Ausgabe 
4.6.1905
 
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Nr. 22.

Mittel dentsche Sonutags⸗Zeitung.

Seite 5.

Städten handele es sich nur um die Zur ü c⸗ weisung derGießener Streikarbeit. Was speziell Nürnberg betreffe, so sei allgemein bekannt, daß die Arbeiter bereits vor acht Tagen die Arbeit aufnehmen wollten, von den Arbeitgebern aber zurückgewiesen wurden. Die unberechtigten, tief einschneidenden Forderungen der Arbeiterführer würden am besten dadurch illustriert, daßin Leipzig die Löhne bis zu fünf Mark pro Stück niedriger sind, als sie der Arbeitgeberverbandtarif in München aufweist. Aehnlich sei es in Gießen. Wie uns mit⸗ geteilt wird, werden die Schneider dem⸗ nächst eine öffentliche Versammlung abhalten, um dem Publikum einen ungetrübten Einblick in die derzeitigen Verhältutsse zu gestatten.

Antisemitische Schmutzereien über die Gießener Schneider. Das Friedberger antisemitisch⸗ bauernbündlerische Blättchen läßt sich angeblich aus Klein⸗Linden Folgendes über den Schneider⸗ Streik schreiben:

Im benachbarten Gießen haben die Schneider⸗ gesellen seit fast 10 Wochen die Arbeit eingestellt. Sie faulenzen und lungern täglich auf der Straße und am Bahnhof herum. Wie ein gesunder Mensch überhaupt 10 volle Wochen ohne jede Be⸗ schäftigung zubringen kann, ist schon an sich ein Rätsel. Wenn man aber noch seine Familie dabei hungern läßt und in Not bringt, so ist das eine Schande und eine Sünde. Die Gesellen sind lauter Sozialdemokraten, sie wollten ihren Meistern einmal weisen, daß, wenn die Gehülfen es wollten, die Meister nach ihrer Pfeife tanzen müßten, sie wollten auf ihren Budiken die Herren sein. Jetzt aber, nachdem sie ihre Ersparnisse verzehrt haben, Not und Unglück über ihre Familien gebracht haben, müssen sie zu Kreuze kriechen, jetzt haben sie Zeit, darüber nachzudenken, wohin sie sich durch die sozlaldemokratischen Hetzer und Schürer haben treiben lassen, wie verblendet sie waren. Jetzt können sie sich beim Herrn Krumm und den anderen Führern bedanken und wenn ihre Familien der Stadt zur Last fallen sollten, dann schickt sie hoffentlich die Stadt zum Herrn Orbig und den anderen Genossen. Die Schneidergesellen klagen über schlechte Löhne allein sie mögen ein⸗ mal ehrlich bekennen. wieviel Geld ihnen im Jahr durch Blaumachen an jedem Mon⸗ tag durch ihr eigenes Verschulden ver⸗ loren gegangen ist. Wenn 50 Gesellen jeden Montag blau machen, so entgeht ihnen gering ge⸗ rechnet einschließlich dessen was sie verwichsen, 200 Mark, das macht im Jahr 10 000 Mark. Jetzt haben sie durch den Streik noch mehr wie 10 000 Mark verloren und dabei glauben die Leute noch, das Publikum stände auf ihre Seite. Nur so weiter!

Wir haben es für angebracht gehalten, diesen ge⸗ meinen Anwurf des Hirschelblattes vollständig und wörtlich abzudrucken, unter Hervorhebung der einzelnen Kraftstellen. Einmal, um den kämpfenden Schneidern einige vergnügte Minuten zu bereiten, dann aber auch, um ihnen und der übrigen Arbeiterschaft zu zeigen, wie niederträchtig diese Bande der Junkertrabanten gegen die Arbeiter hetzt. Vielleicht wollte die antisemitische Kreatur mit dieser Sudelei die Sympathie der Arbeiter für die immerwährende, von Hirschel und Konsorten be⸗ triebene Preissteigerung der Lebensmittel und landwirtschaftlichen Produkte gewinnen! Im Allgemeinen macht's ja gar nichts aus, was der blödsinnig zusammengekleisterte antisemitische Wisch seinen paar Lesern verkohlt.(Wenn es nämlich die von ihm früher ganz richtig als Bauernfänger bezeichneten Junkerbündler nicht mit ihren Geldmitteln aushielten, hätte es längst der Teufel geholt). Aber die Arbeiter sehen doch die unglaublich niedrige Gesinnung dieser Burschen, bisher gab es immer noch Arbeiter, die diese traurige Gesellschaft noch etwas höher einschätzten. Für die Schneider bedeutet allerdings der Streit eine ihnen sehr notwendige körperliche Erholung, sie haben durch⸗ schnittlich 152 0 Prozent ihres vorheriben Körper⸗ gewichts zugenommen. Trotzdem wiegen sie höch⸗ stens den dritten Teil dessen, was vollgefressene Manschettenbauern und agrarische Agitatoren wiegen! Belustigend ist es schließlich zu sehen, daß das Antisemitenblatt für die Interessen teilweise jüdischer Geschäfte eintritt, denn gerade die Inhaber dieser waren die Hauptscharf acher. Vielleicht hat gar einer davon obigen Erguß geschrieben!

Der Frankfurter Konsumverein hat sich in den letzten Jahren ausgezeichnet entwickelt, trotz der bedeutenden Konkurrenz, die ihm dort die großen und leistungsfähigen

Geschäfte machen. Am Sonntag wurde das an der Mainzer Landstraße neuerbaute Lager; haus und die Bäckerei des Vereins einge⸗

weiht. Architekt Tutmann, der den Bau ent⸗ worfen und ausgeführt hat, gab ein anschau⸗ liches Bild vor den aus Nah und Fern herbei⸗ geeilten Vertretern der Gewerkschaften und Genossenschaften über die schnelle Art des Ent⸗ stehens des Baues mit seinen mustergültigen Einrichtungen. Stadtverordneter Dr. Quarck sprach die Hoffnung aus, daß, wenn auch die Genossenschaft nicht den Segen von oben habe, dafür aber sicher die Gewähr vorhanden sei, daß sie wachse und gedeihe. Professor Dr. Staudinger aus Darmstadt sprach in groß⸗ zügiger Weise über das Wesen der Konsum⸗ gesellschaft und wünscht dem Unternehmen viel Glück zum weiteren Gedeihen. Es sprachen noch der Vorsitzende des Frankfurter Gewerk⸗ schaftskartells, sowie ein Vertreter des Lager⸗ halterverbandes im Sinne der ersten Redner. Die Besichtigung der in jeder Hinsicht muster⸗ gültigen Räumlichkeiten und Einrichtungen wurde sodann in eingehender Weise vorgenommen. Arbeiter und Genossen aus unserm Verbreitungs⸗ gebiete, die sich dafür interessteren, sollten nicht verfehlen, sich den Bau anzusehen, wenn sie gelegentlich nach Frankfurt kommen. Man fährt in wenigen Minuten mit der elektrischen Bahn vom Bahnhof aus bis zur Galluswarte, in deren Nähe sich der Bau befindet.

Die Schiller⸗Ausstellung der Universitäts⸗Bibliothek wird, um vielfach ge⸗ äußerten Wünschen nachzukommen, noch bis zum 9. Juni unentgeltlich geöffnet bleiben und zwar an den Sonntagen von 111 Uhr, am Dienstag und Freitag von 1112 Uhr.

Zwei Einbrüche wurden in der Sonntag Nacht verübt und zwar in das am Seltersweg gelegene Bureau derJustitia, wo den Dieben allerdings nur 3 Mk. Baargeld in die Hände fielen. Das zweite Mal handelte es sich um einen Einbruchsversuch in ein hiesiges Geschäftshaus. der Arbeit gestört und nahmen Reißaus.

Aus dem Rreise gießen.

Unser Kreis fest findet bekanntlich am Sonn⸗ tag, den 25. Juni, in Staufenberg statt. Wir machen nochmals darauf aufmerksam und ersuchen die befreundeten Vereine im Bezirke, an diesem Tage von eigenen Veranstaltungen abzusehen und für zahlreiche Beteiligung am Kreisfeste zu sorgen.

Aus dem Nreise Wetzlar.

h. Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Wetzlar hält seine Mitglieder⸗Versammlungen jeden zweiten und vierten Samstag im Monat im Lokale Kyrmse,Zur Glocke, ab. Der Verein hat sich bis⸗ her in recht erfreulicher Weise entwickelt. Seine Mit⸗ gliederzahl beträgt bereits über Hundert. Wie bereits früher erwähnt, wird demnächst für Glei erg und Krof⸗ dorf eine Filiale des Vereins errichtet, die voraussichtlich sehr bald über eine ansehnliche Mitgliederzahl verfügen wird.

X. Maurerstreik. Der lange Zeit vorbereitete Maurerstreik ist gestern zur Tatsache geworden. Die Maurer, welche seither einen Stundenlohn von durch⸗ schnittlich 32 ½ Pfg., hatten, überreichten den Unter⸗ nehmern schon vor 2 Monaten Forderungen, wo als Stundenlohn 40 Pfg. gefordert wurde. Die Herren Arbeitgeber fanden es nicht der Mühe wert, auf diese Eingabe etwas zu erwidern, erst auf wiederholtes schrift⸗ liches Vorstelligwerden erklärten sie, als Mitglieder des Arbeitgeberverbandes, auf die Forderungen der Maurer nicht eingehen zu können. Daraufhin traten am Mon⸗ tag 160 Maurer in den Ausstand. Dienstag fanden bereits Verhandlungen zwischen der Streikleitung und den Unternehmern statt. Da letztere jedoch erklärten, erst nach Wiederaufnahme der Arbeit in eine Prüfung der Forderungen eintreten zu können, sah sich die Steeik⸗ leitung genötigt, die Verhandlungen abzubrechen.

Westerwald und Anterlahn.

I Herborn. Siegfried Ellegard Leisner ist, während er fern von Madrid, auf dem natl. Maskenball in Dresden war, aus der Redaktion des Herborner Tageblattes gegangen worden pardon laut freund⸗ schaftlicher Vereinbarung von der Redaktion entbunden worden. Armer Siegfried! Vor Not schützt ihn ja sein Kontrakt, aber in demEwigen Lehm ist er mit seinem vielen Anhängsel gestolpert, DerTotengräber, der gerade wie Majestät sprechen wollte, frißt also, um mit den Herbornern zu sprechen, in H. keinen Sack Salz. Es ist eine alte Wahrheit, wenn die akademischen Pro⸗ letarier auf einen Esel kommen, hängt man ihnen einen

Die Diebe wurden jedoch bei

Maulkorb um, damit ihre Dummheit nicht verraten wird. Der christlich⸗soziale Gänserich hat auch seine Wahrheitsliebe und Mannhaftigkeit bewiesen, als er in seiner Dienstagsnummer zum sechsten Male Abbitte tun und zurücknehmen muß, sogar herzlich dankt, daß man ihn widerrufen läßt.

h. In Odersbach bei Weilburg, dem kleinen Arbeiterorte, hatten unsere Genossen ebenfalls eine Schillerfeier arrangiert. Allerdings war sie nicht so glanzvoll, wie diejenige mancher Städte, aber mindestens so würdig, wie die des Weilburger vornehmen Bürger⸗ tums, das Schillers Todestag am Kriegerdenkmal feierte! Am Sonntag vor 8 Tagen nachmittags fand sich unser halbes Dörfchen, Männer und Frauen, Alt und Jung in Schneider's Lokalitäten ein, wo die Musik zunächst einige Stücke aufspielte und dann Genosse Zielowski eine Festrede hielt, in der er Schiller als Kämpfer für Freiheits⸗ und Humanitätsideale pries. An die Rede schloß sich eine gesellige Unterhaltung.

Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.

W. Von der Flugblattverteilung. Die am Sonntag im Kreise von unseren Genossen verteilten Flugblätter sind bis auf eine Ausnahme gut aufge⸗ nommen worden. Diese Ausnahme war der Schullehrer in Reddehausen, den wir mit Recht nicht zu den Großgrundbesitzern zählten. Es wies das Blatt zurück mit den Worten:Ich brauche dies Zeug nicht, wie könnt ihr es überhaupt wagen, in ein solches Haus zu kommen. Nehmt den Wisch wieder mit und macht, daß ihr fort kommt! Er hat uns, da wir gute Kostgänger sind, den Appetit nicht verderben können.

r. O welche Lust Soldat zu sein. Als kürz⸗ lich das hiesige Jägerbataillon von einem Uebungs⸗ marsche in Marburg eintraf, wurde plötzlich ein Soldat ohnmächtig. Zwei seiner Kameraden trugen den Be⸗ wußtlosen in einen Garten. Dort lag der Soldat, der jedenfalls von einem Sonnenstich betroffen war, über eine Stunde bewußtlos, ehe ärztliche Hülfe kam. Erst als man ihn in einen Tragkorb zur Klinik geschafft hatte, wurde ihm die ärztliche Hülfe nach ziemlich zwei Stunden zu teil.

Letzte Nachrichten.

Köln, den 1. Juni. Gestern Abend legten auch alle hier im freien Verbande der Schneider organisierten Gehilfen die Arbeit nieder. Die christlich organisterten Schneider arbeiten aber weiter. Sie haben den Revers unter⸗ schrieben, wonach sie eventuell auch Streikarbeit anfertigen.

Dresden, 1. Juni. Die Mehrzahl der Dresdener Schneiderfirmen erklärte, mit dem Arbeitgeberverband keine Beziehungen zu haben. Andere verpflichteten sich schriftlich, aus dem Unternehmerverbande auszutreten, keine Streikarbeit zu übernehmen und keinerlei Aussperrung jetzt oder wegen der Zugehörigkeit zur Organisation vorzunehmen. Hierauf wurde die Arbeit in vielen Geschäften wieder auf⸗ genommen. Die Aktion des Unternehmer ver⸗ bandes ist hier so gut wie gescheitert.

Paris. Auf den König von Spanien wurde am Donnerstag ein Attentat ausgeübt; eine mit Nägel gefüllte Bombe fiel auf die Straße und explodierte. Der Wagen des Königs war schon vorüber, es wurden jedoch drei Personen, zwei Polizeibeamten und eine Frau verletzt. Der Attentäter ist noch nicht entdeckt.

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Partei-Uachrichten.

Ein Arbeiter⸗ und Gewerkschafts⸗Sekre⸗ tariat haben die Gewerkschaften in Worms errichtet Zum Sekretär wurde einstimmig der Genosse Engel⸗ man n⸗Worms gewählt.

Zum Kreisfest in Staufenberg. Wir bitten die Vorstände der eingeladenen Vereine,

welche uns noch keine Zuschrift haben zugehen lassen, dies umgehend tun zu wollen.

Der Vorstand. J. A.: Ph. Moos.

Versammlungskalender. Samstag, den 3. Juni.

Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig.

Gießen. Maler und Weißbinder. Nachmittags ½ 5 Uhr Vertraueusmännerkonferenz bei b (Wiener Hof).

Schotten. Wahlverein. Abends 8 ½ Uhr Ver⸗ sammlung bei Wirt Müller.

Sonntag, den 4. Juni.

Heuchelheim. Brauer⸗Lersammlung. Nach⸗ mittags Uhr bei A. Rinn.

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