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Nr. 37.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
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rung von Kischinew am Dienstag ange⸗ richtet. Bei der Beerdigung zweier ermordeten jüdischen Mädchen wollten die Kaufleute die Geschäfte schließen. Dem widersetzten sich Polizei und Militär und es kam zum Kampfe, wobei die Sozialisten die Juden verteidigten. Wie die„Frkftr. Ztg.“ berichtet, wurden fünfzig Juden und biele Sozialisten getötet.
Der russisch⸗Japanische Friedensvertrag ist nun endlich am Dienstag Nachmittag von den beiderseitigen Delegierten in Portsmouth
unterzeichnet worden. Das Ereignis wurde.
in der Stadt mit Glockengeläute begrüßt und die Flaggen wurden gehißt. Innerhalb 50 Tagen sollen der Zar und der Mikado den Vertrag genehmigen.
Zum Friedensschluß bemerkt die in Berlin erscheinende„Russische Korrespondenz“:„Es geht ein Seufzer der Erleichterung durchs Land, aber gleichzeitig herrscht eine allgemeine Nie⸗ dergeschlagenheit. Die Reaktion, die jetzt die Last des Krieges losgeworden ist, wird nun die äußerste Anstrengung machen, das Werk der Befreiung, dem der Krieg zweifellos nicht wenig genützt hat, niederzuschlagen. Man spricht schon von einem vollkommenen Plan der Reaktion, dem Plane der Kolonisation Sibiriens durch die mandschurische Armee, da sie eine Verstärkung der revolutionären Be⸗ wegung durch die geschlagenen und demorali⸗ sierten Truppen befürchtet.“
Die Kriegsverluste betragen für beide Par⸗ teien nach natürlich nur annähernd gültigen Schätzungen an Werten das nette Sümmchen von neun Milliarden Mark, wovon vier auf Japan und fünf auf Rußland kommen. An Menschen hat der Krieg 432 000 Tote und Verwundete nebst 85000 Gefangenen also über eine halbe Million Menschen gekostet.
—— Aus dem Berichte des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutsehlands an den Parteitag zu Jena 1905.
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Die Maifeier wurde in diesem Jahre häufiger als sonst durch Arbeitsruhe gefeiert. In einzelnen Orten, wie zum Beispiel in Stutt- gart, war die Beteiligung geringer, weil eine Anzahl Gewerkschaftsführer der Meinung war, daß Massenmaßregelungen erfolgen würden, und dann eine erhebliche Schädigung der Arbeiter⸗ interessen eintreten könne, in dem die Gewerk⸗ schaften in ihrer Finanzkraft geschädigt würden. Daß diese Befürchtungen unbegründet waren, bewies der Verlauf an den Orten, wo die Arbeitsruhe in größerem Umfange eintrat als in Vorjahren. In Berlin z. B. waren die Vormittagsversammlungen nie so überfüllt und doch hörte man nie so wenig von Maßregelungen infolge der Maifeier wie in diesem Jahre.
Immer größere Bedeutung erlangt die Mai- feier als Demonstration der Arbeiterklasse gegen den Krieg und gegen die wahnsinnigen Rüstungen zu Wasser und zu Land. Je mehr und je demonstrativer die Arbeiterklasse aller Länder den Gedanken der Volksverbrüderung zum Aus⸗ druck bringt, um so schwieriger wird es, die dei Begründung von Heeres⸗ und Flottenvor⸗ lagen nötigen Argumente zu finden.
Im weiteren giebt der Bericht eine Dar⸗ stellung der Friedensdemonstrationen in Berlin und Konstanz, berührt kurz den Gewerkschafts⸗ kongreß, den Bergarbelterstreik, die Arbeiter⸗ sekretariate und die Unterstützungsaktion zu⸗ gunsten der Opfer der russischen Revolution.
Die Parteipresse wird eingehend be⸗ handelt. Sie zeigt eine vorzügliche Ent⸗ wickelung. Unsere Tageszeitungen weisen sehr bedeutende Steigerung der Abonnentenziffer auf. Der Vorwärts hat 92 000, das Hamb. Echo an 50000, die Leipz. Volksztg. über 36 000 Auflage, viele andere 20000 und mehr. Ver⸗ schiedene Partetorgane richteten sich eigene Druckereien ein. Der Vorwärts brachte einen Ueberschuß von 84527 Mk., der„Wahre Jakob“ einen solchen von 19500 Mk., die
„Gleichheit“ 74 Mk., während die„Neue Zeit“ einen Zuschuß von 4400 Mk. brauchte. Die Buchhandlung Vorwärts kann seit einigen Jahren über einen ständigen Aufschwung des Geschäfts berichten. Diese erfreuliche Tatsache ist auch für das Berichtsjahr zu verzeichnen. Die Buch⸗ handlung konnte deshalb auch einen diesem er⸗ höhten Umsatze entsprechenden Ueberschuß von 95000 Mk. der Parteikasse überweisen.
Das Strafkonto der Arbeiter⸗ bewegung
belief sich im abgelaufenen Jahre auf 2 Jahre
3 Monate Zuchthaus, 65 Jahre 2 Wochen Ge⸗
575 und Haft, sowie 15 400 Mark Geld⸗ rafe.
Der Vorstand weist näher auf einzelne be⸗ sonders wichtige Prozesse, z. B. auf den Königs⸗ berger hin und fährt dann fort:
Viele Gerichte geben sich alle erdenkliche Mühe, als Kampforgane gegen die Sozial- demokratie zu wirken und bei Lohnkämpfen die Interessen der Unternehmer zu vertreten. Was viele Richter nur denken und als unausgesprochene Gründe gelten lassen, sprach ein Richter in Hirschberg in Schlesien offen aus. Dort hatte ein Soztaldemokrat, der auch Radfahrer ist, eine Radfahrerversammlung nicht angemeldet, weil er glaubte, daß Radeln keine öffentliche Ange⸗ legenheit ist. Er wurde zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt. Bei der Begründung des Urteils führte der Richter nach dem Bericht des„Boten aus dem Riesengebirge“ aus:
„Was die Höhe der Strafe betrifft, so ist der Gerichtshof deshalb bedeutend über den Antr ag des Staatsanwalts hinausgegangen, weil die Sozial⸗ demokraten es mit großem Geschick verstünden, die Gesetze zu umgehen. Könne aber einmal ein Sozialdemokrat gefaßt werden, dann müßte er auch streng bestraft werden.“
Sehr hohe Strafen werden dadurch erreicht, daß man einfache strafbare Handlungen als Verbrechen bezeichnet. Eine Handlung, welche man, wenn sie von Studenten verükt wird, als grober Unfug mit einer kleinen Geldstrafe bestraft, nennt man Aufruhr oder Landfriedens⸗ bruch, wenn die Beteiligten streikende Arbeiter sind, und man bestraft dann die für schuldig Befundenen mit Zuchthaus oder doch jahre⸗ langem Gefängnis. Solche Aufruhr⸗ und Landfriedensbruchprozesse brachten die Lohn⸗ kämpfe in Königsberg, Mecklenburg, in den Orten an der Unterweser und im Ruhrrevier. So kommt man auch ohne Zuchthausgesetz da— zu, streikende Arbeiter ins Zuchthaus zu bringen, wie es in Güstrow mit dem Geuossen Evert geschah. 0
Das Parteiarchiv ist in seine neuen Räume(Berlin, Lindenstraße 69) übergestedelt und dort allgemeinerer Benutzung unter der neuen Verwaltung zugänglich gemacht worden. Die erneute Reviston und Ordnung des Archivs hat nun aber auch in besonderem Maße gezeigt, welche Lücken in der älteren Literatur der poli⸗ tischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung in den Archivbeständen vorhanden sind. Die ältere Literatur unserer Bewegung wird von Jahr zu Jahr seltener, und es ist die Pflicht der lebenden Parteigenossen gegenüber den fol⸗ genden Generationen, dafür zu sorgen, daß wenigstens an einer Stelle eine möglichst kom⸗ plette Sammlung aller auf die politische und
ewerkschaftliche Arbeiterbewegung bezüglichen iteratur vorzufiaden ist und der Benutzung zugänglich bleibt. Um diesen Zweck zu er⸗ reichen, erinnern wir erneut daran, die Vor⸗ stände der Landes- und Provinzialorgani⸗ sationen, die Gewerkschaften, die Partei- und Arbeitersekretariate, kurz alle Stellen, die sich mit Veröffentlichungen im Interesse der Arbeiter⸗ bewegung befassen, diese Publikationen an das Archiv gelangen zu lassen. Alle Zuschriften und Sendungen für das Archiv sind an den Verwalter desselben, Genossen Max Grunewald, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, zu richten.
Der Kassenbericht weist einen recht er⸗ freulichen Stand unserer Parteifinanzen nach.
Die Gesam teinnahmen sind gegen das Vorjahr in runder Summe um 102 000 Mark gestiegen, die eigentlichen Parteibeiträge um
eine geringe Summe zurückgegangen. Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß unsere Parteigenossen im verflossenen Berichts- jahre für andere Zwecke gewaltige Opfer gebracht haben. Konnten doch allein durch die vom Parteivorstand eingeleitete Sammlung den streikenden Bergarbeitern des Ruhrreviers 277 874,71 Mark zugeführt werden. Insge⸗ samt betragen die Parteieinnahmen 723 069 Mk., Gesamtausgaben 499 118 Mk. Es konnten bei einem Kassenbestande von 22891 Mark wer e Mark für Kapitalanlage ausgegeben werden.
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An den Vorstandsbericht schließt sich ein Bericht der Genossin Ottilie Bader über die sozialdemokratische Frauenbewegung. Diese macht gute Fortschritte. Es sind jetzt etwa 4000 Frauen politisch organisiert. Zahlreiche Ver⸗ sammlungen, in denen die besonders die Frauen interessierenden Fragen behandelt wurden, haben stattgefunden. Besonders planmäßig und ein⸗ gehend haben sich die Genossinnen im ganzen Reich mit der Schulfrage beschäftigt. Ihr auf⸗ klärende Agitation hat in sehr großen prole⸗ tarischen Kreisen das Verständnis für dieselbe geweckt und eine gute Zahl von Frauen mit der Sachkenntnis ausgerüstet, die sozialistischen Forderungen auf dem Gebiete des Bildungs- wesens überzeugend vertreten zu können.
Man war auch bestrebt, in jeder Hinsicht die gewerkschaftliche Organisation ge⸗ meinsam mit den Gewerkschaften zu fördern. Die rednerisch gewandten, organisatorisch ge⸗ schulten Genossinen sind unablässig tätig ge⸗ wesen, um indifferente Arbeiterinnenmassen wachzuschütteln und der Organisation ihres Berufes zuzuführen.
Der Bericht schließt:
Die allseitigen Fortschritte nnserer Bewegung sollen uns ein Ansporn zu weiterer intenstver Tätigkeit im Dienste des proletarischen Be⸗ freiungskampfes sein. Jeder Schritt vorwärts zeigt, welch eine Fülle von Arbeit noch zu leisten ist, aber er läßt uns auch neue Kräfte finden, welche diese Arbeit mit uns leisten wollen. Darum frohen Mutes und voll Zuversicht vorwärts. Wir Frauen vor allem haben Ketten zu verlieren und eine Welt zu gewinnen.“
Pon Nah und Fern.
Gießener Angelegenheiten.
— Mit der Fleischnot beschäftigte sich eine vom Vorstande des Wahlvereins einberu⸗ fene Versammlung, die am Dienstag Abend im Saale von Lonys Bierkeller stattfand. Sie war stark besucht, auch Frauen waren zahlreich ver⸗ treten, was als ein Beweis dafür angesehen werden darf, daß die Teuerung der Lebens⸗ mittel sich allgemein fühlbar macht und auch die Frauen auf den Plan ruft, die sonst sehr selten in eine Versammlung kommen. Referent Stadt⸗ verordneter Krumm entwickelte in seinem Re⸗ ferate die Ursachen der jetzigen Fleischnot, die auf die agrarische Politik zurückzuführen sei. Er wies darauf hin, wie ungeheuerlich die Zoll⸗ sätze für die nach Deutschland einzuführenden Lebensmittel durch die neuen Handelsverträge hinaufgeschraubt werden und wenn diese in Kraft treten, würden sie zu einer weiteren Ver⸗ schärfung der Notlage führen. Man habe die Grenzen für die Vieheinfuhr gesperrt, angeblich um das Einschleppen von Seuchen zu verhüten, aus Sorge um die Gesundheit des Volkes! In Wirklichkeit handelt es sich einfach um Preis⸗ treiberei der Großgrundbesitzer und Junker. Wenn es richtig wäre, daß vom Ausland die Viehseuchen eingeschleppt würden, so müßte das ganze Ausland verseucht und die Bevölkerung halb ausgestorben sein. Die Einfuhr von Büchsenfleisch, Wurst und geräuchertem Fleisch ist auf Grund des Fleischbeschaugesetzes seit zwei Jahren gänzlich verboten, obwohl früher kein Mensch vom Genusse dieser Fleisch⸗ waren erkrankt sei. Außerdem werde dieses Fleisch in großen Mengen in der deutschen Marine und bei den Landtruppen konsumiert


