Ausgabe 
8.10.1905
 
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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 5.

moglichen Hintertürchen davor gesichert hat, daß er nicht allzuoft in die Lage kommt, 500 Mk. auszahlen zu müssen. Als vor einiger Zeit der Maurer Becker aus Burgsolms in Wetzlar verunglückte, erhoben seine Angehörigen An⸗ spruch auf die 500 Mk. Ste wurden jedoch damit von denNeuesten Nachr. abgewiesen, der Verlag zeigte sich erbötig, 200 Mk. zu zahlen. Das lehnten die Leute ab. Natürlich kamen sie auch auf dem Wege des Rechtsstreites nicht weiter, denn wie gesagt, hat der Verlag dafür gesorgt, daß er rechtlich nicht belangt werden kann. Möge das andern zur War nung dienen! Ueberhaupt: Eine Zeitung hält man sich doch ihres Inhaltes wegen und nicht um sich zu versichern. Dazu sind andere Ein⸗ richtungen da. Daß jenesunparteitsche Blatt zu solchen Mitteln zum Abonnentenfang greift, beweist nur, daß es selbst seinen Inhalt für wertlos und ungeeignet hält, damit Leser zu gewinnen.

z. Wahl verein. In der am 23. v. Mts. statt⸗ gefundenen Versammlung wurde unter anderem eine Resolution eingebracht und einstimmig angenommen, die den ruhigen Verlauf, sowie die sachlichen und gründlichen Debatten des Jenaer Parteitags mit voller Genugtuung begrüßt. Denen, die ein Jena der Sozialdemokratie erwarteten zum Trutz und unserer Sache zu Nutz!

z. Die Gegensätze zwischen Arm und Reich, auf die wir in unserer heutigen Gesellschaft auf Schritt und Tritt stoßen, kommen selbst im Tode der Menschen noch zum Ausdruck. Je nachdem einer im Leben der befitzenden oder nichtbesitzenden Klasse an⸗ gehörte, erfährt er im Tode die entsprechende Behand⸗ lung. Selbst von der Geistlichkelt, den Dienern Christi. Vor kurzer Zeit ertränkte sich eine 68 jährige Frau in der Lahn. Schwere Schicksalsschläge, wie Tod des Mannes in der Irrenanstalt, der Tod einer Tochter und verschiedenes andere mögen die Frau zu dem Schritte veranlaßt haben. Kein Geistlicher begleitete ihre Leiche. Das ist nun gewiß nicht schlimm; tausende verzichten ja schon zu Lebzeiten freiwillig darauf. Geht aber einer aus denbesseren Kreisen freiwillig aus dem Leben, da geht nicht oft bloß einer, sondern manchmal sogar zwei Pfarrer mit und halten schöne Grabreden. Auch dieReligion respektiert die Klassenunterschiede, die erst die Sozialdemokratie beseitigen wird.

h. Vom Zuge überfahren. Einem schrecklichen Unglücksfalle fiel am Dienstag früh der auf der Wetz⸗ larer Röhrengieß ere beschäftigte Arbeiter Ludwig Weber aus Niederhausen zum Opfer. Er wollte von Station Löhnberg nach Wetzlar fahren und war eben auf das Trittbrett aufgestiegen, als sich der Zug, der noch nicht an seinem gewöhnlichen Haltepunkte angelangt war, wieder in Bewegung setzte. Weber fiel herunter und kam unter die Räder, so daß ihm der linke Arm an der Schulter und die rechte Hand abgefahren wurde. Fürchterlich verstümmelt wurde er hervorgezogen und mit demselben Zuge nach der Gießener Klinik überführt. Weber ist ein braver, nüchterner und bei seinen Arbeits⸗ kollegen beliebter Arbeiter und Genosse. Die eigentliche Ursache des Unglücks konnten wir nicht ermitteln. Jeden⸗ falls der ewige Platzmangel und der kurze Aufenthalt des Zuges, was die Arbeiter veranlaßt, mit aller Hast in die Wagen zu stürmen.

h. Fische bietet nun endlich auch der Wetzlarer Konsumverein seinen Mit⸗ gliedern. Die an dieser Stelle gegebenen An⸗ regungen haben also, scheint es gefruchtet. Hoffentlich sind die Fischpreise nicht höher wie

bei den Kleinhändlern, wie das bei manchem

anderen Artikel zutrifft.

b. Aus Niederscheld schreibt man uns: Wir erhalten hier jetzt eine zweite Eisenbahn⸗Haltestelle und zwar an der rechts⸗rheinischen Eisenbahn. Die Unter⸗ führung am Ausgang des Ortes soll als Durchgangs⸗ tunnel benutzt werden. Mit der Haltestelle soll eine Blockstation verbunden werden, um die Bahuhöfe Dillen⸗ burg und Herborn zu entlasten. Damit wäre für Nieder⸗ scheld und Umgebung einem Bedürfnis, das sich in der letzten Zeit immer fühlbarer machte, abgeholfen und der Fortschritt wird dankbar begrüßt, wenn auch die Ge⸗ meinde ein Opfer bringen maß.

Aus dem Nreise Marburg⸗Rirchhain.

Zu den bevorstehenden Stadtverord⸗ netenwahlen brachten wir vor Kurzem eine Notiz, in der gesagt war, daß unter hiesigen gutgefinnten Ver⸗ ein en das Gerücht verbreitet sei, es sollten gemeinsame Kandidaten aufgestellt werden, um damit, wie dann weiter ausgeführt wurde, die Arbeiterschaft von der Aufstellung eigener Kandidaturen abzuhalten. Darauf antwortet ein Herr F. in derHess. Landesztg.: wer die hiesigen Verhältnisse kenne, müsse über so was lachen; er hätte noch nichts davon gehört. Letzteres glauben

wir gern, vielleicht will auch Herr F. noch nichts ge⸗ hört haben; wir haben aber davon gehört und zwar vou durchaus glaubwürdigen und einflußreichen Personen. Herr F. meint dann weiter, daß die bürgerlichen Vereine wohl so klug sein würden, auch einen den Arbeiter genehmen Kandidaten aufzustellen(wohl um einen jeden gerecht zu werden, Herr F. 2) damit die Ar⸗ beiter die bürgerliche Liste durchbringen helfen, den ohne die Arbeiterstimmen würden die bürgerlichen Kandidaten nicht gewählt werden. Merkt euch das, ihr Arbeiter! In böchst phantastevollen Aus⸗ führungen beschreibt Herr F. dann die Aufgaben, die ein Arbeiter oder ein Sozialdemokrat im Stadtparla⸗ ment hätte und sagt dann zum Schluß:Will der Bürgerverein eine Liste in der dritten Wählerklasse durch⸗ bringen, so wird ihm gar nichts anderes übrig bleiben, als mit den Arbeitern ein Kompromiß zu schließen und wir dürfen wohl die Erwartung aussprechen, daß zu einer diesbezüglichen Wählerversammlung auch die Arbeiter eingeladen werden, um bei Aufstellung einer Llste mit⸗ zuwirken. Herr F. scheint sehr wenig Ahnung von der ganzen Geschichte zu haben, denn sonst könnte er so etwas nicht sagen. Jun seinem Leben wird es dem Bürgerverein nicht einfallen, Sozialdemokraten zu Rate zu zlehen, wer aufgestellt werden soll. Oder aber, wenn die gute Absicht da wäre, warum hat man es denn schon früher nicht getan? Seitdem feststeht, daß unsere Partei eigene Kandidaten aufstellt, macht man vom Bürgerverein Ausstreuungen, die Arbeiter für gemein⸗ same Listen zu ködern. Auf diesen Leim werden wir jedoch nicht kriechen, Herr F!

O Ueber die Fleischnot ließ sich die hiesigeOberhessische Zeitung aus Frankfurt einen Brief schreiben, in welchem ge⸗ sagt wurde, daß von eine Fleischnot nicht geredet werden könne, das Fleisch sei nur teuerer ge⸗ worden, ein Mangel an Fleisch set nicht zu ver⸗ spüren. Als ob es nicht für einen Arbeiterhaus⸗ halt dasselbe ist! Für einen kapitalistischen Geldbeutel mag es wohl ohne Bedeutung sein, ob das Fleisch 25 bis 33/ Prozent im Preise steigt oder nicht, solange als solches überhaupt vorhanden, ist der Kapitalist auch nicht gezwungen, seinen Bedarf einzuschränken. Für den Arbeiter ist eine solche Preissteigerung aber gleichbedeutend mit dem Nichtvorhandensein dieses notwendigen Nahrungsmittels. Aber der Frankfurter Brief⸗ schreiber will sogar von Arbeitern auf die Frage, ob eine Einschränkung im Fleischverbrauch der Familte eingetreten sei, nur ein Lächeln zur Antwort erhalten haben. Um diese Frage zu beantworten, hätte die Redaktion derOberh. Ztg. nicht nötig gehabt, ihren Frankfurter Briefschreiber sich bemühen zu lassen. Auch in Marburg gibt es Arbeiter, wir glauben sogar in eigenem Betriebe, die der Redaktion eine andere Antwort hätten geben können. Oder hat der reiche Verlag derOberh. Ztg. seinen Arbeitern eine Zulage gewährt, um die Fleisch⸗ teuerung nicht zu verspüren? Dann hätte die Redaktion aber auch ein siebenjähriges Schul⸗ kind befragen können, ob es keine Einschränkung des Fleischverbrauchs sei, wenn im Haushalt anstatt 1 Pfd. Fleisch nur noch ¼ Pfd. auf den Tisch kommt. Durch die Beantwortung dieser Frage würde ein siebenjähriger Junge aber beweisen, daß er schon zu viel gelernt hat, um Redakteur eines konservativen Amtsblattes zu werden. Just in derselben Nummer vom letzten Sonntag, in welcher dieser Frankfurter Brief enthalten ist, macht der Gastwirte⸗Verein für Marburg und Umgegend bekannt, daß in⸗ folge der Fleischteuerung ein Preisaufschlag für Speisen eintreten werde! Diese Notiz steht allerdings im Anzeigenteile.

g. Schlagfertiger Werkführer. Unser Blatt beschäftigt sich mit einzelnen Personen und ihren Eigenschaften nur dann, wenn diese letzteren anderen Leuten unangenehm werden, Kritck in deren Interesse wie auch im Interesse der Oeffentlichkeit geboten ist. Viel fach wirkt diese öffentliche Kritik erzieherisch auf die Betreffenden und so ist dann Abhülfe geschaffen und allen gedient. Wir hoffen, daß diese gute Wirkung auch bei dem Werkführer Koch in der Sckreineret Schäfer nicht ausbleibt. Dieser vor einiger Zeit aus Aschaffenburg hierher gekommene Herr springt mit den ihm unterstellten Schreinern in einer Weise um, daß die Beschwerden bei der Verbands verwaltung nicht ab⸗ reißen. Wer ihm nicht paßt, bei dem findet er soviel auszusetzen, daß des Betreffenden Bleibens in der Werkstelle nicht mehr lange ist. Bei dem Kollegen Werner, der zum Militär einrücken mußte, kam er dieser Tage aber schief an. Diesem wollte derß Herr Werkführer zum Abschiedgeineß Tracht Prügel mitzz einer

Latte verabreichen. Doch packte Werner seinen Angreifer und drückte ihn sanft in ein Kalkloch. Er sah davon recht nett aus und hatte zum Schaden noch den Spott. Hoffentlich lernt er, wie man Leute zu behandeln hat.

Der Konsumverein für Marburg und Umgebung hat ein eigenes Grund⸗ stück erworben. Das dem Kaufmann Diehl gehörige Haus in der Wilhelmstraße 6 ging in Besitz des Konsumvereins über. Daselbst wird der Konsumverein eine moderne Bäckerei er richten.

h. DieFreie Turnerschaft Ockershausen hält diesen Sonntag, den 8. Oktober von Uhr abends im Restaurant Hildmann ihr Rekrutenabschieds⸗ kränzchen ab, wozu alle Gewerkschaftsmitglieder und Parteigen ossen aufs freundlichste eingeladen werden.

Gebildete Leute. Ueber das unanständige Benehmen und Auftreten vieler Studenten ist schon oft und mit Recht Klage geführt worden. Die Herrchen erlauben sich auch gegenüber den Gesetzeshütern Dinge, die andern Sterblichen schwere Strafen eintragen würden. So machte, wie uns mitgeteilt wird, ein Student am Sonntag vor acht Tagen uachts gegen zwei Uhr einen solchen Lärm in der Wettergasse, daß ein Schutzmann sich genötigt sah einzuschreiten und den Namen des Kra⸗ kehlers feststellen wollte. Da kam er aber schön an, der gebildete Herr überhäufte ihn mit groben Redensarten, schrie ihn an, er sei Reserveleutnant und er(der Schutz⸗ mann) solle mal die Knochen zusammen nehmen, und weiter drohte er, den Schutzmann niederzuschlagen, wenn er Miene ache gegen ihn vorzugehen. Der Gesetzes⸗ hüter ließ den Herrn laufen und war froh, daß ihm selber nichts passterte. Was wäre wohl einem Arbeiter heschehen, der sich solches Auftreten erlaubt hätte?

h. Ueber den Parteitag wird in einer am Sonntag, den 16. Oktober im Jesberg'schen Lokale stattfindenden Parteiversammlung Bericht er⸗ stattet werden. Als besonders wichtiger Punkt steht ferner noch, wie aus dem Inserat hervorgeht, das Organi⸗ sationsstatut auf der Tagesordnung. Die Parteigenossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen.

Versammlungskalender.

Samstag, den 7. Oktober. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof). Metall⸗

arbeiter. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Daubringen. Volks versammlung abends 1/9 Uhr bei Wirt Schäfer. T.⸗O.:Ver⸗

kümmerung der Volksrechte. Ref. Vetters⸗Gießen. Marburg. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr bei Hildberger. Freie Turnerschaft⸗ Ockershausen bei Hildemann. Sonntag, den 8. Oktober. Garbenteich. Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein. Nachmittags 3 Uhr Versammlung bei Peter Becker imKühlen Grunde. Zahlreich und pünktlich erscheinen! Gießen. Tabakarbeiter. Nachm. 3 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof). Alten⸗Buseck. Volksverein. Versammlung bei Wirt Becker. Staufenberg. Volks versammlung. Nach⸗ mittags 3 Uhr bei Wirt Geißler. Tages⸗Ord. Verkümmerung der Volksrechte. Ref. Vetters. Samstag, den 14. Oktober. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wacker.

Briefkasten.

N. N. Gießen. Es freut uns ja, daß W. Huthmann und Frau das Fest der silbernen Hochzeit begingen und wir beglückwünschen die glücklichen Ehe⸗ leute. Wenn Sie aber etwas in die Zeitung aufge⸗ nommen haben wollen, so müssen Sie vor allen Dingen Ihren Namen unterschreiben, sonst wandert die Sache in den Papierkorb. W. R. Soviel uns be⸗ kannt ist, wurde bis jetzt in Hessen noch kein Sozial⸗ demokrat als Bürgermeister gewählt, es brauchte also ein solcher auch nicht bestätigt zu werden. Ob ein solcher von der Regierung bestätigt werden würde, können wir auch nicht sagen, möchten aber ein großes Fragezeichen dahinter machen, denn in dieser Beziehung sieht es auch in Hessen mit der Gleichheit der Staats⸗ bürger windig aus.

Genossen! Erwerbt die Staatsangehörigkeit! 7 V p p Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt der Preis⸗Courant des Eugros Versaudhanses Gebr. J. u. P. Schulhoff in München bei, welches seine Artikel der Weiß⸗, Woll⸗, Schuitt⸗, Kurz⸗ und Spielwareubranche besonders Wiederver⸗ käufern empftehlt.

Nachm. 3 Uhr