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er Stadtlirch
* Sell.
da Burglirche
ntelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen,
den Regierungsbezirk Friedberg
Baur. 15 da dufte im Beſonderen. cßtin. 2— — S5. Mittwoch den 29. October 1851. e iſe. 8 — Das Oer n„Montags kam Lambrecht und bat um die Trauung. t. Ott. 6. f E Siet Er war ſehr ergriffen, ja man könnte ſagen: erſchüttert, Num De- 5 1 der junge Mann, und der Pfarrer wußte ſich das gar nicht g 1 Erzählung von W. O. v. Horn. zu denken. Er ging um die beſtimmte Stunde in die Sak— L..(Schluß.) riſtei*. r. 2 es am Altar 135 96%. a 5. und der Kirchendiener öffnete die Sakriſtei. 7.40 5.0„Des Pfarrers Haus und ſeine Vorgänge blieben„Müller trat langſam heraus; den Blick zur Erde 3 3 dem Dorf ein Gebeimniß. Es ging auch Niemand hinein, geſenkt, ſah er die weißgekleidete Geſtalt. Er trat an den wenn er nicht mußte, denn da gab's Rüffel über Rüffel, Altar und begann das Trauungsformular zu leſen. Das 7 es ſei denn, daß man ein beſonderes Geſchäft hatte, und Brautpaar ſprach ſein Ja und er ſchloß und ſegnete den axe fäalbſt dann hatte oft der Alte etwas aufgeſpart, das nun Bund. Als er das Amen ſprach, blickte er das Braut-
wohl zubereitet dem Gaumen deſſen zugeführt wurde, für ann 5 5 bereits längſt in der geiſtlichen Küche bereitet war. Die Dinge ſollen aber allezeit einen bittern Geſchmack ge— So dunkel alſo das Innere des Pfarrhauſes un. Ditz, für die Dorfbewohner war, ſo blieb dennoch die Liebſchaft des jungen Lambrecht und Käthchen kein Geheimniß. Das, was zwiſchen Lambrecht und dem Alten vorgegangen, wußte
. Occober.
— Niemand, denn eine Magd war nicht im Hauſe und Lam⸗
2 30% deecht's hielten reinen Mund ſchon darum, weil es ihre
1. Ehre heiſchte, nicht als die von dem Pfarrer Verworfenen 4— 4 einen.
0.„0 1 7 nun der alte Herr am Sonntage das Paar
1 ausrief, verwunderte ſich Niemand, wohl aber freuten ſich
1¼ 1% Viele, denn dem Lambrecht gönnten ſie das ſchöne, ſittige
Mädchen, weil ſie ihn achteten. Niemand dachte aber an Pires Müller's buckeliges und kränkliches Käthchen, wie der Pfarrer. Er hielt die Sache für ausgemacht, bedachte
pf.
11* ter nicht, daß ſein Bruder, der ſelige Kirchenrathsdiener,
ach Andres geheißen, und der andere Bruder, der Maler
8% ſmlich, ein ausgeheckter Spitzbube war. g
2 1„die Proclamationen waren vorüber und Dienſtags
- gar die Trauung. f g
g E 4„Ehe ich jedoch weiter erzähle,“ unterbrach ſich der f 12— 07 dberamtmann,„muß ich Ihnen noch eine Eigenthümlich⸗ %—, kit ſagen, die den Pfarrer Müller vor Hunderten auszeich⸗
16 1 gete. Wenn er predigte, ſah er keinen Menſchen an,
1 ebenſo, wenn er aus der Agenda las. Erſt wenn er das
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1, amen ſalbungsvoll geſprochen, ſchlug er das Auge auf. Anfänglich berührte das die Gemeinde unangenehm; allein „ ,der Vortrag war ſonſt einſchmeichelnd angenehm, die Pre⸗ „ igten vortrefflich; ſo gewöhnte man ſich denn leicht an dene üble Angewohnheit des verehrten Mannes, bei dem en gan eben über viele Sonderbarkeiten wegzuſehen ſich ge⸗ e e nöhnen mußte. So hatte ſich die Gemeinde in ihn hin⸗ — ngelebt.
paar an und ein lähmendes Entſetzen ergriff ihn— vor ihm ſtand ja ſeine Nichte, ſein Käthchen Müller, und ſie war vor Gott und den Menſchen nun die Frau Lambrecht.
„Das Mädchen ſank ihm weinend zu Füßen, aber er ſah ſie nicht an, ſondern rannte bleich und entſtellt von Zorn zur Kirche hinaus— heim.
„Der Kirchendiener Stoffel ſchüttelte den Kopf. Als ihm aber Lambrecht ein ungewöhnliches Etiam in die Hand drückte und nachdrücklich ſagte:„Stoffel, haltet's Maul!“— da war Alles gut. Und er führte ſein junges Weib heim, das an ſeiner Seite hinwankte und zu Hauſe ohnmächtig hinſank.
„Derweile donnerte und blitzte es im Pfarrhauſe und der Maler hatte des Zornes Fluth zu tragen; das that er in der Stille.
„Endlich ſagte er:„Bruder, du wollteſt, daß ein junges, blühendes Leben verkümmere, ſeiner Beſtimmung entzogen werde; war das vor Gott zu verantworten? Bei deinem Starrſinne war an keine Vermittlung zu den— ken. Da hab' ich's ſo gemacht, wie du es haͤtteſt machen ſollen. Zu ändern iſt nichts mehr. Willſt du nun, daß das ganze Dorf dich auslache, daß dein Anſehen heillos untergraben werde, ſo fahre fort, wie du eben angefan— gen. Willſt du vernünftig handeln, ſo mache zum böſen Spiel gute Miene. Vergieb, wie es einem Chriſten zu— kommt, und ſegne den Bund von Herzen als Onkel, wie du ihn als Pfarrer geſegnet haſt. Bedenke das!“
„Er ging hinaus und ſetzte ſich in die Stube ſtill hin. Der Alte rannte wie ein Raſender im Zimmer auf und nieder, aber immer langſamer, endlich ging die Thür auf und er trat heraus.
„Du haſt mir da einen Schalksſtreich geſpielt nach deiner Art,“ ſagte er milder, als es der Maler erwartete; „allein es iſt geſchehen, und damit, was du vorhin ſagteſt,


