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Nr. 32.
Mitteldentsche Sountags⸗Zeitung.
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jähriger Dienstleistung, das bedeutet doch, daß diese Entlassung kaum eine andere Bedeutung hatte, als ein Erholungsurlaub. Die Anstellung als Reserveleutnant ist natürlich nur ein Ueber⸗ gang zur Neuanstellung als aktiver Leutnant, und der Uebergang vom Train zur Infanterie wird dann auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Durch die Zurückdatierung des Patents wird die Wirkung der Strafe vollends aufgehoben, und der Herr Leutnant kann mit ungeschwächten Kräften seine Soldatenerziehung wieder aufnehmen. Allerdings in Preußen, in Württemberg will man ihn nicht mehr. Was man dort verschmäht, nimmt Preußen mit offenen Armen auf. Und auf diese Weise will der Kriegsminister die Soldatenmißhand⸗ lungen ausrotten!
Weniger glücklich war der Sünder, von dem in der andern Mitteilung die Rede ist. Da wird berichtet:
Der Kaiser hat das Gnadengesuch des Lehrers Zern in Hirzweiler bei Neunkirchen abschlägig beschieden. Zern war unter eigen⸗ artigen Umständen wegen Majestätsbelei⸗ digung zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Leute, mit denen er sich verfeindet hatte, und die aus sehr unedlen Motiven han- delten, sich auch keineswegs besonderen Ansehens erfreuten, waren die Denunztanten des durch⸗ aus unbescholtenen Mannes. Die weit über⸗ wiegende Mehrzahl der Einwohner Hirzweilers hält Zern nach wie vor für unschuldig. Ein der Majestätsbeleidigung nur Verdächtigter wird aber schon als größerer Verbrecher angesehen als ein Soldatenschinder.
Deutische Streikjustiz.
Weiler mit einem Arbeitswilligen nicht singen wollte, so berichtet man am 28. Juli aus Halle, wurde der Arbeiter Hermann Saupe aus Baursdorf bei Schkeuditz vom Schöffengericht zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Arbeiter Butzkuß war bei der Firma Schäfer, wo gestreikt wurde, in Arbeit getreten. Saupe, der mit Butzkuß in einem Gesangverein war, verlangte mit mehreren Mitgliedern, daß Butzkuß ausgeschlossen werden solle, und rief eines Abends, als Butzkuß dennoch wieder zur Singstunde kam,„Pfui!“. Das Schkeuditzer Schöffengericht sagte, dieses Tun Saupes zeuge von„niedriger Gesinnung“, und das Hallesche Landgericht bestätigte das merk⸗ würdige Gefängnisurteil, obwohl Saupe bisher Unbestraft ist.
Der Arbeiter Wilhelm Zöllner von Schkeuditz hatte gelegentlich desselben Streiks dem Arbeitswilligen Dulke die wahrlich nicht ernst zu nehmenden Worte zugerufen:„Du Streikbrecher, ich fresse Dich mit allen Kal⸗ daunen.“ Diese Aeußerung brachte dem Manne in Schkeuditz wegen Beleidigung nicht weniger als— drei Monate Gefängnis ein. Dies war den Halleschen Richtern denn doch etwas zu bunt, und sie ermäßigten die Strafe auf sechs Wochen Gefängnis. Trotzdem die unerhörte Strafe für eine Redensart, die un⸗ gehobelt sein mag, aber die kein Mensch ernst nehmen wird und gewiß der Streikbrecher selber nicht. Betrachtet man dagegen die für Sol daten⸗ schinderei erkannten Strafen, so wird man die Wege der deutschen Gerechtigkeit für merkwürdig wunderbar erklären müssen.
Menschenfett für den Kapitalismus!
In Zeiten finsteren Aberglaubeus schrieb man dem Menschenfett wundersame Wirkungen zu. Manche schauervolle Untat ist auf diesen schrecklichen Irrwahn zurückzuführen. Aber auch im aufgeklärten 20. Jahrhundert glauben die Diener des Götzen Kapital des„Menschen⸗ fetts“ nicht entraten zu können, das ihnen helfen soll, schmutziges Gestein in gleißendes Gold zu wandeln. Die„Bergarbeiterzeitung“ bespricht in ihrer neulichen Nummer ausführlich die Ursacken des fürchterlichen Grubenun: glücks auf der„Borussia“, dessen Opfer immer noch nicht vollzählig zu Tage gefördert werden konnten und erinnert an den früheren Borussiaprozeß, in dem Genosse Hue zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden
»Eine Probe
war, weil die„Bergarbeiter-⸗Zeitung“ die Ur⸗ sachen der damaligen Wetter- und Kohlenstaub⸗ explosion besprach. Wie damals der Staats⸗ anwalt von frivolen Betrügereien auf Zeche Borussta gesprochen habe, so seien die selben Betrügereien auch bei der Untersuchungs⸗ kommisston passiert! Darn wird ein wahres Schreckensregiment auf Borussia ent⸗ hüllt. Ausdrücke des Betriebsführers, wie: „Ich sch.... auf Ihre Zeugen!“ und des Steigers Rost:„Ihr müßt den Kohlen⸗ berg mit Menschenfett schmieren, dann wird er weich!“ treibt jedem, der noch Mensch ist, das Blut zum Kopfe. Infolge der herrschenden Brutalität und des ausbeute⸗ rischen Raubbaues auf der„Borussia“ haben dort auf 100 Arbeiterplätzen 205 gewechselt; die Grube sei ein reiner Taubenschlag gewesen. Nach Aufzählung all' der Misstände wird die Hoffnung ausgesprochen, es möge abermals eine Anklage erhoben werden, um öffentlich aller Welt erzählen zu können, wie der deutsche Kapitalismus seine Räder mit Menschenfett schmiert und wilch' inniger Zusammenhang zwischen Gedingedrückerei, Schufterei, Entlassung und steigender Betriebsunsicherheit bis zur Katastrophe besteht. Ob die Beteiligten Lust zu einer neuen Klage haben werden?
Gegen die Wahl Barbecks
im Lgahlkreise Fürth⸗Erlangen haben unsere Parteigenossen, wie die„Fränk. Tagespost“ mitteilt, wiederum Protest eingelegt. Die Wahlmogeleien und Kassierungsgründe sind beim sozialdemokratischen Wahlkomitee so zahl⸗ reich eingelaufen, daß dieses beschloß, die Wahl Barbecks abermals anzufechten. Hatte beim letzten Protest der Reichstag nur zu entscheiden über die verwendete Stimmzettelgröße, so werden diesmal alle die unsauberen Manipulationen der bürgerlichen Parteien im Reichstage der Oeffentlichkeit preisgegeben werden.
Nussisch⸗japanischer Krieg.
Zu der in der Mandschurei erwarteten großen Schlacht ist es bis zur Stunde noch nicht ge⸗ kommen, doch wurde berichtet, daß die Japaner den Russen sehr nahe auf den Leib gerückt sind. General Lenewitsch schickt aber nach alter rus— sischer Gepflogenheit siegessichere Depeschen an den Zaren. Die Insel Sachalin haben die Japaner nun vollständig im Besitz. Sie sind sogar in der Castriesbucht, auf sibirischem also Rußlands eigenem Gebiete gelandet.
Soziales.
Kinderausbeutung im Junkerlande.
folgender, von der Landwirtschaftskammer der Provinz Ostpreußen einstimmig gefaßte Beschluß: 1. Die Heranziehung von Schulkindern zu leichteren land⸗ und haus wirtschaftlichen Arbeiten ist bei dem durch die Abwanderung entstandenen Arbeitermangel, unter welchem am meisten die bäuerlichen Besttzer und die ärmsten Gebiete der Provinz leiden, un ver⸗ meidlich. Die Lohnhöhe für Hüte⸗ kinder bietet Gewähr dafür, daß nur in den zwingendsten Fällen und nur so lange, als der Arbeitermangel die Wirtschaftsführung und Viehhaltung der Bauern gefährdet, Kinder zum Hütedienst herangezogen werden. 2. Gefahren für Gesundheit und Sittlichkeit sind nicht notwendig mit solcher Lohnbeschäftigung verbunden, vielmehr sind die leichteren Beschaf⸗ tigungen im Freien einer gesunden Entwicklung der Kinder förderlich. 3. Wo ausnahmsweise eine Ueberanspannung der kindlichen Arbeits- kraft durch zu schwere Arbeitsleistungen oder durch zu geringe Bemessung der Ruhepausen stattfindet, muß ihr entgegengetreten werden. 4. Bei der Unterkunft, die lohnarbeitenden Kindern gewährt wird, muß auf die Interessen ihrer sittlichen Entwicklung Rücksicht genommen werden; die Möglichkeit hierfür dürfte in der Regel vorhanden sein. e
Leider wird die Lohnhöhe nicht genannt; es wäre wirklich sehr interessant, zu erfahren,
ostelbischer Sozialpolitik liefert
wie viel Pfenagige im Durchschnitt ein Hütekind verdient. Von sehr weitherziger Auffassung zeugt die Behauptung, Gefahren für Gesundheit und Sittlichkeit seien nicht notwendig mit der Beschäftigung verbunden. Gewiß nicht; es kann ja vorkommen, daß die körperliche und moralische Konstitution eines Kindes so stark ist, daß sie sogar ostpreußische Zustände ohne Schaden erträgt; das beweist dann die Richtig⸗ keit der agrarischen Theorle.„In der Regel“ kann ja auck bei der Unterbringung der Kinder auf ihre sittliche Entwicklung Rücksicht genommen werden, und— wenn nicht, denn nicht!— So sorgen die deutschen Musterpatrioten für „Hebung“ deutscher Kultur.
Wer getötet wird, erleidet keinen Schaden! Ein Ehemann, dessen Frau bei einer Eisenbahnfahrt tötlich verunglückte, erhob, nach der„Welt am Montag“, Anspruch gegen den Eisenbahnfiskus, den er durch alle Instanzen verfocht. Schließlich wurde vom Reichs ⸗ gericht durch Urteil vom 24. Mai 1905 die Revision des Klägers zurückgewiesen. Der klassische Schlußsatz dieses Urteils lautet wörtlich: „Einen Schaden hat aber die Frau, da sie getötet worden, nicht erlitten; nur das Fahrgeld könnten ihre Erben auf Grund des ehelichen Güterrechts zurückfordern; einen solchen Anspruch haben aber die Kläger nicht erhoben.“
Danach ist zu hoffen, daß bei künftigen Eisenbahnunfällen stets ganze Arbeit gemacht wird, dann tut sich der Verkehrsfiskus leicht.
Landes-Konferenz der Sozialdemokraten Hessens
Samstag, 19., Sonntag, 20. Aug. 1905 in Alzey im Saalbau. Vorläufige Tages⸗Ordnung:
1. Geschäftsbericht des Landes⸗Komitees. 2. Rechnungsablage. 3. Der Parteitag in Jena und die Organisation der
Partei.
4. Tätigkeit des Landtags und die bevorstehenden Land—⸗ tags wahlen.
5. Einlaufende Anträge.
6. Wahl des Landes⸗Komitees.
7. Wahl des Ortes der nächsten Landes-Konferenz.
Partelgenossen! Wählt die Delegierten, damit die Landes⸗Konferenz zahlreich beschickt und die Wichtig⸗ keit der Tagesordnung erfordert die eingehendste Dis⸗ kussion derselben. Tretet unverzüglich in dieselbe ein! Etwaige Anträge sind an den Genossen Ulrich einzu⸗ senden.
Die Delegierten müssen mit einem Mandat versehen sein; die Formulare erhalten die Genossen ebenfalls durch den Genossen Ulrich.
Die Delegierten, welche auf Nachtquartier und Mitlagessen rechnen, sind dringend gebeten, dies dem Gevossen Jakob Korell spätestens bis zum 12. August mitzuteilen.
Das Landes⸗Komttee: C. Ulrich, J. Orb, Große Marktstraße 23. Friedrichstraße 24.
pon Mah und Lern.
Gießener Angelegenheiten.
— Sozieldemokratische Bilder⸗ stür mer sollen nach einer Schwindelnotiz der Ordnungspresse— selbstverständlich druckte auch der Gießener Anzeiger den Kohl nach— unsere Berliner Parteigenossen sein. Und zwar soll sich ihre Zerstörungswut gegen die Bilder des Genossen Vollmar richten.
„In einem Versammlungslokal in Berlin, so heißt es in der Schauermär, wo das Gruppenbild der sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten aushängt, haben empörte„Genossen“ das Gesicht des Abg. v. Vollmar mit Tinte vollständig unkenntlich ge⸗ macht und an einer anderen Stelle haben die Hände der Genossen dem Bilde desselben Abgeordneten einen Nagel durch die Stirn geschlagen.“
Schauderhafte Kerle, diese Berliner Sozial⸗ demokraten! Und warum diese Bildervernich⸗ tung? Weil— so verkündet die ordnungs⸗ blattliche Mär weiter— die bayrischen Genossen bei den Landtagswahlen das Zentrum unter⸗ stützt hätten! In Jena werde es darüber jeden⸗ falls zum Krach kommen. Na, das Amtsblatt


