liche Buchſtaben und konnte weit mehr leiſten als früher; denn die in die Holztafel geſchnittenen Worte blieben natürlich immer dieſelben; jetzt aber, wo ſie beweglich waren, konnte er viel mehr ausrichten. Wir wollen uns das durch ein Beiſpiel klar machen. Hatte er die loſen Buchſtaben: A B E N D— ſo konnte er daraus bil⸗ den die Worte: Abend, Ab, End, Bad, Baden, Band, Denz wenn er nämlich die Buchſtaben verſetzte und anders zuſammenfügte; hatte er ſie aber in die Holz⸗ tafel feſt eingeſchnitten, ſo konnte er damit nur das eine Wort: Abend drucken. Da ſeht Ihr, was das ein wei— ter Fortſchritt war! Dennoch fand Gutenberg bald, daß ſich die Holzbuchſtaben leicht abnutzten, alſo unſauber druckten, nicht lange hielten und daß es doch auch eine entſetzliche Mühe und Zeitaufwand verurſachte, ſo viele A-B⸗C aus Holz zu ſchneiden, als zu einem größern Buche, beſonders aber zu einer Bibel nöthig waren. So ſann er denn darauf, Buchſtaben aus Metall, Blei, Zinn oder Kupfer zu machen. Ehe er jedoch Dies ausführte, verließ er Straßburg und ging nach Mainz. Hier hatte er mit einem reichen Mainzer Bürger, Namens Fuſt, einen Ver⸗ trag geſchloſſen in der Art, daß er eine Druckerei in Mainz anlegen, das Druckgeräthe vervollſtändigen wolle, wozu Fuſt das Geld ſchießen ſollte. Der Gewinn ſollte zwiſchen Beiden getheilt werden; Gutenberg ſollte das Ka⸗ pital mit ſechs Procent verzinſen, Fuſt dagegen jährlich einen Beitrag zu den Koſten liefern..
Hätte es der ehrliche Gutenberg mit einem rechtlichen Manne zu thun gehabt, ſo hätte aus dieſer Verbindung endlich der Lohn fuͤr all' ſein Mühen, Denken und Ringen hervorgehen können; allein Fuſt war ein Pfiffikus, dem Geld und Geldgewinn über Alles ging, der in Gutenberg nur einen Mann erblickte, den er wohl brauchen könne.
Während alſo Fuſt nur Geldgewinn ſuchte, ſtrebte Gutenberg eine Kunſt zu erfinden, die aller Welt die Thore des Erkennens öffnete. So kam er denn auch in Mainz auf den Gedanken, ſtatt der hölzernen Buchſtaben, metallene zu gießen. Dabei war auch der neue Vortheil, daß dieſe Buchſtaben regelmäßiger, gleich groß und doch viel kleiner und feiner gemacht werden konnten, als die hölzernen. Das war ein neuer und großer Fortſchritt in der wunderbaren und herrlichen Kunſt, die der Welt ſo unbeſchreiblich viel nützen ſollte. Dies bewerkſtelligte er ſo; Ueber ſauber aus Meſſing geſchnittene Buchſtaben goß er Blei. Hierdurch erhielt er die vertieften Formen, in denen er nun zinnerne und erzene Buchſtaben goß. Erwägt man, daß er ſo in Einem Tage viel Hunderte von A-B⸗C gießen konnte, während auf die früheren Holzbuchſtaben außerordentlich viele Zeit mußte verwendet werden, ſo ergibt ſich abermals ein bedeutender Fortſchritt.
Es iſt ein herrliches Zeugniß fur Gutenberg, daß er nun ſogleich daran ging, eine Bibel zu drucken. Dem Worte Gottes ſollte zuerſt die neue Kunſt dienſtbar wer— den und hier zeigt ſich ein frommes, dankbares Gemüth, das die von Gott geſchenkte Einſicht auch ſogleich zur Ehre Gottes anwenden wollte. Er begann den Druck im Jahre 1452 und im Jahre 1455 war er vollendet; aber dies Werk hatte ungeheure Koſten verurſacht und die lange Zeit ſeiner Dauer legt auch dafür Zeugniß ab, wie unvoll— kommen noch die Einrichtung der Druckerei und wie wenig geübt die Kunſt der Drucker war.
Um dieſe Zeit war auch Peter Schöffer aus Gerns— heim in die Verbindung mit Gutenberg und Fuſt getreten. Schöffer war ein ſehr geſchickter Mann, der beſonders die Schönheit der Buchſtaben hervorbrachte, weil er ſehr ſchön ſchrieb, aber auch ein beſſeres Verfahren zur Herſtellung noch dauerhafterer Buchſtaben erſaun. Fuſt erkannte die
366
Brauchbarkeit Schöffer's, und da er den falſchen Gedanken ſchon mit ſich herumtrug, ſich von Gutenberg zu trennen und die Vortheile des Druckens allein für ſich zu gewin⸗ nen, ſo ſuchte er den Schöffer ſich recht anzuheimeln und gab ihm endlich ſogar ſeine Tochter zum Weibe. 5
Jetzt, wo Gutenberg nach langem Mühen, Opfern und Sinnen am Ziele war, jetzt ſollte den wackern Mann. der härteſte Schlag treffen. Fuſt, ein habgieriger und falſcher Menſch, verlangte plötzlich von Gutenberg ſein
ihm dargeliehenes Kapital mit allen Zinſen, die er ihm
doch mündlich erlaſſen hatte.
Gutenberg war ein gutmüthiger, ſtiller Mann, der ſich nur mit ſeinen Wiſſenſchaften abgab, in Welthändeln aber nur geringe Erfahrung hatte. Darauf baute auch der falſche Fuſt und hing dem armen Gutenberg, der nicht bezahlen konnte, einen Proceß an, indem er noch allerlei Schleichwege ging und Lügen vorbrachte. g Reichthum und ſein Anſehen drehte er die leider oft wäch⸗ lerne Naſe des Rechts zu ſeinem Vortheil und gewann gegen alles Recht den Proceß. Da der arme Gutenberg nicht bezahlen konnte, ſo ſprach überdies das erkaufte Ge⸗ 0 richt dem Fuſt die ganze Druckerei als Eigenthum, zum Erſatze ſeiner Forderungen zu. 0 Dias geſchah im November 1455. Denkt man ſich in die Lage des armen Gutenberg, ſo blutet Einem das Herz. Alle Frucht ſeiner Mühen, der Preis ſeines Lebens und Strebens war ihm auf eine nichtswürdige, ſchändliche eise entriſſen von dem Manne, den er arglos und voll Vertrauen in ſeine Kunſt eingeweiht hatte. Es war im Anfang eines rauhen Winters. Ohne Brod, ohne Hülfs⸗ mittel und Geld, ohne Unterſtützung und ohne Recht, was lollte er in Mainz anfangen? Noch einige Zeit weilte er daſelbſt, niedergebeugt und gedrückt; dann nahm der Mann, dem die Welt die hohere Einſicht, die Mittel des Erken⸗ nens danken ſollte, den Wanderſtab und verließ ſeine Va⸗ terſtadt zum zweiten Male, bettelarm und hülflos, und, was mehr iſt— betrogen um ſeinen Glauben an die Ehr⸗ lichkeit der Menſchen!—
Und wohin wandert der treffliche und doch ſo arme
0
Durch ſeinen
,
6 ernten, Ing ließen; ind ſoffnung.
1 E i Der alte Fr ig von Preu ſchloßgarten ſpa tmachmittag„ Wie er ſo hen daherkomme üccen, ſo daher iglich anſieht. 55 erkennt ſchneider iſt. War's, der lichtfuß anreden Der Konig in zu und der Moher des Der Burſe
and ſagt: Aus
Was will ſönig.
Arbeiten Jurſche.
Kann Er ſagt weiter der
Mann? Wieder nach Straßburg zieht er hin, wo er auch 3 Ha! ha! ſchon ſo bittere Erfahrungen gemacht hatte. Dort hoffte eb' Er Acht er eine Druckerei einrichten zu können, und wieder einen 0 Pfuscher bin!“ ehrlichen Lebensunterhalt ſich zu gründen. Mit dieſer in ein ſo tücht Hoffnung, die den gebeugten Mann noch aufrecht hielt, Da lacht kam er nach Straßburg. Er bot Alles auf, reiche, ihm as der Köni
bekannte Leute, dazu zu bewegen, die nöthigen Geldmittel N
herbeizuſchaffen, um den auszuführen; aber Alles mit Macht über ihn, was er geſäet hatte. Beide die Erfindung Schöffer's, ſchönere und dauerhaftere Buchſtaben zu verfertigen, vor ihm geheim gehalten und übten ſie jetzt aus, wo ſie ihn auf die Seite geſchoben hatten. Sie drückten einen prächtigen Pſalter, der noch heute ein Prachtſtück der Buchdruckerkunſt iſt, wurden ſtein⸗ reich, während der edle Gutenberg, dem ſie Alles verdankten, darbte, und kau i* hatte, wohin er ſein kummervolles Haupt niederlegen ſollte, Als in Straßburg alle Hoffnung verſchwand, u der arme Mann am Rande der Verzweiflung ſtand, ſchien ihm noch einmal ein Glücksſtern aufzugehen. Er kam in Verbindung mit dem Syndikus Dr. Conrad Humery in Mainz, und dieſer, ein reicher Mann, ließ ſich bereit finden, die Geldmittel zu einer neuen Druckerei in Mainz herzuſchießen. Gutenberg kehrte in die Vaterſtadt zurück, wo er das Härteſte erfahren hatte, daß die Treuloſen ihn um Alles betrogen hatten, und richtete die Druckerei wie⸗
Plan, den er in der Seele trug, 1
blieb erfolglos und die Noth kam 4 1 während Fuſt und Schöffer ernteten, Recht verrätheriſch ſchlau hatten
der Erfinder der Kunſt,
ſufzählen!


