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Intelligenz-Vlatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
im Allgemeinen, den Regierungsbezirk Friedberg
im Beſonderen.
N 19.
Mittwoch den 3. März
1831.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Das Magazin verbeſſerter landw. Geräthſchaften, welches ſeither in Gießen geweſen iſt, wurde in Folge Be— ſchluſſes des Ausſchuſſes des landw. Vereins von Oberheſſen nach Arnsburg bei Lich verlegt. Indem man dies zur allgemeinen Kenntniß bringt, wird zugleich bemerkt, daß etwaige Beſtellungen von dem Verwalter des Magazins,
errn Roth in Arnsburg, Rechner des landw. Vereins von Oberheſſen, an den man ſich dieſerhalb wenden wolle, auf das ſchleunigſte erledigt werden ſollen.
Laubach den 18. Februar 1851.
Der Präſident des landw. Vereins von Oberheſſen
Otto, Graf zu Solms-Laubach.
Der redliche Sohn. (Schluß.)
Mehrere Tage verflogen und der Greis ſah mit jedem Morgen in ſeinem Gefängniſſe das Wunder erneuet. Neugebrochene Blumen prangten um das Kreuzbild, den hölzernen unſichern Tiſch vertrat ein beſſerer und die Speiſen im Körbchen waren ausgeſucht, vielleicht nicht unähnlich jenen, wie ſelbige der Alte ſonſt vom eigenen Tiſche gern zu genießen pflegte. Er fühlte ganz dieſe Wohlthat in ihrem Werthe und er konnte ſich nicht länger zurückhalten in dem Beſtreben, daß er das Unbegreifliche dieſer Erſcheinung ergründen könne. Er wollte dankbar jenem Edeln die Hand küſſen, welcher mit ſo liebender Sorgfalt über ſeinem Leben waltete.
Es war Spätabend. Die Nachtlampe brannte matt— leuchtend in die Dämmerung des Gefängniſſes. Hermann Walther lag ſchon auf dem Stroh, wehrte jedoch mit Aufmerkſamkeit die lockenden Bilder des Schlafes von ſich, denn er wähnte gewiß einmal in der Nachtſtunde zu ent— decken, was ihm die Sehnſucht ſeithin mit wißbegierigen Fragen beſchäftigte. Sein Auge leicht geſchloſſen, wachte dennoch. Die Mitternachtſtunde ſchlug und aus der Ferne hörte man ein leiſes Heranſchleichen. Die Schlöſſer der Thüre wurden geöffnet und ſachte drückte ein weißer Arm den Riegel und die Pforte zurück. Ein Mädchen, beſchei— den und ſanft in ſeinem Erſcheinen, auf den Wangen die
Frühblüthe der Jugend und im Auge das Spiel des Un— ſchuldblickes, trat ſchüchtern herein mit einer Laterne ſammt Körbchen und Krug. Den Alten tiefſchlummernd wähnend, nahte mit ſinniger Vorſicht es dem Tiſche, ſtellte das Körb— chen und den Weinkrug ab und zierte den Tiſch mit Blu— men, welcher längſt dem Gefangenen zum Betaltar ge— worden war. Behutſam ſtand das Mädchen und freudig
ſchien die Ruhe des Schlummers auf das Gemüth ihm zu
wirken. Ein leiſes Ach! entſchwebte klagſam ſeinen Lippen. Es berührte die Hand des Schlafenden und zu dem bleichen Antlitze des Armen hingewendet, um welches der Lichtſchein des Seelenfriedens ſchimmerte, ſprach es jetzt:„Vater, lieber Vater, morgen ſchon biſt Du frei, Dein Guſtav hat Dich gerettet!“
Dorothea war es. Sie ſchwieg nun.
Hermann Walther, von ſeliger Ahnung die Bruſt er— füllt, regte ſich empor. Dorothea, beſtürzt, blieb wie feſtgebannt ſtehen, denn der Gefangene rieb ſich die Augen und nickte dem Kinde freundlich zu.
„War es eine Traumſtimme, der ſüße Ruf— Vater!“ fragte der Alte.
Doch das Mädchen lag ſchon unter Wonnezähren
an ſeiner Bruſt. Wer biſt Du, Troſterſcheinung in meiner Nacht, die Du linderſt mir die Qualen meines Kerkerelendes? Sprich, mein Kind! Wer biſt Du, die mein Gefaͤngniß verſchönt? Ich beſchwöre Dich! Löſe mir das Geheimniß! Wie ſoll ich mich erklären Dein Thun, Deine Sorgen und woher ſind die ſo reichlichen Gaben?“
Dorothea ſetzte ſich auf das Stroh, erzählte dem Gefangenen Alles und küßte ihm freudigſt die Hand, als ſie die Kunde ſeiner Freiheit erſchloß.
„Alles, Vater, hat unſer Guſtav für Dich gethan, und der Muſikalienhändler Schmidt hat dazu geholfen. Guſtav iſt um den Preis von 2000 Gulden auf drei Jahre für deſſen Sohn in den Soldatendienſt eingetreten. Die Schuld iſt bei Kaufmann Vernet bereits getilgt und den Reſt des Geldes trage ich hier bei mir und der iſt auch ſür Dich, Vater! Wunderbar fügt doch der liebe Gott Alles. Der Muſikalieuhändler ſchickte mich drüben in das Nonnenkloſter mit Briefen und Geld, und als die Abtiſſin Alles geleſen, geſtattete ſie mir im Kloſter bis zum Tage Deiner Befreiung zu bleiben, und auf die Nachricht, daß das Geld entrichtet werde, erlaubte der Präſident des Obergerichts ſchon die Verſchönerung Deines Kerkers und die Erleichterung Deines Looſes!“


