Ausgabe 
19.2.1851
 
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dröhnte. Der unerwartete Reiter machte bei dem Eingange des Kirchhofes Halt, verhüllte mit dem Mantel ſeinen Rappen und band ihn feſt an dem eingeſunkenen Linden ſtamme, welcher den Vorübergehenden am Tage zum Ruhe⸗ platze diente. Die Geſtalt hatte ſo viel Unheimliches, daß Dorothea vor Furcht hätte in die Erde verſinken mögen. Die Dorfglocke ſchlug zwölf. Der Räthſelvolle bewegte ſich in die Mitte des Kirchhofes. Sein Antlitz war bleich

und die Stirne von zerſtreut flatternden Haaren verdeckt.

Das Mädchen, von dieſer nächtlichen Erſcheinung ſcheu zurückbebend, verbarg ſich hinter den Leichenſtein des Muttergrabes, ſtrich die aus dem Nachthäubchen hervor⸗ quellenden Haarlocken über den Nacken und verhielt den leiſeſten Athemzug, um ſich nicht zu verrathen. Der Un⸗ bekannte murmelte unverſtehbare Worte vor ſich hin und tappte, manchen Schädel und Todtenknochen mit den Sporen hinter ſich aufſchleudernd, über die Gräber und blieb vor dem Hügel ſtehen, hinter deſſen Geſtein und Baumſchatten das vielgeängſtigte Mädchen ſich hingekauert hatte..

Gute Mutter, könnteſt Du fühlen, was in dieſer meiner Bruſt ſich regt: wie jeder Gedanke der Rettung meines armen Vaters und der Beglückung meiner leidenden Schweſter gewidmet iſt, Du würdeſt gewiß mein Wirken ſegnen! Deine Seele bitte Gott für mich, daß er mit mir ſei und damit das Werk gelinge! f

Mit dem Ausdrucke banger Wehmuth, aber auch mit dem Ausdrucke des chriſtlichen Vertrauens hauchte die Ge⸗ ſtalt dieſe Worte aus, und das ſchwarze glänzende Auge blieb an dem Boden geheftet. Dorothea athmete ſchwer auf. Sie wechſelte Furchtempfindungen mit verhaltenem Lauſchen. Was ſie noch vernahm, war ein tiefes Seufzen, bis ſie die Worte deutlich verſtand:Dein Guſtav wird Dir zur Seite ſein! 5

Leiſe liſpelte das Mädchen den NamenGuſtav! undDorothea! hallte der ſüße, freudige Ruf an den Kirchhofwänden. Die ſchwarze Geſtalt richtete ſich raſch auf.

Schweſter! der Vater wird frei! Hier iſt das Geld und noch mehr! rief Guſtav Walther laut auf.

Dorothea glich einer Verklärten im erſten Freuden⸗ rauſch. Guſtav, der männlichernſt bei dem Grabe geweilt, war nun für die ſeithin Trauernde wie ein tröͤſtlicher Gottes bote aus jener Welt. Es war der edle Bruder ja, welcher ſpät in der Nacht erſt ankam. Er ahnte ſolches Wieder⸗ ſehen um die Mitternachtsſtunde nicht, obgleich ihm Doro⸗ thea geſchrieben, daß er das Grab der Mutter beſuchen und daß er dann erſt ihre kleine Wohnkammer betreten ſollte. Die Geſchwiſter ſtanden auf den Lichthöhen des Lebens. Ihre Herzen pochten hoch auf. Sie fühlten die reinſte Erdenſeligkeit in dem Bewußtſein, daß der Vater bald ſeiner Haft und dem Kerkerſtroh entriſſen würde. Dorothea wollte reden; ſichtbar wurde der Kampf auf ihren Lippen; die Sprache wollte ſich in Schilderungen ergießen, aber das Wort erſtarb und ihr Blick ruhte nur auf dem Auge des Bruders, in welchem ihr ein Himmel tagte.

nIch weiß zu viel! ermannte ſich Guſtav,ich habe Alles erfahren, ich habe, gleich Dir, Unendliches erduldet! Faſſe Dich, gutes Mädchen, Gottes Vorſehung hat ge wacht! Ich habe 2000 Gulden, dafür machſt Du den Vater morgen frei und ich werde für dieſe Summe wieder Soldat; mit dem Ueberreſte des Geldes beſorgt das Läd chen fort und nach drei Jahren, ſo Gott es will, bin ich wieder bei euch!

Dorothea weinte und drückte dankbar die Hand des liebevollen Bruders. Sie kannte das Opfer, welches er brachte. Sie konnte nicht genug ſagen, was ſie Alles für den großmüthigen Retter ihres Vaters empfand.

Die Geſchwiſter gingen langſam dem Wohnhauſe zu, wohin Guſtav ſein Pferd mitnahm. Der kleine Hund ſprang umher und bellte und beſah mit hellleuchtenden Blicken lange den Heimgekehrten. Guſtav belaſtete den Tiſch mit den Geldrollen, und das ärmliche Gemach, welches vorhin noch Zeuge des bitterſten Erdenwehes geweſen, wurde nun Zeuge von dem neuerblühten Glücke für die Bewohner deſſelben.

(Jortſetzung folgt.)

Die ſonderbare Erbſchaft. Von Max Roſenheyn.

Gegen das Ende des ſiebenzehnten Jahrhunderts kamen zwei Engländer mit dem Paketboot nach Calais und kehrten hier bei einem Gaſtwirth, Namens Dulong, ein. Sie verlangten einige geräumige und bequeme Zim mer, und nachdem ſie dieſe in Augenſchein genommen, ſchienen ſie ganz mit ihrer neuen Wohnung zufrieden zu ſein. Sie verzehrten viel, und da ſie pünktlich ihre Rech⸗ nungen bezahlten, ſo wandte der Wirth alle Sorgfalt an, ſo einträgliche Gäſte auf das Beſte zu bedienen. Nach einigen Wochen ließen die Fremden den Wirth zu ſich auf ihr Zimmer rufen.

Wir dürfen ſo bald nicht wieder nach England zu rückkehren, fing der Eine an,die Jahreszeit iſt ſchön, die Gegend gefaͤllt uns, und wir haben daher Luſt, hier noch wenigſtens Jahr und Tag zu bleiben; aber es iſt dabei eine Bedingung.

Der Wirth fragte, was das für eine Bedingung wäre.

Unſere Zimmer ſind recht hübſch; doch alle nach vorn heraus, und in Ihrem Hintergebäude ſind keine, die dieſen gleichkommen. Wir gehen oft ſpät zu Bette und ſchlafen dann gern etwas lange. Das Geräuſch auf der Straße ſtört uns in unſerem Morgenſchlafe, und lieber Dulong, wenn man gut leben will, muß man auch gut ſchlafen können. Sie werden uns für ein wenig närriſch halten, aber wir haben nun ſchon einmal unſere Grillen. Unſere Umſtände ſind ziemlich gut, Sie ſind ein gefälliger Wirth und wir befinden uns bei Ihnen ſehr wohl. Es hängt nur von Ihnen ab, ob Sie uns noch lange bei ſich behalten wollen oder nicht. Würden Sie nun wohl unſertwegen, verſteht ſich, mit uns zur Hälfte, eine nicht ſehr bedeutende Ausgabe übernehmen?

Dulong hatte ſeit zwei Monaten ſowohl von den beiden Engländern als auch von ihren Landsleuten, die ſie vielfältig an ſich zogen, bedeutenden Gewinn gehabt. Er verſtand ſich alſo zu jeder billigen Forderung.

Die Sache ſelbſt iſt nicht ſchwierig, nahm der Andere das Wort.Sie haben hinter Ihrem Hauſe einen kleinen verwilderten Garten, den Sie aber nicht zu be nutzen ſcheinen. Der wäre uns recht gelegen. Es kommt nur darauf an, daß an der alten Gartenmauer ein kleines Gebäude, gerade groß genug für uns Beide, errichtet wird. Wir wollen die Koſten mit Ihnen zur Hälfte tragen, und wenn wir wegreiſen und Sie verlaſſen, ſo bleibt es Ihr Eigenthum, und Sie können damit ſchalten und walten, wie es Ihnen beliebt.

Der Wirth war mit dieſem Vorſchlage zufrieden; er ließ ſogleich einen Bauverſtändigen rufen, den Riß ent⸗ werfen und das Gebäude eiligſt errichten.

Die Fremden zogen ein und führten ihre alte Lebens weiſe unverändert fort.

Zwei Monate darauf nahmen ſie von dem Wirthe auf drei Tage Abſchied, um in der Nachbarſchaft von Calais einer Jagdeinladung Folge zu leiſten.

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