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Nr. 32.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitunc.
Seite 5.
Dem Vorstaud wu anheim gegeben, einen ge— eigneten Referenten zu gewinnen. Zu Punkt 3 teilt Gen. Fauth mit, daß die örtliche Organi⸗ sation in Wetzlar bereits beschlossen habe, den Parteitag zu beschicken. Es frage sich nun, ob wir die Delegation einem Nachbarkreis über⸗ tragen wollen, oder ob wir selbständig einen Delegierten entsenden wollen. Geu. Vonrhein beantragt, die Versammlung möge beschließen: „der Wahlkreis Wetzlar Altenkirchen entsendet zum diesjährigen Parteitag in Jena einen Dele⸗ gierten.“ Dieser Antrag wurde angenommen, Gen. Fauth wurde zum Delegierten bestimmt. Damit wurde die Versammlung gegen 7 Uhr geschlossen.
W. Ueber die Lage der Bergarbeiter im Lahn⸗Dill⸗Bergrevier. Reich an Naturschön⸗ heiten, mit welchen aber der Reichtum an Erzen kon⸗ kurrieren kann, ist das Wetzlarer Bergrevier. Rühmt man aber bei den hiesigen Bergarbeitern dieses sein herrliches Heimatland, so erhält man zur Antwort, was hilft ein die ganze Naturschönheit, komme ich nach beendigter Schicht nach Hause, so kann ich mich nicht an der Natur ergötzen, sondern ich muß schleunigst auf's Feld, um der Natur noch in schwerer Arbeit, schwerer noch dadurch, daß ich schon matt und abgehetzt von der Grubenarbeit, noch das Nötigste abzuringen zum Lebens⸗ unterhalt. Was helfen mir auch all die Erdschätze, was hilft mir das ganze Eisenerz, welches doch so reichhaltig bis über 50% im Durchschnitt an Eisen ist, wenn ich nicht einmal soviel verdiene, um mir einen neuen Pflug von diesem Metall anzuschaffen. Es ist auch wirklich nicht übertrieben, was diese Leute sagen. Diese Kameraden mit ihrem kleinen Besitztum an Acker oder Wiese, sind wirklich schlimmer daran, als der besitzlose Bergproletarier des Ruhrgebiets und anderer Reviere. Schmutzig, zwar nicht schwarz wie eln Mohr, aber rot wie ein Indianer, geht der Eisenerzbergmann nach Hause, Waschkannen mit ihren für Gesundheit und damit auch Kräftigung der Arbeiter so hoch nötigen Brausen kennt er nicht. Zu Hause angekommen, kann er sich nicht ausruhen, um frische Kräfte für die kommende Schicht zu sammeln, nein mit Hast wird die dürftige Mahlzeit eingenommen, um in Eile auf sein Stückchen Land zu kommen, wo er nicht etwa zum Vergnügen ein wenig arbeitet, nein, mit allen Kräften, die er noch besitzt— und es sind wahrlich nicht mehr viel— muß er sich bis zur sinkenden Nacht abschinden
Seine Seßhaftigkeit, sein kleines Besitztum, gereicht ihm zum Verderben, früher als andere Arbeiterklassen, ist sein Körper ruiniert, denn der Kapitalist benutzt diese Anhänglichkeit an die Scholle dazu, die schlechtesten Löhne auszuzahlen, er kennt die Liebe des Gatten zu seinem Heimatland. Wenn es ihm noch so schlecht geht, trösten sie sich mit dem Sprichwort„Dahem is Dahem“, und rücksichtslos beuten die Kapitalisten diese an die Scholle klebenden Arbeiter aus. Unterhält man sich hier mit einem Beamten über dieses elende Leben des Bergarbeiters, so heißt es doch, es werden ja hier noch ganz schöne Löhne verdient, ich habe Arbeiter, welche sechzig bis achtzig Mark verdienen. Leider haben aber nur wenige Kameraden das Glück, solch' riesige(9) Monatslöhne zu verdienen. Ich traf sehr viele Kameraden, welche monatlich mit 45, 40, auch 35 und noch weniger Mark nach Hause gehen. Was hilft diesen dann ihr kleines Eigentum oder Pachtland? Trotz des Ertrags ihrer kleinen Parzelle werden der Schulden immer mehr! Auch die Wetzlarer Knappschafts⸗ kasse läßt alles zu wünschen übrig. Mit Gicht und Rheumatismus behaftete Kameraden klagten mir, daß sie kaum mehr gehen könnten und doch sei ihnen anbe⸗ fohlen worden, wieder zu arbeiten. Es scheint diese ganze Kasse, nach ihren Ausgaben zu urtellen, eher eine Kasse für Doktor und Apotheker gegründet, als für die Bergleute zu sein. Versammlungslokale sind hier sehr schwierig zu bekommen, die Wirte haben Angst und wissen nicht weshalb. Erhält man hier glücklich ein Lokal, und hält der Wirt Stand, wie ich das Glück in Tiefenbach hatte, so stellen sich als die ersten im Saale sofort die besseren Herren ein, gefolgt von ihrem Anhang, Obersteiger usw. Auch die Ueberwachung läßt nichts zu wünschen übrig, es werden die größten Sicher⸗ heitsmaßregeln getroffen, damit dem Referenten nichts passieren kann. So hatte ich die Ehre in Tiefenbach mein Referat im Beisein eines berittenen Gendarmen, im Saale war er Gott sei Dank ohne Pferd, sowie dreier Polizisten, zu halten. Lust zum Diskutieren scheinen die Grubenbeamten hier nicht zu haben oder sehen sie selbst ein, daß die Zustände hier so schlecht sind, daß auch der beste Diskussionsredner sie nicht besser machen kann. Es kann ja auch sein, daß sie auf die 80 erschienenen Tiesenbacher Bergleute so Obacht geben mußten, daß sie keine Zeit hatten, ihre Brotherren und sich selbst zu verteidigen. Doch es geht vorwärts, alte Bergleute ermuntern ihre Söhne, dem Verbande beizu⸗ treten, dabei bedauernd, daß sie früher nicht selbst dem Verbande beitraten, um ihre Lage zu verbessern. Mö gen
die Ruhrbergleute sich dies eine Warnung sein lassen, nicht von dem Verbande zu lassen, auf daß er hier wie dort vorwärts schreite.
h. Mehrere Bergarbeiter⸗Ver⸗ sammlungen wurden in den letzten Tagen in verschtedenen Orten unserer Gegend ab— gehalten, so in Tiefenbach, Burgsolms, Obern⸗ dorf ꝛc. Als Redner trat das Vorstandsmit⸗ glied des Bergarbeiterverbandes Wißmann aus Bochum auf, dessen Ausführungen überall beifällig aufgenommen wurden. Wie not⸗ wendig es ist, daß sich endlich die Bergleute unseres Bezirks ein wenkg aufraffen, zeigt vor⸗ stehender Bericht über ihre Lage.
n. Versammlung in Gleiberg. Diesen Sonntag, den 6. August, findet nachmittags 3/ Uhr eine Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins, Filiale Krofdorf⸗Gleiberg, im Lokale von Feußner in Gleiberg statt. Hierzu ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig und es ist sehr wünschens⸗ wert, daß sie noch aus ihren Bekanntenkreisen für recht guten Besuch sorgen.
h. In Kempf's Steinbruch bei Burgsolms, wo dieser Tage der Stein- arbeiter Becker tötlich verunglückte, sind schon mehrere derartige Fälle vorgekommen. Danach zu urteilen schetnt's mit Beachtung der Sicher⸗ heitsvorschriften nicht besonders gut bestellt zu sein und eine behördliche Kontrolle wäre sehr empfehlenswert.
h. Die Typhusgefahr in Erda, welche man schon vor längerer Zeit beseitigt glaubte, tritt wieder in stärkerem Maße auf. Eine Anzahl Neuer⸗ krankungen sind in den letzten Tagen vorgekommen, mehrere Erkrankte mußten in die Klinik nach Gießen verbracht werden. Der Ort wird infolgedessen von allen Leuten gemieden. Auch in Herbornseelbach (Dill) sind etwa 40 Personen am Typhus erkrankt.— Ferner wird noch aus anderen Orten, z. B. aus Frücht bei Nassau, aus Herbsleben bei Gotha, das Auftreten einer Typhusepidemie gemeldet.
Aus dem Rreise Marburg-Nirchhain.
* Ein Arbeiter⸗Turnverein ist auch in Marburg in Gründung begriffen. Als sich im vorigen Jahre ein solcher in Ockershausen bildete, wirkte dies auch auf die Turnfreunde in der Marburger organisierten Arbeiterschaft anregend. Dort in Ockers⸗ hausen bestand seit Jahren ein Turnverein, der natürlich dem„Deutschen Turnerbunde“ angehörte, also auf „vaterländischem“, das heißt mit anderen Worten: ordnungsparteilichem, sozialisten⸗ und arbeiterfeindlichem Boden steht. Das waren eine Anzahl Turner endlich müde und gründeten einen Arbeiterturnverein. Natürlich hatte der sofort mit allen möglichen Chikanen zu kämpfen, in erster Linie mit Lokalschwierigkeiten. Doch er wußte sich zu helfen und zog nach Marburg in das Restaurant Hildmann und seine Mitglieder hielten Stand. Da nun auch in Marburger Arbeiterkreisen viele Turnfreunde sich befinden, so sei ihnen hiermit zum Anschluß an diesen Verein geraten. Damit kann der vielfach aus⸗ gesprochene Wunsch nach einem Arbeiterturnverein erfüllt werden. Auch die Genossen, die noch Mitglieder der „Turngemeinde“ nd und die ihre Mitgliedschaft bei dem„nationalen“ Vereine damit entschuldigten, daß kein Arbeitertuenverein vorhanden sei, haben jetzt Gelegen⸗ heit zu zeigen, daß sie wirkliche Turngenossen sind. Tretet also alle dem Arbeiterturnvereine bei! Die regel⸗ mäßigen Turnstunden finden jeden Dienstag und Don⸗ nerstag im Restaurant Hildemann, Barfüßerstraße, statt.
* Ueber den Sozialismus in Holland sprach am Samstag der Parteigenosse Ankersmit aus Amsterdam in der gut besuchten Versammlung des Wahlvereins. Aus seinen Ausführungen, für die ihm am Schlusse lebhafter Beifall dankte, sei folgendes hervorgehoben. Im Jahre 1878 begann der Sozialismus in Holland Wurzel zu fassen. Allerdings bestanden schon früher zwei bis drei Sektionen der J iternationalen Assoziation, denen jedoch wenig Arbeiter angehörten. 1878 trat ber protestantische Pfarrer Domela Nieu⸗ wenhuis auf, gründete kurz darauf das erst sozta⸗ listische Blatt„Recht für Alle“ und entfalt te darin, wie auch sonst in der Oeffentlichkeit eine lebhafte sozial⸗ demokratische Propaganda. Die Erfolge blieben nicht aus, Nieuwenhuis, ein vorzüglicher Agitator, dessen Aeußeres ihm schon das Ansehen eines„Messias“ gab, gewann großen, begeisterten Anhang. Man sprach da⸗ mals schon vom nahen„Tage der Befreiung“. Als der jedoch länger als man glaubte auf sich warten ließ, wurden die Genossen wieder mutlos und vernachlässigten die Bewegung. Doch setzte sie einige Jahre später wieder ein und war nun vom Anfang an rein sozialistisch. Man forderte das allgemeine Wahlrecht und wirkte da⸗ für in ganz Holland durch Versammlungen und öffent⸗ lichen Demonstrationen. Verfolgungen blieben auch nicht
aus; Nieuwenhuis wurde 1887 zu einem Jahre Ge⸗
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fangnis wegen Majestatsbeleidigung verurteilt. seiner Entlassung wurde er als erster Sozialdemokrat in die Kammer gewählt. Anfangs der neunziger Jahre geriet die Bewegung mehr ins anarchistische Fahrwasser mitsamt Nienwenhuis, der infolgedessen nicht wieder gewählt wurde. 1894 wurde nach Auflösung der alten wieder eine neue Partei, die jetzige sozialdemokratische, mit 300 Mitgliedern gegründet. Als im Jahre 1896 das allgemeine Wahlrecht eingeführt wurde, erhielt die Partei 13000 Stimmen. In 1900 stieg die Stimmen⸗ zahl bereits auf 39000 und bei der letzten Wahl auf 66000, obwohl bei dem Wahlrecht nur die Hälfte der Arbeiter wahlberechtigt sind. Von 100 Parlamentssesseln nimmt die Partei 7 ein. Eingeschriebene Parteimit⸗ glieder zählt man 7000, für das kleine Holland eine respektable Zahl. Aber auch die Gewerkschaften, welche früher von den Anarchisten geführt wurden, haben sich heute der sozialistischen Partei angeschlossen und die Gewerkschaftsbewegung selbst hat in Holland seit den letzten 5 Jahren bedeutenden Fortschritt zu verzeichnen. Der größte Verband ist der Diamantarbeiterverband mit 8000 Mitgliedern. Ihm folgen die Zimmerer mit 2500 usw. Selbst die Marinesoldaten sind zu 80%% organisiert, was man in Deutschland nicht für möglich halten würde. An sozialistischen Zeitschriften erscheinen in Holland 1 Tageblatt und 10 Wochenblätter; ferner verschiedene Monatsschriften.— Die Zusammen⸗ setzung der Partei ist in Holland jedoch anders wie in Deutschland. Holland hat eine große Zahl von Lehrern. Da deren Gehalt nicht höher ist wie der Lohn der Arbeiter, so kam es. daß die Lehrer sich früher um die Partei gekümmert haben wie die Arbeiter. Mit Recht sagt man daher in Holland, daß die Lehrer die Pioniere der Partei sind. Aber auch die evangelischen Pfarrer sind in Holland zumeist Sozialdemokraten. Daher kommt es, daß ganze Gemeinden sozialdemokratisch sind und die Pfarrer in der Kirche den Klassenkampf predigen. — Mit einem Gruße an die deutschen Arbeiter schloß Genosse Ankersmit seinen interessanten Vortrag und einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie. Seine Ausführungen wurden noch durch Genossen Michels
Nach
ergänzt.— Es wurden dann eine Anzahl neue Mit⸗ glieder, meist Ockershäuser, aufgenommen. Unter„Ver- schiedenes“ wurde das„Eingesandt“ des Genossen
Rösler zur Sprache gebracht und es waren alle Redner zu diesem Punkte, die Genossen Abel, Wolf und Härt⸗ ling, übereinstimmend der Meinung, daß Genosse Rösler durchaus keinen Grund zu seinen Auslassungen gehabt habe. Auch wurde nochmals von ihnen betont, daß Genosse Rösler unter allen Umständen seine Einwen⸗ dungen gegen den Vortrag des Genossen Michels sofort am Abend selbst hätte äußern müssen.
Ein ganz gefährlicher Arbeitgeber muß der frühere Bahn⸗Assistent und jetzige Kartoffel⸗ händler Bode sein. Er schlug aus geringfügigen Anlässen vorige Woche seinen Knecht Wilhelm Weigandt mit einer Axt dermaßen gegen den Kopf, daß der Verletzte längere Zeit bewußtlos liegen blieb. Anzeige ist bereits erstattet und hoffentlich bekommt der Schlag⸗ fertige eine gehörige Lektion, daß er fernerhin nicht mehr wie ein Hunne oder ein Wilder mit den Leuten umgeht.
Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Parteigenossen! Die von uns auf den 13. August einberufene Kreiskonferenz wird Umstände halber auf Sonntag, den 27. August verlegt.
Der Vorstand.
Versammlungskalender.
Samstag, den 5. August.
Gießen. Holzarbeiter. Abends ½7 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).— Metall⸗ arbeiter. Abends 8¼ Uhr Versammlung bet Orbig.
Lollar. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung bei Wirt Schupp. Zahlreich erscheinen!
Briefkasten.
d.⸗Wieseck. Wir halten eine nochmalige Rück⸗ sprache über die Angelegenheit für nötig. Wollen Sie deshalb im Laufe der Woche bei uns vorsprechen.— r.⸗Sinbg. Auf nächste Nummer zurückgestellt.— H. R.⸗Garbentch. Personen, welche sich nur vor⸗ übergehend in einem Orte aufhalten, z. B. sich bei einer befreundeten oder verwandten Familie zu Besuch befinden, brauchen polizeilich nicht angemeldet zu werden.— tt.⸗Haiger. Das fällt uns nicht ein. Es ist um jeden Federstrich und jeden Pfennig schade, der zur gerichtlichen Prozedur gegen einen solchen schmutzigen Burschen aufgewendet wird. Man gibt solchem Geschmeiß einen Tritt und damit basta.— Maurer L.⸗ Gleiberg. Wir werden die Angelegenheit in der nächsten Nummer besprechen.— Y.⸗Gßen. Die famose Müller'sche Fabrikordnung kommt schon noch dran.


