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Hauptmann v. H. rückgängig machte, da vieles Reiten wegen meines Fußes nicht gut wäre; es war mir ganz recht, als er es mir nachher sagte. Ich war als Zugführer bei dem 6. Geschütz. Bald nach 7 Uhr begannen wir, Infanterie und Artillerie bei Servon zu beschießen. Um 9 Uhr bekamen wir selbst heftiges, wohlgezieltes Granat- und Schrap⸗ nellfeuer; unsere Stellung war ziemlich offen. In meiner Nähe schlugen mehrere Granaten ein. Wir hatten unser Feuer unterbrochen und uns gedeckt; ich stand gebückt hinter dem Munitionshinterwagen, der neben dem Geschütz aufgestellt war. Plötzlich erhielt ich einen furchtbaren Schlag in die rechte Seite. Ich verspürte starke Schmerzen, und bald floß das Blut. Ich war durch einen Granatsplitter in der Seite verwundet worden und hatte die Empfin⸗ dung, als müsse es ein faustgroßes Stück gewesen sein. Wie ich später erfuhr, war der Splitter erst durch zwei Wände des Muni⸗ tionshinterwagens hindurchgegangen, wo⸗ durch seine Gewalt schon sehr abgeschwächt war; er war etwa 2 em groß. Erst nach 2 Jahren, als ich zum zweitenmal im Laza⸗ rett war, wurde das Sprengstück gefunden, und zwar dicht neben der Wirbelsäule, wo es sich eingekapselt hatte und noch heute sitzt. Die Luft ging mir aus, aber ich blieb bei Besinnung. Mein erster Gedanke war: Wie konnte das kommen? Ich hatte das feste Vertrauen zu Gott, daß er mich wohl⸗ behalten zu den Meinen zurückführen werde. Als ich von meiner Frau Abschied nahm, sagte ich aus innerster Ueberzeugung zu ihr: Wir sehen uns wieder; mir ist es nicht, als wenn das ein Abschied fürs Leben wäre. Als das feindliche Feuer schwieg, legte mir der schon früher erwähnte Gefreite Kunz mit Hilfe der anderen Kanoniere einen Not⸗ verband an; ich hatte schon viel Blut ver⸗ loren. Ich wehrte zuerst ab, da ich dachte, es habe keinen Wert, ich sei doch verloren; aber Gefreiter Kunz war energisch. Fast zwei Stunden dauerte es, bis ich, mit mei⸗ nem Umhang zugedeckt, auf einer Tragbahre weggebracht wurde. Bei den Protzen bat ich Dr. Knell, meine Angehörigen zu be⸗ nachrichtigen, und wurde dann nach Condé lez Autry zur Krankensammelstelle ge⸗ tragen, wo man mich im Schulhaus auf ein Bett legte und meinem Schicksal überließ. Da dauernd neue Verwundete kamen, hatten die Aerzte alle Hände voll zu tun. Ich hatte heftige Schmerzen und konnte mich nicht bewegen. Ich hörte ganz nahe die französi⸗ schenRatschgranaten krepieren und wünschte, in meiner hilflosen Lage bald von da fortzukommen. Aber erst um 6 Uhr abends wurde ich, nachdem ich eine Mor⸗ phiumspritze erhalten hatte, in einen Ver⸗ wundetenwagen gebracht; neben mir lag ein Kanonier meines Zuges, der nach mir ver⸗ wundet worden war. Die nun folgende Fahrt war nicht unangenehm. Der Wagen federte

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gut, die Schmerzen waren infolge des Mor⸗ phiums gering und ich durch dasselbe wohl auch etwas benommen. In Antry wurde ich verbunden, dann in einem Bauernhaus eine schmale Treppe hinaufgetragen und auf Stroh zu anderen Verwundeten gelegt. (Fortsetzung folgt.)

Der hessische Diakonieverein.

In diesen Tagen wird in Gießen eine Haussammlung für den Hessischen Diakonie⸗ verein veranstaltet. Wer eine Anfrage oder Mitteilung an diesen Verein zu richten hat, der möge sich an den Vereinsgeistlichen Herrn Konsistorialrat und Militärober⸗ pfarrer a. D. Noack in Darmstadt(Herder⸗ straße 10) wenden. Bei der segensreichen Arbeit, die der Verein betreibt, empfehlen wir unseren Gemeindegliedern herzlich die Haussammlung, die durch Frau Luise Müller erhoben wird. Ueber die Tätigkeit des Ver⸗ eins orientiert folgender Bericht für das Jahr 1919:

Unsere Arbeit gedieh auch im abgelaufenen Jahre. Freilich, die Schwierigkeiten waren. groß. Der Verkehr mit den Stationen war erschwert, zeitweilig im besetzten Gebiet ganz unterbunden. Aber unsere Schwestern standen auf ihrem Posten. Die Teuerung drückte uns hart und liegt noch schwer auf uns. Wütete auch die Grippe nicht so furchtbar wie im Jahre 1918, so spannte doch die Pflege der von dieser Krankheit Befallenen lange Zeit unsere Kraft bis aufs äußerste an. Häufig mußten unsere Schwestern bis zur Erschöpfung arbeiten. Wir hätten Schwestern aus dem Boden stampfen müssen, wenn wir allen Hilferufen hätten ent⸗ sprechen wollen. Aber wir haben alle irgend verfügbaren Schwestern in den Kranken- und Gemeindedienst eingestellt und darin be⸗ lassen. Unsere Privatpflegestation(so nötig sie ist) wurde aufgelöst, das Seminar nur sehr schwach besetzt. Das alles um zu helfen, soweit es irgend möglich ist.

So wurden die Gemeindepflegen in Mom⸗ menheim, Nieder⸗Saulheim, Fürfeld, Alzey, Habitzheim und Wallerstädten neu besetzt. Heppenheim erhielt die zweite, die Cornelius Heylschen Werke in Worms die zweite und dritte Schwester.

Notgedrungen haben wir ein eigenes Haus kaufen müssen(Darmstadt, Martinstr. 79). Unsere seitherige Wohnung wurde uns ge⸗ kündigt, eine andere war nicht zu haben. Am 27. November tagte unsere Schwestern⸗ versammlung zum erstenmal im neuen Heim. Geräumige, helle Zimmer bieten unseren Schwestern geeignete Unterrichts- und Wohn⸗ räume. Wir sind geborgen. Durch die Hilfe

unserer Freunde wurden wir in den Stand

gesetzt, sogleich 20 000 Mk. von dem Kauf⸗ preis(75000 Mk.) anzuzahlen; auch konn⸗ ten wir eine zweite Hypothek von 13 000 Mark, die auf dem Hause lastete, tilgen. Immerhin betragen die auf dem Haus ruhen⸗