Ausgabe 
5.3.1905
 
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Nr. 10.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

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prinzipienfeste Leute zu bekommen, denn daß bis zur

Wahl das neue Wahlgesetz in Kraft getreten ser und direkt gewählt werde, scheine ausgeschlossen. Arm brust⸗ Vilbel weist auf das wichtigste Kampfmittel, die Presse hin, es müsse tüchtig für Verbreitung derVolkzstimme gewirkt werden.(Auf dem Lande darf man auch die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung nicht vergessen! D. R.) Als Kandidat für den Wahlbezirk Vilbel wird Genosse Schreinermstr. Busold einstimmig ernannt.

* In der hessischen Landgemeindeordnung befindet sich die rückständige und die Besitzenden bevor⸗ zugende Bestimmung, daß mindestens die Hälfte der Gemeinderatsmitglieder dem höchstbesteuerten Drittteil der Einwohner angehören muß. Auch in dem Entwurf der neuen Landgemeindeordnung, der dem Landtage vorliegt, hat dieses Privileg der Reichen wieder Aufnahme gefunden. Auf Grund dieser Bestimmung hat der Kreis⸗ ausschuß die im November erfolgte Gemeinderatswahl in Rödgen bei Nauheim für un gültig erklärt, weil einer der neugewählten Gemeinderäte angeblich dem höchstbesteuerten Drittel nicht angehören soll. Das wird zwar bestritten, der Betreffende(A. Kreuter) soll viel⸗ mehr in den Wahllisten als Angehöriger des höchst be⸗ steuerten Drittteils aufgeführt sein aber auch wenn dies nicht der Fall wäre, muß das Unhaltbare dieser Gesetzvorschrift ohne Weiteres einleuchten. Denn es kann sehr wohl der Fall eintreten, daß sich in den Kreisen der Höchstbesteuerten gar nicht soviel zu Ge⸗ meindevertretern geeignete oder fähige Personen finden, oder es kann auch die Mehrheit der Gemeinde jene Höchstbesteuerten als Gemeindevertreter nicht haben wollen und dann bedeutet eine derartige Bestimmung ein schreiendes Unrecht.

g. Die Kaiserschleife. Dem Krlegervereine in Schwalheim sollte zu seinem 25 jährigen Bestehen eine Kaiserschleife verliehen werden. Die Sache hatte aber einen Haken. Vom Kreisamte Friedberg lief ein Schreiben ein, daß dem Kriegerverein 8 Sozis als Mitglieder angehörten und diese müßten vorher entfernt werden. Man scheint also gründliche Reinigung halten zu wollen. Merkwürdigerweise hat im Januar der Dorheimer Kriegerverein auch eine Schleife erhalten, obwohl dort auch freie Gewerkschaftler Mitglieder sind. Da mülssen nun entweder diese, oder die Schleife entfernt werden! Für unsere Freunde muß die Parole lauten: Heraus aus den Kriegervereinen!

Aus dem Odenwald.

n. Neu stadt i. O. Bei der Bürger⸗ meisterwahl stegte am Montag der Weiß⸗ bindermeister Koch mit 74 Stimmen in der Stichwahl gegen Bäckermeister Rodenhäuser. Der bisherige Bürgermeister kam nicht in Stichwahl.

Aus dem Rreise Wetzlar.

h. Ein Gewerkschaftskartell ist nun endlich auch in Wetzlar ins Leben getreten. Hoffentlich entfaltet es eine lebhafte Tätigkeit im Interesse der Arbeiter, die es natürlich energisch unterstützen müssen. Als Vor⸗ sitzender wurde A. Fauth bestimmt.

h. Kapitalistengewinne. Für die Buderus⸗ schen Eisenwerke brachte das vergangene Jahr wiederum ein sehr günstiges finanzielles Ergebnis. Nach dem kürzlich veröffentlichten Rechnungsabschluß beträgt der Brutto⸗Gewinn über Millionen Mark. An Abschreibungen und Zurückstellungen wurden über eine Million Mark eingestellt, so daß ein Reingewinn von 556658 Mk, verbleibt. Davon bekommt ber Auf⸗ sichtsrat 17699 Mk., 450000 Mk. werden als Divi⸗ dende verteilt, 20 000 Mk. als Belohnungen an Be⸗ amte ꝛc. verausgabt. Die Arbeiter, die doch diesen Riesengewinn erarbeiteten und von denen ein großer Teil mit 2 2,50 Mk. Tagelohn abgespeist wird, er⸗ halten nichts! Man beabsichtigt, das Eisenwerk Lollar zu erwerben und mit dem Wetzlarer Unter nehmen zu verschmelzen, wozu das Aktienkapital auf 10½ Millionen Mark erhöht werden soll.

h. Teure Futtermittel. Vom Lande läßt sich derWetzl. Anz. schreiben:Die Preise der Schweine sind in letzter Zeit bedeutend gestiegen und zwar sowohl was die Mastschweine als auch die Ferkel angeht... In Anbetracht der hochpreisigen Futterstoffe ist den Ver⸗ käufern der nun verhältnismäßig gute Verdienst sehr wohl zu gönnen. Schön. Die Leidtragenden sind aber die Arbeiter, die sich kaum noch einen Brocken Fleisch kaufen können. Uebrigens werden die Bauern, wenn erst die Handelsverträge in Kraft treten, noch ganz anderehochpreisige(ein hübsches Wort!) Futter⸗ mittel bekommen und dann denSegen der famosen Zollpolitik recht empfindlich spüren.

bh. Die Musterungen für Stadt und Bezirk Wetzlar werden dieses Jahr in der Zelt vom 7. bis 16, März imSchützengarten abgehalten. Für die Stadt Wetzlar am 7. und 8. März; an den fol⸗ genben Tagen der Reihenfolge nach für die Bürger⸗ meistereien: Aßlar(9.), Atzbach(10.), Braunfels(11.),

Greifenstein(13.), Hohensolms und Launsbach(14), Rechtenbach(15.), Schöffengrund 9 Die Militär- pflichtigen müssen um 9 Uhr erscheinen.

Westerwald und Unterlahn.

t. Wahlprotest. Gegen die Gültigkeit der Stadtverordnetenwahl in Haiger hatte unser Genosse Kaufmann Trott Einspruch er⸗ hoben, über den am 23. Febr. vor dem Kreis- ausschusse in Wiesbaden verhandelt wurde. Der Protest stützte sich auf eine Reihe formeller Verstöße. Es waren nicht nur Wähler zurück⸗ gewiesen worden, es war auch die Einteilung der Wählerklassen unrichtig vorgenommen worden. Der Kreisausschuß wies jedoch die Klage ab. Gegen diesen Entscheid wird Trott Revision einlegen. Der Stadtverordnete, um dessen Wahl es sich dabei handelt, ist Herr Weber, den die Christlich⸗Sozialen unterstützten. Das nattonall. Herborner Tageblatt will es nicht Wort haben, daß Weber Christlich⸗Sozialer sei. Allerdings, der Mann wurde mit natto⸗ nalliberaler Hilfe gewählt, was das Blatt sich jedenfalls schämt einzugestehen.

Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.

Ueber den Generalstreik sprach am Samstag der Genosse Habicht⸗Frankfurt in der Versammlung des Wahl vereins. Den uns darüber von unserem r.⸗Berichterstatter zugegangenen sehr ausführlichen Bericht können wir heute wegen Raummangels nicht zum Ab⸗ druck bringen. Wir werden uns übrigens dem⸗ nächst einmal eingehender mit der Frage des Generalstreiks befassen. Genosse Habicht will denselben als politisches Kampfmittel angewendet wissen; er führte in seinen sehr eingehenden und betfällig aufgenommenen Darlegungen aus, wie es möglich sei, damit politische Rechte zu er obern oder zu verhindern, daß der Arbeiterklasse Rechte genommen werden. Dem Vortrage folgte eine längere Diskussion. Die Ver⸗ sammlung beschloß noch, eine Schillerfeier ab⸗ zuhalten und am 18. März eine Parteiver⸗ sammlung.

Alte Ladenhüter setzt dieOberh. Ztg. wieder ihren Lesern vor, indem sie über diehohen Gehälter in der sozlaldemokratischen Partei und die reichen Sozialdemokraten lamentlert. Von den Ge⸗ hältern der konservativen Redakteure ist in dem Artikel keine Rede, neben diesen würden sich die sozialdemokra tischen Gehälter als recht winzig erweisen. Verglichen mit der Arbeitsleistung, welche die sozialdemokratischen Angestellten zu verrichten haben, sind die Gehälter der⸗ selben eher alles andere als zu hoch, während die Ar⸗ beitsleistung eines konservativen Kreisblatt-Redakteurs anch von einem angehenden Schneiderlehrling gemacht werden könnte. Uebrigens kann über die Bezahlung unserer Angestellten nur reden, wer dazu beisteuert. Das tun Reptil⸗Redakteure aber nicht, somit gehts sie nichts an. Umgekehrt sind aber Sozialdemokraten ge⸗ zwungen, zu den sehr sehr hohen Gehältern anderer Leute beizutragen.

Ein mildes Urteil fällte das hiesige Schöffen⸗ gericht in voriger Woche über vier Studenten. Dieselben hatten am 1. August v. J. morgens gegen 4 Uhr im Bahnhofsgebäude gelärmt, die Beamten beleidigt, tell⸗ weise mit Stöcken auf sie eingeschlagen und mußten mit Gewalt entfernt werden. Einer diesergebildeten Leute rief dem Beamten zu:Wenn ich den Hund fordern könnte, würde ich ihn fordern, aber da ich dies nicht kann, schleße ich ihn tot wie einen Hund! Das Urteil lautete für drei der Rowdys auf 30 Mk, und für einen auf 90 Mk. Geldstrafe. Man vergleiche da⸗ mit die Urteile, welche von deutschen Gerichten über ehrliche Arbeiter gefallt werden, welche Streilbrecher beleidigt haben sollen.

Unser Wahlkreis ist von jeher von den verschledensten Parteien als ein politisches Versuchs⸗ kaninchen angesehen worden. Die Antisemiten haben ihn als ersten durch Dr. Böckel gewonnen, verschledene Volksparteien haben hier ihr Glück mit weniger Er⸗ folg versucht, augenblicklich ist er als erster und einziger im Besitz der Nationalsozialen, und die Christlich⸗sozlalen richten auch schon verlangende Blicke darnach. Während jedoch früher zwischen den Wahlen absolute Ruhe herrschte, sind die Partelen jetzt eifrig bemüht, die Wähler für sich zu gewinnen. Der Bund der Landwirte hat in letzter Zeit eine Anzahl Versammlungen abgehalten, wobei er hauptsächlich den Kreis Frankenberg, das für den Bund günstigste Feld, bearbeitet, die Christlich⸗ sozialen hielten einige Versammlungen ab und auch Herr v. Gerlach tut dasselbe und verbreitet seine Reichstags⸗ reden. Die Antisemiten wollen trotz ihrer glänzenden

Niederlage bei der letzten Wahl auch sich wieder um das Mandat bemühen und wird gerüchtwelse schon ihr Kan⸗ didat genannt. Unsern Genossen sollte diese rege Tätig- keit der verschledenen Parteien ein Ausporn sein, auch ihrerseits eine kräftige Agltation zu entfalten. Zwar stehen uns Versammlungslokale fast nicht zur Verfügung und auch mit Rednern sind wir nicht stark gesegnet, desto mehr muß daher die mündliche Agitation der ein⸗ zelnen Genossen betrieben werden, wozu die jetzt wieder begonnene Arbeitssaison genügend Gelegenheit bietet. Vor allem aber muß in der Verbreitung der Partei⸗ presse, derMitteldeutschen Sonntags⸗Zeitung, viel mehr geschehen. Jeder Partelgenosse sollte es sich zur Aufgabe machen, immer mehr neue Abonnenten für die M. S.⸗3 zu gewinnen. Die gelesenen Exemplare werfe man nicht fort, oder gebrauche sie zum Frühstück einwickeln, sondern gebe sie den Arbeitsgenossen zu lesen, nicht einmal, sondern oft, bis ein neuer Abonnent ge⸗ wonnen ist. Auch hei den bald wieder zu unterneh⸗ menden Sonntagsausflügen sollte sich jeder mit Agita⸗ tionsschriften versehen, denn es bietet sich öfter Gelegen- heit, solche passend anzubringen. Wenn wir auf solche Weise die Zeit bis zur nächsten Wahl durch unablässige Agitation auszunutzen verstehen, dann werden wir auch wieder einen guten Erfolg erzielen und die voraussicht⸗ liche Katzbalgerel der bürgerlichen Parteien kann uns dann nur von Vorteil sein. Eingesandt.

Eine Anzahl Wähler des Stadtverordneten Engel fragen ihn hiermit an, ob er nicht gewillt ist, in der Stadtvertretung den Antrag auf Bewilligung einer Summe von etwa 5000 Mk. für Uunterstützung der Opfer des Bergarbeiter⸗ kampfes im Ruhrrevier zu stellen. Die Wähler glauben umsomehr in Herrn Engel den rechten Mann dazu zu sehen, da er vor der Wahl ja versprach, für soziale Dinge etwas übrig zu haben. Er würde sich durch die Stellung des Antrages ein Verdieust erwerben und die e e Marburgs würde hinter ihm

ehen.

Partei-Machriichten.

Wahlkreis Gießen⸗ Grünberg. Diejenigen Orte unseres Wahlkreises, welche zur Malfeier Referenten durch den Kreiswahlvereinsvorstand vermittelt wünschen, wollen ihre diesbezüglichen Gesuche bis 18. März bet dem Unterzeichneten anbringen.

Der Vorstand: Gg. Beckmann,

Gießen, Grünbergerstraße 44.

Wahlkreis Dillenburg⸗ Herborn. Der

Kreis⸗Wahlberein hat sich nunmehr konstitutert.

Anmeldungen wolle man an L. Trott in Hatger

gelangen lassen. Der Monatsbeitrag beträgt 20 Pfg.

Die Genossen aus dem Amt Selters wollen sich eben-

falls wegen Aufnahme in die Organisatlon an diese

Adresse wenden, worauf ihnen das Mitgliedsbuch sofort zugesandt ird.

Versammlungskalender.

Samstag, den 4. März. Wahlverein. Abends 8sæ Uhr Ver⸗ bei Wirt Müller. Mitgliedsbücher

Schotten. sammlung mitbringen!

Sonntag, den 5. März.

Lollar. Wahlverein. Nachmittags ½4 Uhr Versammlung bei Fr. Schupp. T.⸗O.: 1. Ab⸗ rechnung; 2. Vorstandswohl. Zahlreich erscheinen!

Für die streikenden Bergarbeiter

gingen folgende Beträge ein:

Bei der Expedition der Mitteld. SonntagsZeitung: Bezirks⸗Verein Gießen(Buchdrucker) Mk. 50,(2. R.),

Bei dem Gewerkschaftskartell: Liste 48, Mk. 2,30; Lollar, L. 81, 21,35; Alten⸗Buseck, L. 49, 50, 51 (2. Rate) 16,75; L. 64, 3.50; L. 35, 1,90; L. 4, 1,;. 59, 10,05; L. 87, 5,90; 8 78, 1169 L. 1, 4,.; Trohe, L. 65, 14,50, L. 71, 5,90; Genosse Krumm 10,; Heuchelheim, L. 43, 4, und Abendunterhaltung 15,70; Rödgen, L. 67. 7,95; Wahl- verein 5,.; V. 1,..

Bei A. Fauth in Wetzlar; Liste 0780, Mk.,50; L. 0786, 18,25(W.⸗Gleiberg); L. 0781, 2,(D.) L. 1615, 2,(G,); L. 0777, 5,30(Dr.).

Bel L. Trott⸗Haiger(5. nass. Wahlkreis): Liste 29, Emmerichenhain Mk. 7,15; L. 26, Dillenburg 4,20, Erbitte sämtliche Listen retour. L. Trott.

Briefkasten.

Marburg. Ihre Angaben sind zu unvollständig. Außerdem wandert jede vom Einsender nicht unter⸗ zeichnete Zuschrift in den Papierkorb!

Mehrere Einsendungen mußten zurückgestellt werden.