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die Reiſenden weg, ja manchmal ſtanden dieſe ſogar, wie auf höheren Bergen oft der Fall iſt, mitten in den Wolken.
Was kann es uns kümmern, begann Heinrich, wo— hin wir heut Abend noch kommen! Im Thüringerwald gibt es Köhlerhütten und Jägerhäuſer genug, in denen man eine Nacht zubringen kann. Haben wir auch nicht den rechten Weg nach dem Ziel unſerer heutigen Wan⸗ derung eingeſchlagen, ſo führt dieſer Pfad ſicher an ein Haus oder eine Hütte irgend einer Art.
Und wenn ich nicht irre, entgegnete Walther, ſind
wir ſchon nicht weit mehr von menſchlichem Aufenthalt entfernt, denn ich glaube das Anſchlagen eines Hundes zu vernehmen, und dieſe Thiere ſind nie weit von ihren Herren. f Das Bellen erſchallte näher und näher und bald wurden ſie von einem großen Jägerhunde umkreiſt, der in weiten Sätzen bald rechts bald links ſprang. In der Ferne tauchte auch jetzt aus dem Waldesdunkel der Schein eines Lichtes auf, das ſich bald als von einem Meiler aus⸗ gehend erkennen ließ. Darauf ſchritten die Fremden jetzt zu und hörten zwar die Flammen leiſe kniſtern, aber ein Menſch war nicht dabei zu ſehen. Erſt nach langem Ru⸗ fen regte es ſich in einer Hütte nahebei, und eine ſchwarze rußige Köhlergeſtalt kam heraus und rieb ſich die ſchlaf⸗ trunkenen Augen, geblendet von dem Lichte ſeines eigenen Meilers. Der Augenblick hatte wirklich etwas Schauer— liches. Eine dunkle Waldſchlucht, nur die nächſten Bäume ſpärlich erhellt, der große Hund, deſſen dumpfes Murren mit dem Kniſtern der Flamme zuſammenklang, und mitten darunter die markige Geſtalt des Köhlers,— das alles waren Dinge, die leicht das Herz zu lauterem und ſchnel⸗ lerem Schlage antreiben und auch auf die müden Reiſen⸗ den nicht ohne Einfluß blieben. 5
Schüchtern fragte daher Heinrich: Iſt es möglich, heut Abend noch einen Ort zu erreichen, wo man die Nacht zubringen kann, oder habt Ihr in Eurer Köhlerhütte noch Raum für uns beide? N
Kaum hatte er geendet und der Köhler ſich zur Ant— wort angeſchickt, als aus der Hütte noch eine andere menſchliche Geſtalt gekrochen kam, ebenſo furchterregend wie der Köhler ſelbſt. Sein Kopf zeigte ſich zunächſt. Ein grünes Filzhütchen mit einigen ſeltenen Federn und dem Bocksbart geſchmückt, bedeckte denſelben. Dunkelbraune Haare lugten darunter vor und bildeten ein ganzes mit dem furchtbaren Bart, der von einem Backen zum andern, unten ums Kinn herum ging. Seine Kleidung war die eines Jägers,— ein grünes Röckchen und darunter lange Stiefeln. Weiter war nichts ſichtbar. In rauhem Tone übernahm er, ſtatt des Köhlers zu antworten.
Wenn es auch an Platz in dieſer Hütte nicht man— gelt, meine Herren, ſo ſchlage ich Ihnen doch vor, noch eine Viertelſtunde Wegs dranzuwenden und mit zu meiner Wohnung zu gehen, in welcher Sie beſſer ausruhen kön⸗ nen als hier auf dem Lager von Moos. Ich bin Förſter hier im Gebirg und mache mir ein Vergnügen daraus, einmal Leute bei mir zu ſehen, die etwas aus der Fremde zu erzählen wiſſen.
Die Wanderer nahmen dieſes dankend an und jo marſchirten dieſe nung zu. Die Nacht ließ weitere zu. Nur ſo viel merkten beide, daß ihr Führer ein ganz gebildeter Mann ſei, und daß ſein erſter Anblick einen falſchen Schluß auf ſein Inneres und auf ſein Weſen machen laſſe. Binnen kurzer Zeit war das einſame Haus erreicht. Lautes Hundebellen klang wieder entgegen, ohne durch die begütigende Zuſprache des Herrn gleich geſtillt werden zu konnen. Der Förſter führte ſeine Gäſte ſogleich
Anerbieten freundlich drei der Förſterwoh⸗ Beobachtungen nicht
g 1 5 4 a N, Seite eine Treppe hoch in ein kleines Erkerzimmer, in welchem ie luke Sei Alte
zwei Betten ſtanden. auch Hier, ſagte er, machen Sie es ſich bequem und legen Sie ſich, wenn Sie der Ruhe bedürfen, ſogleich f nieder. Ziehen Sie jedoch vor, mit mir noch ein Stünd⸗ chen zu verplaudern, ſo liefert uns mein Keller noch ein Fläſchchen Lagerbier zur Erquickung. Biſt noch immer ſo'n alter Bierfreund, ſagte auf einmal Heinrich ganz trocken. Was Teufel! entgegnete der Förſter. Ja rath du nur!
Was brauch ich viel zu rathen. Biſt ja der Schwert⸗ ſchmied. Und du gibſt dich mir nicht früher zu erkennen? Hiͤdchen e Ein feiner Burſch! Nun aber darfſt du nebſt deinem Be⸗ fen unt gleiter nicht mehr müde ſein. Allons herab in die Stube; 15 10 laßt uns in Erinnerungen ſchwelgen. ö 10 ließ. 2
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Einige Jahre früher war an nebeldurchzogenen No⸗ vembertagen Kirchweih in den Dörfern der Umgegend. Der junge Förſter aus dem einſamen Jägerhaus, der erſt ſeit kurzer Zeit in der Gegend weilte, war an verſchiedene Orte eingeladen und hatte ſeine Beſuche ſo auf die drei 6 1 Tage vertheilt, daß er keine Einladung unberückſichtigt kudern des 5 laſſen wollte. Am erſten Tage beſuchte er das ſeiner illein heim 5 Wohnung zunächſt gelegene Dorf und ſprach dort bei bend 1 einem Grubenbeſitzer vor, der aus einem gewöhnlichen[bin anderes
Kohlenbauer ein reicher Mann geworden war. An Ge— 6 ſellſchaft fehlte es nicht und wenn auch unter dem Früh⸗ Bekanntm gottesdienſt alles noch ſtill im gaſtlichen Hauſe ſchien, ſo
zeigte doch die ſchon aufgeſtellte und bereitgehaltene Tafel,
daß eine nicht unbedeutende Geſellſchaft ſich hier verſammle. 1 Von Stunde zu Stunde kamen die erwarteten Gäſte und. S als man ſich, nachdem die Kirmſeburſchen mit ihren ge(4193) Die putzten Pferden vorgeritten waren und Parade gemacht en Mrefloan hatten, zu Tiſche ſetzte, ſo mochte die Zahl der Gäſte wohl Sung ens gegen dreißig ſein. Der reichgewordene Gutsbeſitzer wollte i. an dieſem Tage den Glanz ſeines Hauſes ſo recht in? e Licht ſetzen und ließ es an gar nichts fehlen, was hatte 115 i Al geeignet ſein können, die Unterhaltung zu fördern und die ö lg Mane und Luſtigkeit zu erhöhen. Auch unſer junger Förſter befand r acht verü ſich ganz wohl, denn mancher Trinkſpruch galt ſeinem Ge⸗ e deihen. Nur wenn man darauf anſpielte,„es fehle nun 6 5 5 dem Jägersmann nur noch die Jägersfrau,“ ſchüttelte er ichn. ſtets bitter lächelnd mit dem Kopfe. Wäre bei dieſer Ge⸗ Indem wir ei legenheit einer ſeiner früheren Commilitonen geweſen, er achſehend song wurde doch ſchon eine Veränderung in dem Weſen des s deset be Förſters bemerkt haben, und die Blicke würden jenem nicht in e entgangen ſein, mit welchen dieſer Eleonoren, die im Dorf Mad
1 5 f. l Jolizeibeamten, nur das ſchöne Lorchen hieß, die zwanzigjährige Tochter lle zu arrelire
des Grubenbeſitzers, betrachtete. Es iſt eine eigenthüm⸗ Rödelheim liche Erſcheinung, daß die Frauen und Mädchen auf dei Thüringer Wald entweder ſchön oder häßlich ſind. Einen Mittelweg hat die Natur hier nicht gefunden, wie bei den Sit Salonsdamen der Städte, die freilich nur zu oft der Na d a 8 tur durch die Kunſt nachhelfen. 10 0 Eleonore gehörte zu den Schönen und unter dieſen ine: 5 wohl wieder unter die Auserwählten. Ein Gefühl wie aügenbraunm noch nie beſchlich den bärtigen Jäger, wenn er in die Mon: grau ſchönen Augen ſeiner blonden Nachbarin blickte und dieſe dle fu
8 175 5 5 und; prop nach dem Begegnen der Blicke verſchämt lächelnd auf den But; me
4 el Teller ſah und die Grübchen zu verbergen ſuchte, die ſich Vue ihr jedesmal beim Lächeln in die friſchrothen Wangen Gate dun drückten. Unwillkürlich verſetzte er dieſe üppigſchöne Ge⸗ wan ſtalt des Lorchen in ein Jägerhaus und 1
f i 0 ließ ſie, darin ſchaltend, vor ſeinen Sinnen vorübergleiten. Wie auf un⸗ rechten Wegen fuhr er aber ſtets zuſammen und griff an
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