Ausgabe 
3.9.1905
 
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Nr. 36.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

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willigungseifrig in punkto Kolonialforderungen zeigen und so dürften sich dann die gemachten Aufwendungen rentieren. Uebrigens hat die Fahrt ein Opfer gefordert. Der Abgeordnete Fries ist an Bord des Wörmanndampfers gestorbeg. Er vertrat den Wahlkreis Eisenach⸗Dermbach und gehörte der national⸗ liberalen Fraktion an. Er war Oberförster in Marksuhl. Bei der letzten Wahl fielen auf die Sozialdemokratie 6018, die Nationalliberalen 3585, die Antisemiten 2145, die Freisinnigen 2049, Zentrum 1313 Stimmen. In der Stich⸗ wahl: Nationalliberale 8560, Sozialdemokratie 7835.

Revolution in Rußland.

Wegen der Greuel in Bialystok hat die dortige jüdische Gemeinde eine Eingabe an den Gouverneur gerichtet. Es wird darin fest⸗ gestellt, daß das Militär sich so benommen habe, als ob es sich in einemVernichtungs⸗ kriege gegen die jüdische Einwohnerschaft be⸗ finde. Während mehrerer Stunden wurde jeder Jude und jede jüdische Frau, gleichviel welchen Alters, die sich auf der Straße auf hielten, unbarmherzig niedergeknallt; einige besonders eifrige Abteilungen drangen auch in die Häuser ein. Dabei wurden auch einige christliche Einwohner getroffen, aber an⸗ scheinend nur durch Irrtum oder Zufall. Die Polizei unterstützte das Militär. Auf Vor⸗ stellung bei der höheren Polizeibehörde wurde den Juden geantwortet, das Vorgehen des Militärs sei als Strafe anzusehen dafür, daß die Juden die Revolutionäre nicht an die Staatsgewalt auslieferten. Die jädische Ge meinde sucht nun dem Generalgouverneur klar zu machen, daß man von ihr solche Dienste nicht verlangen könne, daß ste auch außerstande sei, ste zu leisten, da sie nicht besser über die Tätigkeit der Revolutionäre unterichtet sein könne als Polizei und Gendarmerie.

Hungersnot droht in Rußland infolge der diesjährigen Mißernte auszubrechen. Wie einem Berliner Blatte berichtet wurde, nimmt der Notstand besonders im Gouvernement Tula große Dimensionen an; das Vieh wird infolge Futtermangels zu Schleuder preisen los- geschlagen, da bereits das Stroh von den Dächern, das letzte, was gewöhnlich draufgeht, als Futter aufgebraucht ist. In den Städten erscheinen in großen Scharen hungernde Bauern, die um Arbeit gegen Verpflegung bitten, eine Erscheinung, die auch aus Saratow und Woronesch berichtet wird. An einigen Orten ist sogar schon der Hungertyphus ausgebrochen. Das Volk verhungert, während die zarischen Kreaturen im Ueberflusse schwelgen!

Die scheußliche Ausbeutung durch den Adel scheinen endlich auch die Bauern abschütteln zu wollen. In einer Ortschaft des Kreises Duschet 5 weigerten sich die Bauern dem Gutsbesitzer Fürsten Muchranski den ihm zu⸗ stehenden Teil der Ernte(das ist also der Tribut, den der Fürst den Bauern abpreßt) auszuliefern. Als dreiRädelsführer ver⸗ haftet wurden, rotteten sich die Bauern zu⸗ sammen und befreiten die Verhafteten gewalt⸗ sam. Eine halbeSchützenkompagnie und einige Kosaken verhalfen dem Gutsbesitzer zuseinem Recht. Hierauf erschienen über 1000 Bauern aus verschiedenen Kreisen auf dem Gut des Fürsten, verlangten die Rückgabe des Getreides und drohten mit Stöcken und Heugabeln. Vor dem erschienenen Kreischef erklärten die Bauern, sie forderten ihr Getreide zurück, da sie dem Gutsbesitzer fortan nichts mehr zahlen würden. Es kam darauf zum Kampfe zwischen den Bauern und Kosaken, wobei es auf beiden Seiten Tote gab.

In Sosnowice(Russ. Polen) wurde ein Dynamit⸗Angriff ausgeführt, weil das in der Fabrik einquartierte Militär gegen die Streikenden vorgegangen war. Tausende von Fensterscheiben wurden zertrümmert, ein Mann verletzt. Durch eine Bombe wurde am Sonn⸗ 106 der Polizeimeister in Czenstoch au ge⸗ ötet.

Aus dem Berichte des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands

an den Parteitag zu Jena 1905.

Wie bereits mitgeteilt, sind die üblichen Be⸗ richte unseres Parteivorstandes und der Reichs⸗ tagsfraktion erschienen. Sie bieten eine Fülle wissenswerten und interessanten Materials und geben ein Bild von der Tätigkeit unserer Partei⸗ leitung und der Reichstagsfraktion. Wir können im Folgenden nur das Wichtigste daraus mit⸗ teilen und empfehlen unsern Genossen, sich nach dem Parteitag das Protokoll desselben anzu⸗ schaffen, wo die Berichte vollständig abge⸗ druckt sind.

Nachdem der Bericht einleitend einer Anzahl ver⸗ storbener Parteigenossen gedacht und ihnen Nachrufe ge⸗ widmet hat, bemerkt er, daß in Bezug auf Agitation uud Organisation sehr oft Redner vom Parteivor⸗ stande verlangt würden, dieser aber nicht immer den Wünschen entsprechen könne. Es ist notwendig, daß die örtlichen Organisationen sich in der Hauptsache auf ihre eigenen Kräfte verlassen. Unter der groden Zahl der Genossen gibt es sehr viele tüchtige Talente, die ver⸗ kümmern, wenn sie nie Gelegenheit haben, in großen Versammlungen unsere Grundsätze zu verteidigen. Uebung macht den Melster. Um vorhandene Talente weiter zu bilden, sind schon in vielen Städten Bildungsinstitute geschaffen. Zur Ausführung des Beschlusses des Bremer Parteitages sind in verschiedenen Agitationsbezirken Provinzialsekretäre angestellt, über deren Wirksamkeit aber noch nichts Näheres mitgeteilt werden kann, da sie meistens erst seit dem 1. April ihre Aemter belleiden.

Ziffermäßige Nachweise über den Stand der Or ga ni⸗ sation lassen sich nicht geben, jedoch kann mit Sicher⸗ heit behauptet werden, daß mit wenigen Ausnahmen überall Fortschritte zu verzeichnen sind. Einzelne Bezirke haben erfreuliche Fortschritte gem acht. In Berlin, Tel⸗ tow⸗Beeskow und Niederbarnim stieg die Zahl der Mit⸗ glieder von 37 905 am 1 Januar 1904 auf 47 420 am 1. Januar 1905. In dem Agitationsbezirk Schleswig⸗ Holstein und Hamburg stieg die Zahl der Vereine von 63 am 1. Januar 1903 auf 65 am 1. Januar 1904. Die Zahl der Mitglieder von 31 209 auf 34.440. In Hamburg allein stieg die Zahl der Mitglieder im Jahre 1904 von 15431 auf 18 186. Im Agitationsbezirk Hessen⸗Nassau von 4520 am 1. Juli 1904 auf 6627 anfangs 1905. Einer musterhaften Beteiligung an der Organisation erfreut sich Fürth. Bei der Nachwahl im Juli d. J wurden in Fürth rund 6500 Stimmen für unseren Kandidaten abgegeben, organisterte Genossen zählt aber Fürth rund 3200.Gehet hin und tuet des⸗ gleichen.

Durch diese erfreulichen Zahlen dürsen wir uns aber nicht täuschen lassen. An sich entspricht die Zahl der organisierten Genossen keineswegs den Anforderungen, die eine Partei von der Stärke wie die unserige stellen muß. Schließlich sind es doch die Mitglieder der Organi⸗ sation, die die Kämpfe führen, sie haben die Agitation zu besorgen, die Flugblätter zu verbreiten usw.

Die schriftliche Agitation wurde durch unsere Partei⸗ presse und durch Flugblätter, Kalender und Broschüren betrieben. Eine Anzahl Agitationsbroschüren wurde herausgegeben; unter den preußischen Landarbeitern wurde durch das Flugblatt:Landarbeiter wache auf!, in welchem die Ausnahmegesetze für die Landarbeiter gegeißelt werden, Aufklärung verbreitet.

Die Provinztal⸗ und Landesorganisationen sind im Berichtsjahre weiter ausgebaut worden. Längere Ausführungen widmet der Bericht dann der Vorberatung des Organisationsstatuts und den Einigungs⸗ verhandlungen mit der polnisch⸗sozialistischen Partei.

Das KapitelWahlen nimmt in dem Berichte einen großen Raum ein. Was zunächst die Nach⸗ wahlen zum Reichstage betrifft, so geben die seit den letzten allgemeinen Wahlen vorgenommenen für uns kein günstiges Bild. Es werden die Wahlziffern der be⸗ treffenden Kreise vorgeführt, welche zeigen, daß mit Aus⸗ nahme der Kreise Fürth⸗Erlangen und Schwerin⸗Wismar unsere Stimmen im Vergleiche zu den Wahlergebnissen von 1903 zurückgegangen sind. Allerdings, im Vergleich zu den Wahlen von 1898 haben wir noch immer worauf wir schon früher aufmerksam machten einen Zuwachs ron 14 300 Stimmen insgesamt zu verzeichnen. Der Bericht, fährt dann fort: Für den Stillstand oder richtiger Rückgang an Stimmen hat man vielerlei Erklärungen gesucht. In dem Streite verschiedener Preßorgane unserer Partei untereinander beschuldigte ein Parteiorgan das andere, daß dessen Stellungnahme oder Nichtstellungnahme zu bestimmten Fragen die Ursache des Rückganges ei. Ferner wurde der Gebrauch einiger Kraftausdrücke als Ursache des Rückganges angegeben. Auch wurde be⸗ hauptet, daß die Regierung durch eine schlaue Politik

dem aus den allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Reichstage jede Bedeutung nimmt und dadurch eine wachsende Gleichgültigkeit der arbeitenden Massen für den Reichstag und die Reichstagswahlen hervorgerufen hat.

Diese Gründe erkennt der Bericht nicht oder doch nur zum geringen Teil ais zulreffend an. Tatsache sei allerdings auch, daß die Gegner mit viel größerer Energie und Rücksichtslosigkeit den Wahlkampf führen. Die Hauptursache des Rückgangs sei jedoch mangel⸗ hafte Organisation. Die Genossen dürfen nicht erst dann mit dem Ausbau der Wahlorganisation be⸗ ginnen, wenn eine Wahl in Aussicht steht, sondern ste müssen immer gerüstet sein. Sie müssen von jedem Winkel des Wahlkreises wissen, welcher Genosse ihn zu bearbeiten hat, dann kommt ihnen nie eine Wahl als Ueberraschung.

Die Genossen sollten bedenken, daß die Eroberung von Reichstagssitzen nicht der alleinige und nicht einmal der Hauptzweck unserer Agitation und Organisation ist. Un ser Hauptziel ist doch, die ganze Arbeiterklasse für den Sozialismus zu gewinnen. Das Streben nach diesem Ziele darf nie und in keinem Bezirke unter⸗ brochen werden. Die Reichstagswahlen sind zuverlässige Gradmesser für die agitatorische und organisatorische Tätigkeit der Genossen. Wenn durch die Wahlresultate bekannt wird, daß in einem längeren Zeitraume in einem Kreise keine Fortschritte, sondern in vielen Fällen gar Rückschritte zu verzeichnen sind, dann ist damit bewiesen, daß es an dem nötigen Eifer und Geschick in der Agi⸗ tation und Organisation gefehlt hat, um dem verstärkten Ansturm der Gegner die Spitze zu bieten. Mit einem verstärkten Ansturm der Gegner müssen wir aber rechnen und zwar künftig mehr als je zuvor.

Ein erfreuliches Bild boten die im Berichtsjahre stattgefundenen Landtagswahlen. Der Bericht führt eine Reihe für uns erfolgreichen Wahlen an. In Olden⸗ burg, Reuß j. O., Gotha, Eßlingen ꝛc. schnitten wir gut ab, ebenso in Bayern, wo die Wahlen einen Kampf gegen das indirekte Wahlrecht darstellen. Noch mehr Erfolge haben wir bei den Gemeindewahlen zu ver⸗ zeichnen. In Württemberg sitzen 284 Genossen in den Gemeindevertretungen, in Sachsen 264. Der Bericht erwähnt ferner die Erfolge in Offenbach, Frankfurt, Leipzig, Straßburg, Karlsruhe und vielen andern Orten.

(Siehe Fortsetzung Seite 6.)

Soziales, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung.

Ein neuer Scharfmacherverband soll in Deutschland ins Leben gerufen werden. Vor kurzem ist einAufruf an alle Berufsgenossen der Installationsbranche(Gas-, Wasser⸗, Elek⸗ trizitäts⸗, Kanalisations⸗ und Heizungsfach usw.), insbesondere an alle selbständigen In⸗ stallateure, Klempner, Kupferschmiede, Schlosser usw. erschienen, in welchem zur Gründung eines großen Deutschen Verbandes selbständiger Installateure unter Anschluß bezüglicher In⸗ nungen, Vereine und Unterverbände aufgefordert wird. In dem von derBresl. Volkswacht veröffentlichten Aufrufe heißt es u. a.:

Die Gehilfenfrage nimmt, wie besonders die letzten Essener Vorgänge zeigen, eine Form an, die den entschiedensten Widerspruch her⸗ vorruft. Kontraktbrüchige Bergleute werden von der Regterung als liebe Kinder behandelt, Arbeitgeber aber, die ihren Leuten ordnungs⸗ mäßig kündigen und sie entlassen, weil deren sozialistische() Organisation eine gedeihliche Weiterarbeit unmöglich mache, werden als schnöde Kontraktbrecher bezeichnet. Solche Be⸗ zeichnungen müssen sich unsere Kollegen in Essen von ihrem Oberbürgermeister gefallen lassen. Nicht genug damit fordert dieser Herr noch 20,000 Mk. aus dem Stadtsäckel zur Unter- stützung unlenksamer Arbeiter!

Kollegen! Hat man uns deshalb mit den Gesellen⸗Ausschüssen beglückt? Jeder anständige Arbeitgeber weiß einen anständigen und tüch⸗ tigen Arbeiter zu schätzen, er bezahlt ihn gut(!) und gern.(Dafür liefert jeder Tag Beispiele, wie die Herren die guten Arbeiter bezahlen. D. R.) Jeder Arbeitgeber aber weiß auch, welche Plage, welche Scherereien und welche Verluste ihm untüchtige, unbotmäßige und un⸗ fleißige Arbeiter verursachen. 5

Sich vor solchen Elementen in den gesetzlich gestatteten Grenzen zu schützen, dagegen tüch⸗ tigen Leuten den Weg zu ebnen, wird nicht die geringste Aufgabe des neuen Verbandes sein.

Die Tätigkeit des neuen Verbandes wird deshalb eine energische sein. Mit Halbheiten