Dorothea's. i „Guſtav! Dorothea! Gottes Gnade ſei mit Euch!“ rief entzückt der Vater aus und ſegnete im Geiſte ſeine Kinder. Er wandte ſich ſeitwärts, um von dem Männer⸗ auge die Thränen abzutrocknen, und das Gedröhn der Feſſeln weckte die ſprachloſe Tochter aus ihrem Verſunkenſein.
6.
Durch die eindenalleen des weiten Paradeplatzes in der Rheinſtadt K. begegneten ſich viele Neugierige.„Der König iſt da!“ ſchrie Einer dem Andern aus den Volks-
klaſſen zu und Alles ſtürmte bis zu den bemalten Spa-
lieren hin, welche Grenze jedoch Niemand überſchreiten durfte. Jauchzende Muſikklänge und Jubelrufen des Volkes und der Donner der Wallgeſchütze begrüßten den König. Freude waltete durch alle Gemüther. Der König beſah, von den Großen und Feldherren des Reiches umgeben, die Truppen und äußerte über ihr Ausſehen und ihre echt kriegeriſche Haltung ſeine völlige Zufriedenheit, worüber bald frohe, freundliche Geſichter ſich zeigten.
Als nun das trefflich ausgerüſtete Heer der Feſtungs⸗ mannſchaft abgetreten war, trat ein anderes Schauſpiel ein. Die jetzt neu zum Soldatendienſte verpflichteten und einberufenen Leute zogen auf, gewärtig der Befehle und Verordnungen zu dieſer veränderten Lebensweiſe. Der König ſelbſt bewillkommnete die hoffnungsreichen Schaaren, welche blühten in der Vollkraft der Jugendzeit. Der König ſprach erhebende und für das Heil des Thrones und des
Vaterlandes und ſeiner Bürger begeiſternde Worte zu den umher in dichten Reihen Aufgeſtellten und unternahm es
ſogar, ſelbſt die Namen der Einzelnen vorzuleſen und Jeden der Berufenen näher zu betrachten.
„Guſtav Walther!“ las der König.
„Hier!“ rief laut der Genannte und trat vor.
Der König betrachtete genau den Rekruten und als er deſſen vortreffliche militäriſche Haltung bemerkte, ſchien ſeine Stirne ſich plötzlich in Falten zu legen. Seine Blicke ſchauten finſter. Er wandte ſich zu dem Gouverneur und erfragte bei demſelben, ob nicht ein Guſtav Walther zum Officier beſtimmt geweſen ſei, der aber den Abſchied ver⸗ langt habe. Der Gouverneur bejahte die Frage mit dem Zuſatze, daß dieſer Rekrute derſelbe Guſtav Walther ſei.
Der König warf einen durchbohrenden Blick auf den Rekruten, dem die Wangen hochroth glühten.
„Den alſo hat Sucht nach Geld zu dieſer Selbſter— niedrigung hinabgeſtoßen. Wenn ich ſeine Talente und ſeine Fortſchritte bisher achtete, ſo bleibt mir tief verhaßt gerade dieſes Einſtehen für eines reichen Mannes Sohn, Dem kann ich kein Vertrauen ſchenken, da derſelbe die frühere Ehrenbeförderung ausſchlug, darum ſoll er jetzt auch des Dienſtes entlaſſen werden!“
Der König ſchwieg und ſein Auge hing an den Mienen Guſtav's. Des Königs herbes Wort aber wan— derte von Mund zu Munde bis zu den Spalieren der Zuſchauer hin.
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Hermann Walther vergoß Thränen bei den Worten
„Sein Vater iſt dann verloren!“ murmelte der Haupt⸗ mann des Regiments leiſe vor ſich hin.
Der König wandte betroffen ſich ſeitwärts und ver⸗ langte Kunde zu der vernommenen Bemerkung. Der Hauptmann ſtarrte in ſichtbarer Verlegenheit und die Großwürdenträger umher zitterten für ihn.
Der Hauptmann wollte reden, wurde jedoch durch die ſeltſamſte Erſcheinung von ſeiner Erklärung abgehalten. Ein ehrwürdiger Greis, in den Graurock der Gefangenen gehüllt, auf der Stirne die Furchen tiefen Kummers, ſchwankte daher und drängte ſich durch die Reihen. Mit aufgehobenen Händen näherte ſich der Alte dem Könige und ſank in die Knie vor demſelben und rief mit lauter Stimme:„Ew. Majeſtät, Guſtav Walther iſt mein Sohn! Ich bin ſein Vater, glücklich durch dieſen Sohn! Gnädig⸗
ſter König, verachtet ihn nicht, den Armen, denn er iſt
reich an Liebe! Er hat mich aus dem Kerker mit der Ein— ſtandsſumme gerettet! Gnade, Gnade gebt dem braven Sohne!
Der König ſtand bis in das Innerſte des Herzens gerührt und ſah bald auf den Sohn und bald auf den Vater.
„Der Schein hat mich betrogen!“ ſprach der Monarch und befahl den Umſtehenden, den Greiſen aufzurichten. Er ſelbſt bot ihm die Rechte und verlangte die nähere Beleuchtung dieſer Sache. Hermann Walther erzählte mit vielen Unterbrechungen unter Thränen die Großthat ſeines Sohnes und fiel demſelben um den Hals und küßte ihn. Ein heiterer Sonnenſtrahl ſiel eben auf die Gruppe und ſchien den glücklichſten Vater und den biedern Sohn mit ſeinem Lichte zu verklären. N
„Du biſt nun mein Adjutant!“ ſprach bewegt der König und reichte ihm einen mit Brillanten verzierten Orden dar.„Nimm dieſen Orden, er ſei kein Lohn, ſondern nur eine Anerkennung Deiner Edelthat! ſie beſſer dort Oben dereinſt belohnen!“
Der König ließ dem Alten eine Geldſumme zum Ge⸗ ſchenke einhändigen und beglückwünſchte ihn laut, daß er einen ſo vortrefflichen Sohn und einen ſo nützlichen Men⸗ ſchen der bürgerlichen Geſellſchaft erzogen habe.
Hermann Walther, Guſtav und Dorothea lebten jetzt unendlich beglückt und vergaßen auch nicht ihren heißen, aufrichtigen Dank an den Muſtkalienhändler.
Guſtav-Adolf-Stiftung.
Indem ich den Empfang der Jahresbeiträge zur G.⸗A.⸗St. pro 1850 aus den Gemeinden Fauerbach II. mit 5 fl. 6 kr., Melbach 9 fl. 9 kr., Rendel 8 fl. 11 kr. dankbarlichſt beſcheinige, erſuche ich zugleich diejenigen Orts⸗ vereine, welche dem Verbande des Wetterauer Zweigvereins angehören, ihre Beiträge nunmehr an den Caſſirer des Vereins, Herrn Apotheker Wahl zu Friedberg, gefälligſt
einſenden zu wollen. Dr. Matthias, Seer.
Gott ſelbſt wird
Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.
d U N Edictalla dung.
(281) Gegen Adolph Eſchbächer zu Rocken⸗ berg hat Großh. Hofgericht formellen Concurs erkannt. Alle bekannte und unbekannte Anſprüche find daher im Termin Mittwoch den 2. April 1. J., Vormittags 9 Uhr,
bei Vermeidung des Rechtsnachtheils anzumel⸗ den und zu begründen, daß ſonſt ohne weiteres Präcluſivdecret Ausſchluß von der Maſſe eintritt. Butzbach den 4. Februar 1851. Großh. E 0 Landgericht 79055
Edietalla dung. (317) Da zur Sprache gekommen, daß die ſchon ſeit lange Zelt in völlig unbekanntem Aufenthalt abweſenden Brüder Ehriſtian Weil und Johann Gilbert Weil von Bellersheim öffentlich aufzurufen ſeien, damit wegen ihrer
Beerbung verfügt werden könne, ſo werden die⸗ ſelben aufgefordert, ſich innerhalb 3 Monaten anzumelden, indem ſonſten ihr Ableben unter⸗ ſtellt und demgemäß weiter verfügt werden wird. Hungen den 13. Februar 1851. Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann. Edictalla dung.
(318) Bei der Güterabgabe von Seiten der Wittwe des Adam Reuhl IV. von Holzheim
iſt zur Sprache gekommen, daß auf das über⸗ gebene Gut noch 70 fl. an Chriſtoph Wellers
——
bon 18,000* ſhreibungen 1 dieer Schuld
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Rödelheim
Mai (842) rate tags 10 Uhr ſoll an dem Bahndan auſchagt zu dle Sülle, unter den gemacht werdende di Minigſnehmt Friedberg del Der Gro d
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