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Nr. 19.
Mittel deutsche untaSogs⸗Zeitung.
Seite 5.
es ihn aber, wenn er es ablehnt, zu den Kindern von politischen Dingen zu reden, die sie nicht verstehen, oder etwa bei dem Religionsunterrichte gegen unsere Partei zu hetzen.
— Sozialisten feindlicher Gemeinde⸗ rat. In dem Dorfe Saasen bei Grünberg wohnte der Maurer Lang bei seinen Schwiegereltern in einem Hause, das der Gemeinde gehört, ganz ruhig und so gut es ging, zufrieden. Er hatte sich dem Maurer⸗ Verbande angeschlossen, und das war wohl auch der Grund, weshalb er eines schönen Tages ein Schreiben des Bürgermeisters erhielt, das wir hier wörtlich mit allen seinen Schönheiten wiedergeben:
„Durch Beschluß des Gemeinderats vom 12. l. Mts. wird dem Herrmann Ph. Lang von Lich eröffnet daß sich derselbe wegen Beteiligung an der Sozialdämokratie das Gemeindehaus unverzüglich innerhalb 3 Monaten zu verlassen hat.
Saasen am 14. April 1905. Großh. Bürgermeisterei Saasen Schmitt.“
Wenn Saasen etwa zwischen Konitz und Rawitsch läge, wo die Menschheit der Junkerwillkür ausgeliefert ist, würde man sich über dieses für unsere Zeit bezeich⸗ nende Dokument noch weniger wundern. Aber in Hessen ist's doch noch selten vorgekommen, daß ein Gemeinderat seine Ordnungsretter⸗Gesinnung so offen betätigt und einen Menschen obdachlos machen will, bloß weil er Sozialdemokrat ist. Das Empörende dieses gemeinde⸗ rätlichen Beschlusses wird auch nicht durch die gelungene Form gemildert, die ihm der Bürgermeister mit seiner Schreibweise und seiner gemütlichen Auslegung des Wortes„unverzüglich“, das bei ihm 3 Monate bedeutet, gegeben hat. Unsere Genossen sehen hier wieder, wie notwendig es ist, daß Leute von uns in die Gemeinde⸗ vertretungen kommen.
Aus dem Rreise griedberg⸗Püdingen.
ch. Niederflorstadt. Die hiesigen Partei⸗ genossen halten ihre Maifeier diesen Sonntag Nach⸗ mittag im Gemeindewald an der Altenstadterstraße ab. Genosse Busol d ⸗Friedberg wird die Festrede halten. Alle Parteifreunde werden dazu eingeladen,
V. Ein solider Brückenbau. In Helden⸗ bergen stürzte am Montag Mittag die neuerbaute Brücke über die Nidda ein, als der Fuhrunternehmer Schäfer mit einem Wagen voll Sand, der als Be⸗ deckungsmaterlal dienen sollte, darüber fuhr. Der Wagen stürzte in die Tiefe. Dem Umstand, daß Schäfer auf seinem Wagen saß, ist es zu verdanken, daß er mit dem Leben davonkam und nur einige leichte Verletzungen er⸗ litt. Einem Pferde wurde ein Bein völlig abgeschlagen, so daß es bald getötet werden mußte; das andere Pferd verendete, Die beiden seitlichen Bogenträger stürzten gleichzeitig zusammen.
Aus dem Rreise Alsfeld⸗Cauterbach.
dt. Den Weltfeiertag der Arbeit beabsichtigten auch die hiesigen Genossen in würdiger Weise zu begehen und sie faßten in der vor 14 Tagen stattgefundenen Mitgliederversammlung demenrsprechende Beschlüsse. Leider war aber keine größere Lokalität aufzutreiben, die Saal⸗ besitzer verweigerten wieder einmal ihre Säle. Dashalb ist für Sonntag, den 7. Mai, bei günstiger Witterung, ein Ausflug nach dem idyllischen Waldort Münch⸗Leusel geplant. Die Parteigenossen wie überhaupt die Alsfelder Arbeiter wollen recht zahlreich erscheinen. Zusammen⸗ kunft am Schwabenröder Weg um 2 Uhr.— Bei un⸗ günstiger Witterung wird die Feier im Stadtpark abge⸗ halten.
Aus dem Nreise Wetzlar.
h, Zum ersten Male fand in Wetzlar eine Maifeier⸗Versammlung statt. Sie war ausgezeichnet besucht und nahm die Rede des Gen, Krumm⸗Gießen sehr beifällig entgegen. Eine ganze Anzahl von den Anwesenden ließ sich in die gewerkschaftliche oder politische Organisation aufnehmen.
h, Eine Typhus⸗Epidemie ist in dem Dorfe Erda ausgebrochen und der Verlauf derselben ist gar nicht unbedenklich. Welche Ursachen die Seuche veranlaßt haben, darüber liegen zur Zeit zuverlässige Mitteilungen nicht vor. Vermutlich sind aber die Wasserverhältnisse schuld; es sind meistens Ziehbrunnen von geringer Tiefe vorhanden, deren Wasser gewiß gesundheitlich nicht ein⸗ wandfrei ist. Jetzt soll, wie uns mitgeteilt wurde, die Behörde die Schließung dieser sogenannten Brunnen angeordnet haben, eine Maßregel, die jetzt für viele Einwohner Unannehmlichkeiten zur Folge hat, weil das Wasser für Küche und für das Vieh teilweise weit ge⸗ holt werden muß. Die Gemeinde hat hier jedenfalls gesündigt, sie hätte beizeiten schon für ordentliche Brunnen oder Wasserleitung sorgen sollen. Aber in vielen Ge⸗ mein den denkt man nicht an notwendige und nützliche Einrichtungen, wogegen für Kriegerdenkmäler und ähn⸗ lichen Unfug immer Geld verplempert wird. Es ist ein trauriges Zeichen für unsern Kulturstaat, wenn jetzt
für die Opfer der Epidemie die öffentliche Mildtätigkeit angerufen wird.— Vorige Woche ist von der Krankheit noch ein 19 jähriges Mädchen hinweggerafft worden. Es sind nunmehr vier Personen gestorben, etwa 20 sind erkrankt.
h. Ein kleines Lemgo. Im Inseraten⸗ teile des Wetzl. Anz. war dieser Tage folgende Bekanntmachung des Lehrers Lepper in Her⸗ mannstein zu lesen:
„Den Schreibern der auonymen Karten und Briefe diene hiermit zur Nachricht, daß ich sämtliche Sachen der Staatsanwaltschaft übergeben habe. Die Hand⸗ schriftvergleichung wird die Namen der werten Brief⸗ schreiber schon ermitteln, damit diese unanständigen Schmähkarten und Briefe, bei deren Lesen jeder erröten muß, ihr Erscheinen einstellen.... Uebrigens erlauben diese Schmähungen, man müßte sie Schweinereien nennen, einen Rückschluß auf die Gesinnung der betreffenden Schreiber, die von außen wohl fein anständig anzusehen sind, im Innern aber von Schmutz starren müssen.“
Wenn Herr Lepper klug ist, regt er sich darüber nicht auf, sondern wirft die Schmutze⸗ reien einfach unbeachtet tas Feuer. Das ärgert erfahrungsgemäß solche Schmlerfinken am meisten. Daß es Leute der„besseren“ Klasse sind, glauben wir gern, andere haben zu solchen Dingen keine Zeit.
* Eine rote Fahne, wehte am 1. Mai früh⸗ morgens auf dem Wettenberg(der sog. Napoleonsnase) bei Krofdorf.
Westerwalsd und Anterlahn.
t.. Stöckerianer Burckhardt kneift. Dr. Burckhardt hielt am Sonntag und Dienstag Versamm⸗ lungen in Dillenburg und Allendorf ab. Unserm Gen. Trott⸗Haiger, der das Wort verlangte, wurde es ver⸗ weigert. Warum? Weil Trott Herrn B. früher in einer Versammlung in Langenaubach mit Recht vorge⸗ halten hat, daß er seine Trichinen⸗Rede in verbesserter Auflage in Flugblättern habe erscheinen lassen, mit andern Worten, sie entstellt wiedergegeben habe, Das ist eine Tatsache.— Uebrigens muß es bei den Stöckerleuten windig aussehen. Im„Volk“ droht Dr. B. die Mit⸗ gliedsbeiträge durch Nachnahme einzuziehen, da von 100 Ortsgruppen 96 nicht bezahlt hätten.
Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.
r. Die Maifeier⸗Versammlung am Montag Abend im Jes ber g'schen Lokale war sehr gut besucht. Genosse Göller⸗Frankfurt a. M. hatte das Referat übernommen und seine Ausführungen wurden mit be⸗ geistertem Beifall aufgenommen. 12 Anwesende er⸗ klärten ihren Beitritt zum Wahlverein. Etwa 30 Mann — für Marburg eine ganz ansehnliche Zahl— feierten durch Arbeitsruhe.— Auch der Ausflug nach Cölbe am Sonntag fand unter zahlreicher Beteiligung statt, nur vermißte man leider verschtedene ältere Partei⸗ genossen. Im Allgemeinen nahm unsere Malfeier einen recht guten Verlauf.
— Der Kon sumverein Marburg und Umgebung hielt am Samstag die zweite Generalver⸗ sammlung in diesem Jahre ab. Sie war leider nur mäßig besucht. Aus dem Bericht, den Geschäftsführer Fischer erstattete, geht hervor, daß der Verein recht gute Fortschritte macht. Mit der Mitgliederzunahme habe sich auch der Waren⸗Umsatz bedeutend gesteigert und man könne mit der ganzen Entwickelung der Genossenschaft nur zufrieden sein. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Herr Scheldt, berichtete über die Revisionen, die von dem Verbandsrevisor regelmäßig vorgenommen würden und die niemals zu irgendwelchen Beanstandungen Anlaß gaben, der Revisor habe sich im Gegenteil sehr aner⸗ kennend über die musterhafte Ordnung in der Führung des Geschäftes ausgesprochen, Es wurden noch einige Wahlen vorgenommen und verschiedene Vereinsangelegen⸗ heiten erledigt, während ein in Aussicht genommener Vortrag für diesmal von der Tagesordnung abgesetzt wurde.
O Der zünftlerische Zopf kommt in einer Bekanntmachung des hiesigen Landratsamtes im Kreis⸗ blatt zum Vorschein. In derselben wird den Standes⸗ beamten eingeschärft, namentlich bei Anmeldungen des Eheaufgebots vor der Eintragung genau zu prüfen, ob die betreffenden Personen zur Führung des Meistertitels berechtigt sind, da es in letzter Zeit vielfach vorgekommen sei, daß Handwerker sich in unberechtigter Weise den Meistertitel beigelegt haben. In früheren Jahrhunderten wachten die Innungen darüber, daß solche Freveltaten nicht vorkamen, im zwanzigsten Jahrhundert haben die Behörden diese Tätigkeit übernommen.
O Die Genickstarre hat beim hiesigen Jägerbataillon ein Opfer gefordert. Ein zwanzigjähriger junger Mann ist an dieser Krankheit gestorben.
— Ein irrsinniger Bürgermeister. Vom Amte suspendiert und in die Marburger Irrenanstalt gebracht wurde der Bürgermeister von Amöneburg
bei Kirchhain. Der Mann hat das Städtchen dadurch, daß er seit dem Jahre 1898 den Steuerpflichtigen gegen Mk. 60 000 Steuern„stundete“, an den Rand des Bankrotts gebracht. Ein Teil der Schuld trifft dabei die Aufsichtsbehörde, denn es wurde seit 1898 wohl alljährlich der Haushaltsplan, nicht aber der Jahres⸗ abschluß an die Regierung eingesandt, Es müssen doch aber auch sonst noch Leute in der Gemeinde da sein die die Rechnungen nachzuprüfen haben.
Die Automobilmörderei nimmt überhand.
Schon wieder wurde ein Menschenleben in den Tod gejagt. Durch ein von Köhn kommendes, in rasendem Tempo dahinfahrendes Automobil wurde Dienstag gegen Abend in der Nähe von Benrath der Arbeiter Pohlmann aus Ohligs überfahren und so schwer verletzt, daß er auf dem Transport zum Krankenhause st ar b. Weder der Name des Führers noch die Nummer des Wagens konnte festgestellt werden.— Verbrecherische Auto⸗ mobilfexe überfuhren in Köstriz bei Pößneck in Thürengen ein sechs⸗ und ein dreijähriges Kind. Das erstere war sofort tot, das zweite dürfte kaum mit dem Leben davon kommen. Die erstklassigen Verbrecher konnten nicht festgestellt werden, da sie sofort weiter fuhren. Späteren Mitteilungen zufolge hätten sie sich in Berlin gemeldet. Man darf sich nicht wundern, wenn die fortwährend bedrohte Bevölkerung schließlich an dem die Landstraßen unsicher machenden Aut o mo b summarische Vergeltung übt. Dem gemeingefährlichen Autounfug wäre gewiß schon längst gesteuert, aber er erfreut sich im schnellsten Tempo hoher Protektoren.
Ortsschulzen⸗Dünkel.
Der Schultheiß von Laichingen in Württem⸗ berg saß eines Abends im dortigen Wirtshaus, gedrückt von der Last seines Amtes. Da er⸗ laubte sich ein ganz gewöhnlicher Mensch, ein Schmied, dem Herrn Schultheiß zuzurufen: „Prost Herr Schultheiß!“ Eine solche Gemeinheit konnte sich die Spitze der Behörden natürlich nicht gefallen lassen und der Dorf⸗ büttel erhielt den Befehl, den Schmied in den Ortsarrest zu schleppen, was auch prompt aus⸗ geführt wurde. Die Gefangenschaft dauerte zwar nur eine Viertelstunde, desto länger aber wird nun der überspannte Schultheis eingelocht. Das Landgericht in Ulm verurteilte ihn wegen Freiheitsberaubung zu vier Monaten Ge⸗ fängnis.
„Christliche“ Duldsamkeit.
In Füssen im Allgäu starb ein Prolet, arm wie eine Kirchenmaus. Da er ohne geist⸗ lichen Beistand aus dem Leben geschieden war, wurde der Tote in früher Morgenstunde sang⸗ und klanglos in einer entlegenen Ecke des Friedhofes begraben. Wie sehr der Verstorbene in seinen letzten Lebenstagen noch mit Bekeh⸗ rungsversuchen gequält wurde, darüber könnte man ja vielleicht noch schweigen. Daß man aber den Toten auf einem Mistschlitten vom Krankenhause ins Leichenhaus transpor⸗ tierte, das hat doch bei vielen Leuten berechtigtes Aergernis erregt. Und da hat ein Prediger der christlichen Nächstenliebe noch den traurigen Mut, zu sagen:„So macht man's den Glaubens⸗ losen!“ Hätte der Mann Reichtümer hinterlassen, er wäre sicher mit allem Pomp bestattet worden. So aber war er eben nur ein armer Teufel!
Versammlungskalender.
Samstag, den 6. Mai.]
Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag.
Steinberg. Wahlverein. Abends 8 Uhr, Ver⸗ sammlung in der„Wilhelmshöhe“. Wichtige Tagesordnung. Auch die Genossen von Watzenborn wollen zahlreich erscheinen.
Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung im„Gambrinus“ bei Wacker. Zahlreich erscheinen!
Sonntag, den 14. Mai. Kirchhain. Mühlenarbeiter⸗Versammlung, nachmittags 3 Uhr, im Saale„Zur Post“. Ref. A. Wedermann⸗ Marburg. Alle Kollegen von Gießen, Marburg, Kirchhain, Ziegenhain ꝛc. sind eingeladen.
Briefkasten.
n.⸗Alsfeld. Lassen Sie den braven Arbeits⸗ willigen getrost klagen, wenn er Lust hat. Er wird dadurch nicht sauberer und sein Auftraggeber auch nicht, Das Uebrige ist zur Veröffentlichung nicht geeignet,


