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hat's freilich ſeine Richtigkeit. Laß uns zu Lambrecht's ehen.“ 5„Victoria!“ rief der Maler, faßte ſeinen Bruder am Arm und zog ihn fort. „Käthchen war wieder zu ſich gekommen. Sie muß⸗ ten zwar noch eine Predigt anhören, die ihnen den Kopf;
wuſch, aber es war alles gut, und hätte der Maler ſein
Maul halten können, ſo hätte nie ein Menſch den wahren Hergang erfahren.— a N
„Dies war das einzige Mal, daß der Pfarrer ſeinen Kopf brach. Die Leute meinten, nun ſtirbt er gewiß, aber er lebte noch viele Jahre und das Familienglück, Käthchen's ſoll einen mildernden nach innen beglückenden Einfluß auf ihn gehabt haben. 5
„Seinem Bruder rüppelte er oft noch den Streich; allein wenn der Käthchen's blühenden Erſtgebornen ihm hinhielt und ſagte:„Siehſt du, Alter, mir war's nur um Arbeit zu thun; ſeit ich Kindermagd geworden bin, hab' ich etwas zu thun!“— dann mußte er dennoch lachen und ging in ſeine Studirſtube.
„Sehen Sie,“ ſagte der Oberamtmann,„das war noch ein ſeltenes Junggeſellenoriginal, wie's heute keins mehr gibt. Das Geſchlecht dieſer Zeit iſt zu miſerabel, als daß es abnorme Charaktere ausprägen könnte, und das Leben zu zerfahren zur Originalität.“
An des Oberamtmannes Schlußwort hab' ich oft gedacht. Faſt glaub' ich— er hat recht!
Eine Geſchichte, wie ſte leider oft paſſirt. Von W. Os v. Horn.)
i Schmiedjacob! ruft am erſten Abend, wo die Räder in der Spinnſtube ſchnurren, der Gevatter: Ihr ſeid maul⸗ faul geworden oder was ſimulirt Ihr ſo im Stillen? Er⸗ zählt uns eine Geſchichte, das iſt beſſer!
Meinetwegen! ſagte der Alte, ich hab' noch mehr, als ein Spiegelein in dem Säckel. Sähen nur immer die hinein, fur die's iſt!— f
Wer von Euch, fragte er darauf, hat den reichen Riebeler gekannt, dem der ſchöne Hof bei Stichlingen ge⸗ hörte, der rechts vom Wege nach Stichlingen liegt?
Ich hab' von ihm noch gehört, ſagte der Gevatter, und mehrere And're wiederholten's auch.
Nun, fuhr der Schmiedjacob fort, ſo wißt Ihr auch, daß er ein dicker, ſchwerer Bauer war und zwei Töchter hatte, aber keinen Sohn? 9
Freilich, entgegneten die Andern. Er war erſchreck⸗ lich reich.
Ich hab' ihn noch genau gekannt, fuhr er fort, denn er ließ, obgleich auf den Hof eine ſchöne Entfernung iſt, alle Hauptarbeit bei meinem Vater machen und bezahlte prächtig. So bin ich denn auch alle Jahre einige Mal hin gekommen und habe ziemlich genau Leute und Wirth⸗ ſchaft kennen gelernt, denn ich brachte die Arbeit hin und empfing das Geld für meinen Vater.
Nun, der Riebeler hatte zwei Töchter, wie geſagt, die älteſte hieß Agnes, ein braves Mädchen, aber die Pocken hatten ihr Geſicht ſehr entſtellt; die zweite hieß Käthchen und war von den Pocken, die damals noch nicht geimpft wurden, wie heutzutage, faſt ganz verſchont geblie⸗
*) Indem wir wieder eine Folge von Erzählungen aus den früheren Jahrgängen der„Spinnſtube unſern verehrlichen Leſern vorführen, empfehlen wir zugleich den Jahrgang 1852 derſelben, der wieder eine reiche Auswahl der anziehendſten Erzählungen aus dem Leben enthält und bei C. Bindernagel in Friedberg ſtets vorräthig iſt, allen Freunden der Volksliteratur beſtens.
und wußte genug; aber das Käthchen mußte in die Stad
ben und hatte ein glattes, blühendes Geſichtchen. Sie war der beiden Eltern Liebling, nicht bloß, weil ſie das Neſt⸗ quäckchen war, ſondern, weil ſie hübſch war. Da ging's denn nun auch, wie in dem Hauſe Iſaac's. Das Käth⸗ chen wurde gehätſchelt, wie dort der Jacob. Ich, meines
Orts, hätte die Agnes, trotz den Blatternarben, vorgezo⸗
gen, denn ſie war ein Muſter von Fleiß, Sittſamkeit
und ſtillem, ſinnigen Weſen; aber das Herzblättchen, das kenn
Käthchen, war, wie ſich's nicht fehlen konnte, ein eiteles Ding, dem das Näschen hoch hinaus ſtand, und das ſich's
in den Kopf geſetzt hatte, einmal keinen Bauern zu hei⸗ rathen, ſondern Einen aus der Stadt, Graf, Baron, Kaufmann oder Beamten. Die Mutter ſtützte ſie de ö
und meinte, weil ſie hübſch und reich ſei, könne ſie au darauf Anſpruch machen.
zu einem Schullehrer, wo ſie Klavierſpielen, Singen, Sticken und allerlei Dinge lernte, ohne die eine gute Haushaltung prächtig beſtehen kann.
fragte, wo ſie her ſei, da ſteckte ihr allemal der Stichlin⸗ e
ger Hof wie ein Leberklös im Halſe und ſie meinte, ſie könn den Namen gar nicht herausbringen, weil ja die Leut dann genau wußten, daß ſie ein Bauernmädchen ſei. Da war ihr Herzeleid!— 5 4
„Die Agnes war viel zu gutmüthig, ſie darum zu beneiden. Sie gönnte ihr die eitle Luſt und blieb, was ſie war, ein tüchtiges Bauernmädchen, das ſich auf die Haushaltung wacker verſtand. Wenn auch ihr Geſicht
pockennarbig war, ſo konnte man Agnes doch nicht häßlich
nennen, und beſonders war ſie gar hübſch gewachſen, da⸗ rum gefiel ſie den Bauernburſchen viel beſſer, als das Putz aͤffchen, wie ſie Käthchen nannten. Vernünftige Leute ver- dachten dem Riebeler gar ſehr dieſe abweichende Erziehung
ſeiner jüngſten Tochter und die Nährung ihres Hochmuths Wenn's ihm auch'mal Einer zu Gemüthe führte, es half
nichts; er ſagte: Das Mädchen iſt zu fein fuͤr eine Bauers frau, darum kann ſie auch nicht ſo erzogen werden. Das war der Damm, an dem ſich ſolche Bemerkungen brachen, und es waren doch gewiß gute Freunde, die ſie machten
Einmal Abends, als der alte Riebeler ſchon im Bette“
lag, kam ſeine Frau, die noch Dieß und Das beſtellt hatte, und ſetzte ſich unten aufs Berte, nachdem ſie den Vorhang von rothgewürfeltem Baumwollenzeuge zurückgeſchlagen.
Hör' mal, Alter, hob ſie an, wir müſſen die Sache,
0 Agnes blieb auf dem 0 ö
77575 Agnes blieb ihrer n, landesüblichen Tracht treu, aber Käthchen wurde ſtädtiſch herausgeputzt. Das gefiel ihr baßlich und wenn ſie Jemand
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(1380) Bei de Mark konnen fleißf Beſchäftigung erha Gießen den 12 Oer Groß!
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die uns heute der Henkelmann antrug, uͤberlegen. Mil als Pfandbelafun unſrer Agnes iſt nicht mehr lang feil halten. Hübſch iſt R Uhrig,
ſie nicht und die Null kommt nun ſchon zum zweiten Ma 5 15 n 0 meine, der Müller an dem Baum ach wäre keine uͤble Parthie. Auch ſehe ich, daß Agnes ihn gerne ſieht. Meinſt nicht? 5 9 1
So?— ſagte Riebeler und blies eine Dampfwolke aus der Pfeife, die er noch gerne im Bett rauchte. Mil
dem„So“ war's auch alle. Seine Frau wußte perfekt, d
daß er nun erwarte, ſie ſolle weiter auskramen, was ſie noch im Weisheitsvorrath habe. Er iſt, fuhr ſie fort, der alleinige Erbe der Muͤhle, die ſchuldenfrei iſt; hat um die Mühle zehn Morgen Wie— ſen und dreißig Morgen Ackerland. Aus ſeinen Weiden, Erlen und Eſchen am Ufer des Baches und Muͤhlenteiches hat er ſein Brennholz und ſein Viehſtand iſt prächtig, Ueberdies iſt die Mühle mit ihren drei Gängen kaum im Stande, die Kunden alle zu bedienen und ſein Handel mit Frucht und Mehl iſt blühend in der Umgegend.—
So? ſagte Riebeler und blies eine Dampfwolke fort.
Nun mein' ich, fuhr ſeine Frau fort, wir ſollten,
Aung Maria geb ten Grundeigenth 1 Auf Anſus en und der 19 welche die Ber baupten, ohne fie alle etwaigen 8.
aufgefordert, fi er d. J 90
zu melden 5 16 f füt erloschen erk. t werden soll augu din 2.
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