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Nr. 10.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 3.
lich set. Diese Kundgebung ist um so beachtens⸗ werter, als sich ihr alle süddeutschen Kammern ohne weiteres angeschlossen haben. Infolge⸗ dessen sind jetzt die meisten von den 71 deutschen Kammern Gegner des Befähigungsnachweises. Uebrigens haben sich schon früher Handwerker und Handwerker⸗Vertretungen in gleichem Sinne ausgesprochen, wir erinnern nur an den früheren Reichstags abgeordneten und Innungsmeister Jakobskötter in Erfurt. Den„Rettern des Handwerks“ ist es natürlich unangenehm, daß sie jetzt, nachdem sie seit Jahrzehnten mit dem Befähigungsnachweis krebsen gegangen sind, von den berufenen Vertretern des Handwerks erfahren müssen, daß die zu Rettenden selbst auf das Rettungsmittel pfeifen. Bei dem An⸗ tisemitenhäuptling Hirschel sind daher jene Handwerkskammern schwer in Ungnade gefallen.
Sauberer antisemitischer Stadtvater.
Eine schmutzige Geschichte wird von dem Stadtverordneten Claußen in Dresden bekannt. Dieser brave Antisemiterich und Sozialistenfresser hat versucht, sein Stadtver⸗ ordnetenmandat zu persönlichen Vorteilen aus⸗ zubeuten. Es wird ihm in bestimmtester Weise nachgesagt, er habe sich gegenüber dem Eigen⸗ tümer eines Grundstücks dazu erboten, gegen eine bestimmte Entschädigung im Stadtverord⸗ neten⸗Kollegium dahin zu wirken, daß sein Bauplatz von der Stadt zur Errichtung eines städtischen Gebäudes gekauft werde. Später scheint dem Herrn aber der vereinbarte Gewinn nicht hoch genug erschienen zu sein, denn er hat dem Grundstücksbesitzer erklärt, es kämen noch mehr Stadtverordnete in be⸗ tracht, die ebenfalls Anteil haben wollten. Auf diese Weise versuchte er eine dreifach höhere Summe, als vereinbart war, zu ergaunern. Die Sache scheint aber schließlich schief gegangen zu sein. Denn der Antisemitenhäuptling Claußen hat sich erhängt. Er soll sich auch in finan⸗ ziellen Schwierigkeiten befunden haben, aus denen der schmutzige Vermittlergewinn ihn be⸗ freien sollte. Als die Sache fehl schlug, griff er nach dem Strick. Am Grabe Claußens hat der antisemitische Stadtverordneten⸗Vizevorsteher Dr. Häckel noch das„uneigennützige Wirken“ seines toten Gesinnungsgenossen gerühmt.— Natürlich versuchte die Mehrheit der Dresdener Stadtväter, die Machenschaften ihres Kollegen nach Möglichkeit zu vertuschen, ste wurde aber trotzdem bekannt. Der Vorsitzende der Stadt⸗ verordneten— das ist auch bezeichnend— widmete dem Toten an demselben Tage einen ehrenden Nachruf, an dem eine ihn(den Claußen) schwer kompromittierende Untersuchung abgeschlossen war!
Die Revolution in Rußland.
Alle Nachrichten aus Rußland lassen er⸗ kennen, daß die Lage fortgesetzt sehr er nst ist. Auf vielen Eisenbahnstrecken ruhte der Betrieb vollständig, verschiedene Städte sind von jeder Verbindung abgeschnitten. Georgien(Süd⸗ rußland) hat tatsächlich seine Unabhängig⸗ keit erklärt. In Armenien sind die Unruhen allgemein. Kurz, das gewaltige Reich erbebt unter revolutionären Erschütterungen.— Der Dichter Maxim Gorki ist gegen eine Kaution von 10000 Rubel freigelassen und ihm Riga als Aufenthaltsort angewiesen worden.
Die italienischen Eisenbahner
führen gegenwärtig einen nachdrücklichen Kampf um ihr Koalitionsrecht, wobei sie ein neues und eigenartiges Kampfmittel, das der „Obstruktion“ anwenden. Das heißt, ste führen Dienst so genau und peinlich nach den Vor⸗ schriften aus, daß dabei großer Zeitverlust ent⸗ steht und nur ein kleiner Teil der fahrplan; mäßigen Züge befördert wird. Das Mittel er⸗ weist sich fast als wirksamer, als Streik. Der Staat will nämlich die großen Eisenbahnlinien, die sich zurzeit in den Händen von Privatge⸗ sellschaften befinden, in eigne Regie übernehmen. Dabei will die Regierung gleichzeitig einen Schlag gegen die Eisenbahner führen. Die paar Zugeständnisse, welche die Regierung den Eisen⸗ Hahnern macht, sollen diese erkaufen mit der
Preisgabe ihrer Selbstandigkeit, die Regierung will nichts Geringeres als den Anugestellten das Koalitionsrecht oder doch das Recht zum Streiken entziehen. Das ist die Ursache dieses Kampfes.
Kleiue politische Nachrichten.
Die Wahl unseres Genossen Bock in Gotha zum Landtagsabgeordneten war wegen formaler Verstöße für ungültig erklärt worden. Am Donnerstag voriger Woche wurde Bock jedoch mit großer Mehrheit wieder⸗ gewählt.
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Russisch⸗japanischer Kriog.
Vom Kriegsschauplatze am Schaho kamen in den letzten Tagen Nachrichten, welche das Vorrücken der Japaner auf Mukden meldeten. Nach einer heftigen Schlacht, die drei Tage dauerte, wären die Russen zur Auf⸗ gabe Mukdens und zum Rückzuge auf Tien ling gezwungen worden. Dem General Kurokt scheint es gelungen zu sein, den linken russischen Flügel zu umgehen und einzuschließen.
Der Simplon⸗Tunnel.
Am Freitag früh, 7 Uhr 20 Minuten, erfolgte der Durchschlag des Simplon-Tunnels. Dieser Zeitpunkt bedeutet einen wichtigen Mo⸗ ment in der Geschichte der Kultur; dieses riesen⸗ hafte Bauwerk dürfte nun in wenigen Monaten vollendet sein und Zeugnis ablegen von der gewaltigen Leistungsfähigkeit des menschlichen Geistes und der menschlichen Arbeit. Ungeheuer waren die Hindernisse und Schwierigkeiten, die sich dem Werke immer wieder in den Weg stellten. Das Hervorbrechen starker heißer Quellen verhinderte oft die Fortsetzung der Arbeiten und furchtbar waren die Leiden, welche den Arbeitern durch die heiße Luft bereitet wurde.
Das Projekt eines Simplon⸗Durchstichs bestand schon vor einem halben Jahrhundert. Im Jahre 1854 hatte schon eine französische Gesellschaft die Konzession erworben, aber keinen Gebrauch davon gemacht. Später wurde das Projekt zu wiederholten Malen aufgenommen und auch dafür Konzessionen erworben, ohne daß etwas geschehen wäre. Die französische Regierung nahm die Angelegenheit im Jahre 1873 ebenfalls auf, ihre diesbezügliche Vorlage jedoch, die 48 Millionen Franken forderte, kam nicht zur Verabschiedung.
Die späteren Verhandlungen wurden also nur zwischen der Schweiz und Italien geführt und nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten zu einem erfolgreichen Abschlusse gebracht, wo⸗ bei freilich alle Vorteile auf Seite Italiens waren und sind. Entgegen der ursprünglichen Absicht der Schweiz, einen Simplontunnel von 16070 Meter Länge zu erstellen, wovon nur 240 Meter auf italienisches Gebiet entfallen sollten, gelangte das nun durchgeführte Tunnel⸗ projekt zur Annahme, wonach der Tunnel eine Länge von 19730 Meter erhielt, wovon 9100 Meter auf schweizerisches und 10620 Meter auf italienisches Gebiet entfallen.
Die Kosten dieses definitiven Projektes inklustve der Zufahrtslinien auf beiden Seiten wurden auf 70 Millionen Franken veranschlagt und davon sollten die Schweiz 20, Italien 15 Millionen Franken Subventionen zahlen. Ge⸗ leistet wurden von der Schweiz 16260000 Frks., wovon 4½ Mill. vom Bund und 11 760 000 Frks. von den welschen Kantonen und Städten. Der italienische Staat aber leistete gar nich s, hin⸗ gegen übernahmen die zunächst interessterten Landesteile und Städte(Mailand und Genua) eine Beitragsleistung von 4 Mill. Franken. Die italienische Regierung verpflichtete sich nur, was doch selbstverständlich war, für die Er⸗ stellung der Anschlußlinien auf ihrem Gebiete zu sorgen, ferner eine Jahres⸗Subvention von 7 5 Frks. an die Simplongesellschaft zu leisten.
Die Ausführung der Bauarbeiten übernahm ein unter dem Namen„Simplonunternehmung“ gebildetes Konsortiu m, das aus den Fimen Brandt, Brandau u. Cie., Bauunternehrmung
in Hamburg, Locher u. Cie. in Zürich, Gebr. Sulzer, Maschinenfabrik in Winterthur und der Bank in Winterthur gebildet wurde. Das Konsortium übernahm den Tunnelbau für die Summe von 69½½ Millionen Franken und wurde der bezügliche Vertrag am 13. April 1898 abgeschlossen und mit dem 13. August 1898 in Kraft erklärt. Ein Vierteljahr später, am 13. November 1898, wurden die Arbeiten auf der Nordseite, einige Wochen später auch auf der Südseite begonnen. Die Bauzeit war auf 5 Jahre festgesetzt, die Tunnelanlage sollte am 13. Mai 1904 fertiggestellt sein. Der Bau hat also über ein Jahr länger gedauert, als vereinbart wurde.
Mit seinen rund 20 Kilometern ist der Simplontunnel der längste Tunnel der Erde. Der Gotthardtunnel hat eine Länge von 14920 Metern. Der Mont Cenistunnel von 12240, der Arlbergtunnel von 10270, der Bergallo⸗ tunnel von 7972 Metern. Der Simplontunnel übertrifft also den bisher längsten Gotthard⸗ tunnel um fünf Kilometer. Jedoch ist die längste unterirdische Straße der Erde noch immer der Ernst August⸗Stollen im Oberharz mit seinen über 27 Kilometern. Der neue Tunnel beginnt bei Brieg auf der Schweizerseite und endigt bei Isella auf italienischer Seite. Der Anfang liegt in einer Meereshöhe von 686 Metern. Mit einer Steigung von 2 Metern pro Kilometer steigt der Tunnel bis zur Höhe von 704 Metern an, geht dann auf einer Strecke von 500 Metern horizontal und sinkt hierauf mit 7 Metern pro Kilometer langsam nach dem südlichen Ausgang hinab, der in einer Meereshöhe von 634 Metern liegt. Zwi⸗ schen den beiden Ausgangspunkten besteht also ein Höhenunterschied von 52 Metern.
Der Simplontunnel ist ein sogenannter Baststunnel, d. h. er ist im Gegensatz zu anderen, durch hohe Berge führenden, Tunnels in einem verhältnismäßig tiefen Teile des Berges gebohrt, 3518 Meter unter dem Gipfel des Mont Leone. Diese geringe Steigung hat zur Folge eine Verbilligung der Betriebskosten. Da die Bahn⸗ züge nicht so hoch geschleppt werden müssen, wie z. B. zum Gotthardtunnel, der 1145 Meter hoch liegt.(Monte Cenistunnel 1269, Arlberg⸗ tunnel 1394 Meter.) Anderseits verursachte allerdings die tiefe Lage des Simplontunnels seine bedeutendere Länge, die das Bauwerk kostspieliger machte.
Es ist der Durchschlag des Simplontunnels ein neuer großer Sieg des menschlichen Geistes und der menschlichen Arbeit, ein neuer großer Fortschritt der Kultur— aber er fällt gerade in eine Zeit, da durch die neuen Handels⸗ verträge neue und höhere Zollschranken aufgerichtet werden. Der Wahnsinn des Kapi⸗ talismus, der seiner eigenen Werke spottet. Aber dennoch ist das große Werk nicht umsonst getan, es ist eine wertvolle Vorarbeit für eine spätere und bessere Zeit, für Völkerverbrüderung und Völkerverbindung!
Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.
Lohnkämpfe. Der Streik bei der Firma Winkler und Co., Segeltuchweberei in Kassel, hat nach stiebenwöchiger Dauer mit einem Siege der Arbeiter geendet. Die Firma hat sich ver⸗ pflichtet, den in Kassel in der Textil⸗Industrie übl ichen Lohntarif mit einigen Verbesserungen zu zahlen. Ferner soll bei vorkommenden Streitigkeiten zwischen der Firma und den Arbeitern das Gewerbegericht als Einigungsamt angerufen werden. Dieser Ausgang bedeutet einen Erfolg der Organtsation.— Die Schreiner in Kassel haben mit den Unternehmern einen neuen bis zum 31. Dezember 1907 gültigen Vertrag abgeschlossen, der ihnen eine größere Zahl von Vorteilen gegen den bisherigen Tarif bringt. Danach soll vom 1. April 1905 die Arbeitszeit wöchentlich 55 Stunden und vom 1. April 1906 54 Stunden bei entsprech⸗ endem Lohnaufschlag betragen.— Vor zwei Jahren sträubten sich bekanntlich die Kasseler Tischlermeister mit aller Macht gegen den Abschluß des jetzt abgelaufenen Vertrages.


