Ausgabe 
17.1.1854
 
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(Annaberger Wochenblatt.) Als ich am 19. dieses, am Mittage nach dem Brandun glücke, noch zuletzt mit den Meinen und der geret⸗ teten Habe an der Brandstätte ohne Obdach stand, nahm uns der Mühlenbesitzer, Herr Carl August Lötsch, in seine Wohnung und wegen beschränkten Raumes noch andere gute Freunde unser Vieh u.. w. auf.

Im Dresdener Anzeiger wird für eine Familie auf dem Lande eingeistreiches Stubenmäd⸗ chen gesucht.

Ein kleiner Assessor war mit dem Actuar auf dem Lande bei einem Bauer wegen eines Inven⸗ tars sehr beschäftigt und als sie so weit fertig waren und die Papiere zusammen machten, hatte der Bauer sehr vorsichtig ein Würstchen eingewickelt und sagte zu dem kleinen Assessor:Klahner da, weil De so fleißig geschriwe host, nemm Deim Votter doas Wärschtche mit.

Ein junges Mädchen, welches darin geübt ist, Zöpfe zu drehen, wünscht beschäftigt zu sein.

Die Rechtskandidaten(Softa's) in Konstan⸗ tinopel haben einen Aufstand erregt, wie man sagt, aus Unmuth darüber, daß der Divan sich zum Frieden neige. Diese Bewegung scheint sich den Rechtskandidaten in Gießen mitgetheilt zu haben, denn auch unter diesen will man kurze Zeit nach⸗ her eine heftige Aufregung bemerkt haben. Auch hier soll der Grund der Aufregung darin zu suchen gewesen sein, daß der Kampf, in dem es sich um ihr Sein oder Nichtsein handelt(das Examen) noch hinaus geschoben werden soll. Doch wäre das Gefühl eher ein freudiges, als ein schmerz⸗ liches zu nennen gewesen.

Unser Wissen ist Spickwerk, rief ein Can⸗ didat der Mediein seinem Nachbarn zu, als er noch vor Glockenschlag seine Spicker in Ordnung brachte.

Ein Urkopf, der entrüstet neulich unsere Stadt verließ, ist bereit, dieselbe wieder zu be⸗ treten, wenn deren Einwohner ihm mit einem persönlichen Schutz entgegen zu kommen, sich bereit erklären.

Gartenwirthschaft.

Herr Meyer(aus Franksurt): Kellner, bringen Sie fünf Fußbänkchen für die Damen, ein Glas Wasser und die Seitung.

Kellner: Sie befehlen doch ein Glas Zuckerwasser?

Herr Meyer; Ach, was Zuckerwasser! den Zucker haben wir mitgebracht.

Unterofficier: Müller, woran erkennen Sie Ihren Premierlieutenant?

Müller: An dem viereckigten Glas, welches immer in's Oge steckt.

Bei der kirchlichen Gedächtnißfeier für den seligen König von Sachsen redete ein Kanzelredner in Meißen die vorzüglich aus Beamten, Com munalgarde und Officianten der dasigen Königl. Porzellan-Fabrik bestehende Versammlung folgen⸗ dermaßen an:Tiefgebeugte Leichenversammlung! Niedergeschmetterte Porzellan- Fabrik! Trauriges Militär!

Neulich bei einem nächtlichen Straßeuseandal gebrauchte ein ausgetretener Fuchs seinem Wider⸗ sacher gegenüber die Worte: Gehen Sie los! Nicht wenig war aber der Renonge a. D., der das Wortlosgehen in der Bedeutung von weggehen gebraucht hatte, verblüfft, als ihm die Worte entgegen tönten!:Ja, ich gehe los auf jede Forderung hin, die Sie mir stellen. Aber Sie scheinen mir gerade Derjenige zu sein, der sich etwas vor der blanken Klinge fürchtet!

Uech begreufe nücht, daß düser Schnöb nücht schon früher geschmolzen üst, da du Stadt Güßen doch mütWolkenbrüchen so söhr gesögnet üst.

Den 9. Januar 1854, Zwickguer.