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Seite 4.
Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.
Jubel hervor und fatsächlich bedeutek dfe Er⸗ oberung der Festung für die Japaner einen glänzenden Triumph. Sie haben damit die
unbestrittene Herrschaft zur See; die rus⸗
sische Flotte ist vollständig vernichtet, die noch im Hafen von Port Arthur befindlichen, ohnehin schwer beschädigten Schiffe wurden vorher von den Russen in die Luft gesprengt. — Mit der Einnahme Port Arthurs ist der Krieg so gut wie entschieden; auch die Ex ⸗ pedition der„berühmten“ baltischen Flotte, die den„großartigen Sieg“ über die englischen Fischerboote davon trug und deren größter Teil jetzt bei Madagaskar vor Anker liegen soll, ist zwecklos geworden.
Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.
Hoher Lohn für Nichtstun. Eine fette Dividende heimsen in diesem Geschäfts⸗ jahre die Aktionäre der Ilseder Hütte(Braun⸗ schweig) ein. Sie preßten von den Arbeitern nicht weniger als 52 Prozent heraus. Schade, daß das Blatt, dem wir diese Mit⸗ teilung entnehmen, nicht zugleich die Löhne der Arbeiter anführt. Soviel ist aber ganz sicher, das diese über den Durchschnitt nicht hinausgehen. Da findet sich aber kein bürger⸗ liches Blatt, das dazu etwas zu bemerken hätte. Ja, wenn es sich um einen Arbeiter⸗Konsumverein handelte, wollten wir einmal den Lärm hören! Ueberhaupt sind hohe Entbehrungslöhne gar nichts so seltenes. Um nur einige! anzuführen, zahlen Dividende: Farbwerke in Höch st a. M. 20 Prozent; Badische Anilin⸗ und Sodafabrik 22 Prozent; Chemische Fabrik Mannheim 16 Prozent; Kaliwerke Westerregeln 17 Prozent; eee Waldhof 15 Prozent und so weiter!
Eine Produktiv Genossenschaft der Schneider hat sich in Jena gebildet. Gegen⸗ stand des Unternehmens ist die Herstellung und der Verkauf von Herren⸗ und Damen⸗ garderobe, Handel mit Kleidern und Kleider⸗ stoffen, sowie allen Bedarfsartikeln des Schneider⸗ gewerbes auf gemeinschaftliche Rechnung. Die Anfänge der Genossenschast führen auf den vorjährigen im Schneidergewerbe ausgefochtenen Kampf um den Arbeitsvertrag zurück. Die unterlegenen Ausgesperrten haben sich selb⸗ ständig gemacht und ein eigenes Geschäft ge⸗ gründet, das sich bisher einer zahlreichen Kund⸗ schaft zu erfreuen hatte und nun in einen genossenschaftlichen Betrieb umgewandelt wurde. . mḉ8—m—j—ñ——
von Nah und Fern.
Hessisches.
— Wozu Geld da ist. Die Darm⸗ städter Stadtverordneten⸗Versammlung hat gegen die Stimme unseres Genossen Cramer zwanzigtausend Mark für die Einzugs⸗ feierlichkeiten zu der demnächst stattfindenden Vermählung des Großherzogs bewilligt. Wenn die Darmstädter Stadtväter aus eigener Tasche zahlen müßten, hätten sie sich gewiß nicht so freigehig gezeigt.
Gießener Angelegenheiten.
— Zu dem Hüssener⸗Bilde, das wir auf ber ersten Seite wiedergeben, sei noch be⸗ merkt, daß dessen Richtigkeit von bürgerlichen Blättern angezweifelt und von einer„Mysti⸗ fikation“ der sozialdemokratischen Presse geredet wurde. Zur Beruhigung der zweifelnden Ge⸗ müter sei mitgeteilt, daß unserem Gewährs⸗ mann die sämtlichen Personen des Bildes be⸗ kannt sind. Rechts der Alte ist ein Gendurm aus dem Saarrevier, der in der Mitte ein rheinischer Hotelbesitzer; beide waren zu einer mehrmonatigen Gefangnisstrafe verurteilt, bie im Guadenwege in Festungshaft umgewandelt wurde. Man sieht also, daß wir auf das Genaueste unterrichtet sind und der von militär⸗ behördlicher Seite angeordneten Untersuchung mit Ruhe entgegensehen können. Der neue Fall Hüssener wird jedenfalls im Reichstage
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zur Sprache kommen, wobei dann weitere Einzelheiten aus dem artigen Gefängnis in Ehrenbreitstein aus Licht befördert werden.
— Söhnchen der Gebildeten. Unter dieser Spitzmarke berichteten wir kürzlich über eine hier entdeckte Schülerverbindung, mit deren Treiben sich unter Umständen noch der Staats⸗ anwalt befassen würde. Mit Bezug darauf erhielten wir eine Postkarte folgenden Inhalts:
„In Ihrer letzten Nummer schrieben Sie unter„Söhnchen der Gebildeten“ einen Ar⸗ tikel, der nicht der Wahrheit entsprechende ehrverletzende Artikel brachte. Die letzt im Realgymnastum entdeckte Verbindung trieb keinerlei Dinge, mit denen sich wohl der Staatsanwalt beschäftigen wird. Möchten Sie gern Auskunft zu einer Berichtigung, so können Ste fich diese holen, wenn Sie
(möglichst Red. Vetters) Freitag 5 Uhr im
Rest. Lonys Bierkeller erscheinen würden. Gruß mehrere Beteiligte.“
Jedenfalls zeigt diese Zuschrift neben manchem andern, daß sich die hier in Betracht kommende Schuljugend schon Allüren angeeignet hat, durch welche sich vielfach die Nachkommen⸗ schaft„besserer“ Kreise unvorteilhaft auszeichnet. Unsere Mitteilung hatten wir aus sehr zuver⸗ lässiger Quelle. Eine dieser Verbindungen soll sich sogar„Die Räuber“ genannt haben. Ob diese Bezeichnung an Schiller oder an Schinder⸗ hannes erinnern sollte, wissen wir nicht. Hoffentlich bessern sie sich noch. Wir würden den jungen Leuten raten, die Verbindungs⸗ sptelerei sein zu lassen, vielleicht finden sie einen gefälligen Barbier, der ihnen„Schmisse“ ins 5 0„operiert“, wenn sie danach Sehnsucht
aben.
— Der Wahlverein hält Saustag, den 8. Januar seine erste Mitglieder⸗Versamm⸗ lung im neuen Jahre ab. Gen. Vetters wird einen Vortrag halten über:„Die Politik im Jahre 1904“, in welchem die hauptsächlichsten politischen Vorgänge im verflossenen Jahre zur Besprechung gelangen. Es wird recht zahl⸗ reiches Erscheinen der Parteigenossen erwartet. — Ferner erinnert der Kassterer die Mitglieder an den Quartalsschluß und ersucht, die Quittungsbücher in Ordnung bringen zu wollen.
— Zum Gewerkschaftsfest, das in diesem Jahre, wie bereits vor einiger Zeit be⸗ kanzt gegeben wurde, Samstag, den 14. Januar im Saale des Café Leib stattfindet, bittet die Festkommission, daß Geschenke zur Verlosung bis Mittwoch, den 11. Januar, abends 9 Uhr in der Wirtschaft Orbig niedergelegt werden möchten.
— Das Gewerkschaftskartell regelte in seiner am Dienstag stattgefundenen Sitzung zunächst mehrere auf das Gewerkschaftsfest be⸗ zügliche Angelegenheiten. Weiter wurde be⸗ schlossen, die allgemeine Gewerkschaftsver⸗ sammlung am 22. Januar abzuhalten, in welcher die üblichen Berichte gegeben werden. Ferner beschloß man, am 29. Januar eine Besichtigung des neuen Bibliothekgebäudes für die Gewerkschaftsmitglieder zu arrangieren.
Aus dem Nreise gießen.
Achtung, Lokalliste!
An die Parteigenossen allerorts! Mit der nächsten Nummer werden wir gemäß des Beschlusses der letzten Kreiskonferenz damit beginnen, eine Liste der für unsere Genossen empfehlenswerten Lokale zu veröffentlichen. Die Genossen der einzelnen Orte— wo Partei⸗ vereine bestehen, selbstverständlich deren Vor⸗ stände— ersuchen wir deshalb, uns die in die Lokalliste aufzunehmenden Wirtschaften baldigst zu bezeichnen. Bedingung ist: 1. daß das betr. Lokal(Saal) uns zu Versammlungen zur Verfügung steht; 2. daß die„Mitteldeutsche SonntagsZeitung“ oder ein anderes Blatt unserer Partei aufliegt.
b. Staufenberg. Diesen Samstag findet, wie bereits in letzter Nummer bekannt gegeben, die General⸗ versammlung des Wahlvereins abends 8 ½ Uhr im Vereinslokal statt. Die Tagesordnung ist aus dem Versammlungskalender ersichtlich. Alle Mitglieder werden ersucht, hierzu recht pünktlich zu erscheinen. Diejenigen, welche für das verflossene Jahr noch Beiträge zu ent⸗ richten haben, wollen etwas früher in der Versammlung
erscheinen und diese Angelegenheit regeln, damit deine glatte Abrechnung gegeben werden kann. g
f. Leihgesteen. Am zweiten Weihnachtstage starb hier unser treuer Genosse Kasp. Seipp III. im Alter von 63 Jahren. Bei seiner Beerdigung, die am Mitt⸗ woch unter großer Beteiligung stattfand, wurde von Seiten unserer Genossen ein Kranz niedergelegt. Ehre seinem Andenken!
Aus dem Nreise Alsseld⸗Cauterbach.
n. Aus Schotten schreibt man uns unterm 4. Januar: Vorigen Donnerstag verließ der Taglöhner Stephan Zinnel von hier seine Wohnung und sst seit⸗ dem verschwunden. Man vermutet, daß er sich ein Leid angetan hat. Seine Frau erstat tete deshalb sofort An⸗ zeige, doch wurden bisher noch keine Nachforschungen angestellt. Man scheint es also damit nicht sehr eilig zu haben, hoffentlich liegt der Grund zu der Langsam⸗ keit nicht darin, daß es sich nur um einen Tagelöhner handelt!
Aus dem Odenwald.
h. Neustadt i. O. Der hiesige Arbeitergesang⸗ verein„Vorwärts“ hielt am Neujah rstage sein Winter⸗ fest ab, das einen außerordentlich guten Besuch aufzu⸗ weisen hatte. Bis auf den letzten Platz war der ziem⸗ lich geräumige Saal des Gasthauses„zur Krone“ besetzt. Die gesanglichen und theatralische Darbietungen wurden exakt durchgeführt und erzielten starken Beifall, besonders verdienen die Leistungen des jungen Vereins, der mehrere Chöre mit Präzision zum Vortrag brachte, alle An⸗ erkennung. Gegenwärtig zählt der Verein 35 Mitglieder und besteht im vierten Jahre, er hat es aber bereits soweit gebracht, daß er vor vielen älteren Vereinen nicht zurückzustehen braucht und getrost mit dem hlesigen bürgerlichen Gesangverein in Wettbewerb treten kann.
Aus dem Rreise Wetzlar.
h. Einen teuren Prozeß hat die Stadt Wetzlar neulich mit Herrn Jung und einigen andern reichen Leuten von Niedergirmes wegen zu viel erhobener Gemeindeabgaben durchzufechten gehabt. Die Herren gingen zwar als Sieger aus dem Prozeß hervor, doch werden sie, weil der Oberprästdent inzwischen die von ihnen angefochtene Steuer genehmigt hat, diese doch zahlen müssen. Der Stadt sind aber nicht weniger als 2000 Mk. Kosten. erwachsen. Danach fragen aber solche stein⸗ reichen Herren nicht, die sich bei jeder Gelegen⸗ hett als Patrioten und erstklassige Bürger aufspielen.
n. Krofdorf. Den Gemeindeförster Lucas, der seit Dienstag Abend vermißt wurde, fand man am Mittwoch Vormittag in dem Gemeinde- Wald vor der Höhe erschofsen auf. Seine Doppelfliute lag nahe bei ihm. Die Kugel war unter dem Unterkiefer in der Richtung nach aufwärts in den Kopf gedrungen. Lucas stand im 64. Jahre und war schon seit mehreren Jahrzehnten in Krofdorf Gemeinde⸗ förster. Ob hier Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht aufgeklärt werden. Eine uns zugegangene Zuschrift neigt zu der letzteren Annahme, doch sprechen die Umstände für Unglücksfall.
Westerwald und Antersahn.
n. Wahlverein in Niedershausen bei Weil⸗ burg. Von jetzt ab kommen die Mitglieder jeden ersten Sonntag im Monat bei Gastwirt Bender zusammen,
erstmalig am Sonntag(8.), nachmittags 4 Uhr. Später
etwa eintretende Aenderungen werden bekannt gegeben. Die Parteigenossen werden ersucht, sich recht zahlreich einzufinden. 1 Langenaubach. Ueber die Arbeitsverhält⸗ nisse auf der Grube„Constanze“ und die in letzter Nummer abgedruckte Zuschrift des Herrn Direktor Vahlensieck schreibt unser Gewährsmann: Wenn es dem Herrn Direktor absolut nicht einleuchten will, daß unsere Angaben über die Arbeitszeit richtig sind, so⸗ müssen wir den§ 11 seiner Arbeitsordnung sprechen lassen, der besagt:„Die regelmäßige tägliche Arbeitszeit dauert 13 Stunden. Die Arbeitszeit beginnt morgens um 6 Uhr und endet abends um 7 Uhr.“ Zur Zeit 1 die Steinbrecher, die ihre Arbeiten alle in kkord ausführen, morgens um 1/8 Uhr und hören um ½¼6—6 Uhr abends auf. Die Einlader treten um ½8 Uhr morgens an und sind bis 7508 Uhr abends beschäftigt. Mitunter kann man aber die Lokomotive um 8 Uhr abends noch rangieren hören; auch diese Arbeiter laden im Akkord ein. Die Aufbereiter arbeiten
von morgens 7 bis 7 Uhr abends. Nach genauester Er⸗
kundigung und Erfahrung dauern die Pausen keinesfalls
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