ sischen Schiffe erwiderten das Feuer immer noch, und eine Seeschlacht fand statt in der Nacht beim Lichte der Scheinwerfer, die die Verdecke bestrichen, und beim Blitze der Kanonen. Nicht ein Augendlick der Ruhe unterbrach den Kampf.

Und über Roschdjestwenskis Ge⸗ fangennahme erzählt der Führer des japa⸗ nischen TorpedobootzerstörersMurasame:

Ich lag mit meinem Schiffe nebst andern Zerstörern ziemlich weit hinterwärts der eigent⸗ lichen Schlachtlinie und konnte eine ganze Wetle ungestört beobachten, wie kläglich die Russen schossen. Ihre meisten Granaten flogen hoch im Bogen über die Schiffe, denen sie galten, hinweg und fielen in unserer Nähe ins Wasser. Aus einer Entfernung von 2000 Meter konute ich beobachten, wie derKnjäs Ssuworow von einem 18zölligen Whitehead⸗ Torpedo am Stern getroffen wurde; von da ab verdoppelte sich die Gewalt des auf ihn konzentrierten Granatfeuers, seine brennenden Masten stürzten krachend über Bord. Von seinen Schornsteinen standen nur noch zersplitterte Stümpfe, als wir ein weiteres Torpedo ab⸗ feuerten, daß den Maschinenraum traf und das Schiff zu schnellem Sinken brachte.

Bis wenige Minuten, bevor es in den Fluten verschwand, war der russische Admiral, obwohl aus mehreren Wunden blutend, auf der Kommandobrücke sichtbar; erst im letzten Augenblick bestieg er mit acht andern Offizieren den TorpedobootszerstörerBiedovy. Seine Versuche zu entkommen scheiterten an einem Angriff des ZerstörersSassanamt, dem es glückte, das Steuer desBiedovy bis zur Unlenkbarkeit des Schiffes zu beschädigen. In dem Kampfe zwischen den beiden Zerstörern ward Roschdjestwenskt von neuem und noch schwerer verwundet.

Das mit denvielen Wunden kann nicht ganz stimmen, denn nach neueren Meldungen soll sich Roschdjestwenski im Hospital von Sa⸗ seho des besten Wohlseins erfreuen. Sieben⸗ tausend Sol daten aber liegen auf dem Grunde der japanischen See den Fischen zum Fraß.

Grauenhafte Dinge, die sich auf dem von den Japanern eroberten russischen Kriegs⸗ schiffeOrel abgespielt haben sollen, werden aus Totto berichtet. Es heißt, zu Anfang der Schlacht seien 300 Matrosen an Bord getötet oder verwundet worden und das Geschrei und Stöhnen der Verletzten habe einen so lähmenden Eindruck auf den Rest der Mann⸗ schaft ausgeübt, daß man sich zu der furcht⸗ baren Maßregel entschloß, die hoffnungslos Verwundeten, 140 an der Zahl über Bord zu werfen und die leichter Verwundeten um den Mast zu legen und mit Stricken an⸗ zubinden, sodaß sie den Kampf nicht weiter stören konnten. Ferner sollen Verwundete noch lebend in das Feuer geworfen worden sein; die Japaner hätten verkohlte Leichenteile in den Kesselfeuerungen gefunden. Derartiges ist bet den Russen schon möglich.

Zu der Niederlage der russischen Flotte hat die Korruption im Zarenreiche nicht wenig beigetragen. Es wird berichtet, daß das Panzergeschwader Roschdjestwenskis während der Schlacht eine so geringe Widerstandsfähigkeit zeigte, weil es in Rußland nachlässiger Weise gebaut war. Die Panzerplatten ge⸗ währten fast gar keinen Widerstand, so daß die Panzer wie leichte Kreuzer zerschossen wurden.Retwisan undZesarewitsch waren ausländischen Ursprungs und haben bei der starken Feuertaufe vor Port Arthur verhältnis⸗ mäßig wenig gelitten.