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Nr. 14.
Mitterdentsche Sountaos⸗Zeitung.
Seite 5.
hat auf das Gesuch des Kriegervereins, einen Zu⸗ schuß zu einem Fest zu leisten, das aus Anlaß der Ueberreichung einer vom Kaiser gestifteten Fahnenschleife diesen Sonntag abgehalten werden soll, beschlossen, sämtliche Kosten auf die Gemeindekasse zu übernehmen.“ In der Tat, das ist ein Entgegen⸗ kommen, wie es sich die Patrioten und Hurrarufer des Kriegervereins nicht besser wünschen konnten, sagt dazu mit Recht unser Mainzer Parteiorgan. Was hätten die mit gebührender Hochachtung zu befragenden Gemeinde⸗ weisen von Eberstadt wohl getan, wenn der sozialdemo⸗ kratische Verein ein Gesuch irgend welcher Art eingegeben hätte? Das Geschrei hätten wir hören mögen, das da über die„unverschämten Roten“ angestimmt worden wäre! Es ist unglaublich, wie da mit den Gemeinde⸗ mitteln gewirtschaftet wird! Da, wo krasse, bittere Not herrscht, da haben diese satten Bürger kein Gefühl, kein Verständnis. Wenn es aber gilt, eine private Fest⸗ lichkeit mit Gemeindegeldern herauszuputzen, deren Zweck wir absolut nicht verstehen können, da spendet man mit vollen Händen! In einer am Sonntag vor acht Tagen abgehaltenen Versammlung unserer Partei⸗ genossen in Eberstadt wurde dieser Gemeinderats beschluß scharf verurteilt und eine Protestresolution angenommen, in welcher die Versammlung die Ansicht ausspricht, daß die Gelder der steuerzahlenden Einwohnerschaft von Eber⸗ stadt zu anderen und nützlicheren Zwecken als zur Deckung privater Vereinskosten Verwendung finden können.
Aus dem Rreise Wetzlar.
* Stöckerischer Wahl⸗ Kuddelmuddel. Das „Volk“ in Siegen teilt in seiner Nummer vom 25. März unter Wetzlar⸗Altenkirchen mit:
„Die Vorstände der christlich⸗sozialen Partei und der Reformpartei in Berlin haben sich schrift⸗ lich dahin geeinigt, daß bei der nächsten Reichstagswahl in Wetzlar⸗Altenkirchen seitens der Reformer der christ⸗ lich⸗soziale Kandidat, in Marburg und Gießen der Re⸗ former seitens der Christlich⸗Sozialen unterstützt wird. Die Vorsitzenden der konservativen Partei in Wetzlar und Altenkirchen haben erklärt, daß sie nicht gegen die christlich⸗sozlale Kandidatur seien. Die Christlich⸗Sozialen werden dafür bei den Landtagswahlen die Konservativen in beiden Kreisen unterstützen.“
Der Kuhhandel wäre also perfekt. Ob er sich aber für beide Teile gewinnbringend gestaltet, fragt sich sehr. Nach unserer Meinung dürfte weder der„reform“ parteiliche Itzig, noch der stöckersche Schmuhl etwas profitieren. Die Christlich⸗Sozialen im Kreise Gießen zum Beispiel, die dort den Pückler⸗Antisemiten unte cstützen wollen, haben wirklich nicht viel in d'e Wagschale zu werfen. Die besetzen zusammen noch keine zwei Skattische.
h. Die Ortskrankenkasse hat nach dem in der Generalversammlung am Samstag vor 8 Tagen erstatteten Bericht eine Einnahme von 13 913 Mk. und eine Ausgabe von 13803 Mk. zu verzeichnen. Die Mitgliederzahl betrug im Durchschnitt 746, was gegen das Vorjahr einen Rückgang um 100 Mitglieder be⸗ deutet. Das ist auffällig, denn die Zahl der in Wetzlar beschäftigten Arbeiter nimmt doch sicher nicht ab. Da scheints an der nötigen Kontrolle zu fehlen.
h. Kontrollversammlungen finden an fol⸗
genden Tagen statt in: Wetzlar, Schützengarten, 4. April 10 Uhr vorm. nur für Landwehr von Wetzlar einschließlich Wetzlar⸗Niedergirmes. Aßlar, Bahnhof, 4. April 1 Uhr 15 nachm.; für Aßlar, Berg⸗ hausen, Blasbach, Klein⸗Altenstädten, Werdorf. Wetzlar, Schützengarten, 5. April 11 Uhr vorm. nur für Re⸗ serve von Wetzlar einschließlich Wetzlar⸗Niedergirmes. Dutenhofen, Bahnhof, 5. April 2 Uhr 40 nachm. für Atzbach, Dorlar, Dutenhofen, Kinzenbach, Münch⸗ holzhausen. Oberndorf, Ausgang nach Wetzlar, 6. April 1 Uhr 45 nachm. für Albshausen, Bonbaden, Braunfels, Burgsolms, Oberndorf. Wiß mar, Bahn⸗ hof, Wirtschaft Brück, 7. April 2 Uhr nachm. nur für Reserve von Gleiberg, Krofdorf, Launsbach, Oden⸗ hausen, Salzböden, Vetzberg, Wißmar. Wißmar, Bahnhof, Wirtschaft Brück, 7. April 3 Uhr nachm. für Landwehr und Ersatz⸗Re serve von denselben Orten. Wetzlar, Schützengarten, 10. April 10 Uhr vorm. nur für Ersatzreserve von Wetzlar einschließlich Wetzlar⸗Niedergirmes. a X. Meineidiger Pfarrer. Das Landgericht in Koblenz hat gegen den evangelischen Pfarrer Zi m⸗ mermann in Bacherach das Verfahren wegen Mein⸗ eid eröffnet. Z. war früher Pfarrer in Le un bei Wetzlar und tat sich im Kampfe gegen die Sozialdemo⸗ kratie besonders hervor.
Aus dem Rreise Marburg⸗Nirchhain.
r. Unsere Stadtväter legen seit kurzer Zeit einen außerordentlichen Eifer an den Tag. Während sie im Sommer ost die Sitzungen schwänzten, reiben sie sich jetzt vor der Neuwahl geradezu im Interesse des Gemeinwesens auf. In der letzten Woche hielten sie sogar drei Sitzungen ab. Eine Erhöhung der Löhne für die Putzer der Petrollaternen(von Mk. 1,50 auf
Mk. 2,— pro Monat) brachte die erste Sitzung. der zweiten dagegen ging es lebhaft zu. Zuerst kam ein Entschädigungsprozeß des Schuhmachermeisters Schwalm gegen die Stadt zur Erledigung. Sch. war bei einem Straßendurchbruch zu Schaden gekommen und verlangt 750 Mk. Entschädigung. Die Sache wird durch Vergleich erledigt. Alsdann erfolgte die Fest⸗ stellung des Haushaltsplanes mit 884000 Mk. in Ein⸗ nahme und Ausgabe. Im Anschluß daran begründete Stadtv. Stroinsky seinen Antrag auf Einführung einer Wertzuwachssteuer auf Baugrundstücke. (Den ausführlichen Bericht unseres Korrespondenten über die Verhandlungen darüber können wir erst in nächster Nummer bringen. D. R.)
O Der Beschluß der Stadtverordneten, daß die untersten Stufen der Gemeindesteuer nicht zur Erhebung kommen sollen, zeigt, daß das Bürgertum häufig gezwungen ist, auf die Arbeiterschaft Rücksicht zu nehmen, wenn diese die Vorgänge des öffentlichen Lebens mit Interesse behandelt. Wenn der erwähnte Beschluß in Kraft treten sollte, so ist damit doch noch nicht genug geschehen! Es müßten auch die Steuerstufen bis zu 1800 Mk. wenigstens teilweise entlastet werden. Ferner müßten von den Gebühren für Müllabfuhr die Woh⸗ nungen bis zu 250 Mk. jährlicher Miete(statt wie bisher 150 Mk.) befreit werden. Die Wohnungsmieten sind in den letzten Jahren in so unerhörter Weise ge⸗ stiegen, daß eine Aenderung in diesem Sinne lediglich dem Geiste des früheren Beschlusses entspricht.
O Die Allgemeine Marburger Beamten⸗ Vereinigung hat nach dem in der Versammlung vom 17. März erstatteten Bericht trotz ihres kurzen Bestehens eine Mitgliederzahl von 488 aufzuweisen. Dieser Beamten⸗Verein ist zwar nicht das geworden, was er zuerst werden sollte: ein Rabattverein, welcher seinen Mitgliedern beim Bareinkauf direkte Vorteile sichern sollte. Die Geschäftsleute mußten, dem Drucke der öffentlichen Meinung nachgebend, auch anderen Leuten den dem Beamten⸗Verein zugestandenen Rabatt gewähren, welchen sie selbstverständlich vorher auf die Marenpreise aufgeschlagen hatten. Desto mehr dürfte der Beamten⸗ Verein, wie auch aus Aeu serungen in dieser Versamm⸗ lung hervorgeht, auf kommunalem Gebiet Einfluß ge⸗ winnen. In der ersten Wählerklasse sind die Professoren und höheren Beamten stark vertreten, während das ganze Heer der unteren Beamten bei der Post, der Eisenbahn und in den zahlreichen Büreaus nur für die dritte Wählerklasse in Betracht kommt. Es bleibt natürlich abzuwarten, welche Erfolge der Beamtenverein im Herbst bei der Stadtverordnetenwahl erringen und wie sich dann sein Einfluß äußern wird. Jebenfalls müssen sich die Arbeiter tapfer rühren.
r. Eine Bauarbeiterversamm lung. in der Hüttmann⸗Frankfurt sprach, fand am Mittwoch vor 8 Tagen bei Hildemann statt. Es hat sich mehrfach gezeigt, daß die Unternehmer die im vorigen Jahre ab⸗ geschlossene Vereinbarung, nach der vom 1. April ab 40 Pfg. Stundenlohn zu zahlen sind, zu durchbrechen versuchen. Deshalb ist Vorsicht am Platze. Hüttmann wies ferner darauf hin, daß die Bauhilfsarbeiter eben⸗ falls ihre Forderungen gestellt hätten, beide Organi⸗ sationen müßten deshalb Hand in Hand gehen, damit bei etwaiger Nichtbewilligung der nötige Nachdruck ge⸗ geben werden könne. Leider ist von den Christlichen verschiedentlich Zwietracht unter den Kollegen gesäet worden. Anstatt, daß diese Leute nachdrücklich auf allgemeine Einhaltung der Vereinbarungen, besonders auf Zahlung des 40 Pfg.⸗Stundenlohnes ab 1. April hinarbeiteten, schimpften sie auf die Mitglieder des Zentralverbandes, namentlich auf die Gauvorstände. Darin sind die Leiter der Christlichen überhaupt groß und zeigen damit, daß es ihnen mit dem wirtschaftlichen Kampfe nicht ern st ist. In Schröck und Bauerbach suchten sie und besonders die Geistlichkeit, die Kollegen zum Austritt aus dem Verbande zu bewegen und zu den Christlichen überzuführen. Leider sei ihnen das bei einigen gelungen. Deshalb müßten die Kollegen fest zusammenhalten und eifrig agitieren, bis der letzte Marburger Bauarbeiter im Verbande sei.— In der Diskussion suchten mehrere Christliche ihre Hände in Unschuld zu waschen, sie wurden jedoch gehörig heimge⸗ leuchtet. Man sprach sich im Weiteren dahin aus, ab⸗ zuwarten, ob die Unternehmer ab 1. April den Ab⸗ machungen gemäß handeln werden; eine anfangs April einzuberufende Versammlung soll dann über die zu er⸗ greifenden Maßnahmen beschlleßen.
r. Versammlungen. Am Mittwoch, 5. April, abends 7 Uhr, findet im Restaurant Hildemann eine Allgemeine Bauarbeiter⸗Versammlung für Maurer, Bauhülfs arbeiter, Bauschreiner, Töpfer, Dachdecker, Zimmerleute, Maler, Weißbinder und Tape⸗ zierer statt. Redner der genannten Berufe werden über die Bauarbeiterbewegung in Marburg sprechen. Zahl⸗ reiches Erscheinen sämtlicher Bauarbeiter wird daher erwartet.
r. Ortskrankenkasse. Am Mittwoch, 5. April, abends 8 Uhr, findet die Generalversammluug der Orts⸗ krankenkasse im Lokale statt. Professor Brauer wird
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einen Vortrag über Kinderernährung und Kindersterb⸗ lichkeit halten.
r. Kontrollversammlungen finden für Marburg am Montag, 3. April, auf den Kämpf⸗ rasen statt und zwar: Vormittags 9 Uhr für die Reservisten der Jahresklassen 1897, 1898 und 1899; vormittags 11 Uhr für die Reservisten der Jahresklassen 1900, 1901, 1902, 1903 und 1904, sowie die zur Disposition der Truppenteile und Ersatzbehörden ent⸗ lassenen Mannschaften; nachmittags 2 Uhr für sämtliche Lan dwehrleute 1 Aufgebots; nachmittags 4 Uhr für sämtl iche Ersatz Reservisten.„Jeder ohne Entchuldigung Fehlende wird mit Arrest bestraft“ heißt es in der amtlichen Bekanntmachung weiter. Jeder brave und kontrollpflichtige Deutsche weiß also, wie er sich zu ver⸗ halten hat.
Partei-Machrichten.
f An die Parteigenossen des Ag itationsbezirks Hessen ⸗Nassau.
Parteigenossen! Das vom vorjährigen Provin⸗ zia l⸗Parteitage eingesetzte erweiterte Agitationskomitee für unseren Bezirk hat in seiner gestrigen Sitzung über den diesjährigen Provinzial⸗Parteitag Beschluß gefaßt und das unterzeichnete engere Komitee mit der Ausfüh⸗ rung dieses Beschlusses beauftragt.
Demgemäß berufen wir hiermit den
Provinzial-Parteitag
ein auf
Sonntag, den 16. April, Vorm. 10 uhr. Er findet statt im großen Saale des Gewerk⸗ schaftshauses in Frankfurt a. M., Am Schwimm⸗ bad 8/10. Die vom erweiterten Komitee festgesetzte vorläufige Tagesordnung ist folgende: 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht, sowie Berichterstattung der Wahlkreisleitungen. 2. Agitation und Organisation. Hüttmann⸗Frankfurt a. M. 3. Die Landgemeindeordnung für Hessen⸗Nassau. ferent: Genosse Hoch⸗Hanau. 4. Die preuß isch⸗süd deutsche Elsenbahn⸗Betriebsgemein⸗ schaft. Referent: Genosse Leh mann⸗Mannheim. Frankfurt a. M., 27. März 1905. Das Agitations-Komitee für den Bezirk Hessen⸗Nassau. J. A.: Wilh. Dittmann.
Referent: Genosse Re⸗
Versammlungskalender.
Samstag, den 1. April. Gießen. Holzarbeiter. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Löb(Wiener Hof).— Metall⸗
arbeiter. Abends 8½ Uhr Versammlung beit Orbig. Lauterb ich. Sozialdemokrat. Wahlverein.
Abenos 8 Uhr Versammlung bei Gastwirt Keutz er.
Sonntag. den 2. April. Steinberg. Sängerabteilung des Wahlvereins. Morgens 10 Uhr Singstunde im„Grünen Baum“. Watzenborn. Arbeiterbildungsverein. Nach⸗ mictags 4 Uhr Versammlung im Lokale„Zur Ludwigshöhe“. Wichtige Tagesordnung. Zahl⸗ reich erscheinen! Dienstag, den 4. April. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends ½9 Uhr Sitzung bei Orbig. Samstag, den 8. April. Gießen. Sozialdem. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei Orbig. Vortrag. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versamm⸗ lung im„Gambrinus“ bei Wacker. T.⸗O.: Die Maifeier.
Sammlungen für die Bergarbeiter.
Abrechnung. Einnahme:
Vom Gewerkschaftskar tell Mk. 200.— Auf Sammellisten und durch die Mittel⸗
deutsche Sonntags⸗ Zeitung„ 1561.83
Sa. Mk. 1761.83
An die Streikenden abgesandte„ 1718.65
Rest Mk. 43.18
Berichtigung.
In der neulichen Quittung muß es heißen L. 75 Großen⸗Linden 6.— nicht 5.— Mk. Brauerverband 20.— Mk.
Die Metallarbeiter Gießens sandten außerdem Mk. 180.— für die Bergarbeiter an ihren Vorstand nach Stuttgart.
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