1
den ſpeckgelben Hieronymus in die Fäuſte kriegen. Dem wollt' ich's eingetränkt haben, was er meinem lieben Heſ⸗ ſenland Arges gethan; aber der hatte ſich ſalvirt.
„Nach dem Frieden kamen wir in die Heimath zu⸗ rück. Ich war Corporal geworden. f 5
„Kaum angelangt, nahm ich Urlaub und eilte heim. Ach, lieber Gott, meine gute arme Mutter war todt. Meine Geſchwiſter dienten hier und da im Lande. Als ich Annebärbelchen ſah, ſtieß mir's doch heftig ans Herz. Es iſt ein wunderlich Ding mit der alten Liebe, die nicht roſtet. Sie reichte mir weinend die Hand. Ich habe an dir ge⸗ ſündigt, Kaspar, ſagte ſie, vergib mir's. Dafür verfolgt mich auch das Unglück. Mein Mann iſt ein Branntwein⸗ ſäufer und wird alle Tage ſchlimmer. Ich ſeh's voraus, daß ich noch mit einem Häuflein Kinder betteln gehen muß, wenn es ſo mit ihm fort geht. Das ſchnitt mir in die Seele. Vorwürfe machen? Nein, nein, das konnte ich nicht! Ich hatte Mitleid mit ihr, aber zu helfen war da nicht. Der Hannes ließ ſich, ſo lange ich im Dorfe war, nicht ſehen und hatte recht.. 5
„Eines Morgens kam Annebärbelchen gelaufen in meines Pathen Haus, wo ich mich aufhielt. Ach, ſagte ſie, da iſt mir etwas eingefallen. Haſt du auch ſchon den Brief gekriegt, den dein Bruder Philipp hat? Er iſt weit aus dem Lande gekommen, wo du einmal warſt. Ich hatte davon nichts gehört, aber Ruhe hatte ich jetzt nicht mehr. Ich ging auf das Dorf, wo Philipp Knecht war. Es lag etwa drei Stunden weg. Der Brief war uner⸗ brochen und etwa drei Monate alt. Der Müller war ge⸗ ſtorben und Chriſtinchen unterſchrieb ſich Chriſtine Krell, geborne Flemming. So hieß ſie! Sie erzählte, daß ſie ſich an einen braven Mann verheirathet und mir alles Gute wünſche. Sie hatte es ſelber geſchrieben.“
Als Kaspar das letzte ſagte, fing ſeine Stimme zu wanken an. Er klatſchte. Die Pferde holten tüchtig aus, und ohne daß er ein Wort weiter mit mir ſprach, ging's fort, bis Eppſtein vor uns lag. Er bog zur rechten Seite ein und ſagte:„Da iſt die Mühle!“ d i
Er ging ſtill an Das, was ihm mit und bei den Pferden oblag, und ich auf die alte Burg, wo mir ein Führer viel Verwunderliches erzählte, und ich war bei Kaspar mit meinen Gedanken und ließ ihn ſchwatzen, ſo⸗ viel er wollte. Da lag vor mir ein verödetes Leben, das ein Treubruch verarmt hatte. Und was war dabei ſeine Schuld? Treue! O Welt, wie lohnſt du? f
Ich geſtehe, daß mich das alles ſo tief angriff, daß ich die Burg kaum beachtete, kaum das geprieſene Thal, das übrigens, wie Kaspar ſagte: ſeines Gleichen ſucht— und überall findet.
Auf der Heimfahrt ſagte ich:„Kaspar, Seine Ge— ſchichte iſt noch nicht aus. Ich habe mit großer Theil— nahme zugehört. Wie ging's weiter?“„Ach,“ ſagte er, „das wickelte ſich kurz ab. Ich blieb Soldat, bis ich ver⸗ abſchiedet wurde. Daheim hatte ich nichts. Was ſollt' ich im Dorfe machen. Ich wurde Kutſcher und bin's heute noch. Ich habe mir etwas erſpart für den Reſt meiner Lebenstage. Mein Bruder wohnt in dem Häuschen der Eltern, das ich gekauft habe. Dort will ich auch ſterben.“
„Und Annebärbelchen?“ fragte ich.
Er reichte mir einen Brief. Ich erbrach ihn. Er war ſchlecht geſchrieben, aber das las ich heraus, daß ſie ihm dankte fuͤr die Wohlthaten, die er an ihr thue, und Gottes Segen auf ihn herabflehe.
Als ich ihm den Brief gab, drückte ich voll Achtung die rauhe, harte Hand des Menſchen. Er ſah mich dank⸗ bar an, pfiff und die Pferde griffen tüchtig aus. Wir Beide ſchwiegen— wir hatten Beide gewiß viel zu denken.
Am andern Morgen reiſte ich heim, aber heute ſteht dieſes] enfals in 1 Menſchenleben vor meiner Seele, und ich möchte fragen; A, und 11 dun Ob ein Hochgebildeter ſo gehandelt, wie hier der einfache] iy, it 9 6 Menſch aus dem Volke? 1 10 1115 0 i uagtei
Miszellen. e ug
Aus dem ungariſchen Kriege erzählt ein in der Ar⸗ ger Tage.
mee des Banus dienender deutſcher Offtzier folgende Scene: 5 opa v Ungefähr 2000 Schritte von einander hatten wir unſere J e Feldwachten aufgeſchlagen, beiderſeits ziemlich unbekümmert is Hues du a0 wegen eines heimlichen Ueberfalls, denn allen war wenig- cle Schmach hae
ſtens für einen Tag die Ruhe viel lieber als der Kampf.. Bei uns war, wie ſchon ſo lange, Schmalhanns Küchen- s h meiſter und ich ſah ziemlich troſtlos zu, wie meine Leute ür in den ewigen Kukuritzbrei am Feuer bereiteten. Auch in un- Ilten; in ſern hölzernen großen Feldflaſchen war gar nicht viel und hmen und auf ſo ſaßen wir Mehlbrei würgend und denſelben mit ſchlech⸗ ont machen— tem Waſſer hinunterſpülend, mißmuthig um unſer ſpärliches Jüurdinnen und 7 Feuer. Da ſah ich wie zwei Huſaren drüben aufſtunden aumeln unſerer und mit einem weißen Tuche winkend auf uns zukamen. chen Abscheu vor Neugierig, was ſie wollten, ging ich ihnen entgegen und in nicht, wie dere erkannte in denſelben bald zwei Soldaten meiner alten innen.— Die S Schwadron. Ehrerbietig grüßten ſie mich, als ich bei ihnen de Armenierin ir! ankam, und ſagten, ſie hätten guten Proviant, ein Faß— Schmuck- und Wein und ein fettes Schwein, und da ſie wüßten, daß wir damen; in Gui nicht viel Gutes beſäßen, kämen ſie, um mich zu fragen, Schurz als einfa ob ich nicht etwas von ihnen annehmen wolle. Da ich af alle Weiſe m wußte, daß ich echte Magyaren vor mir hatte, die, wenn in.— Bei uns ſie nicht gereizt ſind, ſtets ritterlich handeln, ſo nahm ich ſuf einigen Suͤdse dankbar das freundliche Anerbieten an und ſchickte ein paat tau.— Bei u meiner Leute zu ihnen hinüber. Die kamen denn bald mit teunde und Vei etwa 20 Kannen guten ungariſchen Weins und einem finden ihrer A Schweiusviertel beladen zurück und nicht lange, ſo ſchmaus⸗ ten und zechten meine Soldaten ſeelenvergnügt und ver⸗
gaßen ganz, daß ſie Alles von einem Feind 5 hatten, bekamm
dem ſie in wenigen Stunden wieder auf Leben und Tod hdr gegenüber ſtehen ſollten. Eine Artigkeit iſt übrigeus die 1 1 andere werth, und da ich ziemlichen Vorrath von feinem 15 Nil
(380) Bei den lark können fleißige iſchäftigung erhalten
derſelbe bei den ungariſchen Huſaren iſt, ſo ging ich ſelbſt in 8 feindliche Bivouak, überreichte einen Theil des Ta⸗ 5
baks dem weißbärtigen Wachtmeiſter und richtete große Gießen den 12.2 Freude an. 4 Dur. f
„Ein Engländer ſchildert in einer politiſchen Zeitung deſfentliche (Daily News) ſeinen Beſuch in dem Inquiſitionsgebäude 652) Johannes in Rom und entwirft eine grauenhafte Beſchreibung von rb im Jahre 1830 dem, was er da geſehen. Er fand ganze Reihen von Ker⸗ 100 C dborne S kern, einen dumpfer und ſchrecklicher als den andern, und Fa e aum den, wohnte einer Arbeit bei, die noch Entſetzlicheres zu Tage. 0 brachte. Man räumte nämlich an einer Seite Schutt ab, den II. Nopemb kam dabei auf Stufen und überzeugte ſich bald, daß die: des Todes fen ſelben zu einer unterirdiſchen Kerkerreihe führten. In allen ful abwesend dieſen dunkeln Gefängniſſen fand man noch angeſchmiedete ken 1 15 Wi Ketten, eine Menge Menſchenknochen, Schädel u. ſ. w., d wann dd in einer Art Niſche fünf vollſtändige Gerippe, wahrſcheinlich alch Erbschaft in von Unglücklichen, die da eingemauert worden waren. Fer⸗ ner wurde eine Art Verließ gefunden, das tief in die Erde hinab und in dem Gebäude hinauf reichte bis in ein Zim⸗ mer neben dem Gerichtsſaale, wo daſſelbe eine Art Fall⸗ thüre bedeckte. Wahrſcheinlich wurden Verurtheilte da hinab— gelaſſen. Eine grauenhafte Vorrichtung waren zwei große Kalkgruben, in denen ſich eine anſehnliche Menge verkalkter im würde Gebeine fanden.„Hatte ich dies Alles nicht mit meinen ri eigenen Augen geſehen,“ ſchließt der Berichterſtatter,„ich 0 würde von ſolchen Dingen ſelbſt in einem Kerker des Dr. J heiligen Gerichts nicht getraumt haben.“ Das Archiv, das
türkiſchen Tabak hatte und wußte, wie ungemein e


