halten wir Befehl, uns rechts zu wenden und marschieren über Dommartin la Planchette bis Chaudefontaine. Hier wurde ich um 11 Uhr beauftragt, im Dorfe für die Abtei⸗ lung Quartier zu machen. Dasselbe liegt an der Aisne, nach Süden und Westen von An⸗ höhen überragt. Ich reite mit einem Unter⸗ offizier in das Dorf, in dem sich viele Be⸗ wohner befinden. In einem ausgedehnten Brauereianwesen könnte fast die ganze Ab⸗ teilung unterkommen. Aber mein Quartier⸗ machen war umsonst. Da der Feind energisch nachdrängte, war die Abteilung während meiner Abwesenheit auf den Höhen in Stel⸗ lung gegangen. Heute wird also wohl ebenso wenig aus der Ortsunterkunft etwas werden wie gestern, wo die Infanterie uns den zuge⸗ wiesenen Platz wegnahm.
Auf dem Marsche regnete es zeitweise toll, auch schlug uns ein feiner, scharfer Hagel schmerzend ins Gesicht. Dann wurde es sonnig, und ich erfreute mich des hübschen Landschaftsbildes, rechts der Argonnenwald, links eine sich weithin dehnende Ebene mit vielen Ortschaften, die wir zum Teil auf
unserem Vormarsch berührt haben.
14 Auf der Marschstraße hatten sich zeitweise drei Kolonnen nebeneinander gedrängt, in der Mitte Wagen mit Verwundeten, die aus
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schlafen. Heute war ein scheußlicher Tag. Zu essen gab es nur Brot und kaltes Fleisch. Gestern wurde uns gesagt, wir räumten unsere Stellung, um der Armee des deut⸗ schen Kronprinzen Platz zu machen; heute hören wir, wir sollten eine entstandene Lücke ausfüllen, in der englische Truppen durchzubrechen versuchten. Was ist daran wahr? 5
Von diesem Marsch ist mir noch eine Unterhaltung in Erinnerung. Ich ritt nach⸗ mittags mit Dr. Knell zusammen; wir hatten uns sehr aneinander angeschlossen und oft die Nachrichten aus der lieben hessi⸗ schen Heimat ausgetauscht. Wir sprachen über die Zeit nach dem Kriege, und da meinte Dr. Knell:„Wie schön, wenn Sie später mit dem Eisernen Kreuz geschmückt wieder in Ihrem Kriegerverein wirken können!“ oder so ähnlich. Ich erwiderte: „Wie soll ich zum Eisernen Kreuz kommen? Ich tue meine Pflicht, aber etwas Besonderes werde ich nicht leisten.“ Man dachte damals noch anders über die Verleihung des Eiser⸗ nen Kreuzes.
14. 9. 1914. Um 9 Uhr erhalten wir Marschbefehl, aber es stecken noch so viel Kolonnen im Ort, daß wir nicht aus dem Bahnhof heraus können. Dabei hören wir
den aufgehobenen Feldlazaretten zurück⸗ gebracht werden. An einem Wagen öffnet ein Stabsarzt den Vorhang, um sich zu erkun⸗ digen, wo wir sind und wie es steht. Ich er⸗ kenne in ihm den Dr. Hayer aus Darmstadt (vom Res.⸗J.⸗R. 116), der sehr erfreut ist, einen Bekannten zu sehen. Er ist an Blind⸗ darmentzündung erkrankt und sollte im f Lazarett liegen bleiben, verlangte aber seinen J Abtransport, da er nicht in Gefangenschaft geraten wollte. Ich beruhigte ihn über unsere Lage, obwohl sie mir auch recht wenig gefiel, und sagte, er könne wohl bald auf die Bahn und dann in die Heimat kommen. Er war sichtlich erleichtert, als wir uns mit Händedruck verabschiedeten.(Wie ich später hörte, starb er unterwegs.)
Nachmittags nähert sich unserer Stellung lebhafter Artilleriekampf. Kurz nach 4 Uhr verlassen wir die stürmische Höhe, müssen aber am Eingang von Chaudefontaine fast 2 Stunden warten, da immer noch Truppen auf der Straße, von St. Ménehould kom⸗ mend, durchmarschieren. Der Feind kommt 1 immer näher, die Schrapnells platzen schon l mahe bei uns. Endlich geht es weiter, aber es
schiert in der Nachhut im schönen Aisnetal über la Neuville au Pont, vor dem die 6. Batterie nochmals auf einer Höhe in 6 Stellung gehen 9 Gegner etwas aufhalten muß, nach Vienne la ville, wo die Batterie endlich um 10½ Uhr, auf dem Bahnhof zwischen den Schie⸗ nen aufgestellt, zur Ruhe übergeht. Die Pferde bleiben angespannt, wir legen uns zwischen den Pferden in der Güterhalle
gibt häufig Stockungen. Die Abteilung mar⸗
und den nachdrängenden
schon die ganze Zeit nahe vor dem Ort In⸗ fanterie- und Maschinengewehrfeuer. Die ganze Abteilung steckt im Bahnhofsgelände und kann nur aus einem Ausgang heraus. Die Lage ist höchst ungemütlich. Um 10 Uhr kommen wir endlich in Marsch. In einem Hause spielt ein Orchestrion frohe Weisen, welch ein l i i 6. Batterie muß wieder zur Deckung des Rückzugs— um einen solchen handelt es sich doch offenbar— in Stellung gehen. Ueber das malerisch auf einer Höhe gelegene St. Thomas gelangen wir nach Servon, vor dem wir eine Aufnahmestellung beziehen. Um 4 Uhr gehen wir weiter zurück und nehmen eine Stellung westlich la Mare aux boeufs ein, in der wir uns halten sollen und eingraben. Wir feuern auf die feindliche In⸗ fanterie, die in Servon eindrang, nachdem der letzte Mann von uns kaum das Dorf verlassen hatte. Abends gab es endlich wieder einmal warme Suppe. Wir schlafen bei den Geschützen auf Stroh ohne Zelt; es ist windig und regnerisch. Die Erinnerung an diese drei Tage des Rückzugs ist die unange⸗ nehmste aus der ganzen Kriegszeit. 15. 9. 1914. Das Zurückgehen scheint end⸗ lich vorüber zu sein. Wenn wir uns auch immer noch gut und fast ohne Verluste aus den einzelnen Stellungen herauszogen, so empfanden wir das Zurückgehen doch sehr unangenehm, zumal nachdem wir die ersten 14 Tage wie toll vorgegangen waren. Die Gründe, die uns für das Zurückgehen an⸗ gegeben wurden, sind nicht sehr einleuchtend, 16. 9. 1914. Gestern sollte ich Ordonnanz⸗ offizier bei der Abteilung sein, was aber
Mißklang in dieser Lage. Die
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